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Corona überholt Erkältungen: Auf dem Weg zur Rekord-Infektionssaison
Update: Dieser Beitrag zeigt die Daten für die Woche bis zum 29. Oktober. Die aktuellsten Zahlen gibt es hier: Die Zahl der nachgewiesenen Coronainfektionen ist im Vergleich zur Vorwoche noch einmal deutlich angestiegen. In der Woche bis zum 29. Oktober zählte das Robert Koch-Institut nun 17.222 durch Labore offiziell bestätigte Infektionen mit Sars-CoV-2. In der Woche zuvor waren 13.618 Fälle gemeldet worden. Da aktuell aber nur noch Patienten getestet werden, die mit Symptomen einer Covid-19 in einem Krankenhaus behandelt werden, stellt diese Zahl Schätzungen zufolge nur etwas mehr als ein Prozent der tatsächlichen Ansteckungen dar. Auf die deutlich höhere Zahl von Ansteckungen weist das Dashboard der SentiSurv-Studie der Mainzer Universitätsmedizin hin. Demnach lag die Sieben-Tage-Inzidenz, also die Zahl neuer Ansteckungen pro 100.000 Einwohner, in der Woche bis zum 1. November bei 1394. Daraus ergeben sich rechnerisch etwa 1,2 Millionen neue Ansteckungen für ganz Deutschland. Basis dieser Schätzung ist ein sogenanntes Panel von rund 10.000 Erwachsenen in Rheinland-Pfalz. Diese Teilnehmenden testen sich, unabhängig davon, ob sie Symptome haben oder nicht, einmal pro Woche auf eine Ansteckung mit Sars-CoV-2. Auf diese Weise sei es möglich, die Zahl der Coronainfektionen praktisch ohne Dunkelziffer erfassen zu können, da auch Ansteckungen mit wenig bis keinen Symptomen entdeckt werden, so an der Studie beteiligte Forscher. Laut RKI ist nach wie vor die Coronavariante Eris (EG.5) dominant. Sie wurde in 48 Prozent der exakt bestimmten Stichproben entdeckt. Die wegen ihrer starken Mutation ebenfalls unter Beobachtung stehende Variante Pirola (BA.2.86) taucht nun insgesamt in vier Prozent der Fälle auf. Weder Eris noch Pirola verursachen nach aktuellem Kenntnisstand schwerere Erkrankungen als die zuvor gängigen Coronaversionen. Das Robert Koch-Institut, das jede Woche Stichproben von Virusinfektionen analysiert, stellt in seinem aktuellen Wochenbericht fest, dass erstmals Sars-CoV-2 die gängigen Rhinoviren überholt hat. Beim sogenannten Sentinel nehmen beteiligte Arztpraxen Proben von Patienten, die sich mit Symptomen einer Atemwegsinfektion vorstellen. Diese Proben senden die Praxen an zentrale Labore des RKI, wo die enthaltenen Viren genau bestimmt werden. Von 88 Proben mit Viren enthielten vergangene Woche 39 SARS-CoV-2 (44 Prozent). Rhinoviren, die gewöhnlichsten Erreger des normalen Schnupfens, tauchten dagegen nur in 37 Proben auf (42 Prozent). Üblicherweise sind die Rhinoviren fast immer der häufigste gefundene Erreger. Neben diesen beiden wurden aber auch achtmal Parainfluenza-Viren entdeckt, die zu den Erregern grippaler Infekte gehören (neun Prozent). Außerdem gab es vereinzelte Nachweise von RSV, hMPV und humanen Coronaviren. Influenza, die Erreger der echten Grippe, tauchen nach wie vor ebenfalls nur vereinzelt auf. Mit dem Umfragewerkzeug Grippeweb erfasst das RKI zudem einmal wöchentlich freiwillig gemeldete Atemwegsinfektionen, die nicht durch Labore bestätigt wurden. Demnach haben sich in der Woche bis zum 28. Oktober etwa 7,1 Millionen Menschen in Deutschland neu angesteckt. Das entspricht etwa 8,5 Prozent der Bevölkerung. Die Quote ist 0,5 Prozent höher in der Vorwoche und liegt deutlich über zum gleichen Zeitpunkt in den Vorjahren erhobenen Werten. Sie ist aber noch niedriger als zum Höhepunkt der Rekord-Erkältungssaison vergangenes Jahr. Damals waren Mitte Dezember über elf Prozent der Menschen in Deutschland erkrankt. In den Krankenhäusern ist die Situation laut dem RKI-Bericht weiterhin stabil. Eine Überlastung der Intensivstationen mit sogenannten schweren, akuten, respiratorischen (also die Atemwege betreffenden) Infektionen (Sari) droht derzeit nicht. "Die Sari-Inzidenz ist in der 43. KW 2023 in den meisten Altersgruppen weiterhin niedrig und liegt bisher noch unter den Werten der Vorsaison", heißt es im Wochenbericht.
mdr.de
Die Zahl der Atemwegserkrankungen nimmt weiter zu und liegt weit über dem Niveau der Vorjahre. Bei Labortests wird das Coronavirus inzwischen häufiger gefunden als Rhinoviren, die gewöhnlichen Erreger von Erkältungen.
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Startseite
2023-11-09T14:41:09+01:00
2023-11-09T14:41:09+01:00
https://www.mdr.de//wissen/corona-infektionen-schnupfen-erkaeltungen-lage-deutschland-104.html
Pistorius hält Wiederbelebung der Wehrpflicht für möglich
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius hat eine Rückkehr zur Wehrpflicht nicht ausgeschlossen. Wie der SPD-Politiker der Wochenzeitung " Die Zeit" sagte, war es ein Fehler, die Wehrpflicht 2011 auszusetzen. Er will bis Ostern Pläne über die künftige Struktur der Bundeswehr vorlegen. Pistorius fügte hinzu, dann werde man sehen, was das für die Größe der Bundeswehr und alles andere bedeute. Zwar werde die Wiedereinführung der Wehrpflicht zu großen verfassungsrechtlichen und strukturellen Problemen führen. Doch die Diskussion darüber werde Fahrt aufnehmen, erklärte er weiter. Generell müssten die Deutschen zu einem Mentalitätswechel bereit sein. "Wir müssen jetzt wieder in der Lage sein, einen möglichen Aggressor abzuschrecken." Die Bundeswehr müsse "kriegstüchtig" sein, "ob das allen gefällt oder nicht." Die Rückkehr zur Wehrpflicht ist immer wieder Thema in politischen Debatten. Zuletzt vor einem knappen Monat auf der Bundeswehr-Tagung. Der Bundeswehrverband hatte die Wiedereinführung als letztes Mittel zur Personalgewinnung bezeichnet. Insgesamt müsste es aber wieder attraktivere Bedingungen geben. Derzeit leisten gut 181.000 Soldateninnen und Soldaten Dienst. Dazu kommen 81.500 zivile Beschäftigte. Die Sollstärke beträgt 203.000 Soldaten. AFP, Reuter (lmb)
mdr.de
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius hat eine Rückkehr zur Wehrpflicht nicht ausgeschlossen. Bis Ostern will er Pläne über die künftige Struktur der Bundeswehr vorlegen.
[ "wehrpflicht", "bundeswehr", "armee", "pistorius", "sicherheit.verteidigung", "ministerium", "spd" ]
Deutschland
2023-12-06T20:05:21+01:00
2023-12-06T20:05:21+01:00
https://www.mdr.de/nachrichten/deutschland/politik/pistorius-wehrpflicht-wieder-einfuehren-sicherheit-100.html
Wenn uns freche Forschende das CO2 einfach von der hohen Kante klauen
Tag zusammen! So, ich war gerade in Versuchung, Ihnen das heutige Thema schmackhaft zu machen, indem ich den Inflations-geschröpften Geldbeutel der Verbraucherinnen und Verbraucher als Vergleich heranziehe. Hatte ich mir so überlegt. Mein Chef schimpft aber immer, wenn ich schiefe Bilder fabriziere und in diesem Fall täte er das wohl mit Recht. Fest steht: Das Fünf-Euro-Scheinchen im Portemonnaie reicht nicht mehr ganz so lange, wie noch vor zwei Jahren gedacht. Aber immerhin kommen am Monatsende wieder ein paar neue Scheinchen hinzu. Beim CO2-Budget ist es erst mal ähnlich: Es reicht nicht mehr ganz so lange, wie vor zwei Jahren gedacht – also zehn weitere, um das 1,5-Grad-Ziel doch noch erreichen zu können. Sondern nur noch halb so lang, sagen Forschende jetzt. Eine CO2-Inflation sozusagen. Was dem Vergleich ein Hinken bereitet: Beim CO2-Budget gibt es keinen Zahltag am Monatsende, an dem uns frisches Guthaben überwiesen wird. Diesbezüglich leben wir alle als Privatier oder Privatière. Da kommt so eine CO2-Inflation wirklich ungelegen. Warum das kein Grund zum Verzweifeln ist, klären wir heute. … Tonnen CO2 gedenkt Gianluca Grimalda einzusparen, indem er die Rückkehr von einer Forschungsreise aus Papua-Neuguinea nicht in zwei Tagen per Flugzeug unternimmt, sondern in zwei Monaten per Wasser und Land. Die eingesparte Menge entspricht mehr als das klimaverträgliche CO2-Budget eines Menschen pro Jahr. Die Entscheidung kostet ihn seinen gut bezahlten Job am Kieler Institut für Weltwirtschaft, das ihn zunächst bei seinen (noch) ungewohnten Reisegewohnheiten unterstützt hatte, jetzt aber ein Präsenz-Ultimatum setzte. Der Fall scheint besonders brisant, weil Grimalda zufolge eine Anwesenheit in Kiel nicht notwendig sei und er seine Arbeit unterwegs erledigen könne. Die ganze Geschichte hat die Tageszeitung aufgeschrieben. Wenn das Budget sowieso hinten und vorne nicht reicht, ist es im Grunde auch egal, wann es schlussendlich zur Neige geht. Na ja, fast: Statt gut 500 Gigatonnen CO2, wie sie im Weltklimabericht kommuniziert werden, stehen der Weltgemeinschaft nur noch 260 Gigatonnen zur Verfügung, um das 1,5-Grad-Ziel aus dem Pariser Klimaabkommen mit einer fünfzigprozentigen Chance zu erreichen. Damit wäre das CO2-Budget in sechs Jahren aufgebraucht, legt eine neue Studie nahe, die diese Woche im Fachblatt Nature Climate Change erschienen ist. Budget bedeutet in dem Fall Rest-CO2, dessen Ausstoß noch zur Verfügung steht, bevor wir theoretisch CO2-pleite sein und die globale Erwärmung eingedämmt haben müssten. Sie können sich vorstellen, dass die verlockend einfache Vorstellung vom großen Topf an CO2, aus dem wir uns beim Besteigen des Ferienfliegers, beim beherzten Biss ins Rumpsteak oder beim Drehen am Heizungsthermostat munter bedienen, mit großen Unsicherheiten behaftet ist. Aber dazu gleich. Zunächst steht die Frage im Raum, wie es die Forschenden schaffen, die doch sehr soliden Berechnungen des Weltklimarats infrage zu stellen. „Ein großer Teil der Senkung der Kohlenstoffbudgets ergibt sich aus der einfachen Tatsache, dass die Menschheit seit der Veröffentlichung des bislang letzten Budgets weiterhin jedes Jahr rund vierzig Gigatonnen CO2 ausstößt“, sagt Gabriel Abrahão vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung in einem Rundruf zum Thema des Science Media Centers. Wenn ein Budget von vornherein knapp bemessen ist, dann macht es sich eben besonders schnell bemerkbar, wenn man nicht sonderlich sparsam lebt. Zum anderen sind die starken Abweichungen durch einen ganz anderen Effekt begründet, ein aber ebenso spannender: Aerosole, also ein Gemisch aus festen oder flüssigen Teilchen und Luft. Genau gesagt geht es um die Aerosole, die durch die Verbrennung von fossilen Brennstoffen entstehen. Oder sagen wir einfach Luftverschmutzung, neben CO2 ein ungemütlicher Aspekt des fossilen Zeitalters auf regionaler Ebene. Die Schwebeteilchen haben allerdings einen kühlenden Effekt und sind so eine Art Sonnencreme für Mutter Erde: Inhaltsstoffe mitunter bedenklich, aber funktioniert halt. „Mit der Verbesserung der Luftqualitätsnormen und dem Ausstieg aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe wird diese kühlende Wirkung abnehmen, sodass die Erwärmung zunimmt, und somit das verbleibende Kohlenstoffbudget verringert wird“, erklärt Abrahão. Wenn Sie tiefer einsteigen möchten in die Kuriosität um die dicke Luft, die unseren Planeten kühlt: Bereits vor einem Jahr hat MDR WISSEN über Forschung der Uni Leipzig zum Thema berichtet. Und erst im August gab es neue Erkenntnisse: Der Effekt ist nicht sofort spürbar und unterscheidet sich regional. Die Wirkung von Aerosolen aufs Weltklima darf also weder überschätzt noch unterschätzt werden (wie es 2021 noch der Fall war). Und ist eine unsichere Angelegenheit. Hinzu kommt, dass wir von einem CO2-Budget sprechen, nicht aber von einem Treibhausgas-Budget. Dabei ist es wichtig zu wissen, „dass diese CO2-Mengen von Annahmen über die zukünftige Minderung von anderen wichtigen Treibhausgasen – etwa Methan und Lachgas – abhängig sind und genau diese Annahmen haben sich verändert“, sagt Oliver Geden von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin. Er weist zudem auf einen möglicherweise irreführenden Umstand hin: Das verbleibende CO2-Budget halbiere sich nach der Neuberechnung gar nicht, sondern gehe nur um ein Drittel zurück. Grund: Die 500 Gigatonnen CO2, die uns laut Weltklimarat noch bleiben, beziehen sich auf Startdatum 1. Januar 2020. Die Neuberechnung auf den 1. Januar 2023. Dazwischen liegen drei Jahre. Wenn man diese Zahlen also nicht für voll nehmen kann und sie sich ohnehin ständig ändern, was taugen sie dann überhaupt? Ein Anhaltspunkt für einzelne Länder, ihre verflixten Emissionen einzudämmen, sind sie schon mal nicht, sagt Oliver Geden: „Aufgrund ihrer permanenten Neuberechnung eignen sich globale Restbudgets nicht, um daraus nationale oder europäische Restbudgets abzuleiten, weil diese Richtungs- und Größenänderungen für die deutsche und europäische Klimapolitik nicht kurzfristig umsetzbar sind und jede klimapolitische Erwartungssicherheit untergraben.“ Das CO2-Budget ist aber sehr wohl ein passables Werkzeug, um – man möchte sagen: abermals – daran zu erinnern, dass die Uhr tickt und auch ein CO2-Budget vor einer Inflation nicht sicher ist. Es verdeutlicht auch, dass jede eingesparte Gigatonne Kohlenstoffdioxid ein wertvoller Beitrag ist, den Planeten vor einem Kollaps zu bewahren. Wie anfangs erwähnt, ist es dabei zweitrangig, wie viel CO2 die Weltgemeinschaft noch auf der hohen Kante hat. „Es ist fast irrelevant, ob das Budget bei gleichbleibenden Emissionen in sechs Jahren – wie in dieser Studie – oder in zehn Jahren – wie vorher gedacht – aufgebraucht ist“, findet der Klimaforscher Niklas Höhne, Leiter des New Climate Institute in Köln und Berlin. „Es ist in jedem Fall extrem eng. Und das ist keine neue Erkenntnis.“ Da die Treibhausgasemissionen derzeit nicht zurückgehen, sondern unpraktischerweise auch noch steigen, bleibt es trotzdem eine berechtigte Frage, ob uns das Klima einen Dispo gewährt. Und welche Überziehungszinsen wir bezahlen müssen. Sagen wir es mal so: Je geringer die Schulden, desto besser, „da jede eingesparte Tonne zu geringerer globaler Temperaturerhöhung führt und damit zu geringeren Schäden“, so Höhne. „Selbst wenn die 1,5 Grad für eine gewisse Zeit überschritten werden, könnte die globale mittlere Temperatur wieder sinken, wenn Emissionen auf null gesenkt sind und mehr CO2 aus der Atmosphäre entfernt wird.“ Dafür sei es ebenfalls von Vorteil, wenn vorher weniger emittiert wurde. Auch die Hamburger Klimaforscherin Tatiana Ilyina nimmt das Modell des CO2-Budgets in Schutz – und macht gleich noch auf einen Missstand aufmerksam: Die Berechnung dessen, was uns bis zur Überschreitung der 1,5 Grad Erderwärmung übrig bleibt, bleibt derzeit an einzelnen Studien hängen. Es ist sozusagen eine „akademische Tätigkeit, die den Wissenschaftlern und der unbeständigen Finanzierungssituation überlassen bleibt.“ Es brauche angesichts der Dringlichkeit stattdessen ein „Überwachungssystem für Treibhausgase, das alle Beobachtungs-, Modellierungs- und Vorhersagemethoden für Treibhausgasemissionen vereint.“ Um Dinge, die man für den Klimaschutz tut oder sein lässt, genauer zu verfolgen und auf den Prüfstand zu stellen, so Ilyina. Denn beim Privat-Portemonnaie mögen Stichproben ausreichend sein, ob die Verschwendungslust in der Quengelzone eines Supermarktes so noch tragbar ist. Aber in einem Großkonzern käme schließlich auch niemand auf die Idee, die Planung für das Jahresbudget ein paar ambitionierten Freiwilligen zu überlassen. Dienstag, 7. November – Online Kommt nach dem Deutschlandticket die Mobilitätswende? In Teil 3 der Reihe der Agora Verkehrswende geht es um die Umsetzung einer ÖPNV-Grundversorgung. Infos hier Donnerstag, 9.11. – Borna Der Nabu Sachsen geht im Seminar „Kompost anlegen“ unter anderem der Frage nach, was guter Boden mit Klimaschutz zu tun hat, ab 14 Uhr im Nabu Zukunftsgarten. Details Am Umweltforschungszentrum wird das Buch „Die resiliente Stadt – Konzepte, Konflikte, Lösungen“ vorgestellt, mit anschließender Podiumsdiskussion. Ab 14 Uhr geht es los, Infos hier und Buch kostenlos hier. Keine Allianz, aber Kooperation der Regenwald-Staaten Staaten mit den größten Regenwald-Gebieten der Erde wollen beim Schutz dieser wertvollen Ökosysteme stärker kooperieren. Das haben Regierungsvertreter der Anrainerländer von Amazonas und Kongo sowie des Gebiets Mekong-Borneo-Südostasien am Wochenende in Brazzaville vereinbart. An dem dreitägigen sogenannten Drei-Becken-Gipfel (Three Basins Summit) hatten Vertreter von Brasilien, Indonesien, der Republik Kongo und der Demokratischen Republik Kongo teilgenommen. In der am Sonnabend vereinbarten Abschlusserklärung bekräftigten die Teilnehmer ihre Absicht, die Abholzung der Regenwälder einzudämmen, die Artenvielfalt zu erhalten und den Klimawandel zu bekämpfen. Die drei Regionen enthalten demnach zwei Drittel der terrestrischen Artenvielfalt und stellen die Lebensgrundlage für mehr als eine Milliarde Menschen. Mehr bei MDR WISSEN Lebensmittelindustrie trägt große Verantwortung für Einsatz fossiler Brennstoffe Das sagt eine Studie der Global Alliance for the Future of Food. So sorgten Herstellung, Lagerung und Transport von Lebensmitteln für jährig 4,6 Gigatonnen CO2-Äquivalenten. Das entspreche dem Ausstoß aller EU-Staaten und Russlands zusammen. Die Autorinnen und Autoren der Studie fordern einen stärkeren Einsatz von Erneuerbaren in der Lebensmittelindustrie, Verzicht auf hoch verarbeitete Lebensmittel und die Überprüfung von Steuererleichterungen und Subventionen für die Agrarindustrie. Mehr zum Thema hat die dpa (via Süddeutsche Zeitung). Greenpeace behindert Verlegung von Pipeline-Rohr Mit zwei Tauchenden hat die Umweltorganisation gegen die Errichtung des LNG-Flüssiggasterminals vor der Küste der Insel Rügen protestiert. Die Behinderung der Bauarbeiten dauerte mehrere Stunden. Dabei hätten sich die Tauchenden in einem drei Meter tiefen Luftsack an einem Pipeline-Rohr aufgehalten. Zwischenzeitlich sei nicht klar gewesen, wie die Aktion beendet werden sollte, ohne das Leben der Tauchenden zu gefährden. Nach Aussagen von Greenpeace werde mit dem Bau des Terminals in fossile Infrastruktur und Überkapazitäten investiert, der Bund hält das. Die Aktivisten müssen sich jetzt für verschiedene Tatbestände verantworten. Greenpeace hatte bereits mehrfach den Bau gestört. Infos bei der Frankfurter Rundschau Wo doch bald Weihnachten ist: Ich oute mich an dieser Stelle als eine Person, die eher häufig als selten aktuelle Trends im Bereich der Klemmbausteine verfolgt. Lego, der größte Hersteller in diesem Milieu, steht zwar bei seinen Fanboys und -girls mitunter in der Kritik, seine Wurzel hinsichtlich Qualitäts- und Preispolitik vergessen zu haben. Aber an einer Stelle zahlt es sich aus, nicht allzu konservativ zu sein: Mittlerweile gibt es Sets mit Bioladen, Biobauernhof, Recycling-Auto, Elektroauto, Baumpflanzungsfahrzeug – und Tierschutz in Hülle und Fülle. Zeitgenössische Themen für Kids also. Soll ich Ihnen was verraten? Die genannten Bausteinsets sind alle Teil der Produktlinie, die sich ausschließlich an Mädchen richtet. Ich empfehle Ihnen an dieser Stelle noch einmal die Lektüre der Kollegin Inka Zimmermann zum Eco Gender Gap, falls sie die verpasst haben sollten. In diesem Sinne, passen Sie auf sich und die Welt auf. Und kaufen Sie Ihren Jungs Mädchenspielzeug. HerzlichFlorian Zinner Schreiben Sie uns an [email protected].
mdr.de
Gerade hat unser CO2-Budget noch für zehn Jahre gereicht – da waren's nur noch sechs. Aber warum?
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2023-11-03T11:15:39+01:00
2023-11-03T11:15:39+01:00
https://www.mdr.de/wissen/klima/klima-update-hundertdreizehn-cozwei-budget-kleiner-fuer-klimaziele-100.html
Rěčny kućik - Na serbskich wuwróćach
Znaty ze Žuric mi jónu powědaše wo swojim nanje, kiž stajnje praješe, zo bydli tu w Žuricach “na serbskich wuwróćach”. Dźe mi potajkim dźensa wo pluralowe słowo wuwróća. Tajke nastachu tam, hdźež so rólnik ze zapřahom zawróća. Němsce praji so tutomu dźělej pola “Angewende, Pfluggewende”. Z wuwróćemi je potajkim čwak zemje měnjeny, kiž leži na kromje abo na mjezy pola. Z toho nasta pozdźišo wužiwanje w přenjesenym zmysle, mjenujcy,na kromje někajkeho teritorija abo někajkeje płoniny. Tak čitamy na přikład w “Katolskim Posole” sćěhowace: “Štó by wěrił, zo naměriš wot sameho wuchoda Łužicy hač k zapadnym wuwróćam zdalenosć 150 kilometrow?“. Tajke a podobne přikłady namakamy w digitalnym korpusu hornjoserbšćiny a wone jasnje pokazuja na woznam wuprajenja, kiž sym na spočatku citowała, mjenujcy, zo Žuricy leža „na serbskich wuwróćach”. Z tym je wězo měnjene, zo leža Žuricy na kromje serbskorěčneho abo serbskeho sydlenskeho ruma. Ale budźmy sprawni, lubi připosłucharjo: Na serbskich wuwróćach bydlić klinči tola wo wjele rjeńšo, je bóle poetiske – abo? dr. Anja Pohončowa
mdr.de
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2021-04-28T10:15:00+02:00
2021-05-05T08:17:33+02:00
https://www.mdr.de//serbski-program/rozhlos/recny-kucik/artikel-926.html
Experte: Bei Gasanbieter-Wechsel nicht nur Preise im Blick haben
Jetzt schnell in einen Billigtarif wechseln: Aus der Branche selbst hört man diesen Rat nicht. Bei Zukunft Gas, dem Verband der Händler am Markt, ist man der Meinung: Gaskundinnen und -kunden sollten bei einem Anbieterwechsel nicht nur auf den Preis schauen. Ein Sprecher teilte MDR AKTUELL schriftlich mit: "Wichtig ist, dass der neue Anbieter über eine gewisse Erfahrung im Markt verfügt, wie dies beispielsweise bei den kommunalen Versorgern der Fall ist. Nur wer schon länger im Gasgeschäft aktiv ist, verfügt auch über eine langfristige Beschaffungsstrategie und kann so die kurzfristigen Schwankungen auf dem Markt ausgleichen." Heiko Lohmann ist langjähriger Berater im Gasmarkt und Kenner der Branche und beobachtet, dass gerade viele Billiganbieter mit Preisen werben, die eigentlich nicht kalkulierbar seien. Das könnten sie zum einen, indem sie spekulierten. "Das heißt, sie hoffen, dass die Preise weiter sinken und dass sie dann damit doch noch Geld verdienen können. Zum zweiten sind die Verträge in der Regel so gestrickt, dass man für die ersten zwölf Monate eine Preisgarantie hat, wenn überhaupt. Und wenn der Kunde dann nicht wechselt, dann wird er mit einem deutlich höheren Preis konfrontiert", erklärt der Experte weiter. Wechseln aber viele Menschen häufig den Anbieter, dann kann sich das auf den Markt auswirken. Denn wenn ein Billiganbieter pleite geht, fallen seine Kundinnen und Kunden zurück in die Ersatzversorgung, also üblicherweise bei den Stadtwerken. Dort habe man genau diesen Effekt schon Ende 2021 erlebt, schreibt ein Sprecher des Verbands kommunaler Unternehmen. Deshalb gebe es dort große Vorbehalte gegen die Empfehlung zum Anbieterwechsel. "Das gerade in den letzten zwei Jahren außerordentlich bewährte System strukturierter Beschaffung, das die Stadtwerke pflegen, würde so erneut enormen Belastungen ausgesetzt." Die Stadtwerke würden mit diesen Belastungen umgehen können, schätzt Gas-Experte Lohmann: "Zumal eben die Zahl der Kunden, die insgesamt wechseln, nach wie vor nicht so superhoch ist, viele Kunden sind eben doch loyal und sehen das." Er sagt jedoch auch: "Aber klar muss man dann sein Geschäftsmodell überprüfen, anpassen, überlegen, ob man die Grundversorgungspreise anders kalkuliert. Auswirkungen hat das schon auf die Stadtwerke, klar." Für die Kunden, die wechseln wollen, sei das Risiko dagegen begrenzt, sagt Lohmann. Selbst wenn ihr neuer Anbieter pleite geht und sie in die Grundversorgung zurückfielen, werde das für sie nicht so teuer wie noch während der Krise. Damals durften die kommunalen Versorger solchen aufgefangenen Kunden nämlich höhere Preise in Rechnung stellen als ihren Bestandskunden. Heute gehe das nicht mehr, erklärt Lohmann. Wechseln oder nicht, das sei für Kunden also vor allem eine Frage der persönlichen Präferenzen. Sprich: Ob es ihnen wichtig ist, um was für einen Anbieter es sich handelt, oder ob es ihnen nur darum geht, Geld zu sparen.
mdr.de
Bundesnetzagentur-Chef Klaus Müller hat Gaskunden geraten, vor Beginn der Heizsaison auf einen günstigeren Anbieter zu setzen. Jetzt sei ein guter Zeitpunkt. Experten warnen, dabei nicht nur auf Preise zu achten.
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Deutschland
2023-09-27T06:54:42+02:00
2023-09-27T06:54:42+02:00
https://www.mdr.de//nachrichten/deutschland/wirtschaft/bundesnetzagentur-gas-tarif-wechseln-preise-stadtwerke-100.html
Frische Schlotten aus Speisezwiebeln treiben lassen
Speisezwiebeln zum Austreiben findet man auf dem Wochenmarkt, beim Direktvermarkter oder unter den selbst angebauten Zwiebeln vom letzten Sommer. Ideal sind Zwiebeln, die schon kleine grüne Spitzen getrieben haben. Um das Treiben des Zwiebelgrüns zu fördern, brauchen die Zwiebeln Licht und Feuchtigkeit, erklärt Brigitte Goss. Hyazinthengläser sind besonders gut zum Austreiben geeignet. Sie sind so geformt, dass Zwiebeln auf einem Glasrand sitzen können, ohne das sie das Wasser im Glas berühren. Wenn kein Hyazinthenglas zur Hand ist, tut es aber im Grunde jedes Glas, in das die Zwiebel nicht reinfällt. Das Wasser wird bis kurz unter die Zwiebel aufgefüllt. Die Wurzeln "riechen" förmlich das Wasser und fangen an zu wachsen. Die Wurzeln, die sich auf diese Weise bilden, passen sich dem Millieu im Glas an und faulen lange nicht. Zwiebeln ohne Keimhemmung können nach etwa ein bis zwei Wochen beerntet werden. Die Zwiebel selbst wird weich. Sie kann dann noch für gekochte Speisen, Eintöpfe oder Soßen verwendet werden. Riechen Sie aber vor der Weiterverwendung der Zwiebel an ihr, manche werden muffig und schmecken dann nicht mehr. Generell bilden Speisezwiebeln beim Austrieb aber keine schädlichen Stoffe. Das Zwiebelgrün und weiche angetriebene Zwiebeln können also bedenkenlos in der Küche verwendet werden. Nicht jede Speisezwiebel ist zum Antreiben geeignet. Brigitte Goss hat es ausprobiert und eine eigene Zwiebel aus dem Garten genutzt und eine aus dem Supermarkt aufs Glas gesetzt. Die Zwiebel aus dem Supermarkt kam nicht aus den Startlöchern. Das liegt sehr wahrscheinlich daran, dass sie mit Keimhemmungsmittel behandelt ist, vermutet die Gärtnerin. Der Austrieb von grünen Blättern ist im Handel nicht erwünscht, denn die Küchenzwiebel verliert mit der Bildung der grünen Blattmasse an Qualität, ist nicht mehr lange haltbar und somit nicht mehr vermarktungsfähig.
mdr.de
Lust auf frisches Grün von der Fensterbank? Werden Zwiebeln auf ein Wasserglas gesetzt und ins Licht gestellt, treiben schnell grüne Schlotten aus. Gärtnerin Brigitte Goss erklärt, wie es geht.
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Genießen
2020-12-18T14:47:10+01:00
2022-01-27T16:59:49+01:00
https://www.mdr.de//mdr-garten/geniessen/zwiebel-schlotten-treiben-lassen-100.html
Hochschule für Musik "Franz Liszt" Weimar
Die Hochschule für Musik "Franz Liszt" Weimar bildet Musikerinnen und Musiker für sämtliche Orchesterinstrumente aus, dazu kommen Klavier, Gitarre und Orgel. Auch Gesang, Musiktheater, Komposition, Dirigieren, Musikpädagogik, Schul- und Kirchenmusik gehören zu den Studienfächern. Musiktheorie, Musikwissenschaft und Kulturmanagement ergänzen das Angebot. Mit der südkoreanisch-deutschen "German School of Music Weimar" bietet die Hochschule auch Lehrveranstaltungen im Ausland an. Sie trägt zudem jährlich den "Franz Liszt Klavierwettbewerb" und weitere erstklassige Wettbewerbe aus.
mdr.de
Die Weimarer Hochschule "Franz Liszt" war Deutschlands erste "Orchesterschule". Als erste deutsche Musikhochschule bildet sie auch im Ausland aus.
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Startseite
2024-06-28T20:15:27+02:00
2024-06-28T20:15:27+02:00
https://www.mdr.de//kultur/kulturpartner-hochschule-fuer-musik-franz-liszt-weimar-102.html
Recht-Schreib-Regeln
Das sind Regeln.Sie zeigen den Menschen:Wie sie Wörter schreiben sollen,damit alle Menschen die Wörter lesen können.
mdr.de
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Wörter-Buch
2021-09-01T12:26:52+02:00
2021-09-01T12:26:52+02:00
https://www.mdr.de/nachrichten-leicht/woerterbuch/glossar-Recht-Schreib-Regeln-100.html
Hoffnung auf deutsche Erfolge am Grenzadler
Die Biathlon-Euphorie ist ungebrochen. Gerade in Deutschland, wie sich zuletzt bei der World Team Challenge auf Schalke zeigte. Und bald können die DSV-Athleten für ihre Fans in der Heimat noch einen draufsetzen, denn nach dem Jahreswechsel beginnen die "deutschen Weltcup-Wochen". Vom 9. bis zum 12. Januar 2025 gibt sich die Biathlon-Elite in Oberhof die Ehre, vom 15. bis 19. Januar macht der Tross in Ruhpolding halt. Im Thüringer Wald stehen ab Donnerstag Sprints, Verfolgung und die Mixed-Staffeln auf dem Programm. Für Vanessa Voigt, Justus Strelow, Danilo Riethmüller, Philipp Horn und Simon Kaiser sind es ganz besondere Rennen, trainieren sie doch das Jahr über am Stützpunkt am Grenzadler. Einfacher wird es für die deutschen Skijäger dadurch aber nicht. Wieder einmal sind wechselnde Wetterbedingungen für Oberhof angesagt, und die Loipen durch den Thüringer Wald mit dem legendären Birxsteig haben es in sich. "Die Strecken in Oberhof fordern viel, aber – das haben wir gerade im Dezember unter Beweis gestellt – schwierige Bedingungen liegen uns. Die Ergebnisse aus dem Dezember geben uns Selbstvertrauen, aber wir wissen auch, dass der Erfolg von damals nun keine Garantie ist. ", erklärte Felix Bitterling, der Sportdirektor Biathlon im Deutschen Skiverband (DSV) in einer Mitteilung am Montag (6. Januar 2025). Besonders freut er sich auf die wieder einmal großartige Kulisse mit tosenden Zuschauern: "Im Biathlon sind die Fans unser "zwölfter Mann" – die Stimmung und Unterstützung entlang der Strecke tragen unsere Athleten auch an schwierigeren Tagen zu Höchstleistungen. Wir freuen uns darauf, gemeinsam mit euch ein echtes Biathlon-Fest zu erleben!" In Oberhof wird sich mit Franziska Preuß erstmals seit langer Zeit wieder eine Weltcup-Führende aus Deutschland ihrem Publikum zeigen. Die 30-Jährige vom SC Haag lieferte im bisherigen Saisonverlauf schon einige Galavorstellungen ab, die durch Siege im Sprint in Hochfilzen und in der Verfolgung in Annecy untermauert wurden. In starker Form präsentierte sich bisher auch die Thüringerin Vanessa Voigt, die zuletzt im Verfolger-Rennen in Annecy komplett fehlerfrei schoss und aufs Podium kletterte (Rang drei). Allerdings deutete sich schon da an, dass Voigt gesundheitlich angeschlagen ist. Das hatte zur Folge, dass die 27 Jahre alte Sportlerin vom WSV Rotterode an der Team Challenge in Gelsenkirchen nicht teilnehmen konnte. Für Voigt sprang Anna Weidel in die Bresche, die gemeinsam mit dem Schmiedeberger Justus Strelow in dem Event, das einer Single-Mixed-Staffel ähnelt, Rang zwei eroberte. Dritter wurde das DSV-Duo Franziska Preuß/Philipp Nawrath. Die Fachwelt zum Staunen brachte Danilo Riethmüller. Der Sachsen-Anhalter war im letzten Rennen des Jahres in Annecy sensationell erstmals aufs Weltcuppodest gelaufen. Der 25-Jährige kam im Massenstart nach einem starken Auftritt auf Rang zwei, auf Sieger Tarjei Bö fehlten nach 15 Kilometern und einer Strafrunde lediglich vier Sekunden. Zuvor war ein vierter Platz im Massenstart von Kontiolahti sein bestes Weltcupergebnis gewesen, nur Philipp Nawrath hatte es von den deutschen Biathleten bislang in diesem Winter aufs Treppchen geschafft. Mit dem zweiten Platz übernahm Riethmüller auch das Rote Trikot im Massenstart-Weltcup. Nach einer kurzen Erkältungspause während der Festtage ist er nun wieder fit und bereit für Oberhof. "Dieser Weltcup ist für mich etwas ganz Besonderes, denn es ist mein erster Start beim Weltcup in Oberhof. Vor dieser unglaublichen Kulisse mit der phantastischen Stimmung freue ich mich besonders auf die Unterstützung der Fans im Stadion und entlang der Strecke, vor allem am berühmten Birxsteig", so der Riethmüller. Trotz des Podestplatzes zuletzt macht er sich selbst keinen unnötigen Druck. Sein Motto lautet: "Alles kann, nichts muss!" Frauen: Selina Grotian (SC Mittenwald), Julia Kink (WSV Aschau), Franziska Preuß (SC Haag), Sophia Schneider (SV Oberteisendorf), Julia Tannheimer (DAV Ulm), Vanessa Voigt (WSV Rotterode) Männer: Philipp Horn (SV Frankenhain), Simon Kaiser (WSV Oberhof), Johannes Kühn (WSV Reit im Winkl), Philipp Nawrath (SK Nesselwang), Danilo Riethmüller (WSV Clausthal-Zellerfeld), Justus Strelow (SG Stahl Schmiedeberg) jmd/rac/pm
mdr.de
Nach der Weihnachtspause geht es im Biathlon-Weltcup wieder zur Sache. Erste Station im neuen Jahr ist Oberhof, wo die zahlreichen Fans auf eine Fortsetzung der starken deutschen Ergebnisse hoffen.
[ "Sport", "Biathlon", "Weltcup", "Oberhof", "Januar 2025", "Philipp Horn", "Simon Kaiser", "Justus Strelow", "Danilo Riethmüller", "Vanessa Voigt", "Franziska Preuß" ]
2025-01-09T09:09:41+01:00
2025-01-09T09:36:29+01:00
https://www.mdr.de//sport/andere_sportarten/biathlon-weltcup-oberhof-vorschau-104.html
Botschafter aus 50 Ländern gegen LGBT-freie Zonen
Dass sich Botschafter aus mehr als 50 Länder zusammentun und einen Offenen Brief an Polen schreiben, dürfte auf internationalem Parkett wohl einmalig sein. Unter anderem haben Deutschland, die USA, Tschechien und Frankreich gemeinsam an Polen appelliert, die Rechte von Minderheiten im Land zu respektieren. In dem Offenen Brief heißt es: "Die Achtung dieser Grundrechte verpflichtet die Regierungen, ( ... ) alle Bürger vor Gewalt und Diskriminierung zu schützen und dafür zu sorgen, dass sie Chancengleichheit haben." Weiter würdigen die Verfasser die harte Arbeit der "LGBTI und anderer Gemeinschaften in Polen und auf der ganzen Welt sowie die Arbeit all jener, die sich dafür einsetzen, die Menschenrechte für LGBTI und andere Personen, die Gemeinschaften angehören, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen, zu gewährleisten." Der Grund für den Brief: In Polen verabschieden immer mehr Gemeinden Resolutionen gegen eine angebliche "LGBT-Ideologie". Doch Polens Regierung zeigt sich unbeeindruckt. Eine offizielle Stellungnahme gab es bisher nur vom stellvertretenden Außenminister Pawel Jablonski – auf Twitter. Polen stimme der Botschaft voll zu. "Jeder Mensch genießt den gleichen Schutz durch das polnische Recht." Er fügte hinzu: "Wir erinnern auch daran, dass nach der polnischen Verfassung die Ehe eine Verbindung zwischen einer Frau und einem Mann ist." Die Bekundung dieser Tatsache sei keine Diskriminierung, sondern Zeichen des Respekts für die Werte, die den Polen am Herzen liegen. Die regierende PiS-Partei in Polen setzt sich für das traditionelle Familienbild, bestehend aus Vater, Mutter, Kind, ein und wird dabei von der Katholischen Kirche unterstützt. Der polnischen Regierung geht es – wie der Außenminister bei Twitter als Reaktion auf den Offenen Brief verdeutlichte - darum, die Werte der Mehrheitsgesellschaft zu respektieren. Den Kampf gegen Diskriminierung von LGBT stellen die Nationalkonservativen verzerrt als Kampf für unbegründete Privilegien dar. Sexuelle Minderheiten würden der Mehrheitsgesellschaft aggressiv ihre "LGBT-Ideologie" aufzwingen wollen – eine Gefahr für polnische Familien. Im Ranking des internationalen Dachverbandes der Lesben-, Schwulen-, Bisexuellen-, Trans- und Intersexorganisationen (ILGA) ist Polen mittlerweile auf den letzten Platz innerhalb der EU gerutscht. Kein Wunder, denn selbst auf politischer Ebene wird sich gegen eine vermeintliche "LGBT-Ideologie" gewehrt. Regionalparlamente, Kreistage und Magistrate, in denen die PiS-Partei das Sagen hat, beschließen seit März 2019 regelmäßig Resolutionen gegen eine angebliche Homo-Propaganda. Den Anfang machte der Kreistag in Świdnik. Der Landkreis werde "frei von LGBT-Ideologie" bleiben, heißt es in dem Beschluss. Radikale Aktivisten würden eine "Kulturrevolution" in Polen anstreben und den Wert der Familie in Frage stellen. Dem Beispiel folgten inzwischen viele weitere Volksvertretungen auf allen Verwaltungsebenen. Direkte rechtliche Folgen für die Angehörigen sexueller Minderheiten haben diese Resolutionen nicht, sie schaffen aber ein Klima der Intoleranz. Seit der Wiederwahl Andrzej Dudas zum polnischen Staatsoberhaupt im August 2020 gebe es eine systematische von der Regierung finanzierte Homophobie und Transphobie im Land, sagt der Aktivist Bartek Staszewski. "Das ist eine Regierung, die sich Menschen aus der LGBT-Community als schwarzes Schaf gesucht hat." Staszewski wurde international bekannt, weil er Schwule, Lesben oder Transsexuelle vor Ortsschildern der "LGBT-freien Zonen" fotografiert. Staszewski muss nun vor Gericht: Eine der Gemeinden, deren Ortsschild er für sein Projekt fotografiert hatte, hat ihn angezeigt. Sie wirft ihm vor, den örtlichen Behörden und der Gemeinde ein homophobes Gesicht zu geben. Staszewski wundert sich, schließlich nutzt die Gemeinde EU-Gelder, obwohl sie mit der LGBT-Resolution gegen internationales Recht verstößt. "Anstatt den Kopf mit Asche zu bestreuen und von der Resolution zurückzutreten, beschlossen die Ratsmitglieder, mich zu verklagen." Der Aktivist fühlt sich in seinem Land nicht mehr sicher. "2019 haben wir erstmal massive Propaganda und Hass gegenüber LGBT-Menschen ausgehend von der Regierung erlebt – alles mit Hilfe des staatlichen Fernsehens." Beobachter sehen, dass das Thema LGBT seit den Parlamentswahlen 2019 verstärkt im Wahlkampf genutzt wird, um mit Feindbildern, die Wählerschaft zu aktivieren. "Seit Fall des Kommunismus in Polen war die LGBT-Community noch nie solchen Angriffen und Hass insbesondere von Seiten der Politiker ausgesetzt. Wir haben es hier mit etwas so Heftigem zu tun, das wir bislang so nicht kannten." (adg/baz)
mdr.de
In Polen werden noch immer sogenannte LGBT-freie Zonen eingerichtet. Nun kommt Protest von 50 Botschaftern. Sie fordern mehr Schutz für Homosexuelle und andere sexuelle Minderheiten.
[ "lgbt", "polen", "homosexualität", "kirche", "pis", "diskriminierung" ]
Welt
2020-09-28T14:04:25+02:00
2022-05-24T16:08:17+02:00
https://www.mdr.de//nachrichten/welt/osteuropa/politik/lgbt-diskriminierung-in-polen-100.html
Corona-Kommission – Aufarbeitung nach Plan?
Aktuelle Nachrichten des Mitteldeutschen Rundfunks finden Sie jederzeit bei mdr.de und in der MDR Aktuell-App. Spielplätze abgesperrt, Schulen und Kitas geschlossen, Fußball ohne Publikum und Kampf um die letzten Rollen Klopapier – das waren schon merkwürdige Zeiten, als ein Virus uns voll im Griff hatte. Allerdings waren die Folgen der Pandemie für die Menschen ganz unterschiedlich, sowohl in Bezug auf die Krankheit selbst, als auch mit Blick auf die sozialen Folgen. Wirtschaftlich traf es Selbstständige, Gewerbetreibende oder auch Künstlerinnen und Künstler härter, als zum Beispiel Angestellte im öffentlichen Dienst oder das Handwerk. Das Virus spaltete Familien, Freundeskreise und die Politik, weil die einen Angst vor einer Ansteckung hatten und die anderen Angst vor einer Impfung. Und dann gab es noch jene, die einen wirtschaftlichen Ruin fürchteten. Ganz klar sind die Folgen nicht zu erkennen, wer aber aufmerksam durch Sachsen-Anhalts Innenstädte geht, der sieht leerstehende Läden, die vor der Pandemie noch geöffnet hatten. Wer schon immer knapp kalkulieren musste, für den bedeutete die Pandemie das Aus. Und auch wenn es derzeit nur noch gelegentlich Demonstrationen von Kritikern der Coronamaßnahmen gibt, so ist doch deutlich geworden, dass die Pandemie bei vielen Menschen das Misstrauen gegenüber dem staatlichen Handeln verfestigt hat. Das sieht man übrigens auch in der Aufarbeitungs-Kommission so. Deren Vorsitzender Wilfried Kluth, ein Verfassungsrechtler der Uni Halle, sagte zum Auftakt: "Die Coronapandemie hat zu einer gewissen Traumatisierung der Gesellschaft geführt. Das wirkt bis heute nach. Und ich glaube, deswegen ist eine solche Kommission wichtig." Dass nun jene Landesregierung, die zu großen Teilen selbst die Coronamaßnahmen auf den Weg brachte, eine Kommission zur Überprüfung ebenjener Maßnahmen beruft, lässt Platz für Interpretationen. Allerdings legte Wilfried Kluth Wert auf die Feststellung, dass die Kommission unabhängig sei, weder würden die Mitglieder bezahlt, noch stünden sie im Dienst der Landesregierung. Man hätte natürlich auch, wie in anderen Bundesländern, die Kommission im Landtag ansiedeln können. Ministerpräsident Rainer Haseloff will aber die Parteien zunächst erstmal heraushalten: "Wir müssen Objektivität in das Thema bringen, das ja noch immer die Gesellschaft polarisiert. Wir sind eine wissenschafts-basierte Gesellschaft und danach muss Politik handeln." Hier spricht ein promovierter Physiker. Doch leider haben nicht nur die Corona-Debatten gezeigt, dass die Wissenschafts-Basis in Deutschland umstritten ist. Auch beim Streit zu Fragen des Klimawandels ist das gerade zu beobachten. Corona war ja auch deshalb eine so große Herausforderung, weil deutlich wurde, dass sich unser Leben schlagartig durch äußere Einflüsse ändern kann und das trotz aller sozial-staatlichen Sicherungs-Systeme. Deshalb wird, neben der Aufarbeitung, die Vorsorge für zukünftige Krisen mindestens genauso wichtig sein. Denn ein Land, das erstmal Schutzmasken im Selbst-Bau empfehlen muss, erweckt nicht den Eindruck, vorbereitet zu sein. In einem Jahr soll der Bericht mit Empfehlungen vorliegen und spätestens dann kommt auch der Landtag ins Spiel. Denn dann wird es auch ums Geld gehen: Wie viel Zivilschutz wollen wir uns leisten? Die Pandemie wird dann final also auch nochmal im Parlament verhandelt. Doch wer grundsätzlich der Meinung ist, dass Corona nur ein Planspiel finsterer Mächte war, den dürfte diese Form der Aufarbeitung womöglich nicht befriedigen. Anmerkung der Redaktion: Um eine möglichst übersichtliche Diskussion zum Thema zu ermöglichen, haben wir die Kommentare unter diesem Artikel ausgeschaltet. Stattdessen können Sie den Artikel "Pandemie-Aufarbeitung: Experten überprüfen Coronamaßnahmen" kommentieren. MDR (Uli Wittstock, Sebastian Gall)
mdr.de
Am Donnerstag traf sich zum ersten Mal die Kommission, die die Coronamaßnahmen in Sachsen-Anhalt aufarbeiten soll. Es soll Bilanz gezogen und überlegt werden, wie kommende Notlagen zu handhaben sind.
[ "Nachrichten", "corona", "aufarbeitung", "kommission", "pandemie" ]
Sachsen-Anhalt
2024-04-05T15:42:25+02:00
2024-04-06T04:09:36+02:00
https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/corona-pandemie-komission-aufarbeitung-100.html
Altersvorsorge: Die Rente optimal vorbereiten
Die Regierenden haben in den vergangenen 30 Jahren eine Reihe von Entscheidungen getroffen mit der Folge, dass die gesetzliche Rente im Alter für den gewohnten Lebensstandard nicht reichen wird. Wenn Sie nicht auf eine ordentliche Erbschaft vertrauen können, sollten Sie sich dringend selbst um mehr Geld fürs Alter kümmern. Der erste Schritt ist ein Kassensturz – wie viel Geld können Sie eigentlich erwarten? Und dann folgt gleich der zweite – doch was sind die besten Schritte, um die Finanzen fürs Alter erfolgreich aufzubessern? Die Herausforderungen liegen dabei auf der Hand: Woher kommt das Geld für zusätzliche Vorsorge? Und selbst wenn Sie wissen, dass Sie einen Riester-Vertrag, eine Betriebsrente oder einen Fondssparplan abschließen sollten, welche der vielen Produkte taugen etwas? Die Fragen sind nicht trivial und tragen auch dazu bei, dass jeder sechste Arbeitnehmer in Deutschland noch nichts privat fürs Alter zurückgelegt hat. Zum Kassensturz: Jede Bestandsaufnahme prüft erstmal, was aus der gesetzlichen Rente zu erwarten ist. Die Rentenauskunft gibt einen ganz guten Anhaltspunkt. Schauen Sie erstmal, wie viel Rente Sie aus dem gesetzlichen System erhalten, wenn sie durcharbeiten, also vielleicht bis 67. Und wenn Sie in der Zukunft mindestens so gut verdienen, wie in den vergangenen Jahren. Gehen Sie dabei von der Annahme aus, dass die Rente nicht steigt. Haben Sie sonst schon etwas unternommen? Welche anderen Einnahmen erwarten Sie fürs Alter? Haben Sie vielleicht eine betriebliche Altersvorsorge abgeschlossen, in die Sie regelmäßig einzahlen und dabei Steuervorteile mitnehmen – und tut Ihr Chef etwas dazu? Haben Sie womöglich einen Riester-Vertrag abgeschlossen und jedenfalls schon mal die staatliche Förderung und etwaige Steuervorteile eingestrichen? Bezahlen Sie womöglich eine Immobilie ab in der Hoffnung im Alter dann wenigstens mietfrei wohnen zu können? Oder ist das mit der Immobilie und solchen festen Altersvorsorgeverträgen nichts für Sie, Sie haben aber immerhin einen Fondssparplan angelegt, um Geld fürs Alter zurück zu legen? Zu guter Letzt, haben Sie in den vergangenen Jahrzehnten vielleicht eine Lebens- oder Rentenversicherung abgeschlossen, in die Sie immer noch einzahlen? Prüfen Sie, wie viel Geld Sie aus all diesen Möglichkeiten im Alter garantiert ausgezahlt bekommen. Und vergleichen Sie das mit dem Geld, dass Sie im Alter für Ihren Lebensstandard brauchen. Das wird weniger sein als Sie im Erwerbsleben brauchen, vielleicht sogar viel weniger, wenn auch noch die Immobilie abgezahlt ist. Aber wahrscheinlich werden Sie feststellen, dass Ihnen im Alter trotzdem noch Geld fehlt. Zwei kleine Hinweise: Wenn Sie früher in Rente gehen wollen und deshalb weniger aus der gesetzlichen Rente zu erwarten haben, wird Ihnen noch mehr Geld fehlen. Und auch wenn die Immobilie abgezahlt ist, kostet ein Haus und eine Wohnung Geld. Der Wasserhahn geht kaputt oder die Heizung oder die Dachrinne oder alles drei gleichzeitig. Die Experten von Finanztip haben sich angesehen, welche Handlungsalternativen Sie jetzt haben. Ganz kurz kann man die in zwei Gruppen einteilen. Was tun mit alten Verträgen? Und welche neuen Schritte unternehmen? Natürlich müssen Sie das im Detail selbst prüfen, es gibt aber ein paar hilfreiche Daumenregeln. Die Entscheidungsbäume zeigen Ihnen, welche Alternativen Sie konkret haben und welche Alternative für Ihre Situation und Lebensplanung besonders gut passt. Politiker und Finanzer reden gern von den drei Säulen der Altersvorsorge. Die erste Säule ist die gesetzliche Rente oder ein berufsständisches Versorgungswerk. Hier müssen Sie einzahlen und erwarten eine Rente. Die zweite Säule sind die geförderten Modelle, also vor allem Betriebsrente und Riester. Und die dritte Säule ist das freie Geld anlegen. Im weitesten Sinne gehört auch die selbstfinanzierte Immobilie dazu. Abhängig von Ihrer Situation landen Sie dann bei Riester- oder Rürupverträgen, bei Betriebsrenten oder einem ETF-Sparplan mit guter Renditechance, aber ohne Förderung.
mdr.de
Wenn das Geld im Alter zum Leben reichen soll, ist die richtige Vorsorge wichtig. Doch wie findet man die? Und wie kann man die gesetzliche Rente sinnvoll ergänzen? Experte Hermann-Josef Tenhagen gibt wichtige Tipps.
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Finanzen
2020-08-04T05:00:00+02:00
2023-07-21T12:43:51+02:00
https://www.mdr.de/ratgeber/finanzen/rente-altersvorsorge-finanzen-ruhestand-betriebsrente-riester-tipps-100.html
Wähler-Vereinigung oder
Das ist eine Gruppe von Menschen in einem bestimmten Ort,zum Beispiel in einer Stadt oder in einem Dorf.Die Menschen wollen mit-bestimmen:Was in ihrem Ort passiert.Aber die Menschen von der Gruppe sind ohne Partei.Das bedeutet: Sie sind unabhängig von einer Partei. Die Gruppe will in der Politik mit-machen.Deshalb tritt sie zum Beispiel bei Wahlen an. Ein anderes Wort für Wähler-Vereinigung ist:Wähler-Gemeinschaft.Oder auch: Bürger-Liste.
mdr.de
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Wörter-Buch
2024-06-13T10:39:06+02:00
2024-06-13T10:39:06+02:00
https://www.mdr.de/nachrichten-leicht/woerterbuch/glossar-waehler-vereinigung-100.html
Halberstadt: Mann schießt mit Schreckschusspistole vor Lebensmittelladen
In Halberstadt im Landkreis Harz hat ein Mann am Freitagabend vor einem Lebensmittelmarkt mehrere Schüsse abgegeben. Wie die Polizei mitteilte, fahndeten Beamte nach Hinweisen einer Passantin nach dem Schützen und fanden ihn schließlich in seiner Wohnung. Der 45-Jährige habe seine Schreckschusspistole samt Zubehör ausgehändigt. Laut dem "Merkblatt zum kleinen Waffenschein" der Polizeiinspektion Halle wird ein kleiner Waffenschein benötigt, um eine Schreckschusswaffe in der Öffentlichkeit mitführen zu dürfen. Kauf und Besitz sind demnach davon ausgenommen. Um einen kleinen Waffenschein zu erhalten, muss die Person volljährig, ihre Zuverlässigkeit und persönliche Eignung geprüft worden sein. So heißt es im Merkblatt: "Für die Beurteilung Ihrer Zuverlässigkeit und persönlichen Eignung werden Auskünfte aus dem Bundeszentralregister, dem staatsanwaltschaftlichen Verfahrensregister, von der zuständigen Polizeidienststelle und beim Landesamt für Verfassungsschutz (einmalig) eingeholt. (Nach der Erteilung wird das alle drei Jahre durchgeführt.)"Geschossen werden darf in der Öffentlichkeit ausschließlich in Notwehr- und Notstandssituationen: "Stellt sich heraus, dass Notwehr oder Notstand nicht vorlag, müssen Sie mit Strafverfolgung rechnen", so die Polizeiinspektion Halle. Der polizeilich bekannte Mann räumte ein, nach einem Streit zweimal mit seiner Schreckschusspistole in die Luft geschossen zu haben. Die Beamten leiteten gegen ihn ein Ermittlungsverfahren wegen des Verstoßes gegen das Waffengesetz ein. MDR (Ingvar Jensen, Johanna Daher), zuerst veröffentlicht am 08.03.2025
mdr.de
In Halberstadt hat eine Passantin vor einem Lebensmittelmarkt Schüsse gehört. Sie alarmierte die Polizei, die den mutmaßlichen Schützen ermitteln konnte.
[ "Schreckschusspistole", "Sachsen-Anhalt", "Waffen", "Halberstadt", "Polizei", "Blaulicht", "Waffengesetz", "kleiner Waffenschein" ]
Sachsen-Anhalt
2025-03-11T11:42:36+01:00
2025-03-11T11:42:36+01:00
https://www.mdr.de//nachrichten/sachsen-anhalt/magdeburg/harz/halberstadt-polizei-blaulicht-schreckschusswaffe-104.html
Durch Corona-Schutzmaßnahmen: Ohnmacht und Einsamkeit im Altenheim
Die Corona-Pandemie war für die gesamte Gesellschaft eine Herausforderung. Besonders ansgespannt war die Situation aber in der stationären Pflege. Wir erinnern uns: In Heimen wurde das Infektionsrisiko als sehr hoch eingestuft. Außerdem verlief bei älteren und kranken Menschen eine Corona-Infektion oft deutlich komplikationsreicher. Wie die meisten Bundesländer führte Sachsen deshalb Besuchsverbote für Heimbewohner ein. Außerdem wurden soziale Betreuungsangebote in den Einrichtungen größtenteils ausgesetzt. Die Folgen: Weitreichend. Zu diesem Schluss kamen der Sächsische Landesverband der Arbeiterwohlfahrt (AWO) und die Chemnitzer Regionaldirektion der Knappschaft-Krankenkasse in einem gemeinsamen Bericht. In Gesprächen mit Betroffenen, Angehörigen und Pflegekräften von sechs Altenheimen untersuchten sie vor knapp zwei Jahren – also noch während der Pandemie – die Auswirkungen der Schutzverordnung auf die Bewohner von Altenheimen. Der Bericht wurde jetzt an Dagmar Neukirch, Staatssekretärin im Sozialministerium und stellvertretende Vorsitzende der AWO, überreicht. Zentrale Erkenntnis: In stationären Pflegeeinrichtungen seien Schutzmaßnahmen wie Isolation und Quarantäne kontraproduktiv. Viele alte Menschen hätten den Sinn der sozialen Abgrenzung nicht nachvollziehen können und sich "weggesperrt" gefühlt. So seien die alten Menschen vereinsamt, hätten sich zurückgezogen und teilweise depressive Symptome gezeigt. Einige Heimbewohner seien vermutlich aufgrund der anhaltenden Einsamkeit verstorben. Bei zwei Drittel der Betroffenen sei es vermehrt zu Stimmungsschwankungen gekommen. Ängste und Sorgen hätten während der Pandemie zugenommen. Zudem seien die Konsequenzen im Alltag spürbar. Demnach verloren Heimbewohner unter anderem ihre Gewohnheiten. Auch die körperliche Alterung sei beschleunigt worden. Die Autoren des Berichts führen die psychologischen Folgen auch darauf zurück, dass den Betroffenen die Möglichkeit zur Selbstbestimmung genommen worden sei. Das habe zu einem Gefühl der Ohnmacht geführt. Vor allem aber sei die Rolle der Angehörigen unterschätzt worden. Deren Wert sei so vielseitig wie unverzichtbar. Das sagt auch Simone Menz, die für die AWO die Gespräche mit den Heimbewohnern und ihren Angehörigen geführt hat: "Wenn ich als Mensch im Altenheim bin und jeden Abend mit meiner Tochter telefonieren kann, dann komme ich auch durch diese Pandemie durch. Wenn sie mich aber zuvor regelmäßig besucht und das jetzt nicht mehr macht, dann ist das ein Einschnitt, der kaum wettzumachen ist." Wenn ich als Mensch im Altenheim bin und jeden Abend mit meiner Tochter telefonieren kann, dann komme ich auch durch diese Pandemie durch. Wenn sie mich aber zuvor regelmäßig besucht und das jetzt nicht mehr macht, dann ist das ein Einschnitt, der kaum wettzumachen ist. Demnach erfüllen sie eine fürsorgliche und vermittelnde Funktion, indem sie beispielsweise die Krisensituation erklären und über die Sorgen und Ängste der Heimbewohner sprechen. Auf das Wegbleiben der Verwandtschaft aufgrund der Schutzmaßnahmen hätten einige der Alten und Pflegebedürftigen mit einem persönlichen Schuldempfinden reagiert. Andere warfen offenbar ihren Angehörigen vor, sie seien aus eigener Entscheidung ferngeblieben. Diese Gefühle hätten die gesundheitlichen Folgen der Kontaktbeschränkungen verschärft. Logistische Probleme kamen hinzu. Oft von Angehörigen besorgt: Die Lieblingsmarmelade, das gewohnte Rätselheft - die alltäglichen Kleinigkeiten, die aber älteren Menschen so wichtig sind, ihnen Stabilität und Wohlbefinden geben. Diese Aufgaben fielen laut Bericht nun auch dem Pflegepersonal zu – oder sie fielen sogar komplett weg. Denn auch die Beschäftigten in der stationären Altenpflege seien schwer von den Folgen der Pandemie getroffen worden. Zwar waren der Personalmangel und seine Auswirkungen schon vor der Pandemie bekannt. Durch das Infektionsgeschehen sei das Problem aber weiter angewachsen. Krankschreibungen unter dem Personal erschwerten den Pflegealltag. Die personelle Überforderung der Altenheime habe bei mehr als einem Drittel des Pflegepersonals zu langfristigen Erschöpfungszuständen geführt. Aufgrund der erhöhten Arbeitsbelastung konnten die Angestellten den Pflegebedarf der Heimbewohner laut Bericht teilweise nicht mehr vollständig erfüllen. So sei in manchen Fällen keine Zeit geblieben, sterbende Bewohner zu begleiten oder deren Tod zu verarbeiten. Für mögliche zukünftige Krisensituationen wie der Corona-Pandemie fordern die Studienautoren ein klares Schutzkonzept. Dafür empfehlen sie, Angehörige mehr einzubeziehen, anstatt sie auszugrenzen. Außerdem solle man beispielsweise eine Gruppenisolierung in Betracht ziehen, um der Einsamkeit entgegenzuwirken. Die Erkenntnis ist glaube ich, dass man so etwas auch ein bisschen üben muss. Studien-Schirmherrin Dagmar Neukirch könnte sich außerdem vorstellen, die Krisensituation zu proben: "Die Erkenntnis ist glaube ich, dass man so etwas auch ein bisschen üben muss. Auch den Umgang mit der Maske oder mit Schutzkleidung, damit das keine Angst ausübt. Stattdessen sollen die Menschen wissen, dass dahinter ein achtsamer Gedanke steckt." Die Sächsische Corona-Schutzverordnung hatte zeitweise Besuchsbeschränkungen vorgesehen. Der Besuch durch Angehörige war anfangs nur in Ausnahmefällen erlaubt. Begründet wurde die Maßnahme mit einer hohen gesundheitlichen Gefahr für Alte und Pflegebedürftige. Auch das Ausfallrisiko des Personals spielte eine Rolle. Für AWO und Knappschaft gehören zur Vulnerabilität der Heimbewohner allerdings auch der Schutz vor Vereinsamung und das Recht auf Selbstbestimmung. Der Leiter der Chemnitzer Regionaldirektion der Knappschaft, Thorsten Zöfeld, sagte: "Hier muss es jetzt darum gehen, die gewonnenen Erkenntnisse zu nutzen und in Handlungsempfehlungen umzusetzen." MDR (ceg/kav)
mdr.de
Während der Corona-Pandemie galten Alten- und Pflegeheime als besonders schutzbedürftig. Deswegen gab es drastische Besuchs- und Kontaktverbote. Offenbar mit erheblichen gesundheitlichen Folgen für die Betroffenen.
[ "Nachrichten", "Corona", "Forschungsbericht", "Pflegeheim", "Altersheim", "Seniorenheim", "Studie", "Covid-19", "Corona", "Pandemie" ]
Sachsen
2023-07-17T19:53:00+02:00
2023-07-27T08:27:51+02:00
https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen/dresden/dresden-radebeul/corona-isolation-auswirkungen-pflegeeinrichtungen-studie-100.html
Corona und die aktuelle Lage auf den Intensivstationen
Wann ist der Punkt erreicht, dass die Intensivstationen so überlastet sind, dass dort nicht mehr allen Patienten die nötige Behandlung zukommen kann? Die Karten und Diagramme in diesem Artikel sollen so viel Aufschluss wie möglich darüber geben. Aus ihnen lassen sich aktuelle Zahlen und mittelfristige Tendenzen ablesen. Erklärungen zu jedem Diagramm erhalten Sie, wenn Sie die Fragestellung über dem Diagramm aufklappen. Die folgende Karte zeigt, wie stark die Intensivstationen in den einzelnen Kreisen Deutschlands tagesaktuell ausgelastet sind. Je dunkler ein Kreis eingefärbt ist, umso voller sind seine Intensivstationen.Sie als Nutzer(in) können jeden einzelnen Kreis anklicken, um dessen genaue Werte angezeigt zu bekommen. Das folgende Diagramm zeigt, wie viele beatmete (rot) und wie viele nicht beatmete (gelb) Covid-19-Patienten in den vergangenen 60 Tagen auf den Intensivstationen lagen.Sie als Nutzer(in) haben die Wahl, ob sie sich die Werte für ganz Deutschland oder jedes beliebige Bundesland anzeigen lassen. Das folgende Diagramm zeigt die Entwicklung der vergangenen 60 Tage, wie viele Erwachsene (braun) und wie viele Kinder (violett) insgesamt als Covid-Patienten auf der Intensivstation lagen. Das folgende Diagramm zeigt, wie viele Covid-Erstaufnahmen es in den vergangenen 60 Tagen an jedem einzelnen Tag auf den Intensivstationen gegeben hat. Diese neuen Patienten werden unterteilt in Erwachsene (braun) und Kinder (violett). Das folgende Diagramm zeigt die aktuelle Altersstruktur (vom letzten gemeldeten Tag) aller Covid-Patienten auf Deutschlands Intensivstationen. Das folgende Diagramm zeigt, wie viele Covid-Patienten aus den verschiedenen Altersgruppen seit Ende April 2021 auf Intensivstationen lagen. Daraus lässt sich zum Beispiel ablesen, in welchen Altersgruppen es besonders starke Anstiege der Patientenzahlen gab und gibt.Sie können die einzelnen Altersgruppen an- und abwählen und so entscheiden, welche Kurven angezeigt werden. Im folgenden 60-Tage-Diagramm werden alle Covid-19-Patienten zusammengefasst (dunkelrot). Dieser Kurve wird die Kurve der als frei gemeldeten Betten entgegengestellt (türkis).Sie haben die Wahl, ob sie sich die Werte für ganz Deutschland oder jedes beliebige Bundesland anzeigen lassen. Das nächste Diagramm beruht auf denselben Werten wie das vorherige, nur werden die Werte diesmal prozentual, also anteilig dargestellt. Es werden alle Intensivpatienten außer Betracht gelassen, die nichts mit Covid-19 zu tun haben.In wie viel Prozent der restlichen Betten liegen Covid-19-Patienten, und wie viel Prozent gelten als frei? Je dunkler ein Bundesland auf der folgenden Karte eingefärbt ist, umso höher ist dort der Covid-19-Anteil an allen Intensivpatienten. Auf diese Art lässt sich tagesaktuell veranschaulichen, in welchen Bundesländern die Intensivstationen stark oder weniger stark von Covid-19 betroffen sind. Das folgende Diagramm zeigt drei Linien, die aber alle unterschiedliche y-Achsen haben. Das heißt, die Kurven haben in der Höhe nicht denselben Maßstab (denn natürlich gibt es weit mehr Neuinfektionen als Intensivpatienten und deutlich mehr Intensivpatienten als Tote). In dieser angepassten Darstellungsform wird besser sichtbar, wann und wie es sich bei Intensivpatienten- und Todeszahlen bemerkbar macht, wenn die Zahl der Neuinfektionen steigt, gleich bleibt oder sinkt. Das Diagramm zeigt die Kurven für vom RKI gemeldete Neuinfektionen im Sieben-Tage-Durchschnitt (gelb), für die vom Intensivregister gemeldete Zahl der Covid-19-Patienten auf Intensivstationen (rot) und für vom RKI gemeldete Covid-19-Tote im Sieben-Tage-Durchschnitt (schwarz). Es sind die Zahlen für ganz Deutschland seit dem 1. September 2020. Es kann verschiedene Gründe haben, wenn die Zahl der "sonstigen" Intensivpatienten rückläufig ist, zum Beispiel verschobene Operationen oder weniger Verkehrsunfälle in Lockdown-Zeiten.Das folgende Diagramm kann die möglichen Gründe nicht veranschaulichen, aber es zeigt die Anzahl der "sonstigen" Intensivpatienten (grau) und der Covid-19-Intensivpatienten (orange) als gestapelte Balken, sodass aus der Gesamthöhe der Balken auch ersichtlich ist, wie viele Intensivbetten insgesamt in den vergangenen 60 Tagen belegt waren.(Aus diesen Werten kann man aber keine Rückschlüsse auf die Anzahl der Betten, "die frei sein müssten", ziehen. Das liegt vor allem daran, dass Covid-19-Patienten deutlich pflegeintensiver sind als andere Intensivpatienten.) Die diesen Karten und Diagrammen zugrunde liegenden Zahlen stammen vom DIVI-Intensivregister, dem die Zahlen wiederum jeden Tag von mehr als 1.500 Intensiv-Bereichen deutscher Krankenhäuser gemeldet werden. Die Krankenhäuser sind angehalten, nur wirklich betreibbare Betten (in Sachen Ausrüstung und Personal) als frei zu melden. Wie sie sich daran halten, liegt im Verwantwortungsbereich jeder einzelnen Klinik. (rr)
mdr.de
Bringt Corona die Krankenhäuser ans Limit? Wie ist die Lage auf den Intensivstationen Deutschlands? Täglich aktualisierte interaktive Diagramme aus den offiziell verfügbaren Zahlen veranschaulichen die Situation.
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Startseite
2021-11-22T10:18:42+01:00
2021-11-22T10:18:42+01:00
https://www.mdr.de//wissen/corona-lage-intensivstationen-taeglich-aktualisierte-diagramme-100.html
"Ein gutes Gefühl": Magdeburger erzeugt seinen Strom (fast) komplett selbst
Als Deutschland im Sommermärchen der Fußballweltmeisterschaft ist, steckt Jörg Schiffmann im Baustress. 2006 hat er in Magdeburg-Sudenburg sein Einfamilienhaus gebaut. In sein Haus lässt er sich damals eine Wärmepumpe einbauen. Worauf er verzichtet: auf einen Erdgasanschluss – Gas sei ihm immer suspekt vorgekommen, sagt er. "Ich wollte keine Heizung mit Dreck und Rauch und Qualm mehr haben. Strom ist eine saubere Sache", sagt Schiffmann. Als studierter Physiker und Informatiker steht er neuen Technologien aufgeschlossen gegenüber. Die Wärmepumpe versorgt die Fußbodenheizung und sorgt für warmes Wasser. Außerdem entlüftet sie das Bad und belüftet die anderen Räume. Zur Wärmepumpe in der Garage lässt er sich auch eine Photovoltaik-Anlage aufs Dach bauen. Solche PV-Anlagen hätten viele Menschen damals vor allem als Investitionsmöglichkeit gesehen, sagt Schiffmann im MDR SACHSEN-ANHALT-Podcast "Digital leben". "Bei mir kam immer schon dazu, dass die Wärmepumpe viel Strom verbraucht. Also wollte ich noch ein bisschen Strom von der Sonne hinzutun." Ein paar Jahre später erweitert Schiffmann die Photovoltaikanlage und nutzt zur Warmwasseraufbereitung auch eine Solarthermie-Anlage. Mittlerweile sind ein großer Stromspeicher, ein Anschluss für das Elektroauto und ein Smart-Meter-Stromanschluss dazu gekommen. Und Jörg Schiffmanns ist 68 Jahre alt und Rentner. Sein Einfamilienhaus hat die Energiewende bereits gemacht – es ist eine Art Haus der Zukunft. "Mein Speicher hat 13,8 Kilowattstunden und die ganze PV-Anlage hat 14,3 Kilowatt", sagt Schiffmann. Er ist zufrieden mit seiner Investition: "Das ist ein gutes Gefühl." Und es ist auch ein günstiges: Er führt Buch über seinen Stromverbrauch, sieht genau, wie viel Strom die Anlage auf dem Dach erzeugt, wie viel davon für die Wärmepumpe gebraucht wird, wie viel im Speicher landet und wie viel im Elektro-Auto. Sein Stromspeicher ist das ganze Jahr über mindestens halbvoll – Schiffmann will so auch bei einem Stromausfall gewappnet sein. Im Sommer bleibt sogar noch Strom "übrig". Da erzeugt er mehr, als er verbraucht. Diesen Strom speist Jörg Schiffmann ins Netz und bekommt dafür Geld. Übers Jahr gerechnet, würde ihn der Strom, den er im Winter braucht, nichts kosten. "Früher habe ich jährlich etwa 2.500 Euro Energiekosten gehabt." Insgesamt hat der Magdeburger für seine Stromanlage etwa 47.000 Euro gezahlt. Er hat dafür keine Förderung bekommen, allerdings steuerliche Vorteile, weil private Stromerzeuger zwischenzeitlich als unternehmerisch tätig galten und die Umsatzsteuer für die Kosten der Anlage verrechnen konnten. Dass Jörg Schiffmann über seinen Strom so genau Bescheid weiß, liegt vor allem am Smart Meter – ein digitaler intelligenter Stromzähler. Smart Meter sollen bis 2032 die herkömmlichen Stromzähler in Deutschland ersetzen. Wer einen digitalen Stromzähler hat, kann die Firma wählen, die ihn betreibt. Stromkunden wie Jörg Schiffmann haben es so mit drei verschiedenen Unternehmen zu tun haben: Dass das komplexe Stromnetz reibungslos funktioniert, ist nur mit Hilfe digitaler Technologien und des Internets möglich. Ein Smart Meter kann die Messwerte viertelstündlich speichern und an den Netzbetreiber melden. Und die Stromanbieter können deshalb sogenannte dynamische Stromtarif anbieten und den Verbrauch stundengenau berechnen. Kunden wie Jörg Schiffmann können so entscheiden, ihren Stromspeicher oder ihr Elektroauto zu günstigen Zeiten mit Strom zu befüllen. Manche Stromhändler bieten solche Tarife sogar an, ohne dass der Kunde einen Smart Meter hat. Ihren Zählerstand können Kunden dann täglich in der App des Anbieters eintragen. Solche dynamischen Stromtarife scheinen vor allem deshalb sinnvoll, weil der Strompreis von Stunde zu Stunde schwankt – und dank des Internets für jeden ersichtlich ist. Eine Seite des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme zeigt zum Beispiel die aktuelle Stromproduktion und die Börsenstrompreise. Auch Jörg Schiffmann hat einen dynamischen Stromvertrag: "An der Strombörse in Leipzig wird jeden Tag um 14 Uhr der stündliche Strompreis für den folgenden Tag festgelegt." Wird dann in einer Stunde besonders viel Strom erzeugt, weil der Wind ordentlich wehrt oder die Sonne kräftig scheint, und gibt es zu dieser Stunde wenig Stromnachfrage, weil in Büros und Fabriken noch nicht gearbeitet wird – ist der Strom günstig. Manchmal ist der Strompreis sogar negativ. "Das habe ich sogar einmal geschafft", sagt Schiffmann. Stromverbraucher kriegen dann quasi Geld zurück. 2023 war der Strompreis laut Bundesnetzagentur an 301 Stunden negativ. Bisheriger Rekord: Am 2. Juli 2023, einem Sonntag, lag der Strompreis zwischen 14 und 15 Uhr bei -500 Euro pro Megawattstunde. Jörg Schiffmann ist der Strompreis vor allem in seinem winterlichen Alltag wichtig, um seinen Stromspeicher oder sein Elektroauto günstiger zuladen. "Ich will zum Beispiel morgen nach Berlin fahren und habe schon geguckt: Zwischen null und sechs Uhr kostet die Kilowattstunde sieben bis acht Cent." Hinzukommen noch Steuern und Gebühren, das sei aber trotzdem noch günstiger als die durchschnittlich 20, 30 Cent pro Kilowattstunde. Jörg Schiffmanns Haus zeigt, was mit Strom und digitalen Technologien möglich ist: Licht, Wärme, warmes Wasser und Mobilität – und das möglichst günstig. Das kann auch eine Art der Altersvorsorge sein – unabhängiger von Strompreisen zu sein und Preisschwankungen auszugleichen. Schiffmann sagt, er muss sich nicht einschränken, aber seine Gewohnheiten ändern. Und er muss sich mit seiner Stromerzeugung und seinem Stromverbrauch befassen: Dazu hat er den Strompreis im Blick, den Füllstand seines Energiespeichers, er muss den Verbrauch seines Hauses kennen und seine Geräte so einstellen, dass sie im Winter in den günstigen Stunden den Strom beziehen. Das meiste davon geht bereits digital. Aber wirklich automatisch, gar smart sei das noch nicht, sagt Schiffmann im MDR SACHSEN-ANHALT Podcast "Digital leben". Sein Fazit aus seinen Strom-Erfahrungen der vergangenen fast 20 Jahre ist jedenfalls mehr als positiv: "Ich würde am liebsten jetzt auch noch Solarpanele auf der Nordseite installieren." Dort ist bislang nämlich keine. Mittlerweile gäbe es aber technische Lösungen, um auch auf solche Flächen eine gute "Sonnen-Ausbeute" zu haben, auf die Schatten fallen kann. Insgesamt sagt Jörg Schiffmann über die Energieversorgung seines Hauses: "Das ist das Beste, was ich für meine Kinder und Enkel tun kann." MDR (Marcel Roth)
mdr.de
Jörg Schiffmann hat seit fast 20 Jahren eine Wärmepumpe. Nach und nach hat er sein Einfamilienhaus mit Solaranlage, Stromspeicher, E-Auto und Smart Meter aufgerüstet. Er ist begeistert – vom Nutzen der Technologie.
[ "Wärmepumpe", "strom", "speicher", "strompreis", "dynamischer", "stromtarif", "tarif", "solaranlage", "einfamilienhaus", "pv", "pv-anlage", "eauto", "elektro-auto", "wallbox", "jörg", "schiffmann", "photovoltaik", "digital", "leben", "marcel", "roth", "technologie", "smart", "meter" ]
Sachsen-Anhalt
2024-01-27T12:24:47+01:00
2024-01-28T09:45:27+01:00
https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/magdeburg/magdeburg/digital-leben-smart-meter-joerg-schiffmann-100.html
Weimar: Bahnhofsvorplatz wird renoviert - monatelang Baustelle
Bus-und Zugreisende in Weimar müssen sich auf monatelange Umbauarbeiten auf dem Bahnhofsvorplatz einstellen. Seit Dienstag, 21. Mai, wird die Schopenhauerstraße mitsamt ihrer Bushaltestellen umgebaut. Während der Bauzeit sollen die Stadtbusse in der Carl-August-Allee halten, die vom Bahnhofsvorplatz abgeht. Das inzwischen stark zerfahrene Pflaster der Schopenhauerstraße soll durch Asphalt ersetzt werden. Die Bushaltestellen und der Zugang zum Bahnhofsgebäude werden barrierefrei; außerdem wird ein Blindenleitsystem installiert. Größte geplante Veränderung für Fußgänger: Der Zebrastreifen vor dem Bahnhofsgebäude fällt weg. Nach Angaben der Planer ist die Straße für einen Fußgängerüberweg zu breit; zudem gebe es nicht genug Sicht. Zudem hätten sich die Vorschriften geändert. Die Stadtbuslinien sollen in der Schopenhauerstraße feste Abfahrtspositionen je Richtung bekommen. Bislang gilt das Windhundprinzip. Der Bus, der zuerst ankommt, steht vorn. Die Haltestellen der Regionalbuslinien in die umliegenden Landkreise sollen verlegt werden - von der Schopenhauerstraße auf die Ost- und die Westseite des Bahnhofsvorplatzes. MDR (cma/seg)
mdr.de
Nach dem Goetheplatz wird seit Dienstag auch die zweite zentrale Bushaltestelle in Weimar renoviert: Die Schopenhauerstraße vor dem Bahnhof mitsamt der Haltestellen wird monatelang umgebaut.
[ "Nachrichten", "Weimar", "Verkehr", "Bus", "Hauptbahnhof", "Baustelle", "Thüringen" ]
Thüringen
2024-05-21T10:48:15+02:00
2024-05-21T17:57:23+02:00
https://www.mdr.de//nachrichten/thueringen/mitte-thueringen/weimar/hauptbahnhof-bushaltestellen-bahnhofsvorplatz-umbau-100.html
Ukraine will Flüchtlinge aus Deutschland zurückholen
Der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj setzt seine Hoffnungen auf Friedensanstrengungen des neuen US-Präsidenten Donald Trump. "Präsident Trump ist immer entschieden", schrieb Selenskyj in seiner Gratulation zu Trumps Amtsantritt im sozialen Netzwerks X. "Die Politik eines Friedens durch Stärke, die er verkündet hat, erlaubt es, die amerikanische Führung zu stärken und einen dauerhaften und gerechten Frieden zu erreichen." Trump will nach eigener Ankündigung den seit fast drei Jahren andauernden Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine rasch beenden. Kremlchef Wladimir Putin hat Donald Trump zu dessen unmittelbar bevorstehender Amtseinführung als US-Präsident gratuliert. Er habe die Forderungen Trumps gehört, die direkten Kontakte zwischen Moskau und Washington wiederherzustellen und alles zu tun, um einen dritten Weltkrieg zu verhindern, sagte Putin russischen Nachrichtenagenturen zufolge. "Zweifellos begrüßen wir diese Einstellung und beglückwünschen den gewählten Präsidenten der USA zum Amtsantritt." Russland sei auch bereit, den Dialog mit der neuen US-Regierung über den Konflikt in der Ukraine wieder aufzunehmen. Das wichtigste sei dabei, die Ursache zu beseitigen. Russland sei an einem langfristigen Frieden, nicht an einem Waffenstillstand zur Umgruppierung und späteren Fortsetzung der Kampfhandlungen interessiert, sagte Putin. Ein für die Ukraine in der russischen Grenzregion Kursk kämpfender Brite ist nach seiner Gefangennahme in Russland wegen "Terrorismus" und "Söldnertums" angeklagt worden. Der 22-jährige James Scott Rhys Anderson habe im Austausch für "materielle Gegenleistungen direkt am bewaffneten Konflikt auf russischem Territorium teilgenommen", erklärte die russische Ermittlungsbehörde. Anderson war im November gefangen genommen worden, als er an der Seite ukrainischer Soldaten in Kursk kämpfte. Er sitzt derzeit in Russland in Haft. Die gegen ihn erhobenen Vorwürfe sehen Höchststrafen von insgesamt bis zu 35 Jahren Haft vor.  Die ukrainische Regierung will sich verstärkt um die Rückkehr von Kriegsflüchtlingen bemühen, die in Deutschland leben. Dazu sind sogenannte "Unity Hubs" (Einheitszentren) in Berlin und später an weiteren Orten geplant, um Flüchtlinge bei der Arbeits- und Wohnungsvermittlung oder mit Bildungsangeboten zu unterstützen. Der ukrainische Vizeregierungschef Oleksij Tschernyschow sagte der Deutschen Presse-Agentur, eine "beträchtliche Anzahl von Ukrainern" erwäge "ernsthaft, in die Heimat zurückzukehren". Angesichts des anhaltenden Bevölkerungsschwunds würden vor allem in der Rüstungsproduktion, im Energiesektor und beim Wiederaufbau Arbeitskräfte in der Ukraine benötigt. Tschernyschow leitet ein im Dezember eigens für die Rückkehr von Flüchtlingen gegründetes Ministerium für nationale Einheit. Seit der russischen Invasion in der Ukraine im Februar 2022 sind mehr als 1,1 Millionen Ukrainer nach Deutschland geflüchtet. In den von Kiew kontrollierten Gebieten leben heute nach Regierungsangaben noch 32 Millionen Menschen. Die Zahl der Ukrainer im Ausland wird auf 20 bis 25 Millionen geschätzt. Die russischen Streitkräfte haben eigenen Angaben zufolge zwei weitere Ortschaften im Donbass eingenommen. Wie das Verteidigungsministerium in Moskau mitteilte, wurden die Dörfer Schewtschenko und Nowojehoriwka unter Kontrolle gebracht. Schewtschenko liegt südlich von Pokrowsk in der Region Donezk. Die Stadt ist mit ihrem Eisenbahnknoten strategisch wichtig für die ukrainische Armee. Nowojehoriwka liegt in der Nachbarregion Luhansk. Die beiden Regionen bilden den industriell geprägten Donbass. Das Rüstungsunternehmen Rheinmetall hat von der Bundeswehr einen weiteren Großauftrag bekommen. Nach Unternehmensangaben sollen fast 570 Militär-Lastwagen geliefert werden. Der Auftrag habe ein Volumen von rund 330 Millionen Euro. Ein Großteil der Fahrzeuge werde bis November geliefert, der Rest im kommenden Jahr. Die Bundeswehr modernisiert derzeit ihre Lkw-Flotte. Die ukrainischen Streitkräfte leiden nach Aussage ihres Oberkommandierenden Olexander Syrskyj unter Personalmangel. Die Zahl der Soldaten in den mechanisierten Brigaden müsse erhöht werden, sagte der General im ukrainischen Rundfunk. Leider aber reichten die Mobilisierungskapazitäten nicht aus, um diesen Bedarf zu decken. Daher habe man begonnen, "innerhalb vernünftiger Grenzen" Personal aus der Logistik, Versorgung und Instandhaltung abzuziehen, um Lücken zu füllen und die neuen Einheiten aufzustellen. Die Ukraine ist gerade dabei, 14 neue Brigaden aufzustellen. Zuvor hatte es Beschwerden aus ukrainischen Luftwaffenverbänden zu Forderungen gegeben, dass von dort hoch qualifiziertes Personal für die Front abgezogen werden sollte. Die Armeeführung habe diesen Bestrebungen einen Riegel vorgeschoben, sagte Syrskyj. Dies seien erfahrene Spezialisten, "die durch niemanden ersetzt werden können". Aus den USA und anderen Nato-Staaten hatte es zuvor Forderungen gegeben, das Mindestalter der Frontsoldaten von 25 auf 18 Jahre zu senken. Zwar müssen alle Männer ab 18 Jahren einen Grundwehrdienst ableisten, in den Kriegseinsatz müssen Soldaten erst ab 25. Von den Frontabschnitten in der Ukraine werden weiterhin schwere Kampfhandlungen gemeldet. Der ukrainische Generalstab registrierte am Sonntag 125 Gefechte infolge russischer Angriffe. Allein am Dauer-Brennpunkt Pokrowsk am Rande des Donbass seien russische Einheiten im Tagesverlauf 62 Mal gegen die ukrainischen Linien vorgestoßen. "Der Feind unternimmt alle Anstrengungen, um Pokrowsk einzunehmen, und wir tun alles, um es zu verteidigen und seine Einnahme zu verhindern", sagte Oberkommandeur Olexander Syrskyj. Russland habe in diesem Abschnitt seine besten Einheiten positioniert und sei in der Lage, diese zu rotieren. Schwere Gefechte lieferten sich russische und ukrainische Einheiten auch in der westrussischen Region Kursk, wo das Militär Russlands seit Wochen versucht, die ukrainischen Einheiten aus dem Land zu vertreiben. Die ukrainischen Stellungen lagen dort nach Angaben des ukrainischen Generalstabs wiederholt unter schwerem Artilleriebeschuss. Die Angaben konnten nicht unabhängig geprüft werden. Das Bundesverteidigungsministerium hat einem Medienbericht zufolge im vergangenen Jahr für die Bundeswehr rund 4,6 Milliarden Euro weniger ausgegeben als möglich und geplant. Das berichtete das Nachrichtenmagazin Politico unter Berufung auf die Antwort des Ministeriums auf eine Frage des CDU-Bundestagsabgeordneten Ingo Gädechens. Demnach sind 1,6 Milliarden Euro, die im Verteidigungsetat unter anderem für den Kauf von Munition oder Fahrzeugen sowie für Instandhaltungen bestimmt waren, nicht abgeflossen. Die Ausgaben aus dem Bundeswehr-Sondervermögen fielen dem Bericht zufolge um 2,7 Milliarden Euro geringer aus als veranschlagt. "Nur nach mehr Geld zu rufen hilft nicht", sagte Gädechens. "Es muss auch handwerklich sauber zur Ausgabe gebracht werden." Bundesaußenministerin Annalena Baerbock hat sich dafür ausgesprochen, Waffenlieferungen in Höhe von drei Milliarden Euro an die Ukraine noch vor der Bundestagswahl zu beschließen. Sie hoffe, dass der Haushaltsausschuss das in der kommenden Woche umsetzen könne, sagte die Grünen-Politikerin in der ARD.Um die Waffenlieferungen hatte es zuletzt Streit zwischen der Außenministerin und Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) gegeben. Dieser will nur zustimmen, wenn dafür die Schuldenbremse ausgesetzt wird. Die Grünen sind wie FDP und Union der Meinung, dass eine Finanzierung der Ukraine-Hilfe über eine "außerplanmäßige Ausgabe" möglich ist. Guten Tag! In unseren Ukraine-News halten wir Sie weiterhin über die Entwicklungen im Krieg in der Ukraine auf dem aktuellen Stand. Alle wichtigen Nachrichten dazu erscheinen hier im Lauf des Tages. Die Berichterstattung über den Russland-Ukraine-Krieg ist komplex. Es gibt eine Vielzahl von Medienvertretern vor Ort, darunter auch unabhängige Journalisten aus verschiedenen Ländern. Trotzdem ist wichtig zu wissen, dass die Beschaffung verlässlicher Informationen schwierig ist, weil viele Quellen politisch motiviert sein können und schwer zu überprüfen sind. Dennoch gibt es unabhängige Experten, Organisationen und Journalisten, die differenzierte Einblicke bieten. Bei der Bewertung von Informationen sind verschiedene Quellen und eine kritische Haltung unerlässlich, um ein möglichst umfassendes Bild zu erhalten. Alles das berücksichtigt der MDR in seinen Berichten über den Russland-Ukraine-Krieg. Quellen: u.a. AFP,dpa,Reuters,MDR
mdr.de
Die Ukraine will sich verstärkt um die Rückkehr von Kriegsflüchtlingen aus Deutschland bemühen. Diese würden auch als Arbeiter in der Rüstung gebraucht. Dem ukrainischen Militär fehlen zudem Soldaten für neue Brigaden.
[ "Ukraine", "Krieg", "Russland", "Baerbock", "Militärhilfe", "Wehretat" ]
Welt
2025-01-20T20:25:00+01:00
2025-01-21T05:48:39+01:00
https://www.mdr.de/nachrichten/welt/osteuropa/ukraine-krieg-fluechtlinge-deutschland-rueckkehr-ruestung-soldaten-100.html
Kürzungen oder kürzen
Kürzungen Manchmal hat:    • Eine Firma,     • ein Verein    • oder ein Bundes-Land nicht genug Geld, um alle Sachen zu bezahlen. Deshalb muss die Firma zum Beispiel überlegen: Wo sie Geld weg-nehmen kann. Damit sie andere Sachen dafür bezahlen kann. Das bedeutet: Die Firma macht Kürzungen.Zum Beispiel in einer bestimmten Abteilung.
mdr.de
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Wörter-Buch
2024-11-14T12:36:06+01:00
2024-11-14T12:36:06+01:00
https://www.mdr.de/nachrichten-leicht/woerterbuch/glossar-kuerzungen-kuerzen-100.html
Wie die Stasi Joseph Ratzinger bespitzelte
Im Trabant tuckerte Joseph Ratzinger, der heutige Papst Benedikt XVI., im Jahr 1974 durch die Thüringer Landschaft. Er wollte die Klassikerstätten sehen. Von Erfurt ging es nach Jena und Weimar. Am Steuer saß Joachim Wanke, der heutige Erfurter Bischof. Für Wanke war der Ausflug "ein großes Vergnügen". Er war damals noch Assistent im Priesterseminar, der einzigen katholischen Hochschule der DDR. Mehrmals schon war Ratzinger nach Erfurt ins Priesterseminar gekommen, um vor den Studenten und Theologen Vorträge zu halten. Diesmal wollte er auch etwas von der DDR sehen. Neben der Trabi-Fahrt bekam Ratzinger einen Einblick in den typischen DDR-Alltag: Vor einer Hotel-Gaststätte in Weimar musste er eine halbe Stunde warten, bevor er einen Tisch zugewiesen bekam.Ratzinger war zu dieser Zeit bereits ein bekannter Geistlicher. Kein Wunder also, dass sich die DDR-Staatssicherheit mehr und mehr für ihn interessierte. Spektakulär sind die Informationen über den Besuch 1974 nicht. Ganz offensichtlich fehlten dem MfS geeignete Informanten. IM Birke, ein Mitarbeiter des Bischofs im Bistum Meißen, wusste lediglich zu erzählen, dass Ratzinger Vorträge über moderne Theologie vor Studenten und Akademikern gehalten habe. Von der Trabifahrt und dem Restaurantbesuch gab es keine Berichte. Ratzingers Bedeutung innerhalb der Kirche nahm stetig zu. Die Staatssicherheit verstärkte ihre Bemühungen, Informationen über ihn zu bekommen. Im Visier hatte sie unter anderem die Kontakte der katholischen Kirche über die innerdeutsche Grenze hinweg. So überwachte sie auch den Besuch Ratzingers 1978 in Berlin, als er zu einem Gespräch mit Kardinal Alfred Bengsch kam. Bengsch war damals Vorsitzender der Berliner Bischofskonferenz und damit oberster katholischer Bischof in der DDR. Die Auslandsabteilung der Staatssicherheit, die HVA, übernahm die Beobachtung Ratzingers und verpflichtete Agenten in Ost und West, um an Informationen zu kommen.Ratzinger galt in der DDR als konservativ, reaktionär und autoritär. Die Staatssicherheit verfolgte seinen Werdegang vom Erzbischof von München und Freising zum Kardinal bis zur Dienstaufnahme im Vatikan. 1984 schrieb die Stasi unter anderem, Ratzinger verbinde eine "enge Freundschaft" mit Karol Wojtyla, dem polnischen Papst Johannes Paul II. Ratzinger habe sich sehr für die Berufung Wojtylas zum Papst eingesetzt. Später habe Johannes Paul II. Ratzinger beauftragt, die "konterrevolutionäre Entwicklung in Polen" zu organisieren.Weiter stellt die Stasi fest, Ratzinger sei im Vatikan einer der einflussreichsten Politiker und werde als "einer der schärfsten Gegner des Kommunismus betrachtet". Überdies spreche er sich für nukleare Abschreckung zwischen den Militärblöcken aus, Pazifismus sei seiner Meinung nach realitätsfremd. Das MfS untersuchte auch Ratzingers Jugend und eventuelle Verbindungen in der Nazizeit. In einem Lebenslauf beginnt Ratzingers "politische Entwicklung" mit dem Eintrag "Flakhelfer" im Zweiten Weltkrieg. Auf mehreren hundert Seiten finden sich Informationen der Staatssicherheit zu Joseph Ratzinger, doch sie sind wenig aussagekräftig. Die einzelnen Berichte der Auslandsspionage wurden fast vollständig gelöscht. Überliefert sind lediglich Karteien, die, ähnlich einem Register, nur die grundlegenden Informationen enthalten, wer wann und warum Daten zu Ratzinger gesammelt hat.Nach Recherchen des MDR THÜRINGEN hat mindestens ein Dutzend inoffizieller Mitarbeiter der Stasi-Auslandsspionage HVA über Ratzinger berichtet. Hinweise auf Informationen aus dem persönlichen Bereich Ratzingers geben die Karteien aber kaum. Zumindest eines verraten sie: die Namen der offiziellen und inoffiziellen Mitarbeiter. Zwei DDR-Universitätsprofessoren berichteten über Ratzinger. Beide galten dem MfS als zuverlässig: IM Aurora, ein Professor in Jena und Warnemünde, lehrte wissenschaftlichen Atheismus. Hinter IM Lorac versteckte sich ein Theologie-Professor aus Leipzig. Informationen lieferte unter anderem auch IM Georg. Er arbeitete im Leitungsgremium der Berliner Bischofskonferenz und kannte die Interna der katholischen Kirche. Unter den Spitzeln, die die Stasi in der Bundesrepublik führte, war ein Benediktinerpater aus Trier unter dem Decknamen "Lichtblick". Er spitzelte jahrzehntelang für das MfS und berichtete äußerst umfangreich und "zuverlässig" über Ereignisse aus dem Vatikan. Auch der Agent "Antonius" lieferte massenhaft Informationen über Papst, Vatikan und Ratzinger. Antonius wusste Bescheid, schließlich arbeitete er für die katholische Nachrichtenagentur KNA aus Rom. Daneben führte die Stasi in Italien einen IM Bernd, der Informationen zur Außenpolitik des Vatikans lieferte und einen Journalisten in München mit Tarnnamen "Gemse". Besonders prominent in der Reihe der Informanten war ein CSU-Bundestagsabgeodneter, ein einstiger Vertrauter von Franz Josef Strauß, der für die Auslandsspionage der Stasi unter dem Decknamen "Löwe" "vertrauenswürdig" agierte. So war die DDR gut vorbereitet, als Joseph Ratzinger 1987 zum einzigen Katholikentreffen in der DDR nach Dresden reiste. Die Stasi betrieb einen enormen Aufwand bei der Überwachung des Treffens. Ratzinger reiste mit mehreren Bischöfen aus der Bundesrepublik an. Aufschlussreiche Informationen finden sich auch hierzu kaum noch in den Akten. Eher wirkt es so, als hätte die Stasi alles getan, um den Besuch Ratzingers, der als Vertreter des Papstes in die DDR kam, möglichst angenehm zu gestalten, zumindest was die Grenzkontrollen betrifft. Um jegliches Aufsehen zu vermeiden, waren die Sicherheitskräfte angewiesen, den Kardinal höflich und bevorzugt am Grenzübergang abzufertigen. Auch weltliche Übel wie Zollkontrollen oder der für andere Westbesucher übliche Mindestumtausch hatten zu entfallen. Trotz des großen Aufwands: Nicht alle Details, die die Stasi zu Ratzinger festhielt, waren korrekt. Seinen Geburtsort Marktl nennt das MfS beispielsweise Merkl. Und auch positive Seiten konnte die Stasi Ratzinger abgewinnen: Neben hoher Intelligenz bescheinigt sie ihm: "Obwohl er zunächst auf einen Gesprächspartner etwas scheu wirke, verfüge er über einen gewinnenden Charme."
mdr.de
Als Joseph Ratzinger noch Kardinal war, besuchte er oft die DDR. Dabei wurde er von der Staatssicherheit auf Schritt und Tritt überwacht. Er galt den Mächtigen als "einer der schärfsten Gegner des Kommunismus".
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DDR
2011-09-12T09:57:00+02:00
2025-05-07T16:58:50+02:00
https://www.mdr.de//geschichte/ddr/politik-gesellschaft/stasi/joseph-ratzinger-ueberwachung-100.html
Fotos von Neonazi-Konzerten: Verfahren gegen Journalisten eingestellt
Die Staatsanwaltschaft Meiningen hat das Verfahren gegen einen Journalisten wegen der Veröffentlichung von Fotos rechtsextremer Konzerten eingestellt. Das bestätigte ein Behördensprecher MDR THÜRINGEN. Es gebe keinen hinreichenden Tatverdacht. "Zusammengefasst liegt ein strafbares Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen nicht vor, da die Handlungen des Beschuldigten der Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens dienten" sagte der Behördensprecher. Der Journalist hatte im vergangenen Jahr das Geschehen rund um Neonazikonzerte im sogenannten "Flieder Volkshaus" in Eisenach dokumentiert. Dazu hatte er auch Fotos von Teilnehmern mit strafbaren Tätowierungen veröffentlicht. Die Eisenacher Polizei hatte ihn deshalb wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen angezeigt. Der Fall hatte bundesweit Schlagzeilen gemacht. Das Vorgehen der Polizei war von Journalistenorganisationen kritisiert worden. MDR (mm)
mdr.de
Die Staatsanwaltschaft Meiningen hat das Verfahren gegen einen Journalisten wegen der Veröffentlichung von Fotos rechtsextremer Konzerten eingestellt. Die Eisenacher Polizei hatte den Mann angezeigt.
[ "Nachrichten", "Eisenach", "Meiningen", "Rechtsextremismus", "Neonazi", "Konzert", "Polizei", "Thüringen" ]
Thüringen
2024-02-20T19:02:27+01:00
2024-02-21T11:10:37+01:00
https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/sued-thueringen/schmalkalden-meiningen/verfahren-fotos-rechtsextreme-konzerte-journalist-100.html
Weihnachtsfeuerwehr in Weißwasser auch in diesem Jahr geplant
Die Weihnachtsfeuerwehr will auch in diesem Advent in und um Weißwasser unterwegs sein. Das teilt der Förderverein der Freiwilligen Feuerwehr Weißwasser auf Anfrage von MDR SACHSEN mit. Der Antrag des Fördervereins soll noch in dieser Woche der Stadtverwaltung vorgelegt werden. Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr hatte im Sommer ein Merkblatt veröffentlicht, wodurch sogenannte Lichterfahrten nur unter bestimmten Bedingungen erlaubt sind. Zum Beispiel müssen für jedes Fahrzeug Ausnahmegenehmigungen beantragt werden und es dürfen nur bestimmte Straßen befahren werden.Der Förderverein der Freiwilligen Feuerwehr Weißwasser hat eigenen Angaben zufolge im Antrag Alternativen und Vorschläge gesammelt, wie die Lichterfahrt in Weißwasser den Forderungen entsprechend stattfinden kann. Seit 2020 rückt die Weihnachtsfeuerwehr in Weißwasser und der Region aus. Dafür schmücken die Feuerwehrkräfte historische Einsatzwagen unter anderem mit LED-Lichtschläuchen und Weihnachtsbeleuchtung. Mit den Oldtimern geht es dann an den Adventswochenenden auf Tour. Auch im Erzgebirge gab es in den vergangenen Jahren Lichterfahrten. Für dieses Jahr haben die Veranstalter die Parade abgesagt: Als Grund nennen sie die Auflagen des Landesamts für Straßenbau und Verkehr. MDR (vbo)
mdr.de
Geschmückt mit Lichterketten fährt die Feuerwehr Weißwasser seit mehreren Jahren im Advent durch die Region. Trotz bürokratischer Hürden soll die Fahrt auch in diesem Jahr stattfinden.
[ "Nachrichten", "Weißwasser", "Feuerwehr", "Weihnachtsfeuerwehr", "Lichterfahrt" ]
Sachsen
2024-09-27T09:20:33+02:00
2024-09-27T09:20:41+02:00
https://www.mdr.de//nachrichten/sachsen/bautzen/goerlitz-weisswasser-zittau/weihnachtsfeuerwehr-lichterfahrt-advent-100.html
Zuschuss: Sachsen fördert Solaranlagen auf Balkonen
Aktuelle Nachrichten finden Sie jederzeit auf mdr.de und in der MDR Aktuell App. Ab Dienstag können Menschen in Sachsen einen Zuschuss für sogenannte Balkonkraftwerke beantragen. Wie Umweltminister Wolfram Günther (Grüne) im MDR sagte, gibt es einmalig einen festen Betrag von 300 Euro. Nach Angaben des Umweltministeriums sollen die bereitgestellten Mittel für etwa 20.000 Anlagen reichen, eingeplant sind demnach etwa 6,5 Millionen Euro. Die Klimaschutzziele würden nur erreicht, wenn ganz viele Menschen mitmachten, so Umweltminister Günther. Für viele seien 300 Euro viel Geld, mit dem Zuschuss wolle man die finanzielle Hürde abbauen. Neue Solarmodule sollen den Angaben zufolge auch Nachbarinnen und Nachbarn, Freunde und Verwandte anstecken, selbst in die Photovoltaik einzusteigen. Günther bezeichnete die Förderung von Balkonkraftwerken als einen "wichtigen Schritt für die Energiewende in Sachsen." Die Preise für Solaranlagen für Zuhause richten sich nach der Menge der erzeugten Energie. Günstige Anlagen mit etwa 300-Watt kosten um die 650 Euro, für 600 Watt muss man 1.000 Euro oder mehr zahlen. Anträge können Mieterinnen und Mieter sowie Wohnungseigentümer mit Erstwohnsitz in Sachsen stellen. Dafür müsse die Anlage nicht nur gekauft, sondern auch erfolgreich in Betrieb genommen worden sein, so das Ministerium. Voraussetzung für die Förderung sei unter anderem, dass die Anlagen nicht vor dem Stichtag 22. Juni 2023 bestellt wurden. MDR (ben)/epd
mdr.de
Ab morgen können Menschen in Sachsen einen Zuschuss für sogenannte Balkonkraftwerke beantragen. Das Umweltministerium will damit auch die Klimaziele erreichen. Für die Förderung stehen 6,5 Millionen Euro bereit.
[ "Nachrichten", "Solar", "Balkon", "Klimaschutz", "Energie", "Strom" ]
Sachsen
2023-08-28T19:15:38+02:00
2023-08-30T00:19:13+02:00
https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen/balkonkraftwerk-foerderung-landesregierung-solar-100.html
Anna-Maria Zimmermann: "Wenn man Tiere haben möchte, muss man sich um sie kümmern!"
Auf den ausdrücklichen Wunsch ihrer beiden Söhne Sepp und Matti wurde die Familie von Anna-Maria Zimmermann im Sommer 2024 mit tierischem Nachwuchs beglückt. Nun bewohnen u.a. Zwerghühner und Wachteln einen großen Käfig im Garten der Familie. Neben dem angenehmen Aspekt nun immer frische Eier zur Verfügung zu haben, erfüllen die gefiederten Gefährten zusätzlich noch einen sehr wichtigen Aspekt: Hinter dieser Geschichte ist die Idee, dass auch Kinder mit vier und sechs Jahren so ein bisschen Verantwortung beigebracht bekommen. Das sind jetzt eure Tiere, die haben Hunger und Durst. Die müssen gefüttert werden. Wenn man Tiere haben möchte, muss man sich um sie kümmern. Ich glaube, dass das mit Hühnern und Wachteln ein ganz guter Start ist. Auch bei der Namensgebung für die neuen Familienmitglieder haben ihre beiden Söhne direkt Verantwortung übernommen, verrät Anna-Maria Zimmermann im Meine-Schlagerwelt-Interview. So wurde entschieden, dass die Wachteln und Hühner allesamt nach guten Freunden von Matti und Sepp benannt wurden. Bisher machen ihre beiden Söhne einen guten Job, was die Versorgung der Tiere angeht, so erzählt die Sängerin. Vielleicht auch weil bereits vor der Anschaffung festgelegt wurde, dass die Hühner und Wachteln nur langfristig bei der Familie bleiben können, wenn alle Familienmitglieder bei der Versorgung mitanpacken.
mdr.de
Anna-Maria Zimmermann versucht ihren beiden Söhnen, so gut es geht, alle Wünsche zu erfüllen. Gerade bei den neuen, tierischen Familienmitgliedern bringt die Musikerin ihren Kindern bei, Verantwortung zu übernehmen.
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Startseite
2024-11-13T15:39:01+01:00
2024-11-13T15:39:02+01:00
https://www.mdr.de//meine-schlagerwelt/anna-maria-zimmermann-wenn-man-tiere-haben-moechte-muss-man-sich-kuemmern-102.html
Sachse ist neuer Bürgermeister in Neustadt in Sachsen
In Neustadt in Sachsen ist der parteilose Alexander Sachse zum neuen Bürgermeister gewählt worden. Nach Angaben der Stadtverwaltung hat der 37-Jährige gut 82 Prozent der Stimmen erhalten. Der Kriminalbeamten ist von den Freien Wählern aufgestellt und Vorsitzender der Wählervereinigung "Freie Wähler Neustadt in Sachsen und Ortsteile". Einziger Gegenkandidat war Matthias Mews von der CDU. Er bekam knapp 18 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 56,8 Prozent. Es handelt sich dabei um ein vorläufiges Ergebnis. Am Montag tagt der Gemeindewahlausschuss, der ein endgültiges Wahlergebnis feststellen wird. Der bisherige Amtsinhaber Peter Mühle hört vorzeitig auf und geht in den Ruhestand. MDR (ddö/jwi/mis/lam)
mdr.de
In Neustadt in Sachsen im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge ist Alexander Sachse neuer Bürgermeister. Der 37-Jährige wurde am Sonntag mit großer Mehrheit gewählt.
[ "Nachrichten", "Neustadt", "Sachsen", "Bürgermeister", "Wahl", "Wahlen" ]
Sachsen
2025-05-19T06:23:55+02:00
2025-05-19T09:29:23+02:00
https://www.mdr.de//nachrichten/sachsen/dresden/dippoldiswalde-sebnitz/neustadt-buergermeister-wahl-sachse-mehrheit-100.html
B184 in Roßlau: Baurecht für Behelfsbrücke erteilt
Die Stadt Dessau-Roßlau hat das Baurecht für den Bau einer Behelfsbrücke an der maroden Zerbster Brücke in Roßlau erhalten. Noch im Oktober werde mit Arbeiten am Baufeld begonnen, so Siegrid Hofmann vom Bauamt der Stadt. Dazu werde es umfangreiche Baumfällungen geben. Derzeit laufe noch die EU-weite Ausschreibung für den Bau der temporären Behelfsbrücke. Hofmann rechnet damit, dass der Auftrag im Dezember vergeben und mit dem Bau der Behelfsbrücke Anfang Januar 2025 begonnen werden kann. Geplant sei eine Bauzeit von sieben Monaten, sodass nach derzeitigem Stand der Verkehr der Bundesstraße 184 im Sommer 2025 über die Behelfsbrücke rollen kann – laut Hofmann auch der Lkw-Verkehr, der seit der Sperrung der Zerbster Brücke weiträumige Umleitungen fahren muss. Die Behelfsbrücke in Stahlbauweise habe zwei Fahrspuren, sei für eine Geschwindigkeit von 30 Kilometer pro Stunde und für Lkw bis 40 Tonnen zugelassen. Die Stadt investiert laut Hofmann mehrere Millionen Euro. Für Lkw wird somit noch mindestens bis Sommer 2025 eine mehrere Kilometer lange Umleitung fällig: in Richtung Magdeburg über Streetz, in Richtung Dessau vorbei am Roßlauer Sportplatz – so die Stadt. Auch für den Ersatzneubau der Zerbster Brücke gibt es einen neuen Zeitplan. Laut Hofmann werden derzeit die Unterlagen für das Planfeststellungsverfahren erstellt. Das Verfahren selbst könne ein Jahr dauern, sodass 2026 die EU-weite Ausschreibung der Bauleistung erfolgen könne. Hofmann rechnet damit, dass die neue Zerbster Brücke von Ende 2026 bis 2028 gebaut werden kann. Der Neubau ist nötig, weil sich die 90 Jahre alte Zerbster Brücke – Teil der Bundesstraße 184 zwischen Dessau-Roßlau und Magdeburg – in einem desolaten Zustand befindet. Laut Stadt fallen Betonteile an verschiedenen Stellen auf die darunter befindlichen Bahngleise, sodass bereits eine Notsicherung unterhalb der Fahrbahnplatte eingebaut werden musste. Auch an der Mittelfuge der Brücke gebe es Schäden. Seit Monaten ist der Verkehr auf der Brücke eingeschränkt. Er erfolgt einspurig, mit Ampelreglung und mit reduzierter Geschwindigkeit. Lkw dürfen die Brücke nicht befahren. MDR (Susanne Reh, André Plaul)
mdr.de
Die Zerbster Brücke in Roßlau ist marode und seit Monaten ein Verkehrs-Nadelöhr. Nun steht der Zeitplan für einen Ersatz.
[ "Brücke", "Bundesstraße", "Sanierung", "Infrastruktur" ]
Sachsen-Anhalt
2024-10-18T12:54:42+02:00
2024-10-18T12:54:42+02:00
https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/dessau/dessau-rosslau/zerbster-bruecke-behelfsbruecke-baurecht-100.html
Welt-TV-Reporter vor Thüringer Landtag angegriffen
Vor dem Thüringer Landtag ist ein Reporter des Fernsehsenders "Welt-TV" von einem Mann angegriffen worden. Am Freitagmorgen war in einer Liveschalte zu sehen, wie ein Mann dem Journalisten Steffen Schwarzkopf gegen den Kopf schlug und ihm anschließend mit dem Finger gegen das Ohr schnipste. Ein weiterer Mann ging dazwischen. Laut Polizei wurde der Journalist auch beleidigt und das Auto des Mannes angespuckt. Schwarzkopf sei leicht verletzt worden. Die Liveschalte, die sich eigentlich mit dem Nachgang des TV-Duells zwischen Björn Höcke (AfD) und Mario Voigt (CDU) beschäftigen sollte, wurde aufgrund des Angriffs abgebrochen. Die Polizei in Erfurt bestätigte den Vorfall. Sie ermittle wegen des Verdachts auf Körperverletzung und Beleidigung gegen einen 42-jährigen Mann, wie eine Sprecherin sagte. Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) nannte den Vorfall auf X - vormals Twitter - "schockierend" und hoffte auf rasche strafrechtliche Konsequenzen. Auch Thüringens Landtagspräsidentin Birgit Pommer (Linke) verurteilte den Vorfall. Der Deutsche Journalistenverband in Thüringen forderte Strafverschärfungen bei Angriffen auf die Pressefreiheit. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) fordert eine konsequente Bestrafung des Täters. Heidje Beutel, Vorsitzende des DJV in Thüringen, sagte am Freitag, offensichtlich meinten einige Zeitgenossen, dass Journalistinnen und Journalisten Freiwild seien. "Angriffe und Gewalt gegen Journalistinnen und Journalisten haben aber nichts mit Meinungsfreiheit zu tun, es sind Straftaten.“ "Es reicht!", sagte auch Sebastian Scholz, Geschäftsführer des DJV Thüringen. Wer denke, ungestraft Journalistinnen und Journalisten angreifen zu können, dem müsse der Rechtsstaat deutliche Grenzen aufzeigen. Es sei an der Zeit, so Scholz, ernsthaft über eine Strafverschärfung für Angriffe auf die Pressefreiheit zu sprechen. "Nicht ohne Grund ist die Freiheit der Berichterstattung im Grundgesetz verankert. Ein Angriff auf dieses Grundrecht muss sich daher strafverschärfend auswirken." MDR (dpa/jn)
mdr.de
Bei einer Liveschalte nach Erfurt ist der "Welt-TV"-Reporter Steffen Schwarzkopf von einem Mann angegriffen worden. Dieser schlug dem Journalisten vor dem Thüringer Landtag gegen den Kopf. Die Polizei ermittelt.
[ "Nachrichten", "Angriff", "Welt-TV", "Steffen Schwarzkopf", "Liveschalte", "Fernsehen", "Angriff", "Schlag", "Voigt", "Höcke", "TV", "Duell", "TV-Duell", "Debatte", "Landtagswahl", "Welt", "Reaktionen" ]
Thüringen
2024-04-12T15:56:38+02:00
2024-04-12T20:19:29+02:00
https://www.mdr.de//nachrichten/thueringen/mitte-thueringen/erfurt/welt-tv-angriff-hoecke-voigt-fernsehen-100.html
Warschauer Pakt: Verteidigungsbündnis oder Kontrollinstrument der Sowjetunion?
Zehn Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg hatten acht sozialistische Staaten am 14. Mai 1955 in Warschau das Militärbündnis gegründet. Zu den Unterzeichnern gehörten neben der Sowjetunion Albanien, Bulgarien, die DDR, Polen, Rumänien, die Tschechoslowakei und Ungarn. Sie verpflichteten sich, in den internationalen Beziehungen keine Gewalt anzuwenden, ihre Außenpolitik zu koordinieren und im Fall eines Überfalls von außen einander militärisch zu helfen.In den ersten Jahren hatte das Bündnis allerdings eher politisches als militärisches Gewicht. Es wurde als östliches Pendant zur NATO gegründet, um dem Westen eine Art Tauschgeschäft schmackhaft zu machen: Die beiden Bündnisse sollten nach dem Willen Moskaus aufgelöst und durch ein kollektives Sicherheitssystem ersetzt werden, ähnlich dem Völkerbund der Zwischenkriegszeit. Die westlichen Regierungen lehnten jedoch ab - zu groß war die gefühlte Bedrohung aus dem Osten, ganz davon zu schweigen, dass das Vorbild versagt hatte. Mit der zweiten Berlin-Krise 1961 wurde die Verteidigungsdoktrin des Warschauer Pakts deutlich aggressiver. Im gegenseitigen Wettrüsten setzten auch die Strategen in Moskau auf Kernwaffen. Diversen Planungen zufolge sollte Westeuropa im Konfliktfall binnen Tagen überrannt werden. Dieses Szenario übten die Armeen des so genannten Ostblocks in großen gemeinsamen Manövern wie "Waffenbrüderschaft 80" oder "Schild 84". Ein Bündnis gleichberechtigter Partner war der Warschauer Vertrag allerdings nie. Von Anfang an diente er der Sowjetunion auch dazu, die sozialistischen Satellitenstaaten zu kontrollieren und die sowjetische Hegemonie im Ostblock zu sichern. "Diese Doppelrolle ist ein Unterschied zur NATO, die ein reines Sicherheitsbündnis war", sagt der Historiker Frank Umbach, der eine der umfangreichsten Monografien zu dem Thema verfasst hat. Bereits ein Jahr nach der Vertragsunterzeichnung marschierten sowjetische Soldaten 1956 in Ungarn ein, um die dortige Reformbewegung zu beenden, und 1968 erstickten die eigentlich verbündeten Einheiten den Prager Frühling. Auch bei den großen Solidarność-Streiks in Polen 1980 war die Angst vor einer Intervention weit verbreitet. Solange die UdSSR groß und mächtig blieb, war an einen Austritt der "Bruderländer" aus dem Warschauer Pakt nicht zu denken. Doch die Sowjetmacht begann zu bröckeln. Das Wettrüsten der Breschnew-Ära - zeitweise hatte der Warschauer Pakt fünf Millionen Mann unter Waffen - hatte die Wirtschaft des Ostblocks überfordert. Michail Gorbatschow war daher zum Umdenken gezwungen, Abrüstungsabkommen waren die Folge. Ein allmählicher Niedergang setzte ein und Ende der Achtziger war die Sowjetunion nicht mehr stark genug, um ihre Juniorpartner Ost-Berlin, Warschau, Prag und Budapest daran zu hindern, eigene Wege zu gehen. Im September 1990 trat die DDR als Gründungsmitglied nur wenige Tage vor der Wiedervereinigung aus dem Warschauer Pakt aus. Rainer Eppelmann, der frühere DDR-Minister für Abrüstung und Verteidigung, unterzeichnete das Austrittsprotokoll, in dem auch die Abwicklung der Nationalen Volksarmee geregelt ist. Am 31. März 1991 beschlossen die Regierungschefs der Warschauer-Pakt-Staaten die Auflösung des Bündnisses nach fast 36 Jahren. Drei Monate später wurden auch die politischen Gremien der Organisation aufgegeben. Der Kalte Krieg schein seitdem, Geschichte zu sein - bis zum russischen Angriff auf die Ukraine.
mdr.de
Der Warschauer Pakt wurde 1955 gegründet - das Militärbündnis der Ostblock-Staaten war als Pendant zur NATO gedacht, fungierte aber auch als Machtinstrument der Sowjetunion.
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DDR
2022-07-10T05:00:00+02:00
2022-08-25T17:12:27+02:00
https://www.mdr.de/geschichte/ddr/kalter-krieg/warschauer-pakt-sowjetunion-ostblock-102.html
AfD gewinnt Bundestagswahl in Sachsen
Die AfD hat die Bundestagswahl in Sachsen deutlich gewonnen. Die vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestufte Partei kommt nach Auszählung aller Wahlkreise auf 37,3 Prozent, wie aus Daten des Landeswahlleiters hervorgeht. Damit liegt sie weit vor der CDU auf Platz zwei mit 19,7 Prozent. Nach Auszählung aller 420 Gemeinden wird die Linke drittstärkste Kraft mit 11,3 Prozent. Darauf folgen BSW (9,0), SPD (8,5) und Grüne (6,5). Auch die beiden vorangegangenen Bundestagswahlen 2017 und 2021 hatte die AfD im Freistaat für sich entscheiden können.  Die Wahlbeteiligung lag bei 81,2 Prozent und damit 3,9 Prozentpunkte höher als 2021. SPD spricht von katastrophalem Ergebnis Schon nach der Prognose und den Hochrechnungen hatten Parteivertreter die absehbaren Ergebnisse auf Bundesebene bewertet. Die SPD bezeichnete ihr Abschneiden als "katastrophale Niederlage". "Dieses Ergebnis ist Mist", sagte SPD-Chef Henning Homann vor enttäuschten Parteimitgliedern in Dresden. "Da gibt es nicht schönzureden." Zu diesem Zeitpunkt lag die SPD bei 16,3 bis 16,4 Prozent.  Die sächsische Union sah im Wahlergebnis einen "starken Regierungsauftrag". Generalsekretär Tom Unger hofft darauf, dass es am Ende des Wahlabends für eine Zweier-Konstellation reicht. Das Land brauche jetzt stabile Verhältnisse, sagte er. Man werbe für einen Politikwechsel in Deutschland und nehme das Wahlergebnis mit Demut an. Die Freude ist ungebrochen, wir haben die Wahl klar gewonnen und nehmen das Ergebnis mit Demut an. Wir wollen einen Politikwechsel und müssen jetzt schauen, ob es eine Zweier- oder Dreierkoalition wird. Eine Zweierkoalition wäre besser, das Land braucht stabile Ergebnisse. AfD-Parteichef Jörg Urban zeigte sich zufrieden, dass die AfD ihr Wahlergebnis der letzten Bundestagswahl laut aktuellen Hochrechnungen verdoppelt hat. "Das ist ein Riesenschritt nach vorn für uns." Für die AfD sei es wichtig, 25 Prozent der Sitze zu bekommen. Die sächsische Grünen-Vorsitzende Marie Müser sieht ihre Partei für eine weitere Regierungsarbeit bereit, trotz der Angriffe im Wahlkampf von CDU-Chef Merz. "Es muss aus der Mitte des Parlaments eine Regierung gebildet werden und grundsätzlich stehen wir Bündnisgrünen bereit." Die Parteispitze der Linken in Sachsen hält das überraschend gute Abschneiden ihrer Partei für einen Vertrauensbeweis. "Wir freuen uns sehr über das gute linke Ergebnis. Wir haben die Themen angesprochen, die die meisten Menschen in diesem Land bewegen", sagten Parteichefin Susanne Schaper und ihr Co-Vorsitzender Stefan Hartmann. Man habe das Vertrauen vieler Menschen zurückgewonnen, weil man sich treu geblieben sei. Ich bin zutiefst dankbar. Ich denke, es hat sich ausgezahlt, dass wir unseren Werten treu geblieben sind. Wir haben es aus eigener Kraft geschafft. In der FDP und dem Bündnis Sahra Wagenknecht gab man sich bei Werten von knapp unter oder bei etwa fünf Prozent noch optimistisch. Der FDP-Bundestagsabgeordnete Torsten Herbst sah die Liberalen ohnehin als eine "Partei für Nervenstarke". In Sachsen hatte sich bereits am Wahltag eine höhere Wahlbteiligung als bei der Bundestagswahl 2021 abgezeichnet. Die Landeswahlleitung teilte mit, dass bis 14 Uhr rund 65 Prozent der möglichen Stimmen abgegeben worden sind. Das sind fast drei Prozent mehr als bei der letzten Bundestagswahl. Vor allem aus den Großstädten wurde ein größerer Andrang gemeldet: Chemnitz lag bei plus 11 Prozent, Leipzig bei etwa plus 6 und Dresden bei plus 2 Prozent. Seit Januar hatten die Kommunen in Sachsen viel zu tun wegen der vorgezogenen Neuwahl des Bundestages. Ursprünglich sollte erst im September 2025 gewählt werden. Weil der Bundeswahlausschuss noch Entscheidungen im Januar treffen musste, wurde mancherorts die Zeit fürs Drucken und Verteilen der Briefwahlunterlagen knapp. In Mittelsachsen und Nordsachsen begann die Auslieferung erst Mitte Februar. Das wiederum brachte Wählerinnen und Wähler in Zeitnot, die die Briefwahl beantragt hatten, aber in den Winterferien unterwegs waren oder noch sind. Von Bundestagswahl zu Bundestagswahl ist der Anteil der Briefwähler in den zurückliegenden Jahren gestiegen. Bei der vergangenen Bundestagswahl machte fast die Hälfte aller Wählerinnen und Wähler (47,3 Prozent) von der Briefwahl Gebrauch. In Sachsen schwankte der Briefwähler-Anteil damals. Genau im Bundesschnitt lag die Stadt Wolkenstein, wo 47,3 Prozent der Wähler schon vorab die Briefwahl nutzten. Auch in den beiden Dresdner Wahlkreisen war der Briefwähler-Anteil hoch (mehr als 46 Prozent). In Zschepplin und Elsterheide lag der Anteil dagegen bei etwas mehr als 16 Prozent. Vor vier Jahren gingen drei von vier Wahlberechtigten (76,5 Prozent) in Sachsen zur Bundestagswahl. Die meisten gaben ihre Erst- und Zweitstimme der AfD. Die CDU bekam die zweitmeisten Erststimmen. Die SPD wiederum kam bei den Zweitstimmern vor der CDU auf Rang zwei. Eine Übersicht über die Wahlergebnisse der vergangenen Bundestagwahl finden Sie unter diesem Link. Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung In einigen Gemeinden in Sachsen wurde am Sonntag nicht nur über den neuen Bundestag abgestimmt. In Hohnstein in der Sächsischen Schweiz ging es um den Bau künftiger Windkraftanlagen, in Radeberg und Arnsdorf um die Ausweisung von Gewerbegebieten.In Grimma und in Niederdorf im Erzgebirge standen zudem Bürgermeisterwahlen an. MDR (kk/pri/dkö)/dpa
mdr.de
Die AfD hat die Bundestagswahl in Sachsen deutlich gewonnen. Die vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestufte Partei kommt nach Auszählung aller Wahlkreise auf 37,3 Prozent.
[ "Nachrichten", "Sachsen", "Bundestagswahl", "Wähler", "Statstik", "Bundestagswahl 2021", "Wahlrechtsreform", "Parteien" ]
Sachsen
2025-02-24T02:08:10+01:00
2025-02-24T02:08:10+01:00
https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen/politik/bundestagswahl-ergebnis-afd-gewinner-100.html
Zoll kontrolliert Barbershops in Halle, Dessau-Roßlau und Sangerhausen
Der Zoll hat in mehreren Städten in Sachsen-Anhalt Barbershops kontrolliert. Bei der Aktion, die bereits in der vergangenen Woche stattfand, seien Beamte dem Verdacht der illegalen Beschäftigung nachgegangen, sagte André Schneevoigt, Sprecher des Hauptzollamtes Magdeburg, MDR SACHSEN-ANHALT. 160 Barbershop-Mitarbeitende in Sangerhausen, Dessau-Roßlau, Halle und Magdeburg mussten den Zöllnern Auskunft über ihre Beschäftigungsverhältnisse geben. In 52 Fällen werde derzeit überprüft, ob Verstöße vorliegen. In Halle ist laut Hauptzollamt Magdeburg bereits ein Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen den Chef eines Barbershops und einen seiner Beschäftigten eingeleitet worden. Es bestehe der Verdacht der Beschäftigung von Ausländern ohne gültigen Aufenthaltstitel. Nach Angaben des Zolls wurde bei den Kontrollen geprüft, ob Arbeitgeber ihre Beschäftigten ordnungsgemäß zur Sozialversicherung angemeldet haben, ob Sozialleistungen zu Unrecht bezogen werden oder wurden und ob Ausländer die für die Aufnahme einer Beschäftigung erforderlichen Arbeitsgenehmigungen und Aufenthaltstitel besitzen. Zudem ginge es darum, ob die Mindest-Arbeitsbedingungen eingehalten werden oder sogar ausbeuterische Arbeitsbedingungen vorliegen. An der landesweiten Aktion waren mehr als 100 Zollbeamte beteiligt. MDR (Marc Weyrich, Luise Kotulla) | Erstmals veröffentlicht am 18.09.2024
mdr.de
Der Zoll in Sachsen-Anhalt hat zahlreiche Barbershops durchsucht. Es ging unter anderem um den Verdacht von Schwarzarbeit. Dutzende Ermittlungen laufen.
[ "Nachrichten", "Barbershop", "zoll", "Verstöße", "Kontrolle", "Aufenthaltstitel", "Ausländer" ]
Sachsen-Anhalt
2024-09-19T09:32:14+02:00
2024-09-19T09:32:14+02:00
https://www.mdr.de//nachrichten/sachsen-anhalt/zoll-kontrolle-barber-shops-schwarzarbeit-102.html
Die Bauhaus-Stiftung in der Stadt Dessau bekommt eine neue Direktorin
Am 1. September vom Jahr 2021 bekommt die Bauhaus-Stiftung Dessau eine neue Direktorin.Es hatten sich 32 Menschen aus der ganzen Welt beworben.Die neue Direktorin wird Barbara Steiner.Sie ist Kunst-Historikerin.Das bedeutet,sie weiß viel:    • Über Kunst     • und über Kunst-Geschichte.Das hat Rainer Robra der Presse gesagt.Er ist der Kultur-Minister vom Bundes-Land Sachsen-Anhalt.Und er ist der Chef vom Stiftungs-Rat von der Bauhaus Stiftung Dessau. Barbara Steiner weiß sehr viel über: Die Moderne.Das ist eine besondere Zeit.Sie war vom Jahr 1880 bis 1920.In der Zeit haben zum Beispiel viele Künstlerviele neue Sachen ausprobiert.Barbara Steiner war auch lange Zeit die Chefinvon der Stiftung von der Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig.
mdr.de
Die neue Direktorin wird Barbara Steiner. Sie weiß viel über Kunst und Kunst-Geschichte.
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2021-04-27T14:59:19+02:00
2021-04-27T14:59:19+02:00
https://www.mdr.de/nachrichten-leicht/ls-barbara-steiner-neue-Direktorin-bauhaus-stiftungen-dessau-100.html
Warum konventionelle Landwirte in Sachsen-Anhalt auf mehr Nachhaltigkeit setzen
Wenn Christian Münchhoff seine Äcker düngt, vertraut er auf Hilfe aus dem All. Satellitenbilder zeigen dem Landwirt aus dem Blankenburger Ortsteil Derenburg, wo auf den Feldern die Pflanzen wie gut wachsen. An seinen Traktoren hat der 38-jährige Bauer zudem Stickstoffsensoren angebracht. So kann er auf den Quadratmeter genau bestimmen, wie viel Pflanzenschutz- und Düngemittel er an welcher Stelle ausbringen muss. Dank solcher digitaler Technologien habe sich der Verbrauch von Pflanzenschutz- und Düngemitteln im Vergleich zu den 1990er-Jahren um mindestens ein Drittel reduziert, schätzt der Bauer, dessen Hof mit rund 1.000 Hektar Ackerfläche zu den größeren Landwirtschaftsbetrieben in Sachsen-Anhalt gehört. Dadurch wird die Natur weniger belastet und Münchhoff spart Kosten für die immer teurer werdenden Düngemittel. Etwa 90 Prozent der Felder in Sachsen-Anhalt werden nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums konventionell bewirtschaftet, auch die von Christian Münchhoff, auf denen vor allem Weizen, Roggen, Raps, Erbsen und Sonnenblumen wachsen. Die Bundesregierung will, dass sich der Anteil der ökologisch bewirtschafteten Landwirtschaftsflächen bis 2030 bundesweit auf 30 Prozent erhöht. Für Christian Münchhoff ist ein Umstieg allerdings keine Option. "Für uns stand das nie zur Diskussion", sagt er. Schließlich seien Öko-Betriebe deutlich weniger ertragreich. Angesichts des steigenden Nahrungsmittelbedarfs auf der Welt müsse man sich daher "stark hinterfragen, ob man hier auf so einem Hochertragsstandort, wie wir ihn in Sachsen-Anhalt haben, als Bio-Landwirt nur die Hälfte ernten möchte." Stattdessen bemühen sich Münchhoff und seine Mitarbeitenden trotz konventioneller Methoden darum, möglichst nachhaltig zu wirtschaften. "Wir denken nicht von Jahr zu Jahr, sondern von Generation zu Generation", sagt Münchhoff. "Wir wollen unsere Böden nicht auslaugen. Wir wollen so arbeiten, dass auch kommende Generationen noch von diesen Feldern leben können." Umso mehr ärgert ihn der bisweilen schlechte Ruf seiner Branche. "Viele Landwirte werden als Umweltverschmutzer dargestellt, was etwa die Nitratbelastung im Boden oder zu viel Phosphor auf den Feldern angeht", sagt Münchhoff. Ein Imageproblem vor allem konventioneller Landwirtschaftsbetriebe hat auch der Bauernbund Sachsen-Anhalt erkannt. Er hat deshalb ein unabhängiges Prüfinstitut damit beauftragt, zu testen, wie nachhaltig Bauernhöfe im Land arbeiten. "Wir wollen herausfinden, wie nachhaltig die Betriebe wirtschaften, unabhängig von der Bewirtschaftungsform", sagt Martin Dippe, der Präsident des Bauernbundes Sachsen-Anhalt. "Konventionelle Landwirtschaft kann genauso nachhaltig sein wie ökologische", ist Dippe überzeugt. Betriebe, die ein positives Nachhaltigkeitszertifikat vorweisen können, sollten daher künftig gesetzliche Erleichterungen etwa bei der Düngemittelverordnung zugesprochen bekommen, fordert der Bauernbund-Präsident. Bislang haben sich allerdings nur wenige Betriebe freiwillig einem Nachhaltigkeitstest unterzogen. Einer davon ist der von Christian Münchhoff. Zahlreiche Daten seines Derenburger Bauernhofes wurden dazu von dem Prüfinstitut analysiert: Von Lohn und Arbeitszeit der Mitarbeitenden über Gewinnmarge und Eigenkapitalquote bis hin zur Stickstoff- und Phosphorbilanz. Nur, weil man konventionell wirtschaftet, heißt das nicht, dass man nicht nachhaltig ist. Das Ergebnis: Sowohl in der Gesamtnote als auch in den drei Unterkategorien Ökologie, Ökonomie und Soziales erreichte Münchhoffs Betrieb die zweithöchste von vier Bewertungen. Für Christian Münchhoff kommt die gute Bewertung nicht überraschend: "Wir sind weit über den gesetzlich geforderten Mindestanforderungen", sagt der Landwirt. "Nur, weil man konventionell wirtschaftet, heißt das nicht, dass man nicht nachhaltig ist." Auf andere Landwirtschaftsbetriebe übertragen lassen sich die Ergebnisse von Münchhoffs Hof zwar nicht. Doch auch der Direktor des Instituts für Agrar- und Ernährungswissenschaften der Martin-Luther-Universität in Halle, Hermann Swalve, ist davon überzeugt, dass konventionelle Landwirtschaft nachhaltig sein kann. "Nachhaltige Landwirtschaft ist immer dann gegeben, wenn ich Ressourcen für die Zukunft spare. Das kann ich sowohl ökologisch als auch konventionell machen", sagt er. Das Dilemma der Vergleichbarkeit beschreibt der Professor an einem Beispiel: "Das Spritzen gegen Unkraut, wie es im konventionellen Ackerbau üblich ist, vereinfacht die Bewirtschaftung der Ackerflächen und spart Bearbeitungsgänge. Wenn ich einmal spritze und im gleichen Arbeitsgang säe, dann habe ich Ressourcen gespart, weil ich nur einmal fahren muss und weniger Diesel verbrauche. Aber ich habe eben Spritzmittel verwendet. Der ökologische Landwirt, der das Unkraut mechanisch entfernen will, braucht dagegen viel mehr Arbeitsgänge und viel mehr Treibstoff." Ob ökologische oder konventionelle Landwirtschaft nachhaltiger arbeite, lasse sich daher nie pauschal sagen, so Swalve. Was man allerdings sagen könne: Die Landwirtschaft sei in Deutschland heute insgesamt deutlich nachhaltiger als in vielen anderen Ländern. Verbraucherinnen und Verbrauchern, die nachhaltig produzierte Lebensmittel konsumieren möchten, rät Swalve daher, vor allem regionale Produkte zu kaufen. "Wir müssen künftig viel mehr digitale Möglichkeiten nutzen, etwa in den Bereichen Smart Farming und Precision Farming, um nachhaltiger zu werden", sagt Bauernbund-Präsident Martin Dippe. "Das Motto 'Es war schon immer so und wird auch immer so bleiben' wird uns nicht helfen, wir müssen als Branche vorangehen." Einer, der bereits vorangeht, ist Bauer Christian Münchhoff. Er ist überzeugt, dass sich der Trend zu mehr Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft fortsetzen wird. Denn je mehr jüngere Landwirte die Höfe übernehmen, desto nachhaltiger werde auch die Produktion, glaubt Münchhoff, der seinen Hof selbst vor knapp zehn Jahren von seinem Vater übernommen hat. "Der Generationswechsel bringt meist mehr Offenheit für neue Technologien mit sich", sagt Münchhoff. Auch seinen eigenen Betrieb sieht er nicht am Ende der Möglichkeiten. Die Ergebnisse des Nachhaltigkeitstests will er deshalb genau analysieren – um zu erkennen, an welchen Stellschrauben er noch drehen kann. MDR (Lucas Riemer, Georg Hölting)
mdr.de
Bis 2030 soll knapp ein Drittel der Äcker bundesweit ökologisch bewirtschaftet werden. Konventionelle Landwirte in Sachsen-Anhalt fühlen sich benachteiligt – und wollen zeigen, dass auch sie nachhaltig arbeiten.
[ "Landwirtschaft", "Nachhaltigkeit", "Test", "Zertifikat", "Bio", "Öko", "Konventionell" ]
Sachsen-Anhalt
2023-05-14T17:20:46+02:00
2023-05-15T05:54:40+02:00
https://www.mdr.de//nachrichten/sachsen-anhalt/landwirtschaft-nachhaltig-konventionell-zertifikat-100.html
Saal
Das ist ein großer Raum.Dort können verschiedene Veranstaltungen gemacht werden.Zum Beispiel besondere Feiern.
mdr.de
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Wörter-Buch
2024-12-12T11:12:45+01:00
2024-12-12T11:12:45+01:00
https://www.mdr.de/nachrichten-leicht/woerterbuch/glossar-saal-100.html
Polizei auf dem Land: So arbeiten Regionalbereichsbeamte ohne Polizeistation
Es ist Freitag, kurz vor 7 Uhr. Jens Ruhnke und Susanne Scharf sind auf dem Weg zu einem typischen ersten Einsatz des Tages. "Gerade in Niederndodeleben gibt es öfter mal Probleme mit den Elterntaxis", meint Scharf. Wenige Meter voneinander entfernt und in einer Sackgasse liegen die Grund- und die Sekundarschule des Ortes. Eltern haben sich hier schon mehrfach beschwert, die Straße sei kurz vor Schulbeginn zugeparkt, Autofahrer würden Radfahrer bedrängen und Kinder gefährden. Jens Ruhnke ist in der Hohen Börde aufgewachsen und seit 1990 bei der Landespolizei. Seit zehn Jahren ist er der Regionalbereichsbeamte (RBB) in seiner Heimat. Susanne Scharf ist Magdeburgerin und seit 1995 Polizistin. Vor ihrem RBB-Job war sie im Lage- und Führungszentrum der Polizeiinspektion im Dienst. Kontrollen vor Schulen sind für beide absolute Routine. Ruhnke dreht eine kurze Runde über den Pausenhof, grüßt Schüler und Lehrer, zeigt Präsenz. Susanne Scharf tauscht sich derweil mit besorgten Vätern aus. "Hier müsstet ihr viel öfter kontrollieren. Gestern sah es ganz anders aus", meint einer. An diesem Morgen klappt der Schulbeginn in Niederndodeleben reibungslos. Auch den Austausch mit den Jugendlichen schätzen Ruhnke und Scharf sehr. "Die bekommen häufig Sachen mit, die wir gar nicht auf dem Schirm haben. Und sie sollen auch wahrnehmen, dass man mit uns normal sprechen kann", meinen sie. Als Regionalbereichsbeamte sind die beiden nicht diejenigen, die als erste bei Notrufen alarmiert werden. Ihre Hauptaufgabe ist Prävention, sich Zeit zu nehmen, etwa in Schulen oder Seniorenheimen Aufklärungsarbeit leisten. Zudem sind sie, wie alle anderen RBBs in Sachsen-Anhalt, für die Bürger der Hohen Börde telefonisch, per Mail oder zu Sprechzeiten im Rathaus der Gemeinde persönlich ansprechbar. Sie nehmen natürlich auch Anzeigen auf, über das "elektronische Revier", in dem Bürger online Anzeige erstatten können. "Da fehlen allerdings häufig Angaben. Da steht dann 'Fahrrad geklaut' ohne Identifikationsnummer oder Kontaktdaten, da müssen wir uns häufig Informationen zusammensuchen", erzählen sie. Mit zwei Beamten und nur einem Fahrzeug ein Gemeinde-Gebiet abzudecken, das nur etwas kleiner als Magdeburg ist, ist keine leichte Aufgabe. Vor allem nicht, wenn einer der beiden nicht zum Dienst antreten kann. Dann gebe es nach Möglichkeit Unterstützung aus anderen Gemeinden, so Ruhnke. Außerdem fahren im gesamten Landkreis Börde reguläre Streifenwagen. Ruhnke und Scharf sind auch dafür zuständig, Fahrer von Blitzer-Fotos zu ermitteln. Zudem kontrollieren sie Falschfahrer auf landwirtschaftlichen Wegen, registrieren falsch geparkte Lkws im Gewerbegebiet nahe dem ElbePark oder messen die Geschwindigkeit vor Kitas. Insgesamt geht es für die beiden aber etwas entspannter zu als im normalen Polizeidienst. Sie erzählen, es bleibe mehr Zeit für persönliches, um kurz mit Anwohnern zu plaudern, Katzen zu streicheln, beim Bäcker nach dem Rechten zu sehen oder sich auf Feuerwehr- oder Heimatfesten zu zeigen. "Das ist was ganz anderes als im Funkstreifenwagen", meint Scharf. Ruhnke meint: "Man kennt hier mittlerweile jede Schule, jeden Gemeinde-Mitarbeiter, jeden Stein. Das gibt einem sehr viel und ich bin sehr erfreut darüber, dass hier machen zu können." Susanne Scharf meint: "Mir macht das wahnsinnig viel Spaß. Der Job ist sehr vielfältig, man kann ganz andere Kontakte knüpfen als im Streifendienst. Das ist nicht negativ gemeint, ist aber wirklich so. Wichtig ist uns respektvoller Umgang unter den Menschen, mit Lehrern, mit Rettungskräften und das die Leute eben auch wissen: Wir sind nicht die, die irgendwem immer an den Kragen wollen, wir sind da, um zu helfen. Man kann mit jedem Problem zu uns kommen, und wenn wir nicht helfen können, dann kennen wir bestimmt jemanden, der das kann." MDR (Max Hensch, Leonard Schubert)
mdr.de
Die Polizei in Sachsen-Anhalt hat aus Kostengründen zahlreiche Polizeistationen geschlossen. Stattdessen sind nun sogenannte Regionalbereichsbeamte im Einsatz. Wie funktioniert das? Ein Einblick.
[ "Polizei", "Sachsen-Anhalt", "Regionalbereichsbeamte", "Spardruck", "Kosten", "Stationen", "Wachen" ]
Sachsen-Anhalt
2024-06-04T07:09:51+02:00
2024-06-07T22:38:32+02:00
https://www.mdr.de//nachrichten/sachsen-anhalt/magdeburg/boerde/polizei-land-regionalbereichsbeamte-niederdodenleben-100.html
Der perfekte Garten für Wildbienen und andere Insekten
Ohne die blühenden Inseln, auf denen Pflanzen wachsen, die Nahrung spenden und Lebensräume für ihre Nachkommen bieten, würden Hummeln und Wildbienen in zugebauten Städten verhungern und könnten sich nicht vermehren. Solche Inseln können Gärten sein, die blühende Wiese vor dem Haus oder auch der kleine Balkon. Dabei ist es gar nicht so schwer, den Garten oder den Balkon insektenfreundlich zu gestalten. "Unsere Gärten können Inseln der Nahrungsvielfalt sein", sagt Gärtnerin Brigitte Goss. "Man kann viel tun, indem man weniger tut". Auch viele Wildpflanzen im Garten sind die perfekte Nahrungsquelle für Insekten. Die Rote Taubnessel ist eine hervorragende Insektenweide. Das Zimbelkraut wächst zwischen Mauern und blüht ständig nach. Auch auf der blühenden Kleewiese werden Insekten satt. Aber welches Wildkraut darf stehen bleiben und welches sollte weg? Diese Entscheidung muss jeder Gärtner selbst treffen. Hier gilt es, die richtige Balance zu finden, sagt Gärtnerin Brigitte Goss. Es ist auch verständlich, dass nicht jeder möchte, dass sich Wildkräuter im ganzen Garten ausbreiten. Löwenzahn und der blühende Giersch - die ebenfalls reichlich Nahrung spenden - nehmen schnell überhand, wenn man sie blühen lässt. Brigitte Goss rät deshalb, einen Teil des Gartens als wildes Paradies den Insekten und Tieren zu überlassen und einen anderen Teil zu pflegen und zum Beispiel mit insektenfreundlichen Stauden zu gestalten. Auch eine Mäh-Pause tut dem Ökosystem Garten gut. Auf der Wiese wächst viel mehr als man denkt - wenn man Wiesen- und Ackerkräuter wie Kamille, Margerite oder den wilden Mohn wachsen lässt. Die Deutsche Gartenbaugesellschaft und die Gartenakademie Rheinland- Pfalz haben deshalb die Aktion: #Mähfreier Mai ins Leben gerufen. Ein Aufruf an alle Gartenbesitzer, den Rasenmäher im Wonnemonat Mai - wenn alles wächst und blüht - einfach mal im Schuppen zu lassen. Heimische Wildpflanzen im Garten haben viele Vorteile. Sie sind perfekt an die Umgebung und das Klima angepasst, sie überstehen kalte Winter ohne Problem und sie bieten Insekten ein reichhaltiges Nahrungsangebot. Viele Insekten und heimische Pflanzen brauchen einander. Die Raupen des Tagpfauenauges ernähren sich fast ausschließlich von Brennnesseln. Unter den so wichtigen Wildbienenarten gibt es einige, die sich sogar auf bestimmte Pflanzen spezialisiert haben, wie die Lauchmaskenbiene oder die Glockenblumenscherenbiene. Vieles wissen wir auch noch nicht über das Zusammenspiel von Wildpflanzen und Insekten. Um aber die Vielfalt an Tieren und Pflanzen zu erhalten, können Gärten eine wichtige Rolle einnehmen, sagt Brigitte Goss. "Nicht zuletzt helfen wir damit den Nützlingen und uns selbst." Heimische Wildkräuter: Weitere blühende Kräuter: So wichtig Wildpflanzen im Garten sind, gerade Wildbienen schätzen aber auch das Angebot von Kulturpflanzen und Exoten in den Gärten. Ein schönes Beispiel sind Traubenhyazinthen, die sowohl wild in Weinbergen wachsen, aber auch als gezüchtete Formen angeboten werden. Ursprünglich kommen die Frühblüher aus dem Mittelmeerraum. Mitte des 16. Jahrhunderts wurden sie nach Deutschland eingeführt und fühlen sich seitdem hier richtig wohl. Sie spenden Insekten dann Nahrung, wenn die Vegetation noch nicht viel Nektar und Pollen zu bieten hat und schließen so eine Lücke im Nahrungsangebot. Stark gefüllte Blüten haben übrigens nichts für Insekten zu bieten. Insekten brauchen Nistplätze, an denen sie ihre Brut sicher ablegen und versorgen können. Einer kleinen Gruppe von Wildbienen können wir mit Insektenhotels helfen oder hohle Stängel aufhängen, die sie dankend annehmen. In die von uns Menschen gemachten Bauwerke, zieht die gehörnte Mauerbiene gern ein. Aber Insekten haben ganz unterschiedliche Vorlieben. Die Wespe sucht geschützte Ecken und baut lieber selbst. Erdwespen graben sich gern - geschützt unter Holzstapeln - ins Erdreich ein. Auch die meisten Wildbienen bevorzugen es, ihr Quartier im wilden Garten zu suchen. Laut der Naturschutzorganisation World Wide Fund For Nature (WWF) leben 75 Prozent der Wildbienen im Boden und bauen sich im Erdreich ihre Höhlen. Der Rest nutzt Fraßgänge von Käfern in morschem Totholz oder zieht in leere Schneckenhäuser ein. Gerade deshalb sind unaufgeräumte Ecken im Garten so wichtig, sagt Gärtnerin Brigitte Goss. Denn die meisten Insekten suchen sich dort - in der natürlichen Umgebung - ihren Unterschlupf. In extremen Trockenzeiten verdunstet der Morgentau schnell und Bienen, Hummel, Schmetterling und Co. brauchen dringend zusätzliche Wasserstellen im Garten. Sie bedienen sich am Seerosen- oder Fischteich, auch Wasserstellen für Vögel nehmen sie gerne an. Wichtig ist, dass die Wasserstellen gut erreichbar sind und Insekten einen Landeplatz haben, von dem aus sie trinken können. Wir können ihnen die Wasseraufnahme erleichtern, indem wir mit Steinen kleine Inseln schaffen. Nutzen Sie zum Beispiel einen Untersetzer eines Blumentopfes. Legen Sie Steine und kleine Äste hinein, damit sich die Tierchen retten können, sollten sie doch einmal abrutschen und ins Wasser fallen. Auch Moos oder Algen am Teichrand sind beliebte Landeplätze für Schmetterlinge. Von solchen Beobachtungen können wir uns viel abschauen und ein Mooskissen in die Trinkschale legen. Licht im Garten sollte nur sehr sparsam eingesetzt werden, sagt Gärtnerin Brigitte Goss. Nachtaktive Insekten werden vom Licht magisch angezogen. Sie verlieren die Orientierung und kreiseln bis zur Erschöpfung um die Lichtquellen herum. Aber auch tagaktive Insekten können in ihrer Nachtruhe gestört werden. Überlegen Sie also genau, an welchen Stellen im Garten Licht wirklich notwendig ist und wann es gebraucht wird. Wählen Sie Lampen aus, die nach unten leuchten. Problematisch sind Solarleuchten. Sie laden sich tagsüber auf und leuchten die ganze Nacht vor sich hin, wenn schon längst niemand mehr im Garten ist. Schalten Sie die Lichter im Garten einfach aus, wenn Sie schlafen gehen. Quelle: MDR Garten/dd; Gartenfachberaterin Brigitte Goss
mdr.de
In zugebauten Städten sind Gärten rettende Inseln für Insekten. Hier können sie Pollen und Nektar finden, wenn es artenreich zugeht und blüht. Auch offene Böden, Wasserstellen und geeignete Nistplätze sind wichtig.
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Gestalten
2022-07-11T08:17:33+02:00
2022-07-11T08:17:33+02:00
https://www.mdr.de/mdr-garten/gestalten/insekten-freundlich-natur-wildbienen-nuetzlinge-102.html
Die Fünfziger | Der Blick über den Gartenzaun
Die Idee zur "1. Gesamtdeutschen Leipziger Woche für Kultur- und Dokumentarfilm" entsteht im Ostberliner "Club der Filmschaffenden der DDR": In Leipzig sollen Dokfilmproduktionen aus der DDR eine Plattform erhalten. Unter der Leitung von Wolfgang Kernicke findet das erste Filmfestival der DDR vom 11. bis 17. September 1955 statt. Hierbei steht zunächst der gesamtdeutsche Charakter im Vordergrund. Zur Eröffnungsveranstaltung im "Capitol" werden u. a. "Aladin mit der Wunderlampe" (DDR) und "Wunder der Bienenwelt" (BRD) gezeigt. Das kommt an beim Publikum. Allein am ersten Abend kommen 1.000 Besucher, darunter 37 ausländische Gäste. Die Abteilung Kultur und schöne Literatur beim ZK der SED hat den Club der Filmschaffenden in Verbindung mit den DEFA-Studios für Dokumentar- und Populärwissenschaftlichen Film beauftragt, im Anschluss an die diesjährige Herbstmesse eine gesamtdeutsche Kultur- und Dokumentarfilmwoche in Leipzig durchzuführen. Der Rat der Stadt Leipzig hat beschlossen, daß das Festival zu einer ständigen Einrichtung, jeweils im Anschluss an die Leipziger Herbstmesse, gemacht werden soll. Ausländische Filme laufen nur noch nebenbei, vom Wettbewerb sind sie ausgeschlossen. Aber auch die anderen Filme haben es schwer. Viele müssen vor ihrer Ausstrahlung umgeschnitten werden, da sie angeblich zu pessimistisch sind. Sogar der Hauptpreisträger "Martins Tagebuch" von Heiner Carow (DDR) wird zensiert. Daneben verteilt die Jury "Gesamtdeutsche Gartenzwerge" für die schlechtesten Filme und fordert generell mehr Qualität. Das Festival findet nicht statt: 1957 begründet das Ministerium für Kultur den Ausfall mit der angeblich "verschlechterten Situation im westdeutschen Kulturfilmschaffen". 1958 kriseln die deutsch-deutschen Beziehungen: Die BRD tritt der NATO bei und die DDR dem Warschauer Pakt. Das Festival verliert seine eigentliche Funktion als "gesamtdeutsche Kultur- und Dokumentarfilmwoche" und fällt aus. 1959 soll eine "Kultur- und Dokumentarfilmwoche der sozialistischen Länder" etabliert werden. Gegen diese Idee spricht sich der Club der Filmschaffenden aus, das Festival findet wieder nicht statt.
mdr.de
"1. Gesamtdeutsche Leipziger Woche für Kultur- und Dokumentarfilm" - das war die Idee, mit der das Leipziger Dokfilmfest in den 1950er-Jahren geboren wurde. Lesen Sie hier mehr über die Anfänge.
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DDR
2021-11-19T13:13:00+01:00
2023-03-30T13:49:40+02:00
https://www.mdr.de//geschichte/ddr/politik-gesellschaft/kultur/filmfest-leipzig-woche-fuer-kultur-und-dokumentarfilm-ddr-fuenfziger-jahre-100.html
Leipziger Tropos-Institut: Australische Waldbrände verringerten möglicherweise Regen weltweit
Noch immer gibt es in der Forschung große Unsicherheit, wie groß der Einfluss einzelner Extremereignisse auf das gesamt Klima ist. Das Leipziger Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) beschäftigt sich schon seit langem mit den Waldbränden in Australien vom "Black Summer" genannten Jahreswechsel 2019/20. Vor etwas mehr als einem Jahr haben die Forscher dazu schon erste Erkenntnisse veröffentlicht. So haben die Waldbrände beispielsweise einen Wirbel erzeugt, der die Winde in der Stratosphäre über längere Zeit veränderte. Eine aktuelle TROPOS-Studie knüpft nun an die Arbeiten aus dem Vorjahr an. Mit Hilfe von Computersimulationen zeigen die Autoren der neuen Studie, dass die Absorption des Sonnenlichts durch den australischen Rauch zu einer relevanten Erhöhung der Temperatur geführt haben muss, sowohl der oberen Troposphäre und aber auch der unteren Stratosphäre und zwar um einige Grad Celsius. Dieser Effekt trat nicht nur lokal in der Südhemisphäre auf. Die Ausläufer wanderten im Laufe weniger Monate über die Tropen in Richtung Nordhemisphäre. Dieses unerwaretete Phänomen konnte nach Analyse der Simulationsdaten auf Veränderungen der globalen Zirkulation zurückgeführt werden. Die so veränderten klimatischen Rahmenbedingungen hatten dann wiederum einen umgekehrten Einfluss auf das Wetter. So führte die Erwärmung der oberen troposphärischen Schichten im Simulationsmodell zu einer verringerten relativen Luftfeuchtigkeit und so zu einem Rückgang von Zirruswolken. Letztlich lassen die Ergebnisse darauf schließen, dass durch die Wirkung des australischen Rauches ein Rückgang des globalen Niederschlags um zirka 0,2 Prozent im Bereich des Möglichen ist. "Unsere Erkenntnisse zeigen, dass sich nicht nur die Zirruswolkenbedeckung reduziert, sondern sich der gesamte Wasserkreislauf durch die australischen Brände abgeschwächt haben könnte", sagt TROPOS-Forscher Fabian Senf, "obwohl die quantitative Abschätzung dieser Effekte extrem unsicher ist." Um diese Unsicherheiten in Zukunft kleiner zu machen, muss noch viel mehr geforscht werden. Die Zeit drängt, meint Ina Tegen vom TROPOS: "Da der rasche Klimawandel das Risiko und die Intensität von Waldbränden erhöht, muss dringend die Beschreibung von extremen Feuern und deren Auswirkungen in den globalen Klimamodellen verbessert werden." F. Senf et al.: "How the extreme 2019–2020 Australian wildfires affected global circulation and adjustments", erschienen in "Atmospheric Chemistry and Physics" (rr)
mdr.de
Die riesigen Waldbrände 2019/20 in Australien haben weltweit wahrscheinlich zu weniger Luftfeuchte, weniger Zirruswolken und weniger Niederschlag geführt, zeigt eine neue TROPOS-Studie aus Leipzig.
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2023-11-13T16:26:17+01:00
2023-11-13T16:26:17+01:00
https://www.mdr.de//wissen/globale-auswirkungen-einzelner-waldbraende-100.html
Erfolg für DART-Mission: Nasa lenkt Asteroiden in neue Umlaufbahn
Das Newtonsche Trägheitsgesetz hat Bestand – auch im Fall von stadiongroßen Asteroiden, die von Menschen nach dem Prinzip einer Billard-Kugel mit einer Sonde angestoßen werden. So könnte man die Ergebnisse der Nasa-Mission DART (Double Asteroid Redirection Test) kurz zusammenfassen. Die US-Weltraumbehörde hatte gestern festgestellt, dass es ihren Ingenieuren erfolgreich gelungen ist, die Umlaufbahn eines Asteroiden wie gewünscht zu verändern durch den gezielten Einschlag einer dafür gebauten Sonde. Ziel des DART-Experiments war es, Methoden zu testen, wie wir die Erde im Notfall vor einem heranrasenden Planetenkiller schützen können. Denn sehr große Felsbrocken aus dem Weltraum können das gesamte Ökosystem der Erde grundlegend verändern. Das zeigt der etwa 15 Kilometer breite Asteroid, dessen Einschlag in Mexiko vor 66 Millionen Jahren das Zeitalter der Dinosaurier beendet hat. Um einen herannahenden Asteroiden abzuwehren, muss seine Flugbahn verändert werden. Wie das gelingen kann, wollte die Nasa an dem Doppelasteroiden-System Didymos und Dimorphos testen. Der kleinere Dimorphos mit einem Durchmesser von 170 Metern kreist um den größeren Didymos, dessen Durchmesser etwa 800 Meter misst. Die Ende November 2021 gestartete DART-Sonde (die selbst etwa die Größe eines Getränkeautomaten hat) sollte also Dimorphos direkt treffen und so seine Umlaufbahn um den größeren Körper verändern. Und das ist nun tatsächlich gelungen. Wie die Nasa am Dienstag mitteilte, hat der Einschlag der Sonde am 26. September die Umlaufbahn von Dimorphos tatsächlich leicht beschleunigt. Die Umlaufdauer konnte von 11:55 Stunden auf 11:23 Stunden verkürzt werden, eine Zeitersparnis von mehr als 30 Minuten. Dafür war die Sonde mit einer Geschwindigkeit von 22.500 Kilometern pro Stunde auf den Asteroiden eingeschlagen. "Diese Mission zeigt, dass die Nasa versucht, auf alles vorbereitet zu sein, was das Universum uns entgegenwirft. Die Nasa hat bewiesen, dass wir die Verteidigung des Planeten ernst nehmen", sagte der Nasa-Chef Bill Nelson. In den kommenden Wochen wollen die Astronomen nun herausfinden, welche weiteren Folgen der Einschlag der Sonde hatte, ob sich zum Beispiel Trümmer vom Asteroiden gelöst haben und in welche Richtung diese gegebenenfalls fliegen. (ens/dpa)
mdr.de
Billard im Weltraum geglückt: Nasa-Forscher einen Asteroiden mit einer Sonde beschossen und so dessen Umlaufbahn verändert. Missionen wie DART sollen eine Blaupause liefern für die Abwehr gefährlicher Weltraumkörper.
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2022-10-12T16:13:03+02:00
2022-10-12T16:13:03+02:00
https://www.mdr.de/wissen/nasa-mission-dart-lenkt-asteroiden-ab-100.html
1.500 sächsische Webseiten nach Rechtsverstößen nachgebessert
Etwa 1.500 sächsische Betreiber von Internetseiten haben ihre Web-Auftritte nachgebessert. Wie Sachsens Datenschutzbeauftragte Juliane Hundert am Sonntag mitteilte, hatten die Anbieter Google Analytics eingesetzt, ohne die Nutzer um ihre Einwilligung zu bitten. Sie waren im Mai bei einer Datenschutz-Kontrolle wegen Verstößen aufgefallen und aufgefordert worden, den Datenschutz zu verbessern. Auf zwei Dritteln der damals identifizierten Websites werde nunmehr auf den Einsatz von Google Analytics zur Nachverfolgung des Nutzerverhaltens verzichtet oder zuvor um eine eindeutige Einwilligung der Nutzer gebeten, teilte die Datenschutzbeauftragte mit. Bei den Kontrollen im Mai war bei 2.300 von 30.000 sächsischen Internetauftritten der rechtswidrige Einsatz von Google Analytics festgestellt worden. Betroffen waren Webseiten von Unternehmen, Vereinen und öffentlichen Stellen. Mit Google Analytics werden Daten von Internetnutzern gesammelt, die unter anderem Informationen für personalisierte Werbung liefern. Zur Durchführung der Kontrolle teilte Hundert mit, dass ihre Behörde mit automatisierten Webseiten-Scans gearbeitet habe. "So konnte nicht nur eine Vielzahl an Datenschutzverstößen ermittelt, sondern inzwischen auch zum überwiegenden Teil beseitigt werden", teilte sie weiter mit. Wer jedoch weiterhin rechtswidrig Nutzerdaten mit Google Analytics verarbeite, müssen mit Sanktionen rechnen, hieß es. MDR (tfr)/dpa
mdr.de
Nach einer Kontrolle sächsischer Webseiten im Mai haben 1.500 Anbieter ihren Internetauftritt überarbeitet. Sie hatten rechtswidrig Google Analytics einsetzt, ohne das Einverständnis der Nutzer einzuholen.
[ "Nachrichten", "Google", "Analytics", "Hundert", "Datenschutzbeauftragte", "Kontrolle" ]
Sachsen
2024-10-27T17:44:43+01:00
2024-10-27T17:44:43+01:00
https://www.mdr.de//nachrichten/sachsen/datenschutz-google-analytics-kontrolle-100.html
Die Bundes-Regierung gibt noch mehr Geld für den Bau von einer neuen Synagoge in Dessau
Dessau ist eine Stadt im Bundes-Land Sachsen-Anhalt.Dort gibt es eine Synagoge.Sie wurde im 2. Weltkrieg zerstört.Das war in der Reichs-Pogrom-Nacht. Jetzt wird die Synagoge wieder neu aufgebaut.Dafür hat die Bundes-Regierung Förder-Gelder an die Stadt Dessau gegeben. Aber das war nicht genug Geld.Denn seit einiger Zeit ist das Bauen sehr teuer.Deshalb bekommt die Stadt Dessau jetzt noch mehr Förder-Gelder.Ein Mitarbeiter vom Bundes-Innen-Ministerium hat gesagt:Wir geben Dessau 1 Million und 400 Tausend Euro für den Bau von der Synagoge. Nancy Faeser ist die Bundes-Innen-Ministerin.Sie hat gesagt:Wir müssen alle verschiedenen jüdischen Menschen schützen.Und wir müssen ihnen helfen.
mdr.de
Die Bundes-Regierung hat schon einmal Geld gegeben. Aber das war nicht genug.
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2023-07-28T15:46:53+02:00
2023-07-28T15:46:53+02:00
https://www.mdr.de//nachrichten-leicht/leichte-sprache-neubau-synagoge-foerderung-gelder-100.html
17. Juni 1953: Volksaufstand in der DDR
Nur wenige Jahre nach ihrer Gründung stand die DDR beinahe vor ihrem Ende. Aus einem Arbeiterprotest entwickelte sich im Juni 1953 innerhalb von wenigen Stunden ein politischer Volksaufstand. Es war ein Schlüsselereignis in der frühen deutsch-deutschen Geschichte. Während in der Bundesrepublik das Wirtschaftswunder begann, steckte die DDR in einer schweren wirtschaftlichen Krise. Die Neuordnung von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft wurde in der DDR nach sowjetischem Vorbild vorangetrieben. Unter der Führung der SED wurde der Sozialismus sowjetischer Prägung seit Staatsgründung in allen Lebensbereichen durchgesetzt. Zur offiziellen Politik erklärt wurde der "Aufbau des Sozialismus" allerdings erst 1952. Mit Zustimmung Moskaus verkündete Walter Ulbricht, Generalsekretär des ZK, den "planmäßigen Aufbau des Sozialismus" und beschleunigte damit bereits begonnene Maßnahmen wie die Kollektivierung der Landwirtschaft, die Verdrängung des privaten Mittelstands, den Kampf gegen die Kirche und den Ausbau der Schwerindustrie. Ein Jahr zuvor, im Juli 1952, hatte die SED auf ihrer II. Parteikonferenz eine "Verschärfung des Klassenkampfes" eingeleitet und eine Reihe von Maßnahmen erlassen, die sich nicht nur gegen Mittelstand, Bauern und Christen richteten, sondern schließlich zum Absinken des Lebensstandards und einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage führten. In Übereinstimmung mit den Vorschlägen aus der Arbeiterklasse [...] hat das Zentralkomitee der Sozialistischen Einheitspartei beschlossen, [...] dass in der Deutschen Demokratischen Republik der Sozialismus planmäßig aufgebaut wird. So notierte das Protokoll die Worte des Generalsekretärs Walter Ulbricht auf der Parteikonferenz. Ulbricht und die Genossen ahnten nicht, dass ihr "planmäßiger Aufbau" des Sozialismus nach sowjetischem Vorbild einen Volksaufstand nach sich ziehen würde. Der auf der Parteikonferenz beschlossene "verschärfte Klassenkampf" führte die DDR innerhalb weniger Monate in eine Versorgungskrise. Es kriselte in der Produktion und die Stimmung im Land war schlecht. Dafür gab es viele Gründe: Der einseitige Ausbau der Schwerindustrie ging auf Kosten der Konsumgüter- und Lebensmittel-Produktion. Die Landwirtschaft wurde kollektiviert. Handwerker und mittelständische Privatunternehmer erlebten Druck und steuerliche Zwangsmaßnahmen. Zusätzlich entzog der Aufbau der kasernierten Volkspolizei der Wirtschaft Arbeitskräfte. 1953 war die Lage in der DDR so schlecht, dass Partei und Regierung nur eine Möglichkeit sahen, um eine Versorgungskatastrophe abzuwenden: Es musste mehr produziert werden. Ende Mai erhöhte das Zentralkomitee der SED den Druck auf die Arbeiter und beschloss eine Anhebung der Arbeitsnormen um 10,3 Prozent. Die Mehrarbeit kam einer Lohnkürzung gleich. Mit dieser Politik brachte die Parteiführung nicht nur die eigene Bevölkerung gegen sich auf, sie alarmierte auch die neue sowjetische Führung, die nach Stalins Tod im März 1953 eine Destabilisierung der DDR fürchtete. Denn in den Monaten vor dem Volksaufstand hatten Zehntausende die DDR verlassen, um den Repressionen zu entgehen. Die Sowjetunion verlangte angesichts der Krise die Rücknahme einiger der beschlossenen Maßnahmen zum "Aufbau des Sozialismus". Daraufhin machte die SED Zugeständnisse und verkündete am 11. Juni den "Neuen Kurs". Er sollte die harte Linie korrigieren und den Klassenkampf entschärfen. Einige der Maßnahmen wurden zurückgenommen. Die SED versprach, die Preise zu senken, die Versorgung zu verbessern sowie Enteignungen von Handwerks- und Landwirtschaftsbetrieben zurückzunehmen. Von der kurz zuvor verordneten Normerhöhung war allerdings nicht die Rede, die erwartete Rücknahme blieb aus. Der Zorn der Arbeiter wuchs. In der aufgeheizten Stimmung erschien am 16. Juni in der Gewerkschaftszeitung "Tribüne" ein Beitrag des stellvertretenden FDGB-Vorsitzenden, der die Normerhöhung verteidigte. Provoziert von diesem Artikel formierte sich am Vormittag ein Protestzug von Bauarbeitern in der Berliner Stalinallee, der Vorzeigebaustelle des Nationalen Aufbauprogrammes. Der Versuch des SED-Politbüros, die Stimmung zu besänftigen, kam zu spät. Am Mittag hatte es die Erhöhung der Arbeitsnormen rückgängig gemacht, doch der Protest richtete sich nun auch gegen die Regierung. Gegen 14 Uhr forderte die auf 10.000 Menschen angewachsene Menge vor dem Haus der Ministerien nicht nur die Rücknahme der Normerhöhung, sondern den Rücktritt der Regierung und freie Wahlen. Mit einem Lautsprecherwagen machten die Demonstranten ihre Forderungen bekannt und riefen zum Generalstreik am nächsten Tag auf. Während sich der DDR-Rundfunk in Schweigen hüllte, berichtete der in West-Berlin beheimatete Rundfunksender RIAS ausführlich über die Proteste. So erfuhr auch die Bevölkerung im Rest der DDR von den Vorkommnissen in der Hauptstadt. Arbeiter aller Industriezweige Ostberlins forderten in den Abendstunden besonders nachdrücklich, dass die Ostberliner sich am Mittwoch früh um 7 Uhr am Strausberger Platz zu einer gemeinsamen Demonstration versammeln sollen. Diese Ankündigungen und Aufrufe wurden von verschiedenen Demonstrationsgruppen bekannt gegeben. Vertreter der Arbeiter und anderer Gruppen der Ostberliner Bevölkerung hoben hervor, dass die Bewegung weit über Ostberlin und über den Rahmen einer Protestdemonstration gegen die Normerhöhung hinausgegangen sei. Tags darauf, am 17. Juni, brannte die Republik. Erneut versammelten sich die Arbeiter der Stalinallee. Auch Bauarbeiter anderer Großbaustellen und Betriebe schlossen sich an. Ohne zentrale Koordination versammelten sich in 701 Städten und Gemeinden über eine Million Menschen, zahlreiche Betriebe wurden bestreikt. Die Demonstranten stellten mittlerweile weitere politische Forderungen: "Weg mit Ulbricht", Auflösung der kasernierten Volkspolizei, Pressefreiheit und die Einheit Deutschlands. Es kam zu Ausschreitungen, SED-Symbole und Transparente wurden abgerissen und teilweise verbrannt, SED-Funktionäre verprügelt. Parteichef Walter Ulbricht und Ministerpräsident Otto Grotewohl flohen in das Hauptquartier der Sowjetischen Streitkräfte nach Berlin-Karlshorst. Arbeitnehmer im Süden der DDR wie in Halle und Leipzig, Dresden, Gera, Merseburg und Görlitz schlossen sich am Morgen den Forderungen der Berliner Demonstranten an und versammelten sich zu großen Protestumzügen. Besonders in den Industriegebieten um Halle, Leipzig und Gera und in Berlin kam es zu schweren Auseinandersetzungen. Der SED drohte die Macht vollkommen zu entgleiten. Mancherorts wurden Parteizentralen, Stadtverwaltungen und Gefängnisse gestürmt, überwiegend politische Gefangene unter dem Jubel der Demonstranten freigelassen. Die Sicherheitskräfte des Staatsapparates schienen meist wie gelähmt. Nur an einigen Orten griff die DDR-Polizei zur Schusswaffe und feuerte auf Demonstranten. Erste Tote waren zu beklagen. Die ursprünglich von großen Industriebetrieben ausgehenden Unruhen griffen auch auf kleine Städte und Gemeinden und die Landbevölkerung über. In Mühlhausen demonstrierten rund 2.000 Bauern. Am Ende erfasste der Volksaufstand mehr als 560 Orte in der DDR. Aus der Unzufriedenheit mit der eigenen wirtschaftlichen Situation war eine Generalabrechnung mit der Diktatur der SED geworden. Bereits in der Nacht hatten sowjetische Truppen strategische wichtige Plätze besetzt, hielten sich aber noch zurück, da sich die Demonstrationen nirgendwo gegen die Besatzungsmacht selbst richteten. Gegen 13 Uhr verhängte die sowjetische Besatzungsmacht im Ostsektor von Berlin und in weiten Teilen des Landes das Kriegsrecht. Am späten Nachmittag fuhren in den Städten sowjetische Panzer auf. Zuerst gaben die russischen Soldaten Warnschüsse ab, später schossen sie auch in die Menge. Viele Demonstrationszüge zerstreuten sich beim Anrollen der Panzer. Bei der Räumung fuhren die Panzer auch in Menschenmengen hinein. Die Demonstranten konnten nur mit Schmährufen, Knüppeln und Steinen antworten. Wie viele DDR-Bürger sich rund um den 17. Juni an den Demonstrationen und Streiks beteiligten, ist bis heute unklar. Die Angaben schwanken zwischen 400.000 und 1,5 Millionen Menschen. Keine genauen Zahlen gibt es auch zu den Todesopfern. Schätzungen liegen zwischen 50 und 125 Toten. Hunderte Demonstranten wurden verletzt. Auf Seiten der DDR-Polizei gab es fünf Tote bei den teilweise gewaltsamen Erstürmungen von Gefängnissen. Nach der Niederschlagung des Aufstandes folgte eine landesweite Welle von Verhaftungen und Gerichtsurteilen. Bis zu 15.000 Menschen wurden - oft willkürlich - festgenommen. Sowjetische Militärtribunale und DDR-Gerichte verurteilten eine große Zahl angeblicher Rädelsführer. Bis Januar 1954 verhängten allein DDR-Gerichte mehr als 1.500 zum Teil langjährige Haftstrafen und zwei Todesstrafen. Auch die sowjetischen Militärtribunale verhängten Strafen von bis zu 25 Jahren Gefängnis. Fünf Männer wurden von der Roten Armee zum Tode verurteilt und hingerichtet. Verurteilte des 17. Juni wurden auf ihrer Anstaltskleidung durch ein großes "X" kenntlich gemacht und in der Haft oft besonders schlecht behandelt. Die Angst vor dem Verlust der Macht führte zu einem Ausbau des Repressivapparates, der bis zum Ende der DDR 1989 ständig verstärkt wurde. Der 17. Juni 1953 blieb für die DDR-Führung bis 1989 ein traumatisches Ereignis. Sie machte den Westen für den Aufstand verantwortlich und log den Volksaufstand zu einem "faschistischen Putsch" um. In der Bundesrepublik wurde der 17. Juni bis 1990 als "Tag der deutschen Einheit" begangen. Unter Historikern war es lange umstritten, ob besser "nur" von einem Arbeiteraufstand oder von einem Volksaufstand zu sprechen sei. Obwohl die Arbeiterschaft die Hauptkraft der Bewegung bildete, beteiligten sich auch Bauern, Handwerker, Angestellte, Selbstständige und Studenten an den Protesten. Mittlerweile sieht die Forschung die Massenbewegung des 16./17. Juni 1953 als Volkserhebung für Einheit und Freiheit und spricht von einer "gescheiterten Revolution" gegen das totalitäre System. Dieser Artikel erschien erstmals im Juni 2011 und wurde im Juni 2023 aktualisiert.
mdr.de
Am 17. Juni 1953 protestierten mehr als eine Million Menschen in der DDR weitgehend friedlich gegen das kommunistische Regime. Sie forderten den Rücktritt der Regierung, freie Wahlen und die Vereinigung Deutschlands
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DDR
2023-06-09T13:46:24+02:00
2025-02-21T18:19:56+01:00
https://www.mdr.de//geschichte/ddr/politik-gesellschaft/protest-siebzehnter-juni-ddr-aufstand-100.html
Sind seit Corona mehr Menschen impfskeptisch?
Gibt es seit der Corona-Pandemie mehr Menschen, die das Impfen skeptisch sehen? Nein, sagt Markus Beier. Er ist der Bundesvorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes: "Die Gruppe derer, die impfskeptisch sind und auch schon waren, die hat sich verfestigt. Die sind lauter geworden, teils sogar aggressiver und sind auch mehr in der Öffentlichkeit." Beier sieht das aber nicht als Trend. Die Menschen in den Praxen hätten "ein großes Interesse" und es gebe "eine große Nachfrage an Impfungen". Die Impfquote sei bei den meisten Impfungen stabil – gut sei sie deshalb aber nicht. Darauf weist auch der aktuelle Impfbericht des Robert Koch-Instituts (RKI) hin. Einen Rückgang der Impfquote stellt das RKI dagegen bei der saisonalen Grippeimpfung fest. Für Personen ab 60 Jahren wird die Quote seit der Influenzasaison 2008/09 erhoben. Das RKI schreibt dazu im Bericht: "Seitdem fiel die Impfquote von anfänglich 51 Prozent auf zuletzt nur noch 38 Prozent in der Saison 2023/24, unterbrochen von einem vorübergehenden Anstieg in der Saison 2020/21." Möglicherweise habe die Corona-Pandemie zu dem zwischenzeitlichen Anstieg geführt, da mit der Corona-Impfkampagne auch zum Schutz vor Influenza aufgerufen worden sei. Grundsätzlich höhere Impfquoten werden bei Kindern erreicht, vor allem im Säuglingsalter. Danach wird es schwieriger, die Kinder und Jugendlichen und ihre Eltern zu erreichen. Ein Beispiel ist die HPV-Impfung zur Vorbeugung von Gebärmutterhalskrebs bei Frauen, die für Mädchen und Jungen empfohlen wird. Die Impfquote steigt nur noch langsam. Burkhard Rodeck, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, erklärt, das seien "Impfungen, die man gar nicht so ganz auf dem Schirm hat". Da sei die Aufklärung ganz wichtig. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) fragt seit 2012 regelmäßig die Einstellungen zum Impfen bei 16- bis 85-Jährigen ab. Christoph Peter leitet das Referat für Infektionsschutzrisiko und Krisenmanagement. Er sagt: "Wir konnten zuerst feststellen, dass die Zahlen 2012 im Verhältnis relativ gering waren und dann während der Corona-Pandemie, was die positive Einstellung zum Impfen anging, gewachsen sind." Die letzte Befragung fand im Sommer 2022 statt, die nächste soll 2025 durchgeführt werden. Peter geht davon aus, dass der positive Trend anhalte. Das sehe er an den Seitenaufrufen und Bestellungen von Infomaterialien im BzgA-Onlineshop: Die Klickzahlen und Bestellungen seien extrem in die Höhe gegangen. Auch bei den Bürgeranfragen sei es so, dass die Leute wirklich interessierter seien und auch wissenschaftlichere Fragen im Vergleich zu vor der Corona-Pandemie stellten. Ob sie sich dann auch wirklich impfen lassen, bleibt abzuwarten.
mdr.de
Das Thema Impfen war in der Corona-Pandemie heftig umstritten. Hat sich das auf die allgemeine Impfbereitschaft der Deutschen ausgewirkt?
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Deutschland
2024-12-26T05:00:05+01:00
2024-12-26T05:00:05+01:00
https://www.mdr.de//nachrichten/deutschland/gesellschaft/wie-viele-impfungen-seit-corona-100.html
Leben mit Behinderung - Adressen und Links
Mauerstraße 53 10117 Berlin Telefon für "Infos für Menschen mit Behinderungen": 030 221911 016Schreibtelefon für Gehörlose und Hörgeschädigte: 030 221911016Gebärdentelefon (ISDN-Bildtelefon): 030 188080805 E-Mail: [email protected]: 030 221911017 Eine inklusive Gesellschaft ist eine vielfältige und bunte Gesellschaft. Diese Vielfalt soll auf der neuen Inklusionslandkarte dargestellt werden. Hier erscheinen Institutionen, Organisationen und Projekte, die sich mit dem Thema Inklusion beschäftigen und sich auf den Weg gemacht haben, inklusiv zu werden. Vielleicht auch in Ihrer Nähe! Die Integrationsämter unterstützen schwerbehinderter Menschen bei der Eingliederung in das Arbeitsleben. Dabei sind sie gleichermaßen für behinderte Menschen wie auch für Arbeitgeber tätig. Kontaktmöglichkeiten entnehmen Sie bitte der Homepage. Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband e.V.Rungestraße 1910179 Berlin Telefon: 030 285387-0Fax: 030 285387-200 Deutscher Gehörlosenbund e.V.Am Zirkus 410117 BerlinTelefon: 030 609895360Telefax: 030 609895363E-Mail: [email protected] Die DRV informiert über medizinische oder berufliche Rehabilitationsleistungen, bedarfsgerechte Leistungen von Kranken- und Pflegekassen und unterstützt bei der Ermittlung von Rentenversicherungsleistungen. Kostenloses Servicetelefon: 0800 10004800 Altkrautheimer Staße 2074238 KrautheimTelefon (Zentrale): 06294 4281-0Fax: 06294 4281-79E-Mail: [email protected] Die Selbsthilfevereinigung "Lebenshilfe" ist ein Eltern-, Fach- und Trägerverband für Menschen mit geistiger Behinderung und ihre Familien. Kontaktmöglichkeiten entnehmen Sie bitte der Homepage. Invalidenstraße 2910115 BerlinTelefon: 030 83001-270Fax: 030 83001-275E-Mail [email protected] Die Aktion Mensch hat einen Online-Wegweiser für Behinderte und ihre Angehörigen zusammengestellt. Hier finden Sie Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen, Förderungsmöglichkeiten für behinderte Menschen u.v.m. Kirchfeldstraße 149 40215 Düsseldorf Telefon: 0211 31006-0 Fax: 0211 31006-48 E-Mail: [email protected]
mdr.de
Interessante Adressen für Behinderte, ihre Familien und Freunde mit aktuellen Informationen zu den unterschiedlichsten Themen.
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Startseite
2018-03-14T12:14:13+01:00
2018-03-14T12:14:13+01:00
https://www.mdr.de//selbstbestimmt/artikel30392_page-0_zc-6615e895.html
Polyplay - Spielautomaten aus der DDR
Polyplay – so hieß der einzige in der DDR hergestellte Videospielautomat. Er wurde 1985 entwickelt und angefertigt im Kombinat "VEB Polytechnik und Präzisionsgerätewerk Karl Marx-Stadt" – pro Monat zehn Stück. Ein Automat kostete in der Herstellung 22.000 Mark, fürs Aufstellen und Betreiben war der VEB Staatszirkus der DDR zuständig. Der Polyplay war nicht für den Privathaushalt gedacht, sondern für Ferienheime, Jugendherbergen, Jugendklubs und Gaststätten. Ein Spiel kostete 50 Pfennig. Erstmals wurde der Polyplay 1986 auf der "Messe der Meister von Morgen" in Leipzig präsentiert. Der Automat im Press-Span-Gehäuse hatte zunächst zwei Bedien-Elemente: Einen Spielknopf und einen Knopf als Steuerhebel. Außerdem gab es anfänglich acht Knöpfe zur Spielauswahl – genauso viele Spiele barg der erste Polyplay in sich: Hirschjagd, Hase und Wolf, Abfahrtslauf, Schmetterlinge, Schießbude, Wagenrennen, das Merkspiel und Wasserrohrbruch. Beim Nachfolgermodell wurden die Spiele zusammen mit einer kurzen Spielanleitung ins Bildschirmmenü aufgenommen und die Auswahlknöpfe waren Vergangenheit. Optik und Action der ersten Bildschirmspiele ähneln denen im Westen: Im Osten frisst bei "Hase und Wolf" ein Hase in einem Labyrinth Erbsen, Möhren und Birnen. Der Name könnte angelehnt sein an den gleichnamigen beliebten Sowjet-Trickfilm. Im westlichen Pendant schluckt "Pacman" – ein fetter, gelber Punkt mit aufklappbarem Maul – Punkte und Gespenster, oder versucht ihnen zu entkommen. Der Hase im Osten versucht seinerseits, nicht von einem (und später mehreren) Wölfen verschlungen zu werden. Die Bewegungsabläufe der ersten Spiele auf Fernsehmonitoren waren einfach: hoch, runter, rechts links. Entsprechend eckig kriechen die Rennwagen beim Autorennen um die Kurven. Bei der "Hirschjagd" bewegt sich der Jäger in der Mitte des Bildschirms per Joystick quälend langsam auf- und abwärts. Schießen kann er nur nach rechts oder links. Sein Zielobjekt, der Hirsch, rutscht derweil genauso gemächlich zwischen der Deckung dürrer Tannenbäumchen auf und nieder, mal rechts, mal links vom Jäger. Das erinnert an die Tele-Tennisspieler im Westen: "Pong" hieß das Spiel, bei dem ein oder zwei Spieler einen quadratischen Tennisball entsetzlich langsam über das Netz schickten - mit kleinen, senkrechten Balken als Schlägern. Immerhin – hierbei ließ sich noch die Geschwindigkeit einstellen und man musste dafür nicht Schlange stehen - die frühen West-Spielekonsolen wurden Zuhause einfach ans Fernsehgerät angeschlossen. Im Spiel "Wasserrohrbruch" ist im Zimmer über dem Spieler ein Wasserrohr geplatzt, der Spieler muss die Wassertropfen mit einem Eimer auffangen und den Eimer, bevor er voll ist, zum Kellerfenster hinaus ausschütten. Man könnte unterstellen, dass die Spielentwickler hier auf den  Zustand maroder und verfallender Häuser in der DDR anspielten. Der Name für das Spielgerät an sich ist eine interessante Mischung. Die griechische Vorsilbe "viele" wird gern genutzt im DDR-Sprachgebrauch - siehe "Polytechnische Oberschule" oder "Polylux“. In der zweiten Silbe des Spielautomaten, dem englischen Verb to "play" schwingt ein Hauch von großer, weiter Welt mit. So richtig weit hinaus in die Welt geht es beim Klang dann aber nicht - passend zur Hirschjagd tönt der "Jäger aus Kurpfalz" als Einstieg und bei "Hase und Wolf" erinnert der Einstiegssound an den Kinderreim "Ringel-Ringel-Reihe". Beim Schießbudenspiel kam mit dem klassischen Schießbudenklang daher: schriller Elektroniksound, als werde eine "Walzerfahrt" auf dem Rummel eingeläutet. Spielt man die Spiele heute am Computerbildschirm mit Kopfhörer, kann einem allein schon vom Zuhören schwummrig werden - wenn einen nicht vorher die langsamen Bewegungen des Hirsches einschläfern oder die Tonfolgen beim Merken von Raute, Punkt, Dreieck, Sanduhr, Quadraten und Kreis beim Merkspiel. Zum Glück gab es da noch den Fehlersound - fies knarzende Laute, die an einen Geigerzähler erinnern oder einfach schrille Töne.
mdr.de
Wer im Osten hat nicht mal an einer Warteschlange gestanden für ein Spiel am Polyplay? Die Spielautomaten, die ab 1985 gebaut wurden, standen in Ferienheimen und Jugendklubs und bis heute haben die Spiele Fans.
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DDR
2021-10-12T15:42:15+02:00
2023-04-03T12:14:17+02:00
https://www.mdr.de/geschichte/ddr/alltag/spielautomat-polyplay-geschichte-gluecksspiel-100.html
Chemnitz 2025: Wie Stefan Schmidtke die Kulturhauptstadt mitgestalten will
Stefan Schmidtke, Jahrgang '68, hat sein Büro im Kulturkaufhaus Tietz schon Ende September bezogen. Daher ist sein offiziell erster Tag am 1. Dezember für ihn nichts Besonderes. "Der erste Arbeitstag ist eher ein symbolischer Termin. Der geht genauso gut rum wie alle anderen Tage auch. Meist beginnt es um acht und endet um 22 Uhr, weil ich für sehr viele Details da sein muss", sagt er. Auf der Liste ganz oben stehen neue Computer und schnelles Internet. Außerdem stellt Schmidtke gerade ein Team zusammen, mit dem er ab Januar inhaltlich loslegen will. Denn Schmidtke ist beides: Kulturmanager und Programmacher. In den vergangenen Jahren leitete Schmidtke renommierte Kulturereignisse in ganz Europa, darunter die Wiener Festwochen und das Festival Theater der Welt in Düsseldorf. Er hat in Moskau studiert, in Tallin, St. Petersburg, Omsk und hat zuletzt am Humboldt-Forum in Berlin gearbeitet. Nun also Chemnitz: Die Koordination der Chemnitzer Kulturhauptstadt ist für Schmidtke "der größte Job, den Deutschland im Moment zu vergeben hat". Sein Umzug nach Sachsen ist auch ein Nachhausekommen. Jetzt nach 30 Jahren ist es, als wäre ich keinen Tag weggewesen. Von der emotionalen Seite. Ansonsten hat sich die Stadt gigantisch verändert. Geboren und aufgewachsen in Döbeln, war Karl-Marx-Stadt, wie Chemnitz in der DDR hieß, für den jungen Stefan Schmidtke der Ort, um Kunst und Kultur zu erleben. Unzählige Konzerte habe er hier besucht, im Schauspielhaus sei er zu Frank Castorfs Zeiten Stammgast gewesen und über die Straße der Nationen habe er mal einen Aufsatz geschrieben. "Jetzt nach 30 Jahren ist es, als wäre ich keinen Tag weggewesen. Von der emotionalen Seite. Ansonsten hat sich die Stadt gigantisch verändert", erklärt er. Vor allem die vielen Baustellen machen Schmidtke zu schaffen. Die Linienführung der Straßenbahn habe er noch nicht bis ins Letzte durchschaut und ein Fahrrad habe er auch noch nicht besorgt. Außerdem steht ihm seine bereits fünfte Wohnungsbesichtigung bevor. Hoffentlich klappe es dieses Mal, wünscht er sich, denn er sei hotelmüde. Schmidtke erzählt von sich in leichtem Plauderton, am allerliebsten aber lenkt er das Gespräch zurück auf die Arbeit, die vor ihm liegt und die vor allem in einem besteht, sagt er: "das Herz offenzuhalten und zuzuhören". Grundlage für Schmidtkes zukünftige Arbeit bildet das Bid Book. Das aufwendig gestaltete Buch, mit dem Chemnitz sich um den Titel "europäische Kulturhauptstadt" beworben hat, ist die Visitenkarte der Stadt und beschreibt auf über 100 Seiten ihre wichtigsten Vorhaben für das Jahr 2025. Der "Geist" des Bid Books sei ausschlaggebend für seine Bewerbung um den Spitzenposten gewesen, erzählt Schmidtke und lobt "die zentrale Idee, das Geld nicht in Häuser und Renovierung zu stecken, sondern mit den Menschen einen Prozess zu erfinden, wie wir miteinander besser leben". Geradezu exemplarisch dafür steht die "Parade der Apfelbäume", ein Schmidtke-Favorit aus dem Bid Book. Bis zu 4.000 Bäume sollen bis 2025 quer durch Chemnitz gepflanzt werden. Schulklassen, Hausgemeinschaften, Vereine können Baumpaten werden. Die Idee dahinter: Kollektive Gartenarbeit fördert die Gemeinschaft. Und gipfelt im besten Fall in einem Nachmittag bei Kaffee und Apfel-Kuchen. Das ist ganz nach Schmidtkes Geschmack. "Mein Beruf ist darauf ausgerichtet, Menschen Räume zu bieten, in denen sie sich entfalten können und wo sie reflektieren können", erklärt Stefan Schmidtke. In Zeiten von Corona ist das schwer – und vielleicht die größte Herausforderung. Eine erste Gelegenheit zu zeigen, wohin die Reise geht, bietet sich schon im kommenden Jahr. Dann soll ein "kleines Kulturhauptstadtjahr" einen Vorgeschmack auf 2025 geben.
mdr.de
Chemnitz wird Kulturhauptstadt 2025 unter der Leitung von Stefan Schmidtke. Der Kulturmanager aus Döbeln kehrt nach Stationen in Moskau und Wien zum 1. Dezember in seine Heimat zurück. Das erste Projekt: Bäume pflanzen.
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Ausflugsziele
2021-12-01T20:29:10+01:00
2023-11-06T10:45:22+01:00
https://www.mdr.de/kultur/ausflug-tipps/chemnitz-kulturhauptstadt-stefan-schmidtke-leiter-100.html
Zwangsarbeit in der Rüstungsindustrie: die HASAG – Leipzigs vergessene Waffenschmiede
Wo heute zum Wohl von Mensch und Umwelt geforscht wird, müssen während des Zweiten Weltkriegs mehr als 10.000 Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge Munition herstellen. Die Leipziger Hugo Schneider AG (HASAG) - ursprünglich eine Lampen- und Metallwarenfabrik - steigt während der NS-Zeit zu einem der größten Rüstungskonzerne im Deutschen Reich auf. Ihre bekannteste Entwicklung ist die Panzerfaust. Ingenieur, Werksleiter und Direktor Edmund Heckler gründet später in der Bundesrepublik die Waffenfirma Heckler & Koch. Den Anfang nimmt alles Mitte des 19. Jahrhunderts mit der Produktion von Petroleumlampen. Die Söhne des Firmengründers Hugo Schneider exportieren ihre Produkte in die ganze Welt. Um die Expansion voranzutreiben, wird die Firma 1899 in eine Aktiengesellschaft mit rund 1.200 Mitarbeitern überführt. Doch schon mit Beginn des Ersten Weltkrieges orientiert sich das Unternehmen schnell um. Bereits im Ersten Weltkrieg hat die HASAG auf Munitionsproduktion umgestellt, im Auftrag des deutschen Heeres, weil sie eben die technischen Möglichkeiten dazu hatten: Das Walzwerk und die messingverarbeitende Fabriken konnten relativ leicht von Lampenproduktion auf Munition umstellen und haben daran in den dreißiger Jahren wieder angeknüpft. Für Anne Friebel - wissenschaftliche Mitarbeiterin der Gedenkstätte - ist die HASAG zum wichtigsten Thema ihrer Arbeit geworden. In einem ehemaligen Pförtnerhaus befindet sich der Erinnerungsort für Zwangsarbeit in Leipzig. Es steht im Schatten des mächtigen ehemaligen Verwaltungsgebäudes der HASAG. Eines der wenigen Gebäude, das hier aus der Zeit des Nationalsozialismus noch übrig ist. Die Mitarbeiterin der Gedenkstätte berichtet, dass man sich bei der Hugo Schneider AG schnell mit den neuen Machthabern im Lande zu arrangieren wusste. Das HASAG-Management hat sich 1933 den neuen Machthabern angedient. Sie haben ihren Vorstand arisiert und sie haben in Leipzig bereits 1934 die erste Werkhalle gebaut, in der geforscht und entwickelt wurde. Zu einer Zeit, als eigentlich noch nicht an Krieg gedacht wurde. Die Expansion des Konzerns beginnt jedoch schon 1932. In Thüringen kauft die HASAG zwei Glas-und Metallbetriebe. In Berlin-Köpenick wird 1935 eine Munitionsfabrik gebaut. Auch in Sachsen und Brandenburg kommen ab 1936 neue Werke hinzu. In vielen Betrieben wird die Rüstungsproduktion der wichtigste Bereich. Ein Munitionswerk in Altenburg wird 1936 nach modernsten Maßstäben und in kürzester Zeit aus dem Boden gestampft. Finanziert wird die rasante Konzernentwicklung vor allem von der Dresdner Bank. Entscheidender Mann für den Aufstieg des Leipziger Unternehmens zum Rüstungskonzern ist der Magdeburger Paul Budin. Der glühende Nationalsozialist und Antisemit baut das Unternehmen zum NS-Musterbetrieb um. Budin - Generaldirektor der HASAG ab 1935 - ist ein hochrangiger SS-Mann und Parteimitglied, ehrgeizig und mit besten Verbindungen zu Albert Speer, dem späteren Rüstungsminister. Budin steht für den ungehemmten Willen zur Expansion und die bedingungslose Unterstützung des Regimes. Und auch die Führungsetage des Unternehmens wird von ihm umstrukturiert: Vorstand, Aufsichtsrat und leitende Positionen werden gezielt mit Partei-und SS-Angehörigen besetzt. Mitte der dreißiger Jahre wird Edmund Heckler, seit 1933 NSDAP-Mitglied, bei der HASAG eingestellt. Es ist der Mann, der nach Kriegsende im Westen Deutschlands fast unbehelligt die Waffenfirma Heckler & Koch aufbauen kann. Edmund Heckler war auch Ingenieur bei der HASAG, ab 1935 hat er hier gearbeitet. Heckler war Werksleiter in Taucha und Altenburg und hat diese Werke dann zum Kriegsende hin übernommen als Direktor. Ebenfalls Parteimitglied und Teil der Betriebsleitung ist Wilhelm Renner. Er bringt 1934 Ehefrau Irene und Tochter Hannelore mit nach Leipzig. Sie wird viele Jahre später die Ehefrau von Bundeskanzler Helmut Kohl werden. September 1939: der Überfall auf Polen. Der Vormarsch der Wehrmacht erhöht auch den Expansionshunger deutscher Rüstungsbetriebe. In kürzester Zeit  übernimmt die HASAG in Skarżysko-Kamienna, Kielce und Częstochowa (Tschenstochau) polnische Maschinen-und Munitionsfabriken. Doch mit der zunehmenden Einberufung deutscher Arbeiter an die Front fehlen in den mitteldeutschen Werken der HASAG immer mehr Arbeitskräfte. Das Leipziger Unternehmen versucht, durch den massiven Einsatz von Zwangsarbeitern diese Lücken zu schließen. Vor allem polnische Zwangsarbeiter werden von der HASAG beschäftigt. In den HASAG-Werken im besetzten Polen ist die Ausbeutung der Beschäftigten besonders hemmungslos. Ab Herbst 1942 werden Juden aus den umliegenden Ghettos, die man bei Razzien auf der Straße festgenommen hat, in werkseigene Konzentrationslager deportiert. Nicht wenige hofften, durch Zwangsarbeit der Gaskammer zu entkommen. Die Lebenserwartung in Skarżysko-Kamienna, im Werk C, betrug drei Monate. Wenn man dort neu hinkam als Zwangsarbeiter, sind die Leute in kürzester Zeit gestorben, weil der Umgang mit dieser Pikrinsäure und diesen anderen hochgiftigen Substanzen sofort die Körper angegriffen hat. Ab Sommer 1944 werden auch in den mitteldeutschen HASAG-Werken jüdische KZ-Häftlinge - vor allem aus Polen - eingesetzt. Die Schriftstellerin Danuta Brzosko-Mędryk, die in Warschau nach der deutschen Besatzung Flüchtlingen hilft, ist eine von ihnen. Bis ich nach Leipzig kam, haben wir gedacht, wir überleben das. Wir haben Majdanek und Ravensbrück überlebt. Doch bei der HASAG habe ich alle Hoffnung aufgegeben zu überleben. Auf dem Schlachtfeld sucht die deutsche Wehrmacht verzweifelt ein Mittel, um die Übermacht der sowjetischen Panzer zu bekämpfen. Es sind Ingenieure der HASAG um Wilhelm Renner und Edmund Heckler, denen es gelingt, mit einer Panzerfaust ein patentes und vor allem auch kostengünstiges Gegenmittel zu entwickeln. Das ehrgeizige Ziel von HASAG-Generaldirektor Paul Budin ist es, ab Herbst 1943 mehr als eine Million Panzerfäuste pro Monat zu produzieren. Dafür wird in den Werken der HASAG Tag und Nacht gearbeitet. Für die Zwangsarbeiter bedeutet das ein noch höheres Lebensrisiko. Doch in den dunkelsten Stunden gibt es auch immer wieder Solidarität und Widerstand. In den letzten Kriegstagen will man bei der HASAG die KZ-Häftlinge loswerden. Keiner von ihnen soll den alliierten Truppen lebend in die Hände fallen. Rund fünftausend Zwangsarbeiter, darunter viele Frauen, werden nur notdürftig bekleidet und ohne Nahrung auf so genannte Todesmärsche Richtung Wurzen, Riesa geschickt. Übernachtet wird in Scheunen oder auf offenem Feld. Immer wieder kommt es zu regelrechten Jagden auf die Zwangsarbeiter durch die Landbevölkerung. Die Polin Joanna Kozera kann die Tage im April 1945 nicht vergessen. Ich habe daran geglaubt, dass das irgendwann zu Ende gehen muss. Doch dann kam der Todesmarsch. Wir haben dem Tod ins Auge geblickt. In der letzten Aprilwoche 1945 können amerikanische Truppen dem Martyrium der Zwangsarbeiter ein Ende bereiten. Am 18. April sind GI's schon in Leipzig eingerückt. Spezialkommandos beschlagnahmen die Konstruktionspläne der Panzerfaust und nehmen leitende Waffeningenieure fest. Vergeblich wird jedoch nach Generaldirektor Budin gefahndet. Der soll sich - zusammen mit seiner Frau - am 13. April auf dem Werksgelände in die Luft gesprengt haben. Doch noch in den fünfziger Jahren geht die Staatssicherheit der DDR einer möglichen Flucht Budins nach. Offenbar ohne Erfolg. Mit dem HASAG-Chef verschwindet auch das gesamte Firmenarchiv. Bis zum Eintreffen der Amerikaner bleiben die Direktoren Wilhelm Renner und Edmund Heckler auf ihren Posten. Dann gelingt es Ihnen, sich nach Westdeutschland, in die französisch besetzte Zone abzusetzen. Es gab Bestrebungen, Wilhelm Renner anzuklagen. Aber die BRD hat ihn nicht ausgeliefert. Es gab auch diese Spannungen im Kalten Krieg, man hat sich da nicht gegenseitig unterstützt, d. h. der konnte dort relativ in Ruhe leben und musste nichts befürchten. Anfang Juli 1945 lösen sowjetische Truppen die Amerikaner in Mitteldeutschland ab. Auch sie sind am Knowhow der HASAG interessiert. Das meiste hatte jedoch schon die US-Army kassiert. Schon im Sommer 1945 läuft in der HASAG die Produktion wieder an. Aus Panzerfäusten werden jetzt Kochtöpfe und andere Haushaltsgeräte gemacht. Doch wenige Monate später werden an vielen Standorten die Maschinen demontiert und in die Sowjetunion gebracht. Die Werkshallen werden gesprengt. Nach dem zweiten Weltkrieg erfährt das Areal der HASAG eine einzigartige Transformation. Auf dem Gelände entstehen wissenschaftliche Institute für die Chemieindustrie und angewandte Kernenergie. In den sechziger Jahren werden diese Forschungsbereiche ständig erweitert. Nach dem Mauerfall bekommt der Standort eine völlig neue Ausrichtung. 1991 eröffnet hier das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung.    Wir haben jetzt ein Thema, was zum Erhalt dieses Planeten beiträgt und nicht - wie damals - zur Zerstörung von vielen Dingen. Und ich finde eigentlich, dass das gelungen, gelungener Wandel ist.
mdr.de
Es ist ein dunkles Kapitel der deutschen Geschichte - Zwangsarbeit. Im Leipziger Nordosten produzierte die HASAG, das größte sächsische Rüstungsunternehmen, Waffen für den "Endsieg" der Nationalsozialisten.
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Mitteldeutschland
2021-02-23T04:00:03+01:00
2025-01-27T07:54:41+01:00
https://www.mdr.de/geschichte/mitteldeutschland/orte/leipzig/hasag-ruestungsunternehmen-leipzig-zwangsarbeit-100.html
Das "Öhrchen" im Spieleparadies: Hör mal, wer da zockt
Das Öhrchen ist wieder einmal unterwegs, um euch mit einer neuen Podcastfolge zu versorgen. Daniel, Marion und ich sind seit langer Zeit begeisterte Gamer. In der Freizeit die Möglichkeit haben, in fremde Welten einzutauchen, sie zu entdecken und zu erkunden: Das ist es, was Videospiele für uns ausmacht. Die allermeisten mir bekannten Spiele leben allerdings von audiovisuellen Eindrücken und gestochen scharfer Grafik. Da kam bei uns automatisch die Frage auf, wie Spielen eigentlich für blinde und sehbehinderte Menschen funktioniert. Welche Spiele gibt es, die man nur mittels seines Gehörs spielen kann? Eine kurze Googe-Suche später ist klar: Besonders viele Spiele für blinde und sehbehinderte Menschen gibt es nicht. Wenn, dann sind es meist Audio- und textbasierte Spiele. Große AAA-Titel bleiben ihnen in ihrer Gänze meist vorenthalten. Gewisse Optionen für mehr Barrierefreiheit sind oft verhanden, eine komplette Spielbarkeit ist jedoch eher selten. Dennoch tut sich etwas in der Spielebranche. Einige Entwickler bieten zum Beispiel extra Modi für Farbenfehlsichtigkeiten oder Vergrößerungslupen an. Außerdem gibt es immer häufiger die Möglichkeit, sich alles im Spiel vorlesen zu lassen – sogenanntes Text-to-Speech. Einige Software-Riesen, wie zum Beispiel Microsoft, hat für seine Spielekonsole Xbox zudem Richtlinien erarbeitet, wie sie Barrierefreiheit bei den jeweiligen Xbox-Entwicklerteams voranbringen wollen. Neben Empfehlungen, welche Funktionen Spiele brauchen, damit sie für blinde und sehbehinderte Menschen zugänglich sind, wird hier auch festgehalten, wie Spielerinnen und Spieler den jeweiligen Entwicklern Feedback zu diesen Funktionen geben können. Ein reger Austausch zwischen Entwicklern und Blinden nützt beiden Seiten. Denn oft kann sich ein sehender Mensch nicht vorstellen, was es braucht, um das Spiel blind wirklich erlebbar zu machen. Das wissen auch Kai Sandleben und Ulf Dornheck Busscher. Die zwei haben es sich nämlich zur Aufgabe gemacht, den Spieleklassiker schlechthin barrierefrei zu gestalten. Daniel hat zwar vor vielen Jahren bereits erste Erfahrungen mit World of Warcraft (WoW) gemacht, viel hängengeblieben ist dabei seiner eigenen Aussage nach allerdings nicht. Doch das ist nicht weiter schlimm. Denn die Erweiterung "SKU", ermöglicht Blinden und Sehbehinderten den Zugang zum Spiel. Kai ist einer der Nutzer der ersten Stunde. Er erzählt, dass er vor seiner Erblindung viel World of Warcraft gespielt hat. Dort habe er später auch seine Frau getroffen, mit der er mittlerweile ein Kind hat. Er wollte mit seinem Sohn gern gemeinsam Spiele spielen. Am Anfang sei das auch alles noch irgendwie möglich gewesen, doch irgendwann sei der Reiz da gewesen, seinem Jungen das Spiel zu zeigen, welches ihm selbst für eine Weile so viel bedeutet hatte. Laut Kai war das Spiel zum damaligen Zeitpunkt leider kaum barrierefrei. In einem WoW-Forum lernte er zufällig Ulf kennen, ein Programmierer, Perfektionist und Zocker aus Leidenschaft. Richtig gelesen. Kai Sandleben und Ulf Dornheck Busscher haben mehrere tausend Stunden damit verbrachtet, World of Warcraft (in der Classic Version) für blinde und sehbehinderte Menschen zugänglich zu machen. Jeden Dialog, jede Wegmarke, jeden Text, egal ob von einem Gegenstand oder einer Aufgabe (auch Quest genannt), haben sie vertont. Mittlerweile hat sich eine relativ große Community gebildet, die den beiden auch dabei hilft. Jede Person, die einmal WoW gespielt hat und weiß, wie groß die Spielwelt ist, wird nachvollziehen können, wie viel Arbeit in diesem Projekt steckt. Entstanden ist eine unfassbar große Datenbank, die laut den beiden Entwicklern aktuell nur die Classic Era Version des Spiels beinhaltet. Die Barrierefreiheit für die Erweiterung der Classic Version um das Addon Cataclysm, bei der sich unter anderem die Karte verändert, sei bereits in Arbeit. Zurück zu Daniel und seinen ersten Versuchen, mit seinem Charakter in WoW laufen zu lernen. Zu Beginn fiel es ihm etwas schwer, die gradgenaue Ortung, wo sich sein Charakter befindet, in die korrekte Bewegung umzusetzen. Mal dreht er sich zu schnell, mal läuft er am Ziel vorbei. Aber mit Kais Hilfe lernt er schnell, die verschiedenen Geräusche des Addons zu deuten und sich Stück für Stück hineinzufinden. Und so lehrt er den ersten Gegnern, die er für eine Aufgabe um ein bisschen Beute erleichtern soll, schnell das Fürchten. Auch wenn es zu Beginn für Daniel anstrengend war, sich in ungewohnter Weise in einem Spiel zurechtzufinden, hat er schon nach kurzer Zeit Blut geleckt. Nachdem wir nun wissen, wie viel Herzblut und Freizeit eine Reihe von Spieleliebhabern investiert haben, um ein bereits existierendes Spiel wie World of Warcraft für blinde und sehbehinderte Menschen erlebbar zu machen, wollen wir auch noch die andere Seite kennenlernen: Wie denkt, plant, konzipiert und entwickelt man ein Spiel, welches von Beginn an für Blinde und Sehbehinderte mitgedacht wird. Wie entwickelt man ein Spiel, mit dem alle Spaß haben? Dafür reisen wir, mal wieder, ins schöne Leipzig. Denn dort hat sich seit ein paar Jahren ein kleines Team von Leuten zusammengefunden, um genau das zu tun. Von außen sieht das Gebäude in der Nähe der Nikolaikirche total unscheinbar aus: Fenster, grauer Beton, Ton in Ton. Wirkt eher wie ein altes Studierendenwohnheim. Stefan zeigt uns das Innere. Er ist einer der Mitbegründer von Inclusive Gaming und wartet bereits am Eingang auf Daniel, Marion und mich. Sein StartUp hat es sich zur Aufgabe gemacht, Spiele für alle Menschen zugänglich zu machen, egal ob blind, sehbehindert oder sehend. Dafür wollen sie völlig neue Spiele entwickeln, die zum Beispiel mittels Tonausgabe eine gute Orientierung bieten können. Wir vier sind uns schon einmal zufällig beim Louille-Braille-Festival begegnet. Damals hat Stefan unseren Informationsstand aufgesucht. Nach einem kurzen Plausch betreten wir sie endlich, die heiligen Entwicklerhallen. Unser erster äußerlicher Eindruck bestätigt sich auch von innen: ein altes Studierendenwohnhein, umfunktioniert zu Büroräumen. Schmale Gänge, Leuchtstoffröhrenlicht, Linoleumboden und eine nicht mehr funktionstüchtige Dusche im Bad. Stefan und sein StartUp Inclusive Gaming bewohnen hier drei Räume: eine Teeküche, einen Besprechungsraum und einen Arbeitsraum. An einer langen Tafel aus zusammengestellten Tischen stehen je acht Computer, Bildschirme, Mäuse und Tastaturen. Man erkennt direkt, dass hier irgendetwas mit Technik gemacht wird. Nach einer kleinen Kaffeepause geht es direkt ans Eingemachte, besonders für Daniel. Er soll den Prototypen eines Spiels mit dem Namen "Dream Trip" testen. Diesen nutzen Stefan und sein Team oft auf Messen. PC an, Kopfhörer auf, Controller angeschlossen und schon wird Daniel in die Welt einer kleinen Fee entführt, die ihren Zauberstab verloren hat. Er soll ihr dabei helfen, ihn wiederzufinden. Dazu muss er Schalter umlegen, Schlüssel finden und dem richtigen Geräusch hinterherlaufen. Marion und ich können Daniels Handlungen auf dem Bildschirm verfolgen. Denn das Team von Inclusive Gaming hat extra eine stark reduzierte visuelle Ausgabe des Spiels entwickelt. Damit diese Welt auditiv, also rein durch das Hören, zum Leben erweckt wird, braucht es in der Entwicklung eine Menge unterschiedlicher Töne, Geräusche und Vertonungen. Verantwortlich dafür ist Christian Barth. Christian ist ausgebildeter Filmkomponist und Sounddesigner. Im Fall des Spiels Dream Trip erzählt er, dass er sich zu Beginn erst einmal die Frage stellen musste, wie der abzubildende Raum aussieht und welche Gegenstände sich darin befinden. Denn zur Orientierung braucht es Gegenstände und Oberflächen, die Töne von sich geben, oder je nach Oberflächenbeschaffenheit reflektieren. Und diese müssen unterschiedlich klingen, abhängig von Material und Entfernung zur Spielfigur. All diese Informationen, die ein sehender Mensch mit einem Blick erfassen kann, müssen auditiv übermittelt werden, so Barth. Entweder durch entsprechende Geräusche oder eine gesprochene Textausgabe. Informationen, die ich jetzt als sehender Mensch mit einmal einmal hinschauen im Prinzip erfassen kann, sind hier auditiv irgendwie zu übermitteln, entweder durch Sound oder durch textliche sprachliche Informationen. Nach gut einer halben Stunde ist Daniel fertig. Laut Stefan und Christian hat er sich gut geschlagen. Und auch Daniel hat das Spiel sichtlich Spaß gemacht. Er sei überrascht gewesen, wie gut man sich durch das Echo in der Höhle zurechtfinden konnte. Für ihn war das bestimmt nicht das letzte Spiel, welches er von Inclusive Gaming gespielt hat. Und für Marion und mich war es ein spannender Einblick in die Welt des Gaming für Blinde und Sehbehinderte.
mdr.de
Begleitet Daniel, Marion und Konstantin auf ihrem neusten Abenteuer: Wir wollen herausfinden, wie Blinde und Sehbehinderte Computerspiele spielen können. Dazu: tolle Interviews als Bonus.
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2024-12-19T05:00:12+01:00
2025-01-01T12:29:23+01:00
https://www.mdr.de/sachsenradio/podcast/oehrchen/podcast-augen-zu-und-durch-barrierefreiheit-gaming-100.html
Internationaler Gerichtshof: Israel muss mehr Hilfsgüter in Gazastreifen lassen
Der Internationale Gerichtshof in Den Haag (IGH) hat Israel angewiesen, unverzüglich "dringende humanitäre Hilfe" im Gazastreifen zu gewährleisten und die Lieferung von deutlich mehr humanitären Gütern zuzulassen. Es müssten alle notwendigen Schritte unternommen werden, um sicherzustellen, dass Grundnahrungsmittel die Bevölkerung erreichten, heißt es in der einstimmig getroffenen Anweisung. Israel solle mehr Grenzübergänge für den Transport von Nahrungsmitteln sowie medizinischer Hilfe öffnen. Die Einwohner des Gazastreifens seien nicht mehr nur von einer Hungersnot bedroht – eine Hungersnot sei bereits ausgebrochen. Bereits Ende Januar hatte das IGH Sofortmaßnahmen angeordnet und Israel aufgetragen, alles zu tun, um einen Völkermord im Gazastreifen zu verhindern. Angesichts der sich verschlimmernden Lage in dem Kriegsgebiet hatte Südafrika zusätzliche Maßnahmen verlangt. Dem entsprach das Gericht. Seit der Entscheidung vom 26. Januar hätten sich die "katastrophalen Lebensbedingungen der Palästinenser im Gazastreifen weiter verschlechtert", heißt es in der Entscheidung. Israel müsse bei der Lieferung der Hilfsgüter eng mit den Vereinten Nationen zusammenarbeiten. Zu den dringend benötigten Hilfsgütern zählen die Richter auch Wasser, Strom, Kleidung sowie Zelte. Weiter wurde Israel ermahnt, dafür zu sorgen, dass seine militärischen Einheiten die Rechte der Palästinenser im Gazastreifen nicht verletzten. Dazu gehöre auch, die Lieferung von dringend benötigten Hilfsgütern zu verhindern. Obwohl die Urteile des IGH rechtlich bindend sind, hat es kaum Möglichkeiten, sie durchzusetzen. So hatte das Gericht beispielsweise Russland aufgefordert, seine Invasion in der Ukraine zu stoppen – erfolglos. Bei einem Verstoß gegen die Anordnung könnte der internationale Druck auf Israel jedoch weiter zunehmen. dpa, AFP, MDR (smk)
mdr.de
Der Internationale Gerichtshof in Den Haag hat Israel angewiesen, gegen den Hunger im Gazastreifen vorzugehen. Es müssten mehr Grenzübergänge für den Transport von Nahrungsmitteln geöffnet werden.
[ "Gazastreifen", "Israel", "Internationaler Gerichtshof", "Hilfsgüter", "medizinische Versorgung", "Hunger" ]
Welt
2024-03-28T20:59:22+01:00
2024-03-28T20:59:22+01:00
https://www.mdr.de//nachrichten/welt/politik/israel-gaza-hilfsgueter-internationaler-gerichtshof-entscheidung-100.html
Wolf Biermann: Die wichtigsten Daten im Überblick
193615. November: Wolf Biermann wird in Hamburg als Sohn einer Arbeiterfamilie geboren.1943Biermanns Vater wird in Auschwitz als Angehöriger des kommunistischen Widerstandes ermordet.1950Teilnahme am Deutschlandtreffen in Ostberlin.1953Übersiedlung in die DDR. Besuch einer Internatsschule in Schwerin.1955-1957Anschließend an das Abitur Studium der politischen Ökonomie an der Humboldt-Universität Berlin.1957Nach dem Abbruch des Studiums wird Biermann Regieassistent am Berliner Ensemble.1959-1963Studium der Philosophie und Mathematik an der Humboldt-Universität in Berlin.1960Bekanntschaft mit dem Komponisten Hanns Eisler, der ihn unterstützt und fördert. Biermann beginnt, Gedichte zu schreiben und Lieder zu komponieren.1961Gründung und Aufbau des Berliner Arbeiter- und Studententheaters (b.a.t.) in einem alten Hinterhofkino. Biermanns Inszenierung des eigenen Stücks "Berliner Brautgang", eine Liebesgeschichte zwischen einem Arbeiter und einer Arzttochter im durch die Mauer geteilten Berlin, wird vor der Aufführung verboten. Biermann erhält ein bis Juni 1963 befristetes Auftrittsverbot. Das Theater wird 1963 geschlossen.1962Biermanns erste Gedichte erscheinen in der Anthologie "Liebesgedichte" beim Verlag Volk und Welt in Ostberlin. Bis 1965 ist er in weiteren fünf Anthologien vertreten. Erster öffentlicher Auftritt während eines von Stephan Hermlin initiierten Lyrikabends in der Deutschen Akademie der Künste (gemeinsam mit Sarah Kirsch, Volker Braun u. a.). In der Folge verliert Hermlin seinen Posten als erster Akademie-Sekretär.1963Nach einer zweijährigen Zeit als Kandidat der SED wird die Aufnahme Biermanns in die Partei abgelehnt. Beginn der Freundschaft mit Robert Havemann.1964Gastspiel im Ostberliner Kabarett "Die Distel". Danach unternimmt er auf Einladung des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) eine erste Gastspielreise durch die Bundesrepublik Deutschland. Dabei tritt er auch gemeinsam mit dem Kabarettisten Wolfgang Neuss auf.1965Nachdem im Westberliner Wagenbach-Verlag sein Gedichtband "Die Drahtharfe" erschienen ist, sowie seine erste Langspielplatte "Wolf Biermann (Ost) zu Gast bei Wolfgang Neuss (West)", erhält Biermann durch die DDR-Behörden ein unbefristetes Auftritts- und Publikationsverbot. Man wirft ihm "Klassenverrat" und "Obszönität" vor. In der Folge wird seine Wohnung in der Berliner Chausseestraße zum Treffpunkt für regimekritische Intellektuelle. Die Stasi startet eine der aufwändigsten Bespitzelungsaktionen gegen ihn (beteiligt sind 197 hauptamtliche und 213 inoffizielle Mitarbeiter).1969Bei Klaus Wagenbach in Westberlin erscheint Biermanns erste eigene Langspielplatte "Chausseestraße 131". Das dafür verliehene Preisgeld des Fontane-Preises der Stadt Westberlin spendet Biermann dem Anwalt der Außerparlamentarischen Opposition (APO), Horst Mahler.1974Biermann beantragt ein Visum für eine Reise nach Köln, um dort den Jacques-Offenbach-Preis entgegenzunehmen. Als die Behörden zur Bedingung machen, dass er endgültig ausreist und seine DDR-Staatsbürgerschaft aufgibt, verzichtet er auf die Reise.197612. September: Das Konzert in der Prenzlauer Nikolaikirche ist nach elf Jahren Berufsverbot Biermanns erster Auftritt in der DDR. Die Junge Gemeinde in Jena beschließt, ihn für den 1. November zu einem Konzert einzuladen. Biermann will seine BRD-Tournee nicht gefährden und verspricht, das Konzert später nachzuholen.13. November: Mit einem Konzert in Köln beginnt eine Tournee durch die Bundesrepublik auf Einladung der westdeutschen IG Metall. Das Politbüro lässt ihn in der Hoffnung reisen, dass er einen Vorwand zum Rauswurf aus der DDR liefern wird.16. November: Das Politbüro der DDR beschließt die Ausbürgerung Wolf Biermanns aus der DDR. Begründet wird die Entscheidung damit, dass sein Auftreten in der kapitalistischen Bundesrepublik gegen die DDR und den Sozialismus gerichtet sei.17. November: In einer Petition protestieren dreizehn namhafte DDR-Schriftstellern (Sarah Kirsch, Christa Wolf, Volker Braun, Franz Fühmann, Stephan Hermlin, Stefan Heym, Günter Kunert, Heiner Müller, Rolf Schneider, Gerhard Wolf, Jurek Becker und Erich Arendt - noch am gleichen Tag schloss sich Günter de Bruyn an) gegen die Ausbürgerung. Rund 100 Intellektuelle aus der DDR solidarisieren sich mit der Petition. Die SED-Führung eröffnet eine Kampagne von - in der Mehrzahl bestellten - Zustimmungserklärungen zur Ausbürgerung Biermanns.1977Biermann unternimmt erste Tourneen durch westeuropäische Länder. In seinen Liedern rechnet er einerseits mit der DDR-Führung ab und bekundet andererseits immer wieder seine sozialistische Einstellung.1980Verleihung des Deutschen Kleinkunstpreises für Chanson.1982Die DDR-Behörden erlauben eine privaten Besuch bei Biermanns todkrankem Freund Robert Havemann in Ost-Berlin.19891. Dezember: Biermann tritt nach 13 Jahren erzwungener DDR-Abstinenz zum ersten Mal wieder in seiner früheren Wahlheimat auf. Beim Konzert in Leipzig wird er vom Publikum "als Mensch gewordener Mythos" begrüßt.ab 1990Mit Aufsätzen und Reden mischt sich Biermann in die Tagespolitik ein und beteiligt sich u. a. an der Besetzung der Zentrale des Ministeriums für Staatssicherheit in Ostberlin.1991In seiner Dankesrede für die Verleihung des Georg-Büchner-Preises attackiert Biermann die Oppositionsgruppen der DDR, sie seien "von Stasi-Metastasen zerfressen".1993-1995Heinrich-Heine-Preis und Heine-Gastprofessor an der Düsseldorfer Universität.1994Biermann stellt auf einer Tournee den von ihm aus dem Jiddischen nachgedichteten "Großen Gesang vom ausgerotteten jüdischen Volk" vor. Dessen Autor Jitzchak Katzenelson, war, wie Biermanns Vater, im KZ Auschwitz ermordet worden. Ebenfalls 1994 sorgt Biermann für einen Skandal, als er den PDS-Politiker Gregor Gysi und den Schriftsteller Stefan Heym öffentlich angreift. Der österreichische Maler und Bildhauer bezeichnet ihn daraufhin als "Arschkriecher" und "Trottel".1996Veröffentlichung der CD "Süßes Leben - saures Leben" mit siebzehn neuen Liedern.1998Verleihung des Nationalpreises der Deutschen Nationalstiftung.1999Aus Anlass des 100. Brecht-Geburtstages veröffentlicht Biermann eine Doppel-CD mit dem Live-Mitschnitt seines Konzertes in der Berliner Akademie der Künste.2000Im November meldet die "Welt" die Verpflichtung Biermanns als neuer "Chef-Kulturkorrespondent".2001Anlässlich des 25. Jahrestages seiner Ausbürgerung veröffentlicht Biermann das Buch "Die Ausbürgerung", in dem er und zahlreiche andere Zeitzeugen aus Ost und West zu Wort kommen.2003Biermann überträgt Bob Dylans poetisches Frühwerk "Eleven Outlines Epitaphs/Elf Entwürfe für meinen Grabspruch" ins Deutsche und ergänzt es um zahlreiche Strophen aus seiner eigenen Feder, was von mehreren Kritikern beanstandet wird. 2004Von der Kritik gelobt wird Biermanns Nachdichtung von 40 Shakespeare-Sonetten, erschienen unter dem Titel "Das ist die feinste Liebeskunst". 2005Es erscheinen weitere zwölf von Biermann übertragene und vertonte Sonette. 2006 Im April verlässt Biermann seinen langjährigen Verlag Kiepenhauer & Witsch aus Verärgerung über sachliche Fehler im Zusammenhang mit seiner Person und seinem Wirken in einer im Verlag erschienenen Literaturgeschichte. Sein nächster Gedichtband "Heimat. Neue Gedichte" kommt bei Hoffmann und Campe heraus. Am 15. November, Biermanns 70. Geburtstag, wird er mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.2007Wolf Biermann erhält das Ehrenbürgerrecht der Stadt Berlin. Im Vorfeld der Ernennung gibt es darüber eine wochenlange Auseinandersetzung.2008Im November erhält Biermann die Ehrendoktorwürde der Humboldt-Universität Berlin.2014Biermann ist eingeladen, die Gedenkstunde des Bundestags zum 25. Jahrestag des Mauerfalls musikalisch zu umrahmen. Bei dieser Gelegenheit beschimpft Biermann die Linke-Abgeordneten als "der elende Rest dessen, was zum Glück überwunden ist". Er bezeichnete die Linkspartei als "Reste der Drachenbrut".2016Wenige Wochen vor seinem 80. Geburtstag veröffentlicht Biermann seine Autobiografie unter dem Titel "Warte nicht auf bessre Zeiten".
mdr.de
Wer ist der Mann, für den Hunderte 1976 ihre Freiheit riskierten? Hier finden Sie einen kurzen Lebenslauf.
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DDR
2021-12-02T14:35:22+01:00
2021-12-02T14:35:22+01:00
https://www.mdr.de//geschichte/ddr/politik-gesellschaft/kultur/wolf-biermann-biografie-102.html
Der Frühling verstummt: Nicht plötzlich, sondern still und schleichend
Die rauen Schreie der Wildgänse und Kraniche, die am Herbsthimmel gen Süden ziehen, stimmen leicht wehmütig. Wie schön dagegen das Frühjahr, wenn uns der Vogelgesang weckt! Doch wie lang ist das noch so? Das fragte sich schon Biologin Rachel Carson, die 1963 das Buch "The silent spring", "Der stumme Frühling" veröffentlichte, in der sie die Folgen chemischer Verseuchung für die Natur beschrieb. Urplötzlich rafft eine schleichende Seuche in einer paradiesischen US-Kleinstadt Menschen und Tiere dahin, Küken genauso wie Rinder und Schafe. "Es herrschte eine ungewöhnliche Stille. Wohin waren die Vögel verschwunden? Viele Menschen fragten es sich, sie sprachen darüber und waren beunruhigt. Die Futterstellen im Garten hinter dem Haus blieben leer. (...) Es war ein Frühling ohne Stimmen." Das verstörende Bild einer sterbenden Stadt ist nur der Einstieg in das eigentliche Thema der Biologin: Den sorglosen Umgang Anfang der 60er-Jahre mit den damals neuen Pestiziden, sowie andere Eingriffe des Menschen in die Natur und deren langlebige Folgen. Im Gegensatz zu Carsons kurz angerissener Dystopie verstummt der Frühling in der Realität nicht urplötzlich. Es ist vielmehr ein schleichender Prozess, den wir nicht wahrnehmen, weil wir Vögel meistens eher hören als sehen, theoretisch eine Art "Grundrauschen" der Natur, das immer leiser wird. Wahrscheinlich müssen wir in Zukunft immer besser hinhören, wenn wir in Europa und Nordamerika den Frühling hören wollen. Die Vögel fallen hier nicht einfach tot um oder legen Eier ohne Küken. Vielmehr ist es der langsame, kaum sichtbare Rückgang der Artenvielfalt bei den Vögeln. Diesen Prozess beschreibt eine Studie der University of East Anglia in Norwich, die den Klang des Frühlings untersucht hat. Grundlage der Untersuchung waren weltweite Vogelmonitoring-Daten inklusive Vogel-Audioaufnahmen von 1.000 Arten an 200.000 Orten weltweit aus den vergangenen 25 Jahren. Vogelstimmen und Orte wurden miteinander kombiniert, um eine Klanglandschaft zu erzeugen; anhand von vier Merkmalen wurden daraus u.a. Komplexität und Vielfalt der Gesänge und Intensität analysiert. Anhand dieser Analysen kommt das Forschungsteam zur Prognose, dass der Frühling in Zukunft leiser wird und klanglich eintöniger. Gut, könnte man sagen, muss man früh um vier nicht mehr die Fenster schließen, wenn die Elstern mit ihrem Gekecker loslegen oder die Amseln, und kann ungestört weiter schlafen. Studienhauptautor Dr. Simon Butler widerspricht. Vogelgesang gilt als einer der grundlegenden Momente, in denen der Mensch mit der Natur in Kontakt kommt. Weniger Vogelgesang bedeutet ihm zufolge Abstriche von Wohlbefinden und Gesundheit für Menschen. Allerdings sei das Verhältnis zwischen Strukturänderungen in Vogelpopulationen und im Klangbild schwer vorherzusagen. Seiner Kollegin, Dr. Catriona Morrison, zufolge, macht es einen klanglichen Unterschied, ob zum Beispiel die komplexen Melodien der Feldlerchen oder Nachtigallen fehlen oder das lärmende Krächzen von Rabenvögeln oder Möwenarten. Und das hat einen fatalen Nebeneffekt: Wenn nämlich das Klangbild der Vögel im Frühjahr verarmt oder leiser wird, löst das beim Menschen nichts aus, weder Proteste, noch Maßnahmen, um die Artenvielfalt der Vögel zu schützen. Aufrüttelnder ist Konkretes, das Bild vom Delfin, der sich im Fischernetz verfangen hat oder die Schildkröte im Meer mit Plastiktüte im Schnabel. Bei den Vögeln ist das anders, ein schleichender, unsichtbarer Prozess, den die Menschheit, von der die Hälfte in Städten lebt, nichts mitbekommt, weil ihre Lebensweise ohnehin abseits der der Natur stattfindet und Begegnungen mit Tieren selten sind. Was auch zu einer regelrechten Naturblindheit führt. Das lässt sich wunderbar in Internetforen beobachten, wenn in Gartengruppen im Stundentakt Bilder von Marienkäferlarven gepostet werden mit der Frage "Was ist das?" oder der Sorge, "Sind die giftig, muss ich die wegmachen?" Und hier zeigt sich dann die Gefahr, wenn man Tiere, Insekten, Vogelarten und ihren Nutzen für die Natur nicht kennt, ist man auch nicht daran interessiert sie zu schützen, oder dazu in der Lage. Oder wie Forscherin Morrison sagt: "Je weniger wir uns unserer natürlichen Umgebung bewusst sind, desto weniger bemerken wir ihre Verschlechterung und kümmern wir uns um sie. Studien wie unsere zielen darauf ab, das Bewusstsein für diese Verluste auf greifbare, nachvollziehbare Weise zu schärfen und ihre potenziellen Auswirkungen auf das menschliche Wohlbefinden aufzuzeigen." Die komplette Studie lesen Sie hier. Rachel Carsons Text "Silent Spring" lesen Sie hier im Original" (lfw)
mdr.de
Auch schon mal von Vogelzwitschern wach geworden? Vielleicht bald nicht mehr. Ein Forschungsteam aus den USA und Europa zeigt, dass der zwitschernde Klangteppich ausdünnt.
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2021-11-03T10:34:00+01:00
2024-05-27T14:33:20+02:00
https://www.mdr.de//wissen/umwelt-klima/voegel-fruehling-vogelgesang-silent-spring100.html
Der Tag, an dem für die Ostdeutschen das Renten-Chaos begann
Während sich am 9. November 1989 Ost- und West-Bürger eines fast 40 Jahre lang geteilten Landes in die Arme schlossen, verabschiedete der Bundestag in Bonn ein neues Rentenreformgesetz. Ein Gesetz, das ab 1. Januar 1992 die Renten für die Bundesrepublik neu regeln sollte. Doch das es in der Zwischenzeit zu einer Wiedervereinigung Deutschlands kommen sollte, wussten die Macher des "Rentenreformgesetzes 1992" (RRG '92) damals noch nicht. Und noch während die Bürger versuchten, sich nach 1990 im geeinten Deutschland neu zu finden, versuchten die Politiker, zwei Teile eines Landes, die sich sozial- und wirtschaftspolitisch knapp vier Jahrzehnte völlig unterschiedlich entwickelt hatten, zusammenzubringen. Allerdings waren die Rentensysteme beider Staaten völlig unterschiedlich, so dass man in der Kürze der Zeit keine abschließende Regelung für eine bundesdeutsche Rentenpolitik finden konnte. Denn welches System sollte in Zukunft gelten? Das Rentensystem der DDR, mit seinen Zusatz- und Sonderversorgungssystemen, einer Grundrente und einer frauenfreundlichen Rentenpolitik? Oder das westdeutsche Rentensystem, mit seiner leistungsbezogenen, dynamischen Alterssicherung? Der Zeitdruck, um alle sozialpolitischen Details bis ins Kleinste zu besprechen, war während des Wiedervereinigungsprozesses zu groß gewesen. Daher einigte man sich im Vorfeld des 3. Oktober 1990 erst einmal darauf, dass bis zu einer endgültigen Lösung die Renten in den neuen Bundesländern nach DDR-Recht gezahlt werden. Alles Weitere sollte der Gesetzgeber in einem Bundesgesetz regeln. Und der verabschiedete am 25. Juli 1991 das Rentenüberleitungsgesetz (RÜG) mit dem Anspruchs- und Anwartschaftsüberführungsgesetz (AAÜG), welches am 1. August 1991 in Kraft trat. Wir übertragen ein Alterssicherungssystem auf die neuen Bundesländer, das in der Welt seinesgleichen sucht. Das Gesetz regelte die Schließung der Zusatz- und Sonderversorgungssysteme der DDR und deren Überführung in die allgemeine gesetzliche Rentenversicherung (SGB VI) der Bundesrepublik Deutschland. Für die in der DDR in der Sozialpflichtversicherung und in der Freiwilligen Zusatzversicherung (FZR) Versicherten wirkte sich diese Übertragung der gesetzliche BRD-Rentenversicherung durchaus günstig aus. Die Rentenumwertung führte dank Bestandsgarantie und Auffüllbeträgen für weniger als zehn Prozent der Betroffenen zu niedrigeren und für über 90 Prozent zu höheren Zahlbeträgen in der Rente. Doch was sollte mit denjenigen passieren, die nicht schablonenartig ins BRD-Rentensystem passten? Mit den Menschen, die Anwärter oder Bezieher von Zusatz- und Sonderversorgungssystemen waren? Die letzte Volkskammer der DDR hatte bereits im Juni 1990 im Zuge der Wirtschafts- Währungs- und Sozialunion mit dem Rentenangleichungsgesetz entschieden, dass die DDR eine Angleichung der Bestandsrenten an das Nettorentenniveau der Bundesrepublik Deutschland durchführen möchte. Der Höchstbetrag aus Zusatzversorgungen sollte für Mitarbeiter des Staatsapparates, Leiter im Wirtschaftsbereich, Generaldirektoren, Kombinatsleiter und Mitarbeiter von gesellschaftlichen Organisationen sowie der Gesellschaft für Sport und Technik (GST) bei 2010 DM gedeckelt werden. Die Bezüge aus den Sonderversorgungssystemen, wie sie beispielsweise Stasi-Mitarbeiter bekamen, wurden bei 990 DM gekappt. Doch neben den Zusatz- und Sonderversorgungssysteme von Führungskräften oder Stasi-Mitarbeitern, gab es noch Systeme für andere Berufsgruppen. So war das erste Zusatzversorgungssystem 1951 für die technische und wissenschaftliche Intelligenz in den Betrieben eingerichtet worden. Die Intelligenzler wurden zum Aufbau des Arbeiter- und Bauernstaates benötigt und sollten durch erhöhte ökonomische Anreize und einer damit verbundenen betrieblichen Bindung von einer Abwanderung in den Westen abgehalten werden. Denn hier gab es nicht nur bessere Löhne, sondern auch betriebliche Altersversorgungen. So setzte sich Walter Ulbricht "besonders [für die] Förderung von leitenden Angehörigen der Intelligenz […] durch eine zusätzliche Altersversorgung […]" ein. Ende der 50er Jahre wurde es bei den noch offenen Grenzen dann erforderlich, auch bei Ärzten jeder Fachrichtung Zusatzversorgungen einzurichten, weil es zunehmend bei diesen Berufsgruppen starke Abwanderungstendenzen gab. In den Folgejahren wurden nach und nach auch für Mitarbeiter an künstlerischen, pädagogischen und medizinischen Einrichtungen sowie für Wissenschaftler an den Akademien zusätzliche Altersversorgungen eingerichtet. Erst ab 1970 wurden die Sonderversorgungssysteme für die Mitarbeiter der Staatssicherheit (MfS), dem Amt für Nationale Sicherheit (AfNS), Zollverwaltung, Strafvollzug, Feierwehr, Nationale Volksarmee (NVA) und Volkspolizei eingeführt. Für 27 Berufs- und Personengruppen, die mit ihren Ansprüchen nicht ins westdeutsche Rentensystem passten, fing mit Inkrafttreten des RÜGs eine bis heute bestehende Benachteiligung an. Sie mussten erhebliche finanzielle Verluste in Kauf nehmen. Anders als im Staats- und im Einigungsvertrag zugesichert, wurden teilweise DDR-spezifische Rentenelemente modifiziert oder gestrichen und ganze Personengruppen vergessen. Es wurden Wortlaute falsch interpretiert, Festlegungen des Einigungsvertrages wenige Monate nach der Wiedervereinigung ausgehebelt, nicht-systemnahe DDR-Renten gedeckelt und zu hohe Renten abgeschmolzen, so dass Teile der Ostrentner über Jahre keine Rentenerhöhung bekamen. Zu den durch die Ausnahmeregelungen im Rentenüberleitungsgesetz betroffenen Gruppen gehören u.a. in der DDR-geschiedene Frauen, Reichsbahner, Postler, Krankenschwestern, Angehörige der technischen Intelligenz, Bergmänner und Ballettänzerinnen. Jede Gruppe für sich klagte. Teilweise über mehrere Jahrzehnte. Die ersten Klagen gingen bereits 1993 ein. Für zehn Gruppen wurden Lösungen gefunden. 17 Gruppen klagten erfolglos. Mehrmals musste das Überleitungsgesetz erneuert werden. Nachdem alle innerdeutschen juristischen Mittel ausgeschöpft waren, zogen Gruppen wie die Balletttänzerinnen oder die in der DDR-geschiedenen Frauen vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Dieser verwies darauf, es sei eine "innerdeutsche Angelegenheit." 2018 wurde im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD eine politische Lösung in Form eines Härtefallfonds im Bereich der Grundsicherung verankert. Es sollte eine Einmalzahlung von 15 000 bis 20 000 Euro pro Person geben, die durch das Rentenüberleitungsgesetz benachteiligt worden war. Als Anerkennung der Lebensleistung. Doch 2020 verkündete das zuständige Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), man sehe nur eine Lösung im Bereich der Grundsicherung. Das würde rund zwei Prozent der betroffenen Personen betreffen. Doch auch die bekämen keine 15.000 Euro. Sondern, zumindest ist das der Stand Juli 2021, rund 2556,46 Euro Einmalzahlung. Doch ob die nun kommen, ist bislang nicht klar.
mdr.de
Am 1.8.1991 trat das Rentenüberleitungsgesetz in Kraft. Für rund eine Million ostdeutsche Rentner wirkte sich das negativ aus. Bis heute suchen Betroffene nach einer Lösung gegen die rentenrechtliche Benachteiligung.
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Zeitgeschichte
2021-08-01T05:00:00+02:00
2022-09-30T20:27:07+02:00
https://www.mdr.de//geschichte/zeitgeschichte-gegenwart/politik-gesellschaft/ddr-renten-zusatzrenten-sonderrenten-rentenueberleitungsgesetz-einigungsvertrag-106.html
Alexander Gauland (AfD) gewinnt den Wahlkreis Chemnitz
Alexander Gauland (AfD) erringt die meisten Erststimmen im Wahlkreis Chemnitz. Er erhielt 32,2 Prozent der Stimmen. Nora Seitz (CDU) kommt mit 21,4 Prozent auf Platz zwei. Dahinter folgt Detlef Müller (SPD) mit 16,7 Prozent der Erststimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei 79,1 Prozent. Im Wahlkreis Chemnitz haben sich zwölf Direktkandidatinnen und Direktkandidaten am 23. Februar zur Wahl gestellt: Es können bei der Wahl zum Deutschen Bundestag zwei Stimmen abgegeben werden: die Erststimme für einen Kandidaten vor Ort in einem der Wahlkreise und die Zweitstimme für die Landesliste einer Partei. Zur Bundestagswahl 2025 werden erstmals die Änderungen einer Wahlrechtsreform angewandt, die von der Ampel-Koalition im Mai 2023 beschlossen wurde. Die wichtigste Neuerung ist die sogenannte Zweitstimmendeckung. Demnach können Parteien lediglich so viele Abgeordnete ins Parlament schicken, wie es ihrem Zweitstimmenergebnis entspricht. Für Parteien, die viele Direktmandate gewinnen, kann das bedeuten, dass nicht jeder Wahlkreissieger auch wirklich in den Bundestag kommt. Denn Ausgleichs- und Überhangmandate gibt es nach der Reform nicht mehr. Eine Ausnahme hiervon gilt für parteiunabhängige Kandidaten: Diese erringen einen Sitz unmittelbar aufgrund der Mehrheit an Erststimmen im Wahlkreis. Ziel der Änderung ist, den Bundestag zu verkleinern. Er war aufgrund der Überhang- und Ausgleichsmandate in den vergangenen Wahlperioden deutlich größer als die gesetzliche Regelgröße. Die Regelgröße lag bislang bei 598, in der auslaufenden Legislatur saßen aber 736 Abgeordnete im Bundestag. Mit dem neuen Wahlrecht wird die Zahl der Sitze auf 630 begrenzt. Zusätzlich gilt die Grundmandatsklausel, wenn auch vermutlich zum letzten Mal. Danach muss eine Partei bundesweit auf mindestens fünf Prozent der Stimmen kommen, um in den Bundestag einzuziehen. Ausnahme: Gewinnt eine Partei drei Direktmandate, dann zieht sie als Fraktion in den Bundestag - auch wenn sie die Fünf-Prozent-Hürde nicht schafft. Eine Neuregelung dieser Klausel hat das Bundesverfassungsgericht für die Bundestagswahl 2025 im Sommer verworfen. Für Parteien nationaler Minderheiten gilt diese Sperrklausel nicht. Der Wahlkreis Chemnitz mit der Nummer 161 trug bis zur Bundestagswahl 2021 die Nummer 162. Für die Bundestagswahl 2025 wurde aufgrund der Bevölkerungsentwicklung ein Wahlkreis aus Sachsen-Anhalt an Bayern umverteilt. Dadurch ändert sich bei den bisherigen Wahlkreisen 72 bis 255 die Nummerierung. Das Direktmandat für den Wahlkreis Chemnitz holte bei der Bundestagswahl 2021 Detlef Müller (60 Jahre, SPD) mit 25,1 Prozent der Stimmen. MDR (cnj)
mdr.de
Für die Bundestagswahl 2025 wurden in 16 sächsischen Wahlkreisen Direktkandidaten von den jeweiligen Parteien nominiert. Das sind die Ergebnisse im Wahlkreis 161 (Chemnitz).
[ "Nachrichten", "Bundestagswahl", "Sachsen", "Kandidaten", "Wahlkreis 160", "Chemnitz" ]
Sachsen
2025-02-24T00:40:58+01:00
2025-02-24T00:40:58+01:00
https://www.mdr.de//nachrichten/sachsen/politik/bundestagswahl/ergebnis-wahlkreis-chemnitz-kandidaten-afd-gauland-100.html
Megathema Meinungsfreiheit
Das war ein Paukenschlag, die gestern (Altpapier) überraschend verkündete Bundesverwaltungsgerichts-Entscheidung, das Verbot der Zeitschrift "Compact" vorerst aufzuheben. Schon was den Zeitpunkt angeht. Auch der Chefredakteur und Geschäftsführer Jürgen Elsässer war "davon ausgegangen, dass eine Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts über den Eilantrag erst nach den drei Landtagswahlen im September erfolge", schreibt "epd medien". Von "unerwarteter Unterstützung" für die AfD, "zwei Wochen vor zwei Landtagswahlen im Osten" schreibt Günter Herkel bei mmm.verdi.de. Klar, während Elsässer "dies als Sieg verbucht, bleibt ungewiss, ob das Verbot dauerhaft aufgehoben wird", überschreibt die "SZ" (Abo) ihren Bericht online. Doch Elsässers im gestern hier verlinkten Video auf X/ Ex-Twitter geäußerte Ansicht, dass es bis zum Hauptsache-Verfahren zwei oder drei Jahre dauern werde und seine Medien jedenfalls solange erscheinen, nachdem ein wenige Wochen gültiges Verbot die Aufmerksamkeit für sie erhöht hatte, wird auch oft zitiert. Überhaupt zirkulieren gerade mehr Elsässer-Sätze als das, was Innenministerin Nancy Faeser dazu sagte. "Mal gewinnt man, mal verliert man", bricht der österreichische "Standard" ihre Äußerungen herunter, um dann Elsässer mit "Vor Faesers Attacke haben uns vielleicht zwei Millionen Deutsche gekannt. Jetzt dürften es 60 Millionen sein" zu zitieren. Vielleicht sind's zehn oder zwanzig Millionen weniger, aber ähnlich dürfte es sich verhalten. Und dass der Verfassungsschutz, wenn er sich zu Medien äußert, zumindest auch deren Marken-Bekanntheit und Markentreue erhöht, könnten sie bei der völlig anders orientierten "Jungen Welt" (die neulich gegen ihre Beobachtung durch den Verfassungsschutz klagte und vorm Berliner Verwaltungsgericht verlor) bestätigen. Die zählt zur äußerst überschaubaren Gruppe der Tageszeitungen, deren Auflage steigt. "Die Tendenz, Grundrechte bei Behördenentscheidungen bedenkenlos zu missachten und den Beamtenapparat, die Exekutive zugleich als Gesetzgeber und Justiz entgegen allen Erzählungen von Gewaltenteilung wirken zu lassen ...", erkennt das sehr linke Blatt jetzt wieder. "Da sitzt er nun, trinkt Champagner", schäumt Michael Hanfeld in der "FAZ", mit Bezug wiederum auf Elsässers X-Video. Wobei die Champagner-Genüsslichkeit sozusagen die andere Seite der Medaille der Bilder darstellt, die im Juli zeigten, wie Elsässer im Bademantel jeder Menge Polizisten gegenüberstand. Das wurde ja auch gerne kommentiert wurde (z.B. Böhmermann bei X). Wenn "Telepolis" schreibt, dass die damalige Verbots-Aktion "erkennbar politisch inszeniert und medial koordiniert" war, hat es da recht. Hanfeld goss seine Wut über Elsässers Gehabe in einen Feuilleton-Aufmacher (Abo), der also nicht auf seiner auch wieder prallvollen Medienseite steht, und rührt darin alles zusammen, was es an Medienpolitik des Bundes gibt. Dazu gehören allerhand Klagen einzelner Ministerien und Bundesbeauftragter etwa gegen Julian Reichelts "Nius", die smartere Regierungsmannschaften als die Ampelkoalition sich erspart hätten, weil nicht selten die Gegenseite gewann (vgl. z.B. lto.de). Bloß Nancy Faesers Beamtenstäben entgingen sozusagen die erzielten Streisand-Effekte: "Machtkritik ist erlaubt, Systemkritik ist erlaubt. Das hätte sich die Bundesregierung hinter die Ohren schreiben müssen. Dass sie es nicht tat, verwundert allerdings nicht. Nancy Faesers peinlicher Ausritt entspricht nämlich dem insgesamt gestörten Verständnis der Ampelkoalition, zumindest des rot-grünen Teils der Regierung, von Pressefreiheit und ihrem machttaktischen Verhältnis zur Presse: Kritiker werden verklagt, Claqueure hofiert. Eine Zustellförderung für unabhängige Zeitungen und Zeitschriften gibt es nicht, dafür aber direkte Zuwendungen für 'gemeinnützigen' Journalismus." Bei einer der Speerspitzen des gemeinnützigen Journalismus handelt es sich ja um das schon als gemeinnützig anerkannte correctiv.org, deren "... Geheimplan gegen Deutschland"-Recherche Hanfeld dann auch noch reinrührt. Seine Conclusio lautet dann: "Gewonnen hat indes die Meinungs- und Pressefreiheit, die eben auch für all jene gilt, deren Meinung man nicht teilt, die man für falsch oder für gefährlich hält." "Dass zur ihren vordringlichsten Aufgaben der Schutz von Grundrechten gehört, ist der Ministerin offenbar entgangen", formuliert es Gewerkschafter Herkel. Solche Aspekte waren in ziemlich vielen deutschen Diskursen in Vergessenheit geraten. Nun sind sie, hoffentlich, wieder weitgehend mehrheitsfähig sein. Das Positive an der Sache besteht ja im Beleg, dass ein echter Rechtsstaat Fehleinschätzungen selbst von Regierungen korrigiert, wie Ralf Heimann gestern hier argumentierte. Dass die Bundesregierung sich "in eine Reihe zum Beispiel mit dem türkischen Erdogan-Regime" gestellt hatte, lautete meine Einschätzung zum Verbot. Jetzt steht Deutschland doch nicht mehr in dieser Reihe. Mehr oder weniger dasselbe Thema Meinungsfreiheit wird auf einer europäisch-globalen, zumindest transatlantischen Ebene am Beispiel eines durchgeknallten Superreichen und der Plattform, die er gekauft und umbenannt hat, ebenfalls vielstimmig diskutiert. Sogar ein offizieller "Der Spiegel-Leitartikel" (Abo) unter der Überschrift "Die EU muss die Maschine der Demokratieverachtung bremsen" befasst sich mit Elon Musk und dem Ex-Twitter X. Leider endet der Artikel nicht mit einer Idee, wie denn bremsen, sondern beim technischen Thema des Internetzugangs via Satellit (an dem die EU rumdenkt, während Elon Musk schon lange darin aktiv ist; mit seiner "Starlink"-Hilfe für die Ukraine bekam er ungefähr letztmals positive Presse in EU-Europa). "... Dass Musk lautstark Fake News verbreitet und einen Kandidaten im Präsidentschaftswahlkampf unterstützt, mag für einen CEO seiner Größenordnung ungewöhnlich sein, verboten aber ist es nicht. Lügen und auch Hetze sind in den meisten Fällen von der Meinungsfreiheit gedeckt. Musk darf posten, was er will, solange er keine Gesetze verletzt. Seine Plattform allerdings darf er nicht nach Gutdünken führen. Denn Social-Media-Plattformen sind ein wichtiger Ort der öffentlichen Meinungsbildung. Sie müssen sich an Regeln halten. Selbst wenn Elon Musk zur Vernunft käme, bliebe das grundlegende Problem ..." schreibt Autor Max Hoppenstedt mit Recht. Das Problem besteht ungefähr darin, dass es nicht an der Vernunft einzelner Superreicher hängen darf, wie eine als Medien-Infrastruktur wahrgenommene und genutzte Plattform die Meinungsfreiheit wahrt und deren Missbrauch Grenzen setzt. Auch dafür hat die EU in langjährigem Ringen das Digitale-Dienste- und das Digitale-Märkte-Gesetz erlassen. Jetzt muss sie damit anfangen, die Acts auch jenseits der Playstores der Monopolisten Android/Google und Apple durchzusetzen. EU-Kommissar Thierry Breton hat dem Vorhaben mit seinem Brief, um es vorgestern im Altpapier "Elon Musks Laberpodcast .. mit Donald Trump geht die EU nichts an" ging, keinen Gefallen getan. In der Kommission, die sich derzeit neu bildet, löste der "offiziell wirkende Brief an Musk, den Breton am Montag ausgerechnet auf X veröffentlichte" keine reine Freude aus. Der Franzose "habe mit seinem Brief auf eigene Faust gehandelt: 'Der Zeitpunkt und Wortlaut des Schreibens wurden weder mit der Präsidentin [Ursula von der Leyen] noch mit dem Kollegium der Kommission abgestimmt oder vereinbart', hieß es in einem gestrigen Presse-Briefing " berichtet netzpolitik.org (und wundert sich dann noch über das Faible, das neben einigen Mitgliedern auch die Kommission selbst für X hegt und sich auch in dort geschalteter Werbung äußere). "Brussels slaps down Thierry Breton over 'harmful content' letter to Elon Musk" titelte die "Financial Times", die ja auch in die USA ausstrahlt. Die Frage, wie die EU auf die Millionen bis Milliarden Nutzer verbindenden, ausschließlich außerhalb Europas ansässigen, in Echtzeit funktionierenden Plattformen sinnvoll einwirken kann, bleibt best ... Doch halt, hier kommt das Patentrezept! "Behandelt X endlich wie alle anderen Medienhäuser", lautet es und erschien kam in Form des wiwo.de-Newsletters "Daily Punch". Autor Thomas Kuhn schreibt da: "Bisher verstecken die Konzerne sich hinter der Argumentation, nur Technologieunternehmen zu sein und keinerlei Verantwortung für die über sie verbreiteten Inhalte übernehmen zu müssen. Wer auch immer diese Ausrede bisher zu akzeptieren bereit war, muss umdenken. Dienste wie X oder Facebook, Instagram oder TikTok müssen endlich als das reguliert (und bei Verstößen sanktioniert) werden, was sie sind: Medienplattformen größter Reich- und Wirkweite. Und als solche müssen sie endlich für jeden Verstoß gegen journalistische Sorgfaltspflichten, für jede verbreitete Lüge, für jede Hassbotschaft ... ...  verklagt und die Verantwortlichen mit empfindlichen Strafen sanktioniert werden." Warum ist da niemand früher draufgekommen? Aber Spaß beiseite. Beleidigungen verklagen, da engagiert sich die Ampelkoaliton kräftig. Ich hatte kürzlich hier das Solinger Beispiel verlinkt, wie Marie-Agnes Strack-Zimmermann der Beleidigung "Flintenweib" wegen eine Geldstrafe erwirkt hatte. Ob so was das Netz besser macht oder eher hochbezahlte Juristen von Wichtigerem abhält, muss sich noch zeigen. Ansonsten schlägt die "Wiwo" mehr oder weniger vor, das US-amerikanische Providerprivileg der 1990er zurückzudrehen, das auf disruptivste Weise die Medienwelt umpflügte und qua Marktmacht fast weltweit gilt. Das besäße gewiss Charme, ließe sich aber, selbst wenn in der EU alle einig wären, ohne die gesamte US-amerikanische Gesetzgebung aber nicht verwirklichen. (Wobei, kürzlich tauchte dieses Providerprivileg im Zusammenhang mit einer durchaus aussichtsreichen US-Präsidentschafts-Kandidatin im Altpapierkorb auf ...). Fairerweise muss gesagt werden: Dieser Schnellschuss (der das Musk-Trump-Gelaber auch noch als "klassisches TV-Format" bezeichnet, obwohl es sich doch um reines Audio handelt ...), ist Teil eines Pro & Contra der "Wiwo". Die Gegenmeinung von Philipp Mattheis überzeugt mehr: "Alles, was nicht strafbar ist, ist von der Meinungsfreiheit gedeckt. Punkt. Eine Vorab-Moderation solcher Inhalte ist weder praktikabel noch wünschenswert. Wer das fordert, ist geistig im vordigitalen Zeitalter stehengeblieben. Und deswegen ist die Diskussion um die 'Regulierung' von X auch eine Scheindiskussion ..." Das wird vielen Musk-Gegnern nicht schmecken. Für meinen Geschmack hat Mattheis weithin recht. Zumal die kurz darauf folgende Argumentation "Natürlich findet auch auf X hybride Kriegsführung und Propaganda statt. Peking und Moskau versuchen, die öffentliche Meinung zu beeinflussen, indem sie sich Plattformen bedienen, die sie selbst einschränken. Doch diese Versuche bekämpft man nicht, indem man sich mit Zensurmaßnahmen dem Gegner angleicht – sondern indem man bewusst die Foren der Meinungsfreiheit stärkt", nahtlos an das anschließt, was gerade zur "Compact"-Frage so gesagt und geschrieben wird. Vorm Altpapierkorb noch was zum Schmunzeln (oder?). Es geht um einen ehemaligen EU-Kommissar, der sogar ein deutscher Pionier der Digitalpolitik war. Zumindest wirkte Günther Oettinger, von 2014 bis 2017, als er befördert wurde, als EU-Kommissar für Digitalwirtschaft. Jetzt im Ruhestand, wirkt er "auch als Berater für den Onlinemodehändler Shein" – den die EU-Kommission gerne mit dem DMA zu packen bekommen möchte (oder durch eine Anpassung der Zollgebühren, die schon in wenigen Jahren in Kraft treten könnte ...), meldet das "FAZ"-Wirtschaftsressort/Abo. So geht EU-Europa. +++ Ist das (leider) sogar doppelt aussagekräftig? "Buchmarkt", die "Fachzeitschrift für den deutschsprachigen Buchhandel" wird zum Jahresende eingestellt, melden "FAZ" und "epd medien": "Grund dafür seien 'die allgemeine Marktentwicklung und die Kostensteigerungen'. Der Geschäftsführer der Buchmarkt Media GmbH, Julian Müller, sagte: 'Die Lage der Printmedien-Landschaft ist aktuell so angespannt wie wohl selten zuvor'". Die derzeit von der Zeitschrift gemanagten "Spiegel Bestseller"-Listen und -Aufkleber, die im Buchmarkt ja wichtig sind, sollen aber erhalten bleiben. +++ +++ Am frühen Morgen kommt doch noch eine "Das 'Compact'-Verbot, teilweise ausgesetzt, war trotzdem richtig"-Meinung rein. Ambros Waibel kommentiert in der "taz" u.a.: "Selbstverständlich wäre es besser als ein staatliches Verbot, wenn sich um jede Verkaufsstelle von 'Compact' spontan eine den Vertrieb blockierende Menschenkette bildete ..." +++ +++ Die wie gesagt prallvolle "FAZ"-Medienseite bringt u.a. (Abo) eine neue Antwort auf die Frage, ob Björn Höcke als Ministerpräsident den MDR in Thüringen abschalten könnte. Doch, schon, sofern er für eine "neue Rundfunkanstalt des Freistaates Thüringen" sorgt, was so schwierig nicht wäre, sagt der Leipziger r Medienrechtler Hubertus Gersdorf. +++ +++ Zur Herkunfts-Nennungs-Frage, über die ich vor einer Woche im Altpapier "Weglassen hilft nicht" schrieb, gab es dann noch "Spiegel"-Beiträge. Wenn in Berichten über ""Messerdelikten, wo je nach Bundesland etwa die Hälfte der Tatverdächtigen keinen deutschen Pass hat", die Herkunft "genannt wurde, handelte es sich jedoch fast immer um Ausländer. Diese Verzerrung ist der Alltag, nicht das Verschweigen", sagte im Interview der Hamburger Journalismus-Professor Thomas Hestermann. +++ "In aufgeklärten wiewohl aufgeheizten Gesellschaften ist es fast immer gut, mehr zu wissen als weniger. Man sollte auch keine große Rücksicht auf jene nehmen, die dieses Wissen missbrauchen wollen. Nichtwissen lässt sich auch missbrauchen. Meistens sogar noch viel schlimmer", kolumnierte dann noch Nikolaus Blome. +++ +++ Und einen ganz schönen Coup landete Springers "Politico", als bei ihm im Podcast und dann auch im Newsletter Robert Habeck nicht nur seine Kanzlerkandidatur ankündigte, sondern auch Sachen sagte, die die Baerbock-Fanfraktion ganz schön ärgern können bis müssen. "Nicht gerade kanzlertauglich", ärgert sich schon mal der "Tagesspiegel" (Abo). Nachdem diese Woche jemand drei Altpapiere schrieb, wird am Montag ein ganz neuer Autor debütieren! Erst mal aber schönes Wochenende ...
mdr.de
An zwei, äh, Fronten wird vielstimmig über das gleiche Thema diskutiert. Was bedeutet das Scheitern von Innenministerin Faesers "Compact"-Verbot? Und kann die EU dem Missbrauch von Meinungsfreiheit Grenzen setzen?
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2024-08-16T09:52:00+02:00
2024-08-16T13:09:23+02:00
https://www.mdr.de//altpapier/das-altpapier-3796.html
Das geschah am 21. Juni
Der Goldmann Verlag wird am 21. Juni 1922 in Leipzig  gegründet. Namensgeber ist Wilhelm Goldmann, der zuvor in anderen Verlagen Erfahrungen sammeln konnte. Die ersten Erfolge kann der Verlag durch die Publikation von Kriminalromanen des Autoren Edgar Wallace feiern. 1928 erwirbt Goldmann die Rechte aller Kriminalromane von Edgar Wallace. Im Zuge dieser Erfolgsserie versucht Goldmann den Begriff "Krimi" schützen zu lassen. Während des Zweiten Weltkriegs produziert Goldmann Sonderausgaben für die Truppenbetreuung. Nach Kriegsende wird er deshalb von der sowjetischen Geheimpolizei verhaftet. Nach vier Jahren Haft und ohne Urteil wird er 1950 freigelassen und wagt einen Neubeginn seines Verlags in München. Auch entwickelt Goldmann preiswerte Broschurausgaben für den Bahnhofsbuchhandel, ein Vorläufer des heutigen Taschenbuchs.1977 wird der Goldmann Verlag von Bertelsmann übernommen, der mit diesem Schritt ins wachsende Taschenbuchgeschäft einsteigen kann. Die I.G. Farben erhält 1929 ein Patent auf künstlichen Kautschuk - genannt "Buna". Wenige Jahre später werden die "Buna-Werke" Schkopau (heute Dow Olefinverbund) errichtet und 1936 die ersten Autoreifen aus dem industriell produzierten Kautschuk vorgestellt. Der synthetische Kautschuk ist damals ein kriegswichtiger Ersatzstoff, mit dem sich Deutschland während der Zeit des Nationalsozialismus unabhängig von ausländischen Rohstoffimporten macht. Zu DDR-Zeiten ist das Schkopauer Chemiewerk größter Produzent von Plaste und Elaste. Wichtiger Rohstoff ist Karbid. Veraltete Produktionsanlagen führen allerdings zu extremer Umweltverschmutzung. Am 21. Juni 1972 wird - unter Zustimmung aller Fraktionen - ein neues Tierschutzgesetz vom Deutschen Bundestag verabschiedet. Grundlage für das Gesetz ist ein ethisch bezogener und wissenschaftlich fundierter Tierschutz. Damit hebt es sich deutlich von der Fassung aus dem Jahr 1933 ab, in welcher die jüdische Praxis des Schächtens gänzlich verboten war. Unter anderem bot das Reichstierschutzgesetz so Grundlage für antisemitische Propaganda. Der neue Entwurf von 1972 verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz und umfasst grundsätzlich alle Tierarten – auch werden spezielle Praktiken wie Massentierhaltung und Tierversuche berücksichtigt. "Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen", heißt es in Paragraph Eins. Das Gesetz tritt offiziell am 24. Juli 1972 in Kraft. Der Bundestag und die Volkskammer stimmen 1990 für den Staatsvertrag über die Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion. Zudem verabschieden beide Parlamente eine endgültige Anerkennung der polnischen Westgrenze. Der Staatsvertrag tritt am 1. Juli 1990 in Kraft. Das Bild zeigt die Unterzeichnung des Vertrages im Mai 1990. Am 21. Juni 1996 wird das Ladenschlussgesetz im Deutschen Bundestag geändert: Geschäften dürfen nun wochentags bis 20.00 Uhr öffnen. Das war zuvor nur am "langen Donnerstag" möglich. Das neue Ladenschlussgesetz tritt am 1. November 1996 in Kraft. Mit der Föderalismusreform 2006 werden weitere Regelungen gelockert: Einkaufen rund um die Uhr oder verkaufsoffene Sonntage halten Einzug. Das Ringheiligtum Pömmelte öffnet am 21. Juni 2016 in Sachsen-Anhalt. An diesem Ort wurden vor 4.000 Jahren Rituale abgehalten und Menschen geopfert. Forscher entdeckten die bronzezeitliche Anlage 1991. Die Kreisanlage, vergleichbar mit dem englischen Stonehenge, wurde mit Robinienstämmen rekonstruiert. Am 21. Juni 2017 beginnt in der ungarischen Stadt Kecskemét der Prozess gegen elf mutmaßliche Schlepper. Die Angeklagten werden beschuldigt, für den Tod von 71 Geflüchteten verantwortlich zu sein. Die Opfer wurden im August 2015 tot in einem Kühllaster aufgefunden, der an einer Autobahn bei Parndorf im österreichischen Burgenland abgestellt war. Als Todesursache wird Erstickung angegeben. Ausbeulungen und Kratzer an den Innenseiten der Türen lassen vermuten, dass die Opfer versuchten die nur 13 m² große geschlossene Ladefläche zu verlassen. Die Menschen flohen aus dem Iran, dem Irak, Afghanistan und Syrien. Die meisten Todesopfer konnten in ihre Herkunftsländer überführt werden. 15 Menschen wurden in Österreich beerdigt. Der Prozess findet in Ungarn statt, weil die Flüchtlinge nach Angaben von Gutachtern noch auf ungarischem Staatsgebiet starben. Am 14. Juni 2018 ergehen die erstinstanzlichen Urteile gegen die Angeklagten: Die vier Haupttäter werden zu Haftstrafen von jeweils 25 Jahren verurteilt, die sie teilweise unter verschärften Bedingungen verbüßen sollen. Gegen die übrigen Beschuldigten werden Gefängnisstrafen zwischen drei und zwölf Jahren verhängt. Am 20. Juni 2019 erhöht das Tafelgericht in Szeged in zweiter Instanz die Strafen gegen die vier Haupttäter auf lebenslang wegen Mordes unter besonders grausamen Umständen.
mdr.de
1922 wird der Goldmann Verlag in Leipzig gegründet. 2017 beginnt in Ungarn der Prozess gegen elf mutmaßliche Schlepper. Was geschah noch am 21. Juni? Die wichtigsten Ereignisse im Kalenderblatt #blickzurück vom 21. Juni
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Mitteldeutschland
2022-06-21T10:51:14+02:00
2024-05-14T13:38:54+02:00
https://www.mdr.de/geschichte/mitteldeutschland/jahrestage/kalenderblatt-ringheiligtum-buna-ladenschlusszeiten-staatsvertrag-tierschutzgesetz-goldmann100.html
❌ Stimmt nicht: Nackt schlafen ist unhygienisch
Allein das Weglassen von Schlafanzug oder Nachthemd sagt nichts über die Hygiene aus. Die Säuberung der Textilien, die Körperkontakt haben, ist dafür ausschlaggebend. Der Mensch verliert beim Schlaf ein bis zwei Liter Schweiß. Nach der Verdunstung bleibt eine Mischung aus Mineralsalzen, Bakterien und Hautschüppchen übrig. Diese sammelt sich in der Schlafbekleidung oder bei Nacktschläfern eben in der Bettwäsche. Beides sollte regelmäßig gewaschen werden. Hygienefachleute empfehlen Nackt- schläfern, Bezüge und Betttücher mindestens einmal wöchentlich zu wechseln. Der Schlafanzugwechsel sollte sogar noch häufiger erfolgen. Für unseren Imtimbereich ist es aber sogar hygienischer, nackt zu schlafen. Unter der Nacht- oder Unterwäsche sammelt sich der Schweiß vermehrt in Hautfalten, was zu lästigen Hautreizungen und Entzündungen führen kann. Außerdem stauen sich Wärme und Feuchtigkeit und unliebsame Keime können sich besser ausbreiten. Quellen: Dr. Hans-Günter Weeß; Dr. Alyssa Dweck Diesen Faktencheck gibt's auch bei Facebook.
mdr.de
Geprüft am 30.06.2022
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2022-07-04T15:24:43+02:00
2022-07-04T15:57:07+02:00
https://www.mdr.de//wissen/faktencheck/faktencheck-nackt-schlafen-100.html
Thüringer wird Zimmerer-Europameister
Jonas Lauhoff aus dem Eichsfeld ist am Samstag in Danzig zum Europameister der Zimmerer gekürt worden. Bei der Europameisterschaft der Berufe erzielte der Thüringer mit seinem Pavillon-Modell die meisten Punkte. Unter enormem Zeitdruck setzte sich Lauhoff gegen seine Konkurrenten durch. Bei der "EuroSkills-Berufseuropameisterschaft" treten alle zwei Jahre Nachwuchshandwerker in verschiedenen Gewerken an und müssen ein vorgegebenes Werkstück umsetzen. Neben der Goldmedaille von Jonas Lauhoff erzielten drei weitere deutsche Handwerker Silbermedaillen - bei den Fliesenlegern, Maurern und Stuckateuren. In seinem Heimatort Martinfeld im Eichsfeld wurde der Europameister am Sonntag dann mit einem Autokorso begrüßt. Wie Bürgermeister Jens Schrader (pl) MDR THÜRINGEN sagte, wurde er zunächst mit einem Kremser von Bernterode abgeholt und nach Martinfeld gebracht. Anschließend gab es einen Umtrunk in der alten LPG-Halle. Am Mittwoch feiert der Zimmerer-Geselle seinen 23. Geburtstag und ist dann zu alt für die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr. Perspektivisch möchte er auch seine Meisterprüfung ablegen. Derzeit arbeitet er in der Zimmerei Ständer in Geismar. MDR (cgo/dst)
mdr.de
Jonas Lauhoff aus dem Eichsfeld ist Europas bester Zimmerer: Bei der EM der Berufe konnte sich der Thüringer unter enormem Zeitdruck durchsetzen. Am Sonntag wurde er mit einem Autokorso in seinem Heimatdorf empfangen.
[ "Nachrichten", "Lauhoff", "Martinfeld", "Danzig", "Europameister" ]
Thüringen
2023-09-11T12:35:35+02:00
2023-09-11T12:35:35+02:00
https://www.mdr.de//nachrichten/thueringen/nord-thueringen/eichsfeld/zimmerer-europameister-handwerker-lauhoff-100.html
Studie: Omikron-Subtyp BA.2 deutlich gefährlicher als BA.1
Die sehr umfangreiche Studie aus Japan befindet sich noch im "Preprint"-Stadium, muss also noch von unabhängigen Experten begutachtet werden, und sie ist eine reine Laborstudie. Aber was sie besagt, lässt aufhorchen. Erstens sei der Omikron-Subtyp BA.2 noch einmal etwa 40 Prozent ansteckender als BA.1. Zweitens schütze nicht einmal eine überstandene BA.1-Infektion vor einer weiteren Infektion mit BA.2 (zumindest bei Hamstern und Mäusen). Und drittens habe BA.2 deutlich mehr Potenzial für schwere Verläufe als BA.1, die Viruslast im Lungenbereich sei erheblich größer, vergleichbar mit älteren Virusvarianten, die vor Omikron vorherrschend waren. Die in der Studie erhobenen Daten deuten laut ihrer Autoren darauf hin, dass "BA.2 die gefährlichste Variante für die Gesundheit weltweit ist". Auf Grundlage dieser Ergebnisse schlagen die Autoren vor, BA.2 als einzigartige besorgniserregende Variante anzuerkennen und sie genauestens zu überwachen. Wir schlagen vor, BA.2 einen Buchstaben des griechischen Alphabets zu geben. Um die virologischen Eigenschaften von BA.2 aufzudecken, haben die an der Studie beteiligten Wissenschaftler einen Neutralisationstest mit Pseudoviren und den durch Impfung ausgelösten neutralisierenden Antikörpern durchgeführt. Ähnlich wie BA.1 war dabei auch BA.2 hochgradig resistent gegen Impfstoffe und gegen das Antiserum von Genesenen, die sich mit früheren Varianten einschließlich Delta infiziert hatten. Außerdem war BA.2 fast vollständig resistent gegen zwei therapeutische monoklonale Antikörper, Casirivimab und Imdevimab, und 35-mal resistenter gegen einen anderen therapeutischen Antikörper, Sotrovimab, als das Stammvirus B.1.1. Zum gleichen Ergebnis, was die Verabreichung monoklonaler Antikörper angeht, kommt auch eine weitere Preprint-Studie aus den USA. Dort heißt es, dass "BA.2 von keinem der therapeutischen monoklonalen Antikörper, einschließlich Sotrovimab und den monoklonalen Evusheld-Antikörpern, mit nachweisbarem Titer neutralisiert wird". Das bedeutet, die bisher angewendeten Behandlungsmethoden bei Menschen mit gehemmtem Immunsystem dürften bei einer BA.2-Infektion wirkungslos bleiben. Die japanischen Wissenschaftler verglichen die Viruslast im Lungenbereich von Hamstern, die mit verschiedenen Varianten von Sars-CoV-2 infiziert waren. Dabei war die virale RNA-Last nach BA.2-Infektion mehr als neunmal so hoch wie bei Omikron-Subtyp BA.1. Diese und weitere Daten führten die Studienautoren zu dem Schluss, dass sich BA.2 schneller und effizienter im Lungengewebe ausbreitet als BA.1. Für die Studie lagen nur 17 Proben von genesenen Menschen vor, die mit BA.1 infiziert waren, darunter nur drei von Ungeimpften. Bei ihnen konnte nur ansatzweise beobachtet, aber nicht statistisch signifikant nachgewiesen werden, was bei Hamstern und Mäusen eindeutig war: dass eine frühere Infektion mit BA.1 nicht vor einer weiteren Infektion mit BA.2 schützt. Das, so schreiben die Autoren, sollte in einer künftigen Untersuchung eingehend überprüft werden. Wie im obigen Diagramm zu sehen, besagen die neuesten Zahlen, dass BA.2 in Kalenderwoche 5 (31. Januar bis 6. Februar) schon für 14,9 Prozent aller untersuchten positiven Proben in Deutschland verantwortlich war. Die Tendenz ist weiter steigend. Es ist davon auszugehen, dass BA.2 wie schon in mehreren Ländern der Welt auch in Deutschland bald vorherrschend sein wird. Das RKI merkt dazu an, durch die leichtere Übertragbarkeit dieser Untervariante "sei eine langsamere Abnahme oder eine erneute Zunahme der Fallzahlen nicht auszuschließen". Daichi Yamasoba et al.: "Virological characteristics of SARS-CoV-2 BA.2 variant"Hao Zhou et al.: "SARS-CoV-2 Omicron BA.2 Variant Evades Neutralization by Therapeutic Monoclonal Antibodies" (rr)
mdr.de
Forscher fordern einen eigenen griechischen Buchstaben für die Omikron-Variante BA.2 des Coronavirus. Denn der Subtyp habe mit dem recht milden Omikron-BA.1 wenig gemein. Er sei deutlich ansteckender und krankmachender.
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Startseite
2022-02-18T16:10:16+01:00
2022-02-18T16:10:16+01:00
https://www.mdr.de//wissen/corona-studie-omikron-subtyp-ba-zwei-deutlich-gefaehrlicher-als-ba-eins-100.html
"Spezial"-isierung ist keine Spezialisierung
All die öffentlich-rechtlichen Sondersendungen, besonders unserer ARD, werden viel beachtet (zuletzt AP vom Freitag). Überall sonst im Fernsehen wird aber auch viel sondergesendet. Guten Überblick gibt Peer Schader bei dwdl.de: "Ganz ehrlich: meinen täglichen 20.15-Uhr-Peter-Kloeppel wieder herzugeben wird mir irgendwann ein bisschen schwer fallen. Auch wenn es weltpolitisch vermutlich ein gutes Zeichen wäre ..." Womit er das "viertelstündige News-Update, zu dessen Beginn begrüßenswerterweise immer kurz die wichtigsten Entwicklungen des Tages erläutert werden", lobt, und erst recht die "ausgeruht moderierte halbstündige Nachrichtensendung zur besten Sendezeit", zu der die RTL-Sondersendungen sich auswachsen, wenn die deutschlandweit genormte Hauptabend-Sendezeit und die europaweit anders genormten Fußball-Anstoßzeiten es erfordern. Außerdem streift er die "Spezial"-Sendungen der ProSiebenSat.1-Sender, in denen "Claudia von Brauchitsch und Linda Zervakis hinter zwei Moderationsröhren in einem in kurios leeren Studio ... merkwürdig steif 'Tagesschau' spielen", und die ebenfalls "Spezial" genannten Sendungen des RBB in seinem Dritten Fernsehprogramm (in denen "ein Feuerwerk der Ablenkungen" sich immerhin von der sonst beim RBB gepflegten "Grundpiefig"-keit abhebe). Schader schreibt von der "Extraisierung der TV-Nachrichten". "Spezial"-isierung in ziemlich ähnlichen Formen überall ist keine Spezialisierung, könnte man diesen Ansatz fortführen. Wobei es einen speziellen öffentlich-rechtlichen Nachrichtenkanal inzwischen ja gibt. Wie sieht's bei Tagesschau24 zur üblichen abendlichen Sondersendungen-Sendezeit aus? Wenn das laufende Nachrichtenprogramm unter seinem in der Tat kuriosen Sendungsnamen "Tagesschau-Nachrichten" weiter läuft, nicht so schlecht, meint dwdl.de. Am vorigen Dienstag etwa gab es erst mehrere mehrminütige Korrespondentenberichte. "Als 'Schwerpunkt' lief dazu die Reportage einer Journalistin vom französischen (?) Fernsehen, die in Mykolajiw eine Nacht mit den Anwohnerinnen und Anwohnern im Luftschutzbunker verbracht hatte. An diesem Abend war zumindest zu ahnen, wie sich mit Tagesschau24 das Wissen und die Erfahrungen aus dem Korrespondentinnen- und Korrespondenten-Netzwerk der ARD abschöpfen ließe – wenn sich in Hamburg denn jemand den Ruck geben würde und daraus eine abendliche Stunde der vertiefenden Berichterstattung vor Ort zu kompilieren." Angesichts der multipel krisenhaften Weltlage ist es sicher nicht die vordringlichste, aber doch eine für die Medien wichtige ungeklärte Frage, wie sie und das Leitmedium Fernsehen darauf richtig reagieren – einerseits genug, um das große Informationsbedürfnis möglichst sinnvoll zu stillen (und ihr Publikum nicht in die sog. soz. Medien zu treiben), andererseits nicht zu wenig (schon um keine Verharmlosung zu betreiben), dritterseits auch nicht zu viel (etwa wenn nicht genug unabhängiges, zeigbares oder aussagekräftiges Bildmaterial und nicht ausreichend relevante Experten-Expertise für die zahl- und oft uferlosen Talksendungen zur Verfügung stehen). Das Thema Netzsperren wabert immer im mittleren Hintergrund mit und besitzt einen aktuellen Kriegs-Anknüpfungspunkt. Zumindest wurde das Verbot der staatlich russischen RT-Medien auf EU-Ebene (guter Überblick zu den formalen Gründen hier nebenan übrigens) ja wegen des russischen Angriffskriegs verhängt, und für die Infrastruktur Internet soll es auch durchgesetzt werden. Zu Netzsperren-Detailfrage "Bringt es überhaupt etwas, Pornoportale wie xHamster zu sperren?" (vgl. dieses Altpapier) bietet der uebermedien.de-Podcast mal wieder ein hörenswertes Telefonat. Hörenswert ist es, weil Gesprächspartner Tobias Schmid zwar einer der Bundesländer-Medienwächter ist (bei der Düsseldorfer LfM, also einer der wichtigeren Landesmedienanstalten), aber nicht wie ein solcher klingt, sondern durchgehend anklingen lässt, dass sein Berufsweg auf mehreren Posten bei RTL begann und er einen unterhaltsam schärferen Tonfall beherrscht. "Am Ende gewinnt immer der Regulierer", habe er in früheren Positionen gelernt, sagt er etwa. (Wobei: Ob Bundesländer-Regulierungsbehörden sich so wie gegen deutsche Privatsender auch gegen internationale Akteure durchsetzen können, die nicht nur das diffuse EU-Recht und das Recht von Sitzländern wie Zypern, sondern auch die Mechanismen des internationalen Internets auf ihrer Seite haben, das muss sich noch herausstellen). Schmid zeigt durchaus Distanz zum "Gesetzgeber", an dessen in jahrelangem Beratschlagen entstandenen, bei Inkrafttreten oft schon veralteten Regeln sich die Medienanstalten halt orientieren müssen. Zur naheliegenden Frage, ob zähe Behörden-Bemühungen im dynamischen Internet überhaupt sinnvoll sind, kommt er mit einem flotten Fahrraddiebstahl-Vergleich: Nur weil die Polizei so gut wie niemals gestohlene Räder wiederbeschafft, wäre es ja keine Lösung, den Anspruch gleich aufzugeben. Dass Fragensteller Holger Klein am Ende sehr auf "Neun Live-Gewinnspiele" abhebt (so als wüsste er gar nicht, dass dieser Sender seit einem guten Jahrzehnt gar nicht mehr besteht), reagiert Schmid auch gelassen. Medienwächter müssen eben Max Webers dicke Bretter durchbohren, lässt sich seine Haltung zusammenfassen – zumindest solange der Gesetzgeber keine sinnvolleren Strukturen geschaffen hat (woran weder die gesetzgebenden Bundesländer noch die in ihnen ansässigen Anstalten echtes Interesse haben, weil sie dann weiter an Einfluss verlören). Schließlich erwähnt Tobias Schmid auch das LfM-Angebot fragzebra.de, eine der pfiffigeren Erscheinungen im gründlich beackerten Feld der Medienkompetenz. "Stell uns deine Fragen zu digitalen Themen und Medien", heißt es dort. Was die (hier schon mal erwähnte) Hackerin Lilith Wittmann sich nicht zweimal sagen ließ: "Ich habe bei #fragzebra, einem Service für die Medienfragen von Kindern bei der @LFMNRW (ja die, die xHamster gesperrt haben) nachgefragt, wie man DNS-Einstellungen ändert, um Netzsperren zu umgehen. Und sie haben geantwortet." Und zwar kompetent geantwortet, wie der Thread auf Twitter dann zeigt. Was wiederum Schmids Argumentation, der zufolge es sowieso weniger gilt, 17-jährige als 10-jährige Minderjährige vor den Pornoportalen zu beschützen, nicht unbedingt entkräftet. Das wichtigste Argument gegen Netzsperren lautet natürlich: Sie eignen sich als Zensur-Infrastruktur, die, wenn sie erst mal zur Anwendung gebracht wurde, und sei es aus guten Gründen, dann von künftigen, ganz anderen Entscheidungsträgern (oder von jetzt bereits anderswo in der EU entscheidungsbefugten Stellen) auch genutzt werden kann. Das klingt im uebermedien.de-Podcast immerhin an. Im Fall des Messenger/Netzwerk-Hybriden Telegram, dem ja hierzulande von der Bundesinnenministerin eine Sperre angedroht wurde, wurde nun tatsächlich Abschaltung angeordnet – aber nicht in Deutschland, sondern in Brasilien. Das melden knapp heise.de/dpa und etwas ausführlicher futurezone.at. Die Lage dort ist kompliziert: Präsident Bolsonaro, der als "Populist" (heise.de) bzw. gar "rechtsextrem" (futurezone.at) bezeichnet werden kann, ist gegen diese Sperre. Brasiliens Oberster Gerichtshof verhängte sie dennoch, was also dafür spricht, dass die Gewaltenteilung in Brasilien funktioniert. Daraufhin meldete sich auch Telegram-Chef Pavel Durow, der sich ja nicht gleich um jede Regierung, die mit seiner Plattform Probleme hat, individuell kümmern kann, und "entschuldigte sich ... in einer Instagram-Botschaft und führte ein 'Kommunikationsproblem' an. 'Im Namen unseres Teams entschuldige ich mich beim brasilianischen Obersten Gerichtshof für unsere Nachlässigkeit. Wir hätten definitiv bessere Arbeit leisten können', erklärte der Unternehmensgründer. Telegram hat seinen Firmensitz in Dubai." Übrigens: Dubai ist eines der Vereinigten Arabischen Emirate, in die just eine aus den "Extra"- und "Spezial"-Sendungen bestens vertraute Persönlichkeit gerade reiste: Vizebundeskanzler Robert Habeck. Angesichts all der sich immerzu ereignenden, äh, Zeitenwenden ist allerdings unwahrscheinlich, dass zum deutschen Wirtschafts-/Medien-Tross auch Bußgeldbescheid-Briefträger gehören, oder dass Habeck mit einem Emir außer über Gas und Menschenrechte auch noch über Rechtshilfe bei der Durchsetzung des deutschen NetzDG verhandelt. Selbst wenn die globale Vorbildwirkung der deutschen Internetgesetze sich immer deutlicher zeigt ... "Der Spiegel" gehört, was Medienthemen im engeren Sinne betrifft, zu den nicht soo relevanten Adressen in der deutschen Presselandschaft. Aktuell allerdings bietet er einige große bzw. spektakulär klingende Interviews. Da ist erst mal der "kleine Scoop" (Klaus Raab hier), frühzeitig die enorm mutige russische Staatsfernseh-Moderatorin Marina Owsjannikowa "ans Telefon bekommen" zu haben. Dieses natürlich online first publizierte Interview steht nun auf zwei Seiten im aktuellen Heft. Inzwischen gibt es weitere Owsjannikowa-Interviews, etwa mit dem US-amerikanischen Fernsehsender ABC (vom "Standard" zusammengefasst), was sowohl eine positive Nachricht ist als auch zeigt, dass der "Spiegel" vorn dabei war. Außerdem enthält das aktuelle Heft mal wieder eine Medienrubrik und darin ein großes Interview mit Barbara Schöneberger (€). Auf drei eng bedruckten Seiten zeigt sich: Die prominente "Künstlerin" ("Spiegel") ist klüger als der Ausstoß, der rund um ihre Person multimedial erzeugt wird (wobei auch traurig wäre, wenn sich das anders verhielte). "Die Zuschauerperspektive ist für mich zweitrangig. Jedem bleibt freigestellt, mein 'Barbara'-Magazin nicht zu kaufen, mein barba radio nicht zu hören, nicht mit meiner Tapetenkollektion zu tapezieren und umzuschalten, wenn ich im Fernsehen erscheine.", sagt Schöneberger absolut zurecht, und Interviewer Alexander Kühn treibt das Gespräch voran mit Einwürfen à la: "Künstler wie Carolin Kebekus, Jan Böhmermann oder Joko und Klaas machen in ihren Sendungen Sexismus oder Rechtsradikalismus zum Thema. Anstatt nur lustig zu sein, will diese Generation von Entertainern die Welt verbessern." Huch, hat da der "Spiegel" zu gendern vergessen? Na ja, dafür verbreitet er zumindest die Ansicht, dass jeder Mensch, der im Fernsehen auftritt, "Künstler" ist, auf Teufel komm raus. Als aktueller Anlass des großen Interviews dient übrigens Schönebergers neue große Fernsehshow in unserer ARD, "Verstehen Sie Spaß?" in inzwischen nicht mehr ganz zwei Wochen. Da ist das Sturmgeschütz ja schon wieder ganz vorn dabei! Das dritte "Spiegel"-Medien-Interview ist kein in der Länge sehr großes, zeigt sich hinter der Bezahlschranke. Geführt ebenfalls vom Medien-Vermischtes-Tausendsassa Alexander Kühn, steht es auch gar nicht im neuen "Spiegel", sondern in der Ergänzungszeitschrift "Spiegel Geld" (in die das Schöneberger-Interview unter der Überschrift "Ich würde mich immer fürs Geld entscheiden" übrigens auch passen würde). Es kreist ums Lebenswerk eines Großen der deutschen Fernsehindustrie. Nico Hofmann erzählt, wie er einst mit Roland Suso Richter (dem inzwischen nicht zuletzt für Degeto-Donnerstagskrimis tätigen Regiekünstler) in einer WG lebte und als "so etwas wie der Herstellungsleiter, ... Croissants mit Marmelade beschmiert" hatte. Hofmann ist trotz aller sich bald darauf einstellenden Erfolge bescheiden geblieben, erfährt man im "Spiegel"-typisch zupackend ("Vermutlich bringen Sie auch den Müll nicht selbst raus." – "Doch, das tue ich ...") geführten Gespräch. Und am Ende setzt der jugendlich gebliebene alte Fuchs einen Cliffhanger, dessen Edgy-ness jedem Ereignis-Mehrteiler mit Heino Ferch, Sebastian Koch und Nadja Uhl als Frau zwischen zwei Männern zur Ehre gereichen würde: "Vor einem Jahr habe ich den größten Teil meines Vermögens in eine Stiftung umgewandelt, die nach meinem Tod aktiv wird. Zweck der Nico-Hofmann-Stiftung wird es sein, den Filmnachwuchs zu unterstützen. Ich habe bereits festgelegt, wer die Stiftung leiten soll. Außerdem habe ich fünf Menschen, die mir nahestehen, als Erben benannt." "SPIEGEL: Wen denn?" Eine knappe Hofmann-Antwort folgt noch, doch die hier zu spoilern, wäre dem "Spiegel" gegenüber unfair. Ist das nun Journalismus auf der Höhe einer Zeit, in der Pressemedien sich mit dem Verlust ihrer Gatekeeper-Position abgefunden haben? Vielleicht. Vielleicht sucht der "Spiegel", gerade im Medienressort, aber auch mit Prominenten-Interviews aus dem Bertelsmann-Imperium (zu dem er selbst mit vorläufig 25,1 Prozent ja teilweise gehört, so wie die von Nico Hofmann geleitete Ufa und das "Barbara"-Gruner+Jahr komplett) aber auch ziemlich verkrampft sein Plätzchen. +++ Auch wer kein "SZ"-Digitalabo hat oder sich jetzt zulegen möchte, sollte mal rasch auf sz.de/GooglesSchatz klicken, weil "Was Google über uns weiß", das neue Datenjournalismus-Projekt zum allergrößten Datenkraken, auch visuell gut aufgemacht ist. +++ Zurück zum Topthema Krieg: Den ukrainischen Nachrichtensender U24 auf u24.ua/en hat Harald Staun für die "FAS" verfolgt: "Wie sich dort, zum einen, der absolute Ausnahmezustand abbildet, in deprimierenden Berichten von der Front, in Interviews aus den Luftschutzkellern und in dröhnenden Ermutigungsclips rund um die Uhr, und andererseits die Routinen der Fernsehberichterstattung Normalität ausstrahlen, macht den ganzen Wahnsinn dieses Krieges auf besonders gespenstische Weise anschaulich". +++ Dass in der angegriffenen Ukraine gestern "alle ukrainischen Fernsehsender zusammen"-gelegt wurden, wird auf deutsch bislang nur knapp gemeldet (tagesschau.de). +++ Auf der "SZ"-Medienseite (€) berichtet Sonia Mikich, warum sie einst zur "Russland-Versteherin" werden wollte. +++ Von frischem Streit um den streitbaren Deniz Yücel, und zwar in seiner Eigenschaft als deutscher PEN-Präsident, berichten Feuilletons hinter Bezahlschranken. +++ Zur Diskussion um die Evangelische Kirche und deren Beschluss, ihre Journalistenschule zuzumachen, zuletzt in einigen Altpapierkörben erwähnt, gehört noch die Formulierung "Selbstverzwergung der evangelischen Kirche" des EJS-Leiters Oscar Tiefenthal (welt.de). +++ Oh, gar kein Krimi heute im ZDF. "Sendetermine werden lange im Voraus festgelegt, weshalb es Zufall ist, dass Jan Josef Liefers’ sehr gelungene Regiearbeit 'Honecker und der Pastor' in einer Zeit ins Fernsehen kommt, in der das Paradoxon der Feindesliebe so anstößig und herausfordernd ist wie lange nicht" ("SZ"). +++ Nicht soo gelungen, aber immerhin knapp "davor ..., in allzu märchenhaftem Idyll zu versinken", meint die "taz". +++ Und "Wintersport ist Fernsehmord" kommentiert dann noch launig immer Allesgucker Joachim Huber ("Tagesspiegel"). Aber sicher nicht schlechter als die meisten Fernsehkrimis, würde ich entgegnen. Neues Altpapier gibt's wieder am Dienstag.
mdr.de
Im linearen Fernsehen herrscht reger Sondersendungs-Wettbewerb. Ein Medienwächter plaudert angenehm scharfzüngig aus seinem Nähkästchen.
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2022-03-21T10:47:39+01:00
2022-03-21T11:53:09+01:00
https://www.mdr.de//altpapier/das-altpapier-2564.html
Nordhausen: Weiterer Anlauf zur Amtsenthebung von OB Buchmann gescheitert
In der Auseinandersetzung mit dem Oberbürgermeister von Nordhausen hat Landrat Matthias Jendricke (SPD) eine weitere Niederlage kassiert. Jendricke wollte gerichtlich verhindern, dass Oberbürgermeister Kai Buchmann (pl) in sein Amt zurückkehren kann. Das lehnte das Thüringer Oberverwaltungsgericht nach Informationen von MDR THÜRINGEN aber vorläufig ab. Mit dieser Gerichtsentscheidung kann Buchmann bis zur Oberbürgermeisterwahl am 10. September im Amt bleiben. Buchmann war von seinem Widersacher Jendricke wegen angeblicher Dienstvergehen suspendiert worden. Diesen Schritt hatte das Verwaltungsgericht Meiningen aber gekippt, da die Vorwürfe nicht ausreichen würden, um Buchmann des Amtes zu entheben. Jendricke hatte den Gerichtsbeschluss nicht akzeptiert und zog umgehend vor die nächsthöhere Instanz, das Oberverwaltungsgericht Weimar. Die Richter kamen zum gleichen Ergebnis. Trotz der Niederlage hält das Landratsamt an einer Beschwerde gegen die Entscheidung des Verwaltungsgerichts Meiningen fest. Eine Landkreissprecherin sagte, bis Ende August wolle man dem Oberverwaltungsgericht Weimar schriftlich begründen, warum Buchmann des Amtes enthoben werden sollte. MDR (aku/dst)
mdr.de
In der Auseinandersetzung mit dem Oberbürgermeister von Nordhausen Kai Buchmann hat Landrat Matthias Jendricke eine weitere Niederlage vor Gericht kassiert. Er wollte verhindern, dass der OB ins Amt zurückkehren kann.
[ "Nachrichten", "Buchmann", "Nordhausen", "Landratsamt", "Jendricke", "OB" ]
Thüringen
2023-08-22T07:28:40+02:00
2023-08-22T15:25:08+02:00
https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/nord-thueringen/nordhausen/buchmann-oberbuergermeister-jendricke-100.html
Streiks in Supermarkt-Lagern: Mögliche Engpässe bei Rewe und Netto in Thüringen
Wegen eines Streikaufrufs in Zentrallagern kann es zu Engpässen in Thüringer Supermärkten kommen. Betroffen sind nach Angaben der Gewerkschaft Verdi das Rewe-Lager in Neudietendorf und die Netto-Lager in Erfurt-Stotternheim und Guteborn im Altenburger Land. Die Streiks, die am Montagmorgen begonnen haben, sollen mehrere Tage dauern. Eine Sprecherin sagte MDR THÜRINGEN, mehrere Dutzend Mitarbeiter seien dem Aufruf bereits gefolgt. Hintergrund ist der laufende Tarifstreit. Verdi fordert für die Beschäftigten im Groß- und Außenhandel unter anderem 13 Prozent mehr Geld. In dem fünf Monate dauernden Tarifkampf hätten die Arbeitgeber noch kein angemessenes Angebot vorgelegt, hieß es von der Gewerkschaft. Verdi spricht von einer Hinhaltetaktik. MDR (kuk/dst)
mdr.de
Wegen eines Streikaufrufs in drei Zentrallagern kann es zu Engpässen in Thüringer Supermärkten kommen. Die Gewerkschaft Verdi fordert 13 Prozent mehr Lohn für die Beschäftigten.
[ "Nachrichten", "Streik", "Rewe", "Netto", "Supermarkt", "Lager" ]
Thüringen
2023-10-16T11:10:05+02:00
2023-10-16T11:30:26+02:00
https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/supermarktlager-streik-verdi-rewe-netto100.html
Thüringer Landesverband der Jungen Alternativen aufgelöst
Der Thüringer Landesverband der AfD-Jugendorganisation Junge Alternative (JA) hat sich aufgelöst. Das teilte der Verband auf Facebook und der Plattform X mit. Den Angaben nach wurde der Beschluss dazu am Samstag beim Landeskongress in Erfurt gefasst. Der Thüringer Landesverband wurde im Mai vorigen Jahres vom Thüringer Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft. Auf Bundesebene hatte die AfD im Januar auf einem Bundesparteitag die Auflösung ihrer Jugendorganisation beschlossen. Die JA-Bundesorganisation, die rechtlich als eigenständiger Verein außerhalb der AfD firmierte, löste sich daraufhin nach eigenen Angaben Anfang Februar auf einem Bundeskongress in Apolda auf. Auch in Sachsen-Anhalt beispielsweise ist die Junge Alternative jetzt ihrer Auflösung zuvorgekommen. Wie der AfD-Landesverband am Montag dem MDR mitteilte, hat sich die JA dort bereits auf einem Kongress am 8. März im Jerichower Land aufgelöst. Im Herbst soll eine Nachfolgeorganisation der JA gegründet werden. Nach Angaben von AfD-Bundesvorstandsmitglied Hannes Gnauck ist ein Gründungskongress im Oktober oder November geplant. "Ich gehe davon aus, dass es deutlich mehr Mitglieder werden als in der Jungen Alternative", sagte Gnauck mit Blick auf die künftige Jugendorganisation. Die JA hatte zuletzt seinen Angaben zufolge zwischen 2.200 und 2.300 Mitglieder. Der Plan zur Gründung einer neuen Organisation war damit begründet worden, mehr Durchgriff auf die Parteijugend zu bekommen. Argumentiert wurde aber auch mit einem möglicherweise drohenden Vereinsverbot. Den Namen der neuen Organisation soll die Parteijugend selbst bestimmen dürfen. MDR (jhi/dst)/dpa
mdr.de
Der Thüringer Ableger der rechtsextremistischen AfD-Jugendorganisation Junge Alternative (JA) hat sich aufgelöst. Im Herbst soll auf Bundesebene aber eine Nachfolgeorganisation gegründet werden.
[ "Nachrichten", "AfD", "JA", "Junge Alternative" ]
Thüringen
2025-04-01T19:36:30+02:00
2025-04-01T19:36:30+02:00
https://www.mdr.de//nachrichten/thueringen/junge-alternative-aufgeloest-afd-jugendorganisation-100.html
Wirbel um geteilten Facebook-Post von Justizministerin Keding
Sachsen-Anhalts Gleichstellungs- und Justizministerin Anne-Marie Keding (CDU) wird wegen eines geteilten Beitrags auf Facebook kritisiert. Die CDU-Politikerin hatte am Sonntag eine Zeichnung auf der Online-Plattform geteilt. Diese zeigt unter anderem die Grünen-Politikerin und Bundestags-Vizepräsidentin Claudia Roth mit dem Satz "Ohne Gehirn wird man grün." In den Sozialen Netzwerken traf das auf viel Unverständnis. Auf Nachfrage von MDR SACHSEN-ANHALT erklärte die Ministerin, sie habe den Post jemandem zeigen wollen und ihn dabei versehentlich geteilt. Keding stellte klar, dass sie den Post inhaltlich wie ästhetisch ablehne. Inzwischen hat sie sich auch offiziell auf Facebook in einem Statement geäußert. "Ich entschuldige mich bei all denen, die ich damit unabsichtlich verletzt habe." Sachsen-Anhalts Grünen-Chef Sebastian Striegel nannte die Entschuldigung notwendig. Es habe sich um eine inakzeptable Zeichnung gehandelt. Striegel schrieb auf Twitter: " Wir brauchen – nicht nur im Wahlkampf – einen fairen Umgang miteinander." In unserem Update zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt geben unsere Redakteure einen Überblick über die wichtigsten politischen Entwicklungen – und ordnen sie ein.#LTWLSA – das multimediale Update zur Landtagswahl – immer freitags per Mail in Ihrem Postfach. Hier können Sie das Update abonnieren. MDR/Thomas Vorreyer, Laura Janke, Martin Paul
mdr.de
Die Justizministerin von Sachsen-Anhalt, Anne-Marie Keding (CDU) wird wegen eines beleidigenden Facebook-Posts kritisiert. Keding entschuldigte sich und sagte, sie habe den Post aus Versehen geteilt.
[ "Social Media", "Justizministerin", "Keding", "Claudia Roth", "CDU", "Grüne", "mausgerutscht", "Facebook", "Twitter", "beleidigung" ]
Sachsen-Anhalt
2021-04-27T19:12:07+02:00
2021-04-27T19:12:07+02:00
https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/landtagswahl/wirbel-um-facebook-post-von-justizministerin-keding-100.html
Haben russische Balletttänzer und -tänzerinnen Verbindungen zur russischen Regierung?
Funkelnde Kostüme und ein imposantes Bühnenbild – damit fährt das sogenannte "Grand Classic Ballet" auf. Ein Ensemble, das Ende Dezember in Weimar und am 11. Januar auch in Halle gespielt hat. Unserem Hörer ist aufgefallen, dass sich Veranstalter seit dem Krieg bei der Herkunft der Tänzerinnen und Tänzer bedeckt halten. Er will wissen: "Wer profitiert von diesen Veranstaltungen? Finanziert das deutsche Publikum damit den russischen Angriffskrieg?" Dazu haben auch Ukrainer einer Initiative in Weimar recherchiert, die "Initiative für Frieden und Solidarität mit der Ukraine". Einer der Initiatoren, Norman Heydenreich, sagt: Es gebe tatsächlich Verbindungen zum Staatsballett. "Weil die Ukrainer ja auch russisch können, konnten sie über einen Abgleich der Haupttänzer dieses 'Grand Classic Ballets' auf dessen Instagram-Account mit den Solisten des Moskauer Staatsballetts auf dessen russischer Webseite eine große Übereinstimmung der Haupttänzer feststellen. Das gilt auch für die Direktorin des Moskauer Staatsballetts. Und darüber hinaus fanden sie den Veranstalter des 'Grand Classic Ballet', Konstantin Rain, auf der Webseite des Moskauer Staatsballetts als dessen offiziellen Vertreter für Europa." Die Initiative kritisiert, dass das nicht transparent gemacht wird. Ob Veranstalter und Publikum in solchen Fällen also den Krieg durch die Hintertür mitfinanzieren, bejaht Heydenreich: "Das Gesamtbild macht das klar. Russland richtet seine Wirtschaft und alle gesellschaftlichen Organisationen seit über zehn Jahren immer mehr auf Krieg aus. Das gilt eben auch für das Ballett, dessen Personal von allen Kriegsgegnern gesäubert wurde. Die Auslandstourneen sind auf die Maximierung der Einnahmen für den Staat und seine Kriegswirtschaft ausgerichtet. Man muss verstehen, bei jeder Tournee geht es um Millionen Euro." MDR AKTUELL hat den besagten Veranstalter "BE.entertained" mit Sitz in Berlin für ein Interview angefragt. Der Inhaber Konstantin Rain ließ über seine Anwältin schriftlich mitteilen: "Herr Rain möchte ausrichten, dass die Zuhörer sich keine Sorgen machen müssen, denn er finanziert keine Kriegshandlungen und beschäftigt Künstler aus aller Welt. Mit der Politik hat er nichts zu tun und mit dem russischen Staatsballett ebenfalls nicht. Die im Internet zum Teil noch vorhandenen Inhalte sind nicht auf dem aktuellen Stand, insbesondere auf die russischen Inhalte hat Herr Rain keinen Zugriff und kann ihre Richtigkeit nicht garantieren." Auch die Weimar-GmbH, also die Marketinggesellschaft der Stadt, hatte sich vom Veranstalter bestätigen lassen, dass das Ensemble nicht mit dem Staatsballett gleichzusetzen sei. So heißt es in einem Bericht der "Thüringer Allgemeinen". Auch der Präsident des Thüringer Kulturrates, Jürg Kasper, ist dafür, den Veranstaltern hier zu vertrauen und verweist auf die Kunstfreiheit im Grundgesetz: "Das ist ein hohes, schrankenloses Gut in unserem Land und das gilt nicht nur für Deutsche, sondern auch für Ausländerinnen und Ausländer. Insofern kann man nicht pauschal sagen, wir verweigern denen das. Wenn diese Künstlerinnen und Künstler aus Russland das Ganze nicht als Propagandaveranstaltung nutzen oder nicht direkt mit dem Signum auftreten, für Putin Politik zu machen, habe ich da Vertrauen in die Veranstalterinnen und Veranstalter, auch in unserem Bundesland. Und wenn das nicht unmittelbar eine russische staatliche Hintergrundsituation ist, dann sollte man das zulassen und ermöglichen, dass diese Tänzerinnen und Tänzer ihren Beruf ausüben." Die Initiative für Frieden und Solidarität mit der Ukraine gibt sich damit nicht zufrieden. Sie hatte deshalb bei der Vorstellung in Weimar eine Mahnwache gehalten.
mdr.de
Das russische Ballett ist bekannt für seine hohe tänzerische Qualität. Unser Hörer will wissen, ob die Tänzerinnen und Tänzer Verbindungen zum Staatsballett und damit auch zur russischen Regierung haben.
[ "hmp", "höreraktion", "mitmachen", "Grand Classic Ballet", "Ballett", "russland", "russisch", "putin", "regierung", "tänzer", "verbindung", "nähe" ]
Welt
2024-01-12T05:00:00+01:00
2024-01-12T06:44:28+01:00
https://www.mdr.de//nachrichten/welt/panorama/grand-classic-ballet-russlandnaehe-100.html
"Demokratie stirbt ohne freie Medien"
"Obwohl wir verschiedene Sprachen sprechen, haben wir gemeinsame Sorgen um die heutige Lage in unseren Ländern", lese ich in der gemeinsamen Erklärung, die von elf Journalisten in Prag unterzeichnet wurde. Sie kommen aus vier Ländern, alle von regierungskritischen Medien oder Journalistenorganisationen. Der tschechische Journalistenverband "Syndikát novinářů" hatte das Auftakttreffen zum Thema Pressefreiheit in Ost- und Mitteleuropa initiiert. Die Journalisten zeichnen in ihrer Erklärung ein düsteres Bild der Medienlandschaft. Sie fürchten, dass man die öffentlichen Medien "marginalisieren möchte, damit sie sich den Regierungen nicht in den Weg stellen". Sie wollen "keine Rückkehr der autoritären Regime, die ihre Politik mit der angeblichen Verteidigung der nationalen Sicherheit rechtfertigen". Ohne freie Medien würde die Freiheit und Demokratie nicht überleben, schreiben sie in der Erklärung. Aus Polen waren beim Prager Treffen zwei meiner Kollegen dabei: Seweryn Blumsztajn und Wojciech Maziarski, beide Journalisten bei der liberalen "Gazeta Wyborcza". Sie repräsentierten in Prag die polnische Journalistengesellschaft, die wir vor fünf Jahren gegründet haben. Unser Ziel war es, eine kritische Stimme in der Mediendebatte zu werden. Auch damals, in Zeiten der liberalen Regierung der Bürgerplattform, konnten wir beobachten, wie Politiker in Polen versuchten – unabhängig von der Parteizugehörigkeit – Medien immer mehr zu beeinflussen. Heute, nach der Verstaatlichung der öffentlichen Medien und der Pläne der regierenden Partei PiS, die privaten Medien zu "repolonisieren", ist die Politisierung der Medien in Polen ein Faktum. Sie sind stark polarisiert und es gibt kaum noch ein Medium, das eine neutrale Berichterstattung anstrebt. Was in Polen seit einem Jahr unter der PiS-Regierung geschieht, ähnelt vor allem der Entwicklung der letzten Jahre in Ungarn, doch auch tschechische und slowakische Kollegen haben schon länger Gründe, sich Sorgen zu machen. Ein Beispiel liefert die Geschichte der regierungskritischen slowakischen Zeitung SME. Vor zwei Jahren wurde sie von dem politiknahen Konzern Penta übernommen, der durch Korruptionsskandale bekannt geworden war. Der Chefredakteur Matúš Kostolný und rund 60 andere Journalisten verließen die Zeitung und gründeten ein eigenes Blatt sowie das Internetportal "Dennik N". Heute ist Kostolný einer der Mitbegründer des Komitees "Freiheit für die Medien". Ein anderer Unterzeichner ist Márton Gergely, früher stellvertretender Chefredakteur der größten meinungsbildenden ungarischen Zeitung "Népszabadság". Sie hatte in den letzten Jahren Regierungsskandale aufgedeckt, wurde dann aber im Oktober 2016 von regierungsnahen Oligarchen aufgekauft und zugemacht. Somit vertrat Gergely in Prag "die Belegschaft einer nicht existierenden Zeitung". Er sieht die Lage in Ungarn als "ein mahnendes Beispiel dafür, wie die Medienlandschaft in den Abgrund geraten kann". Mein Kollege Wojciech Maziarski von der "Gazeta Wyborcza" befürchtet, dass in Polen nach der Verstaatlichung der öffentlichen Medien der nächste Schlag die Privaten treffen wird. Die PiS spricht von der Repolonisierung der Medien und das richtet sich vor allem gegen deutsche Konzerne, die die überwiegende Mehrheit der Printmedien in Polen besitzen. "Gazeta Wyborcza" gehört zwar nicht dazu, doch bereits jetzt bekommt das regierungskritische Blatt die finanziellen Folgen der Machtübernahme durch die PiS zu spüren. Staatlichen Institutionen dürfen die Tageszeitung nicht mehr abonnieren oder Annoncen in dem Blatt schalten. Die Initiative "Freiheit für die Medien" sieht Maziarski als Chance, dass die Sorgen nicht nur unter den Kollegen im eigenen Land bleiben, sondern dass die Stimme der Journalisten auch der internationalen Öffentlichkeit bewusst wird. Dass so eine Initiative ausgerechnet von diesen vier Ländern gegründet wird, ist eigentlich kein Wunder, wenn man in die Geschichte zurückblickt: Die "polnisch-tschechisch-slowakische Freiheitsroute", ein Wanderweg im Riesengebirge, erinnert an die 70er-Jahre, als sich dort Mitglieder der tschechoslowakischen Charta 77 mit den späteren Solidarnosc-Aktivisten trafen. Man denke auch an den ungarischen Aufstand von 1956 gegen die Sowjets, als Tausende von Polen Blut für die Opfer in Budapest spendeten.1991 trafen sich die führenden Politiker von Polen, Ungarn und der Tschechoslowakei im ungarischen Visegrad und sprachen über ein politisches Bündnis: das Visegrad-Dreieck wurde Realität. Nach dem Zerfall der Tschechoslowakei wurde daraus die Visegrad-Gruppe. Das gemeinsame Ziel war es damals, die Mitgliedschaft in der EU und in der NATO voranzutreiben. Jetzt bekommt die Visegrad-Zusammenarbeit eine neue unerwartete Dimension und zwar nicht in der Regie der Politiker. Der Anstoß kommt von unten und ist ein Beweis dafür, dass in diesen vier Ländern die Zivilgesellschaften – trotz aller Schwierigkeiten – noch intakt sind. (Zuerst veröffentlicht am 15.02.2017)
mdr.de
Journalisten aus Polen, Ungarn, Tschiechen und der Slowakei protestieren mit der Initiative "Freiheit für die Medien" gegen die Einschränkung der Pressefreiheit in ihren Ländern.
[ "Polen", "Ungarn", "Slowakei", "Tschechien", "Visegrad", "Journalisten", "Medien", "Pressefreiheit", "Visegrád-Netzwerk", "tschechischer Journalistenverband", "Seweryn Blumsztajn", "Wojciech Maziarski", "Gazeta Wyborcza", "PiS Medienpolitik", "SME", "Matúš Kostolný", "Márton Gergely", "Charta 77", "polnisch-tschechisch-slowakische Freiheitsroute Riesengebirge" ]
Welt
2017-09-27T16:12:18+02:00
2022-05-17T14:28:53+02:00
https://www.mdr.de/nachrichten/welt/osteuropa/ostblogger/visegrad-netzwerk-100.html
MDR JUMP
In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen wird MDR JUMP über DAB+ ausgestrahlt. Das derzeitige Empfangsgebiet können Sie den folgenden Karten (pdf-Dateien zum Download) entnehmen: Wer ein DAB+ Radio besitzt, braucht keine Frequenz einzustellen. Beim Start des Sendersuchlaufs "merkt" sich das Digitalradio alle empfangbaren Programme und man kann anschließend per Knopfdruck von einem zum anderen wechseln.Anders als beim analogen UKW-Radio ermöglicht die digitale Übertragung rauschfreie Tonqualität, eine größere Programmvielfalt und verschiedene Zusatzdienste. MDR JUMP wird deutschlandweit unverschlüsselt digital in die Kabelnetze eingespeist. Um MDR JUMP hören zu können, ist ein digitaler Kabelempfänger notwendig, der das Audio-Kodierformat AAC-LC (Advanced Audio Codec - Low Complexity) unterstützt.Für den Empfang digital im Kabel verbreiteter Radioprogramme werden spezielle Geräte angeboten, die als DVB-C Radio Receiver oder DVB-C Radio Tuner oder Kabelradio-Adapter bezeichnet werden. Diese Geräte werden direkt mit den Lautsprechern oder mit der Stereoanlage verbunden. Alternativ können die Radioprogramme auch über den Fernseher empfangen werden. Dazu ist ein Fernseher mit eingebautem DVB-C Tuner oder ein Kabelreceiver notwendig. DVB-C ist der Standard für digitale Fernseh- und Radioübertragungen in Kabelnetzen. In einigen kleineren Kabelnetzen können möglicherweise Radioprogramme noch über Kabel-UKW gehört werden. In Mitteldeutschland müssen dann MDR KULTUR sowie MDR JUMP und, wenn terrestrisch verfügbar, auch MDR AKTUELL und MDR SPUTNIK angeboten werden. Zum Kabel-UKW-Angebot müssen auch gehören: In Sachsen-Anhalt MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir, in Sachsen MDR SACHSEN - Das Sachsenradio sowie in Thüringen MDR THÜRINGEN - Das Radio - jeweils in der für die Region vorgesehenen Regionalisierung. Es ist davon auszugehen, dass über kurz oder lang in allen Kabelnetzen Kabel-UKW abgeschaltet wird und damit die letzten analogen Kabelsignale. Empfangsalternativen für MDR JUMP und andere MDR-Hörfunkprogramme sind prinzipiell: MDR JUMP kann mit einem digitalen Satellitenempfänger gehört werden, der an eine auf ASTRA 19,2° Ost ausgerichtete Satellitenanlage angeschlossen ist. Der Satellitenempfänger wird als Receiver (Beistellbox) und als Tuner (in Fernsehgeräten eingebautes Empfangsteil) angeboten.  Der Satellitenempfänger muss der DVB-S2-Norm entsprechen sowie den Audiocodec AAC-LC (Advanced Audio Codec - Low Complexity) unterstützen. Die Empfangsgeräte besitzen in der Regel einen Ton-Ausgang, über den Sie eine Stereoanlage anschließen können. Die Empfangsparameter lauten:Satellitenposition: ASTRA 19,2° OstFrequenz: 10891 MHzPolarisation: horizontalSymbolrate: 22000 KSym/sFehlerschutz (FEC): 2/3Modulation: DVB-S2 (mit 8-PSK) Auf den Internetseiten von MDR JUMP ist oben ein Player integriert, mit dem das Programm sowie die MDR-JUMP-Webchannel gehört werden können. Die Streaming-URLs für den eigenen Player finden Sie auf folgenden Seiten:
mdr.de
MDR JUMP macht Spaß - auf UKW und DAB+, über Satellit, digital im Kabel oder als Livestream im Internet. Hier finden Sie eine Übersicht, wie Sie MDR JUMP empfangen können.
[]
Empfang
2025-05-27T15:09:51+02:00
2025-05-27T15:09:51+02:00
https://www.mdr.de//radio/frequenzen/frequenzen-mdr-jump-102.html
Mutmaßliche linksextreme Person Maja T. in Ungarn vor Gericht
In Budapest hat der Prozess gegen die in der linken Szene als Maja T. bekannte, mutmaßlich linksextreme deutsche Person begonnen. Die ungarische Staatsanwaltschaft wirft der angeklagten Person, die aus Jena stammt und sich selbst als non-binär identifiziert, vor, im Februar 2023 in Budapest an vier Angriffen auf tatsächliche und vermeintliche Rechtsextremisten beteiligt gewesen und damit für schwere Körperverletzungen mitverantwortlich zu sein. Maja T. lehnte das Angebot der Staatsanwaltschaft ab, ein Schuldgeständnis abzulegen und dafür ohne weitere Verhandlung 14 Jahre Haft zu akzeptieren. Daher ist nun ein langer Prozess zu erwarten, an dessen Ende das Höchst-Strafmaß von 24 Jahren drohen könnte. "Ich stehe hier in einem Land vor Gericht, in dem ich als non-binäre Person nicht existiere, weil ich eine Antifaschistin bin", sagte Maja T. Sie lege Wert darauf, "dass es in diesem Prozess um viel mehr geht als um mich selbst". Sie beklagte zudem, dass sie unter "menschenunwürdigen Bedingungen" in Einzelhaft gehalten werde, mit Schlafentzug durch stündliche Kontrollen in der Zelle, sowie unter mangelnden hygienischen Bedingungen. Zudem habe sie nur einen geringen Teil an Akten und Beweismaterial in deutscher Übersetzung erhalten. Maja T. wurde im Dezember 2023 in Berlin verhaftet und im Juni 2024 nach Ungarn ausgeliefert – obwohl das Bundesverfassungsgericht dies untersagt hatte. Doch die Entscheidung aus Karlsruhe kam wenige Minuten zu spät. Vor drei Wochen hatte das Bundesverfassungsgericht erneut entschieden, dass diese Auslieferung nicht rechtens war. Richter Jozsef Sos erklärte, dieser Vorgang spiele für den Prozess in Ungarn keine Rolle. dpa (mze)
mdr.de
Die ungarische Staatsanwaltschaft wirft der aus Jena stammenden Maja T. vor, an Angriffen auf Rechtsextremisten beteiligt gewesen zu sein. Nun hat der Prozess in Budapest begonnen. Maja T. kritisiert die Haftbedingungen.
[ "Prozess", "Ungarn", "Budapest", "Maja T.", "linke Szene", "Linksextremistin", "Angriffe", "Rechtsextremisten" ]
Deutschland
2025-02-21T17:51:11+01:00
2025-02-21T20:39:46+01:00
https://www.mdr.de//nachrichten/deutschland/politik/prozess-auftakt-ungarn-linke-szene-maja-t-budapest-100.html
Aus für Marelli-Werk in Brotterode: Sozialtarifvertrag für Mitarbeiter ausgehandelt
Für den bedrohten Standort des Autozulieferers Marelli Automotive Lighting in Brotterode (Schmalkalden-Meiningen) ist nach Angaben der IG Metall ein Sozialtarifvertrag ausgehandelt worden. Die Produktion des Scheinwerfer-Herstellers soll nach den Plänen der Muttergesellschaft Ende März 2024 eingestellt werden, wie die IG Metall am Mittwoch mitteilte. Demnach konnte die unternehmerische Entscheidung nicht geändert werden. Nach wochenlanger Auseinandersetzung hätten Gewerkschaft und Betriebsrat jedoch den Abschluss eines Sozialtarifvertrags, Interessenausgleichs und Sozialplans erreicht. Darüber seien die Beschäftigten am Mittwoch in einer Betriebsversammlung informiert worden, berichtete der Betriebsrat. Allen Beschäftigten werde mit Ausscheiden bei Marelli der Übertritt in eine Transfergesellschaft für zwölf Monate angeboten. Angesichts vieler offener Stellen in der Region ständen die Chancen für eine Anschlussbeschäftigung nicht schlecht, hieß es vom Betriebsrat. Die Holding von Marelli hat die Tarif-, Abfindungs- und Transferansprüche schriftlich zugesagt, wie die IG Metall mitteilte. Nach ihren Angaben geht es um Hunderte Arbeitsplätze, zuletzt war von bis zu 900 Stellen die Rede. Marelli will das Werk in Brotterode Ende März 2024 schließen. Laut Unternehmen ist der Standort nicht mehr wettbewerbsfähig. Marelli Automotive Lighting Brotterode ist auf Fahrzeugaußenbeleuchtungen spezialisiert. Der Autozulieferer gehörte ursprünglich zum italienischen Fiat-Konzern, ist aber inzwischen an einen US-amerikanischen Finanzinvestor verkauft worden. MDR (agh/jn)
mdr.de
Nach wochenlangen Verhandlungen konnten sich Marelli Automotive Lighting und die IG Metall auf einen Sozialtarifvertrag einigen. Der Autozulieferer wird im März 2024 sein Werk im Kreis Schmalkalden-Meiningen schließen.
[ "Nachrichten", "IG Metall", "Brotterode", "Sozialtarfivertrag", "Automobilzulieferer", "Schmalkalden-Meiningen" ]
Thüringen
2023-07-26T19:43:13+02:00
2023-07-27T12:44:48+02:00
https://www.mdr.de//nachrichten/thueringen/sued-thueringen/schmalkalden-meiningen/amrelli-brotterode-schliessung-sozialvertrag-100.html
Polizei ermittelt gegen Klimaaktivisten nach Demo in Halle
In Halle wird nach einer unangemeldeten Protestaktion gegen sechs Klimaaktivisten ermittelt. Die Mitglieder der Gruppe "Letzte Generation" hatten am Dienstagnachmittag eine vielbefahrene Straße in der Innenstadt blockiert. Sie zogen mit Bannern langsam über die Paracelsusstraße. Gegen die Klimaaktivisten wird nun wegen Nötigung und Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz ermittelt, wie die Polizei mitteilte. Ermittlungen laufen demnach auch gegen den Fahrer eines Kleintransporters. Er soll während der Blockade gezielt einen der Aktivisten angefahren und leicht verletzt haben. In Sachsen-Anhalt gibt es im Zusammenhang mit Protestaktionen der Klimagruppe "Letzte Generation" bereits zahlreiche Ermittlungsverfahren. Ermittelt würde derzeit gegen mehr als 40 Personen, hieß es Ende Juni aus dem Innenministerium. MDR (Cornelia Winkler)
mdr.de
In Halle hat es eine unangemeldete Protestaktion der Letzten Generation gegeben. Einer der Klimaktivisten wurde dabei von einem Kleintransporter angefahren. Die Polizei ermittelt.
[ "Klima", "Demo", "Protest", "Halle", "letzte", "Generation", "Ermittlungen", "Polizei", "unangemeldet", "Kleinstransporter", "Aktivist", "angefahren" ]
Sachsen-Anhalt
2023-07-12T08:14:58+02:00
2023-07-12T08:14:58+02:00
https://www.mdr.de//nachrichten/sachsen-anhalt/halle/halle/klima-protest-letzte-generation-paracelsusstrasse-ermittlungen-100.html
Apotheken bieten Grippe-Impfungen an
In Sachsen-Anhalt werden Grippe-Impfungen nun teilweise auch in Apotheken angeboten. Wie der Landesapothekerverband MDR SACHSEN-ANHALT am Montag mitteilte, ist es dafür notwendig, vorab einen Termin zu vereinbaren. Bisher seien nur vereinzelt Apotheken berechtigt, entsprechende Grippeschutz-Impfungen durchzuführen. Interessenten sollten demzufolge davon absehen, einfach in der nächsten Apotheke um eine Impfung zu bitten. Insgesamt 18 Apotheken haben demnach zuvor eine Schulung absolviert, um die Impfungen vornehmen zu dürfen. Sie dürfen jetzt Menschen ab 18 Jahren mit der Grippeschutzimpfung versorgen. Welcher Krankenkasse ein Interessent angehört, spiele dabei keine Rolle, hieß es vom Apothekerverband weiter. Nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur ist es darüber hinaus in 20 Apotheken landesweit möglich, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Der Landesgeschäftsführer der Barmer Sachsen-Anhalt, Axel Wiedemann, zeigte sich in einer Pressemitteilung erfreut: "Die Grippe-Impfung ist der einfachste und effektivste Schutz gegen die Influenza" Durch die Kooperation mit dem Deutschen Apothekerverband öffne man gemeinsam mit den Apotheken einen weiteren Zugang zu einem "wirkungsvollen Infektionsschutz". Informationen über Termine und die teilnehmenden Apotheken bietet der Landesapothekerverband nach eigenen Angaben unter der Website apoguide.de an. Grippe-Impfungen in den Apotheken sind grundsätzlich bereits seit vergangenem Jahr möglich. Der Landesapothekerverband arbeitet mit mehr als 450 Apotheken-Leitern im Land zusammen. dpa, MDR (Marvin Kalies, Fabian Frenzel)
mdr.de
In ausgewählten Apotheken werden Grippe-Impfungen angeboten. Dazu muss lediglich ein Termin gemacht werden. Auch Corona-Impfungen sind möglich.
[ "Grippe", "Corona", "Impfung", "Coronavirus", "Apotheke" ]
Sachsen-Anhalt
2023-10-16T19:06:42+02:00
2023-10-16T19:06:42+02:00
https://www.mdr.de//nachrichten/sachsen-anhalt/grippe-corona-impfung-apotheke-100.html
Weitere Warnstreiks der Metaller: Heute in Dresden, Leipzig und im Erzgebirge
Die IG Metall setzt auch am Dienstag ihre Warnstreiks in Sachsen fort. Damit will die Gewerkschaft der Metaller nach eigenen Angaben den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen, ein besseres Angebot für Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie vorzulegen. Die dritte Verhandlungsrunde beginnt am heutigen Dienstag in Radebeul. Begleitet werden die Verhandlungen laut Gewerkschaft von Arbeitsniederlegungen in Leipzig, wo sich unter anderem die Mitarbeiter von BMW, der Kirow-Werke und von Casting Solution beteiligen sollen. In Dresden sind unter anderem die Elbe Flugzeugwerke und die Carl-Zeiss-Messtechnik GmbH betroffen. Auch in Wilsdruff bei Purem und bei Porsche Werkzeugbau in Schwarzenberg soll es Warnstreiks geben. Bereits am Montagmittag waren Beschäftigte der Maschinenbauunternehmen Koenig & Bauer, Leitungsbau und TK Aufzüge in Radebeul und Auma Drives in Coswig zu Warnstreiks aufgerufen worden. In einen Demonstrationszug zur Gleisschleife nach Coswig sollten sich Mitarbeiter einreihen, sagte zuvor ein IG Metall-Sprecher. In Zwickau waren Beschäftigte der Autozulieferer GKN Driveline und der Radsystem GmbH und in Leipzig die Belegschaft des Kompressorenherstellers Siemens Energy zu Warnstreiks aufgefordert worden. Der Verhandlungsführer der IG Metall, Dirk Schulze, sagte: "Wir wollen mehr Entgelt und wir wollen es früher und mit kürzerer Laufzeit." Die Gewerkschaft verlangt für die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie sieben Prozent mehr Geld und eine Anhebung der Ausbildungsvergütungen um 170 Euro bei einer Laufzeit von 12 Monaten. "Darüber hinaus möchten wir, dass die unteren Entgeltgruppen besonders berücksichtigt werden, weil sie besonders unter der Inflation leiden, sagte der erste Bevollmächtigter der IG Metall Dresden und Riesa, Stefan Ehly, MDR SACHSEN. Die Arbeitgeber haben eine Entgelterhöhung in zwei Schritten um 1,7 und 1,9 Prozent angeboten bei einer Laufzeit von 27 Monaten. Das lehnt die IG Metall ab. Die Friedenspflicht war Ende Oktober ausgelaufen, seitdem gibt es bundesweit Arbeitsniederlegungen. Nach Verbandsangaben arbeiten in Sachsen in der Metall- und Elektroindustrie rund 69.000 Beschäftigte. MDR (kk/lam)
mdr.de
In Sachsen wollen Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie wieder die Arbeit niedergelegen. Bei Demos und Kundgebungen betonte die IG Metall schon am Montag ihre Forderung nach sieben Prozent mehr Lohn.
[ "Nachrichten", "Warnstreiks", "Metallindustrie", "IG MetallAusstand", "Lohnplus", "Lohnzuwachs", "elektroindustrie" ]
Sachsen
2024-11-05T07:46:22+01:00
2024-11-19T21:18:39+01:00
https://www.mdr.de//nachrichten/sachsen/warn-streiks-ig-metall-arbeit-verhandlungen-102.html
Cannabiskonsum junger Erwachsener nach Legalisierung nicht erhöht
Cannabis ist eine weitverbreitete Droge mit schätzungsweise 219 Millionen Konsumenten weltweit. Junge Menschen konsumieren es auch in Deutschland häufiger als noch vor zehn Jahren. Wie sich die Legalisierung und die Entkriminalisierung der Substanz auf die Gesellschaft auswirkt, ist ein viel beachtetes Thema in Politik und Wissenschaft. Für Deutschland liegen noch keine Zahlen vor. Eine neue Studie aus Boston hat allerdings den Freizeitkonsum von Cannabis seit der Legalisierung in Georgien untersucht. 2018 wurde die Droge dort für Menschen über 21 Jahre legalisiert, die Forscher verglichen den Konsum 2015 und 2021 bei jungen Erwachsenen zwischen 18 und 29 Jahren. Trotz des leichteren Zugangs habe der Gebrauch der Substanz nicht zugenommen. Sowohl der Anteil derer, die im letzten Jahr Cannabis konsumiert hatten, als auch jemals stattgefundener Verzehr haben sich im Untersuchungszeitraum nicht signifikant verändert. Ilia Nadareishvili, Mitautor der Studie, ordnet die Vorgänge im Kaukasusstaat ein: "Wir haben gesehen, dass ein Land den Cannabiskonsum vorsichtig legalisieren kann, ohne dass es mittelfristig zu einem Anstieg des Konsums kommt." Die Datenlage sei allerdings ausbaufähig, gerade was Längsschnittstudien aus verschiedenen Bevölkerungsgruppen anbelangt. In der repräsentativen Stichprobe in Georgien konnten die Wissenschaftler zeigen, dass das Alter bei Erstkonsum von Cannabis nach der Legalisierung sogar höher lag als davor (19,1 versus 18,1 Jahre). Außerdem wurde festgestellt, dass der Cannabiskonsum mit Glücksspiel, Tabakrauchen, Alkoholkonsum und einem höheren Einkommen zusammenhing. Koautorin Irma Kirtadze erklärte: "Diese Forschung liefert wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse für die laufenden Diskussionen über die Auswirkungen der Cannabislegalisierung, insbesondere über die begrenzten Auswirkungen auf die Konsumraten unter jungen Erwachsenen. Die Ergebnisse sind ein wichtiger Beitrag zum lokalen und internationalen Diskurs über Drogenpolitik und öffentliche Gesundheit." Die Studie "Post-legalization shifts in cannabis use among young adults in Georgia—A nationally representative study" ist im Journal "Addiction" erschienen. jar
mdr.de
Die Legalisierung von Cannabis ist auch nach deren Inkrafttreten in Deutschland umstritten. Eine Studie über den Konsum der Droge bei jungen Erwachsenen hat die Auswirkungen in Georgien untersucht.
[]
Medizin
2024-10-21T17:07:13+02:00
2024-10-21T17:07:13+02:00
https://www.mdr.de/wissen/medizin-gesundheit/legalisierung-cannabis-georgien-konsum-nicht-zugenommen-100.html
Paritätischer Wohlfahrts-Verband
Das ist ein Verein.Er macht sich für Menschen stark.Zum Beispiel: • Für arme Menschen, • für kranke Menschen, • für ältere Menschen • und für Menschen mit Behinderung.
mdr.de
[]
Wörter-Buch
2017-03-04T14:15:31+01:00
2017-03-04T14:15:31+01:00
https://www.mdr.de/nachrichten-leicht/woerterbuch/glossar-paritaetischer-wohlfahrts-verband100.html
Studie: "Ewigkeitschemikalien" PFAS im Blut mit erhöhten Fettwerten verbunden
In der Studie wurde das Blut von mehr als 2.500 erwachsenen Probanden untersucht. Und in jeder Probe wurden PFAS (per- und polyfluorierte Alkylverbindungen) gefunden. Seit ihrer Erfindung in den 1950er-Jahren sind Schätzungen zufolge mehr als 10.000 verschiedene Substanzen aus dieser Kategorie entwickelt worden. Wegen ihrer wasser-, fett- und schmutzabweisenden Eigenschaften kommen sie in tausenden Produkten wie Kosmetik, in Zahnseide, aber auch in Pfannen-Beschichtungen und in Löschschaum zum Einsatz. Sie sind so gut wie nicht abbaubar, deshalb werden sie auch "Ewigkeitschemikalien" genannt. Die Studie wurde von Forschungsgruppen des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) und des niederländischen Leiden University Medical Center durchgeführt. Grundlage waren Blutproben von Einwohnern aus Bonn und dem niederländischen Leiderdorp. "Wir sehen deutliche Anzeichen für eine gesundheitsbedenkliche Wirkung von PFAS", sagt Monique Breteler, Direktorin für Populationsbezogene Gesundheitsforschung am DZNE. "Und wir haben festgestellt, dass bei gleicher PFAS-Konzentration im Blut die negativen Effekte bei jüngeren Probanden stärker ausgeprägt sind als bei älteren." "Unsere Daten zeigen einen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen PFAS im Blut und schädlichen Blutfetten, die mit einem kardiovaskulären Risiko assoziiert sind", sagt Monique Breteler. "Je höher der PFAS-Spiegel, desto höher ist die Konzentration dieser Fettstoffe. Strenggenommen ist das noch kein Beweis dafür, dass die PFAS-Chemikalien Verursacher der ungünstigen Blutfett-Profile sind. Doch die enge Korrelation stützt diesen Verdacht. Sie ist ein starkes Argument für eine strengere Regulierung von PFAS, um die Gesundheit zu schützen." Diue Studie "Per- and Polyfluoroalkyl Substances Concentrations are Associated with an Unfavorable Cardio-Metabolic Risk Profile: Findings from Two Population-Based Cohort Studies" ist im Fachjournal "Exposure and Health" veröffentlicht worden. (rr, pm)
mdr.de
Niemand kann den PFAS entgehen, und je mehr man in sich trägt, desto höher sind die Fettwerte und damit auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Zu diesen Erkenntnissen kommt eine deutsch-niederländische Studie.
[]
2024-03-12T10:57:35+01:00
2024-09-20T16:58:39+02:00
https://www.mdr.de//wissen/news/zusammenhang-pfas-blutfett-herz-kreislauf-erkrankungen-104.html
Nach juristischer Niederlage: Verwaltungsgericht bestätigt Auskunftsbegehren gegen Kreis Sonneberg
Das Verwaltungsgericht Meiningen hat zur juristischen Niederlage des Sonneberger Landrats Robert Sesselmann (AfD) gegen das Magazin "Der Spiegel" Details vorgelegt. Das Gericht bestätigte damit einen Artikel des Magazins vom Sonntag. Demnach konnte ein "Spiegel"-Reporter gegen den Landkreis ein sogenanntes Auskunftsbegehren geltend machen. Damit müssen nun konkrete Aussagen unter anderem zur Personalpolitik von Sesselmann seit seinem Amtsantritt vor einem Jahr gemacht werden. Auch Fragen nach dem Umsetzen von Wahlkampf-Versprechen fallen darunter. Sesselmann hatte angekündigt, abgelehnte Asylbewerber sofort abzuschieben und den Euro abzuschaffen. Weitere Fragen betreffen unter anderem die Zukunft von Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern in kommunalen Gemeinschaftsunterkünften. In seinem Beschluss verweist das Gericht auf das Thüringer Pressegesetz, das die Behörden zur Auskunft verpflichtet. Dem "Spiegel" zufolge handelt es sich insgesamt um 15 Pressefragen. Von denen habe Sesselmann nur einige beantwortet, und das unvollständig und ausweichend. Sesselmann war im vergangenen Sommer zum deutschlandweit ersten Landrat der AfD gewählt worden. Er sitzt im Landesvorstand der Partei, die vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft und beobachtet wird. MDR (wdy/jn)
mdr.de
Nach der juristischen Niederlage des Landrats Robert Sesselmann konnte ein "Spiegel"-Reporter ein "Auskunftsbegehren" geltend machen. Nun müssen etwa Fragen zur Personalpolitik von Sesselmann beantwortet werden.
[ "Nachrichten", "Sesselmann", "Pressefreiheit", "Spiegel", "Klage", "Prozess", "Fragen", "Auskunftsbegehren" ]
Thüringen
2024-06-24T20:37:17+02:00
2024-06-25T07:09:41+02:00
https://www.mdr.de//nachrichten/thueringen/sued-thueringen/sonneberg/sesselmann-afd-spiegel-fragen-gericht-100.html
Offener Brief: Manga-Übersetzer fordern höhere Honorare
Die Manga- und Light-Novel-Übersetzerinnen und Übersetzer schlagen Alarm. In einem offenen Brief, der von ihrem Berufsverband VdÜ veröffentlicht wurde, heißt es: "Um zu überleben, müssen wir immer mehr Manga und Light Novels in immer kürzerer Zeit ins Deutsche übertragen." Diese Entwicklung wirke sich negativ auf die körperliche und vor allem mentale Gesundheit aus, zudem gefährde sie "unsere Existenz und hindert uns daran, die Zeit und die Hingabe aufzubringen, die die Texte verdienen." Mehr als 60 Betroffene haben den offenen Brief unterzeichnet.Die Branche erlebt einen Boom, der sich auf die Auftragslage für die Übersetzerinnen und Übersetzer auswirkt. Doch dieser Boom spiegele sich nicht in der Bezahlung wider, so der Verband deutschsprachiger Übersetzer/innen literarischer und wissenschaftlicher Werke (VdÜ). Laut einer internen Umfrage des VdÜ erzielen Manga-Übersetzerinnen und -Übersetzer ein Stundenhonorar von durchschnittlich 28,32 Euro. Im Bereich Light Novels sei die Lage mit 29,09 Euro ähnlich. Was nach viel klingen mag, entpuppe sich, wenn man selbstständig sei, als wenig, so der Verband. Steuern, Versicherungen, Betriebskosten und Vorsorge minderten das Monatsnetto enorm. Hinzu komme, dass es keine Sozialleistungen für die Zeiten gebe, in denen man nicht arbeite. Es braucht mehr Verständnis dafür, was Freiberuflichkeit bedeutet. Konkret geht es den Übersetzerinnen und Übersetzern bei ihren Forderungen deswegen um eine Erhöhung der Grundhonorare und die Abrechnung nach Normseiten gemäß dem Vertrag zwischen VdÜ und Börsenverein. Darüber hinaus fordern sie einen regelmäßigen Inflationsausgleich, eine Staffelung der Honorare bei langfristiger Zusammenarbeit, die Möglichkeit zur Nachverhandlung bei unverhältnismäßigem Mehraufwand, faire Tantiemenregelungen und keine unbezahlte Arbeit. Die Leipziger Japanologin und Übersetzerin Diana Hesse arbeitet seit 2012 freiberuflich und übersetzt unter anderem für Manga-Verlage, aber auch für Anbieter von Animé-Serien. Diana Hesse beklagt im Gespräch mit MDR KULTUR den harten Arbeitsalltag. Sie habe seit 2012 kaum Freizeit gehabt bei ungefähr 300 Arbeitstagen pro Jahr. So viel müsse sie arbeiten, um überhaupt über die Runden zu kommen. Sie wisse nicht, ob sie unter den Bedingungen, die aktuell herrschten, noch lange durchhalte. MangaEin Zeichen der Zuneigung (Altraverse)In/Spectre (Tokyopop)Die rothaarige Schneeprinzessin (Tokyopop, ab Band 9)Ano Hana (Tokyopop)Animé7. Staffel von "Natsume Yūjinchō" (Crunchyroll)7. Staffel von "My Hero Academia" (Crunchyroll) Es mangelt laut dem offenen Brief an der Verhandlungsbereitschaft vieler Verlage. Das ist auch eine Erfahrung von Diana Hesse: "Verlage sagen, 'wir zahlen so viel und entweder du arbeitest für uns oder nicht'", so die Leipzigerin. "Leider sind diese von den Verlagen festgelegten Honorarsätze alle zu niedrig und es ist auch so, dass jeder Verlag eine andere Berechnungsgrundlage hat", ergänzt sie. Der eine zahle nach Zeichenanzahl, der andere nach einer selbstdefinierten Normseite. Andere wiederum hätten Pauschalpreise. Sie hofft, dass der offene Brief ein Weckruf für die Branche ist. Der Sprecher der Leipziger Messe, Felix Wisotzki, sagte MDR KULTUR auf Nachfrage: "Als Veranstalter der Manga-Comic-Con erkennen wir die immense Bedeutung von Übersetzer:innen in der Manga- und Light-Novel-Szene ausdrücklich an." Die Forderung nach fairen Arbeitsbedingungen könne die Messe nachvollziehen: "Ihre Arbeit ist ein wesentlicher Pfeiler für den Erfolg der gesamten Branche." Vom Kinder- und Jugendbuchverlag Carlsen heißt es, das Thema erfordere eine differenzierte Betrachtung. Man wolle die erhobenen Forderungen intern nun sorgfältig besprechen. Und weiter: "Aktuell können wir darauf hinweisen, dass der Carlsen Verlag die Grundvergütung für Manga-Übersetzungen in den letzten Jahren angehoben hat." Darüber hinaus war und sei der Verlag immer zu Gesprächen bereit, wenn es in konkreten Fällen zu Sonderaufwand kommen sollte. Wie Diana Hesse dem MDR sagte, bestätigen Übersetzende, die für Carlsen arbeiten, dass es in den letzten Jahren Erhöhungen gab. Diese glichen jedoch "nicht einmal die Inflation aus". Der Geschäftsführer des Manga-Verlags Altraverse, Joachim Kaps, sagte auf Nachfrage von MDR KULTUR, der Verlag sei von dem offenen Brief und den Forderungen kurz vor der Frankfurter Buchmesse überrascht worden. Es habe vorher keine Forderungen oder Gespräche gegeben. Daher könne er nicht einmal sagen, ob sein Verlag überhaupt von der Kritik betroffen sei. Das werde jetzt geprüft. Dann wolle man mit den Übersetzerinnen und Übersetzern ins Gespräch kommen. Redaktionelle Bearbeitung: ost, luk, hki
mdr.de
Der Verband deutschsprachiger Übersetzer hat einen offenen Brief von Manga-Übersetzern veröffentlicht. Sie beklagen zu viel Arbeit bei zu wenig Honorar. Zu den Unterzeichnerinnen gehört eine Japanologin aus Leipzig.
[ "kulturnachrichten", "honorare", "manga", "animé", "japan", "übersetzung", "comic", "light novel" ]
Sachsen
2024-10-18T04:00:08+02:00
2024-10-18T04:00:08+02:00
https://www.mdr.de//nachrichten/sachsen/leipzig/leipzig-leipzig-land/manga-uebersetzer-branche-honorare-brief-kultur-news-100.html
Leipziger Stasi-Zentrale: Architekturhistoriker fordert Erhalt
In Leipzig wird eine Entscheidung um die künftige Gestaltung des Matthäikirchhofs, besser bekannt als ehemaliges Stasi-Gelände, erwartet. Der neue Entwurf für das Areal wird laut Stadtverwaltung am Donnerstag öffentlich bekanntgeben. Der Architekturhistoriker Arnold Bartetzky hofft, dass die Bauten der Stasi-Zentrale nicht abgerissen werden. Im Gespräch bei MDR KULTUR erklärte er: "Je mehr ich mich mit dem Areal beschäftigt habe, desto deutlicher bin ich für einen weitgehenden Erhalt und eine kreative Weiterentwicklung des Bestandes." Die Stasi-Zentrale sei keine Architektur-Ikone, ist aber aus Sicht von Bartetzky dennoch erhaltenswert. Renommierte Künstler der DDR wie Karl-Heinz Adler und Friedrich Kraft hätten die Gebäude aus den 80er-Jahren mitgestaltet. Das spricht für den Architekturhistoriker eindeutig gegen einen Abriss. "Vor allem aber lassen sich die Bauten sanieren und mit einigen wenigen Eingriffen – einige Entwürfe weisen schon in die Richtung – freundlicher gestalten und zur Stadt hin öffnen, sodass dieser sehr großzügige Hof zu einem vielversprechenden öffentlichen Ort werden kann", erklärte der Experte. Zwar würden sich viele Leipzigerinnen und Leipziger schon lange einen Abriss der Stasi-Zentrale wünschen, sagte Bartetzky. Es gebe aber auch einen Teil der Bevölkerung, der ganz anderer Meinung sei. Vor allem jüngere Generationen hätten mit dieser Art der Architektur keine Probleme, sondern würden sich "mit ihr vielfach identifizieren". Das hätten andere erfolgreiche Umnutzungen "vermeintlich hässlicher Architektur" bereits gezeigt, erklärte Bartetzky. Für den Erhalt der ehemaligen Stasi-Zentrale spricht aus Sicht des Architekturhistorikers auch ihr Denkmalwert. Die Gebäude hätten gar eine geschichtspolitische Bedeutung: Die Stasi habe "sich hier in der Stadt ausgebreitet und festungsartig verschanzt", so Bartetzky. Die Bauten müssten deswegen vollständig erhalten bleiben, um "die Inanspruchnahme der Stadt durch die Stasi" zu veranschaulichen. "Nur so können die Bauten letztendlich die Geschichte erzählen", betonte er im Gespräch bei MDR KULTUR. Als ein anderes wichtiges Argument gegen den Abriss nennt Bartetzky die Klimabilanz. Der Neubau von Gebäuden sei für einen beträchtlichen Teil der CO2-Emissionen verantwortlich. Allein die Zementherstellung schlägt den Angaben des Architekturhistorikers zufolge mit acht Prozent zu Buche. "Das ist mehr als doppelt so viel wie der angeprangerte Flugverkehr. Ein Neubau ohne Not ist deshalb schlicht und ergreifend eine Klimasünde." Ein Neubau ohne Not ist deshalb schlicht und ergreifend eine Klimasünde. Darüber herrsche auch in der Fachwelt von Architektur und Stadtplanung Einigkeit. Der Bund Deutscher Architektinnen und Architekten mache sich etwa für eine Umbau- und Weiterentwicklungskultur stark, gemäß dem Motto "nicht immer abreißen und neu bauen". Bartetzky hofft, dass vom Wettbewerb um die Gestaltung des Matthäikirchhofs ein "Zeichen ausgeht, dass diese Notwendigkeit der Transformationen der Baugewohnheiten in Leipzig verstanden wurde." Ursprünglich waren 66 Arbeiten beim Wettbewerb eingereicht worden. Inzwischen sind noch neun Architekturbüros in der engeren Auswahl. Unter ihren Entwürfen ist Bartetzky zufolge nur ein einziger, der den kompletten Abriss der DDR-Bauten auf dem Matthäikirchhof vorschlägt. Die restlichen Entwürfe sehen entweder einen Teilabriss der ehemaligen Stasi-Zentrale vor oder setzen sich für ihre weitgehende Erhaltung ein. Über den Siegerentwurf wird eine Jury unter dem Vorsitz von Professor Markus Neppl, einem Kölner Architekten und Stadtplaner, entscheiden. Das fast zwei Hektar große, weitgehend ungenutzte Areal des Matthäikirchhofs soll zu einem neuen Stadtquartier entwickelt werden. Ausgangspunkt dieser Pläne ist die Entscheidung des Bundes zum Neubau eines zentralen Archivs für die sächsischen Stasi-Unterlagen und die Idee zu einem sogenannten Demokratiecampus, das "Forum für Freiheit und Bürgerrechte". Auch Kultureinrichtungen und Wohnungen sollen auf dem Gelände, das weitgehend der Stadt gehört, Platz finden. Alle Entwürfe für den neuen Matthäikirchhof sind ab dem 29. Februar in einer Ausstellung im Stadtbüro am Burgplatz zu sehen. Quellen: MDR KULTUR, MDR SACHSEN, Stadt Leipzig / Redaktionelle Bearbeitung: vp
mdr.de
Der Leipziger Matthäikirchhof soll umgestaltet werden. Auf dem Areal befindet sich auch die ehemalige Stasi-Zentrale, die abgerissen werden könnte. Der Architekturhistoriker Arnold Bartetzky ist entschieden dagegen.
[ "kulturnachrichten", "stasi", "zentrale", "matthäikirchhof", "wettbewerb", "denkmal", "zukunft", "entwicklung", "80er", "bau", "sanierung", "abriss", "teilabriss" ]
Sachsen
2024-01-31T15:07:42+01:00
2024-01-31T15:09:07+01:00
https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen/leipzig/leipzig-leipzig-land/stasi-zentrale-ddr-matthaeikirchhof-wettbewerb-kultur-news-100.html
Straftat vorgetäuscht? Abgetrennte Finger aus Glascontainer gehören Rechtsextremisten
Aktuelle Nachrichten finden Sie jederzeit auf mdr.de und in der MDR Aktuell App. Knapp zwei Wochen nach dem offensichtlich fingierten Macheten-Überfall auf einen 29 Jahre alten Mann in Chemnitz hat die das Landeskriminalamt Sachsen (LKA) bestätigt: Die diese Woche im Glascontainer gefundenen abgetrennten Finger gehörten dem mutmaßlichen Neonazi. Wie und womit sie abgetrennt wurden, werde noch ermittelt. Die Finger hatten laut LKA in einem Altglascontainer am Rande des Chemnitzer Stadtparks gelegen. Der Container war am Dienstag beschlagnahmt worden. Zuerst hatte der Verdacht einer politisch motivierten Straftat im Raum gestanden, weswegen eine Soko die Ermittlungen übernahm. Doch dann seien den Fahndern Zweifel gekommen, so dass inzwischen gegen den 29-jährigen mutmaßlichen Neonazi selbst wegen Vortäuschens einer Straftat ermittelt wird. Einem zweiten Beschuldigten wird schwere Körperverletzung vorgeworfen. Vorige Woche waren die Wohnungen der beiden durchsucht und dabei Beweise gesichert worden. Die beiden Beschuldigten hätten sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert, hieß es. MDR (kk)/dpa
mdr.de
Knapp zwei Wochen nach der mutmaßlich vorgetäuschten Macheten-Attacke auf einen Mann in Chemnitz betätigt die Polizei: Die drei abgehackten Finger aus einem Glascontainer gehören dem Mann, der angeblich überfallen wurde.
[ "Nachrichten", "Überfall", "Stadtpark", "Chemnitz", "Soko LinX" ]
Sachsen
2023-09-01T13:19:43+02:00
2023-09-02T16:39:17+02:00
https://www.mdr.de//nachrichten/sachsen/chemnitz/chemnitz-stollberg/ueberfall-park-finger-ermittlungen-polizei-102.html
Heinrich Schütz: Vor 350 Jahren starb der "Vater der deutschen Musik"
Noch zu Lebzeiten wird Heinrich Schütz "germaniae lumen", Deutschlands Licht, genannt. Und in der Tat: Er erhellt mit seinen Werken das dunkle Zeitalter. Doch woher bezog dieser Mann – der Krieg, Verwüstung und persönliche Schicksalsschläge erleiden musste – die Entschlossenheit, so hoffnungsfroh und zukunftsweisend zu komponieren? Geboren wird Heinrich Schütz 1585 im thüringischen Köstritz. Genau 100 Jahre vor Georg Friedrich Händel und Johann Sebastian Bach. Sein Vater ist Gastwirt. Doch anders als Bach, zieht Schütz seinen Radius auch außerhalb Mitteldeutschlands: Zweimal reist er nach Italien, wiederholt hält er sich am dänischen Hof auf, geht nach Breslau. Als sein Entdecker und Förderer Landgraf Moritz von Hessen-Kassel ihn zu Studienzwecken nach Venedig schickt, ist er 24 Jahre alt. Die Musik wird fortan sein Leben bestimmen. Geplant war ein Lehrjahr bei Giovanni Gabrieli, Schütz verlängert auf vier Jahre, denn er ist überwältigt von der Vielstimmigkeit, der affektbeladenen, bildgewaltigen Musik und dem Raumklang. Schütz bleibt dieser Ästhetik sein ganzes Leben lang treu, verleiht ihr gleichzeitig eine eigene Handschrift. Zurück in Deutschland entbrennt eine diplomatische Fehde um das musikalische Talent zwischen seinem Gönner Landgraf Moritz und dem sächsischen Kurfürsten. Am Ende setzt sich der Stärkere und politisch Mächtigere durch: Heinrich Schütz wird Dresdner Hofkapellmeister – für weit mehr als 50 Jahre. Für ihn beginnt eine glückliche Zeit – beruflich, wie privat. Er heiratet, die Familie vergrößert sich. Um ihn herum hingegen wütet der Dreißigjährige Krieg und bringt Elend und Leid. Das Schicksal verschont auch Schütz nicht: eine der Töchter und seine Frau sterben. Die Welt gerät auch für ihn aus den Fugen. Doch Heinrich Schütz findet die Kraft, sich aus der Trauer und Stille zurück zu kämpfen und einen Klang zu erschaffen, der den Schmerz verarbeitet, der Trost spendet, der vor allem den Frieden beschwört. Seine Musik setzt dort ein, wo die menschliche Sprache endet. Genau das ist es, was den Komponisten zum "Vater der deutschen Musik" macht.
mdr.de
Schütz Kompositionen werden noch heute als zukunftsweisend und hoffnungsvoll interpretiert. Woher zog Schütz seinen Optimismus? Eine Betrachtung.
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2022-10-07T00:00:00+02:00
2022-10-07T00:00:00+02:00
https://www.mdr.de/mdr-klassik-radio/klassikthemen/heinrich-schuetz-vater-der-deutschen-musik-100.html
Explodierender Stern könnte Massensterben auf der Erde ausgelöst haben
Können uns explodierende Sterne in  der Nachbarschaft der Sonne gefährlich werden? Möglicherweise schon, darauf deutet eine neue Theorie von Astronomen hin. Demnach könnte das sogenannte Kellwasser-Ereignis vor 372 Millionen Jahren, eines der fünf großen Artensterben auf der Erde, von einer nahen Supernova ausgelöst worden sein. Aktuelle Daten zeigen, dass während des Ereignisses die Ozonschicht schwer beschädigt wurde. Ein Team um Brian Fields und Adrian Mellott schreibt nun in der Fachzeitschrift PNAS, dass eine nahe Supernova die mögliche Ursache gewesen sein könnte. Sie vermuten, die Explosion des Kerns eines massiven Sterns in etwa 10 Parsecs Entfernung (entspricht in etwa 32,6 Lichtjahre) könnte massive Strahlung in Richtung Erde geschickt haben, die hier das schützende Ozon zerstörte und die Strahlungswerte auf der Oberfläche stark ansteigen ließ. Am Ende des Devon-Erdzeitalters reduzierte sich im Verlauf mehrerer Millionen Jahre die Diversität von Sporen und Pollen, gefolgt von einem geballten Aussterben mehrerer früher Baumarten, gepanzerter Fische, Trilobiten, Ammoniten, Conodonten, Chitinozoen und Acritarchen. Fossilien aus dieser Zeit zeigen spezifische Morphologien, wie missgebildete Stacheln, pigmentierte Schalen und andere Merkmale, die auf eine zerstörte Ozonschicht und dementsprechend höhere Mengen kosmischer Strahlung hindeuten könnten. Bei Supernova-Explosionen werden enorme Mengen UV-, Röntgen- und Gammastrahlen frei. In einem Abstand von 32,6 Lichtjahren wäre die Explosion nah genug, dass die kosmische Strahlung die Ozonschicht zerstören könnte, wodurch UV-B-Strahlung die Oberfläche über mehrere tausend Jahre hinweg treffen würde. Bisherige Theorien hatten angenommen, das beobachtete Absinken der Ozonwerte sei durch eine Erwärmung der unteren Atmosphäre zustande gekommen, etwa in Folge von Vulkanausbrüchen. Dem hält die neue Arbeit entgegen, dass hier eine Beschädigung der Ozonschicht nur für kurze Zeiträume zu erwarten sei. Bei einer Supernova hingegen wäre die Zerstörung global und langanhaltend, so wie es das beobachtete Artensterben nahe legt. Signaturen eines solchen 372 Millionen Jahre alten Strahlengewitters sind heute allerdings schwierig zu finden, da viele Isotope schnell zerfallen. Eine Möglichkeit wäre, solche Spuren am Grund der Tiefsee oder auf dem Mond aufzuspüren, wo die physikalischen Bedingungen sehr stabil sind. Ob sich die Gefahr in naher Zukunft wiederholen kann? Aktuell warten Astronomen darauf, dass der orange Überriese Beteigeuze in einer Supernova explodiert. Allerdings ist der Abstand mit 725 Lichtjahren hier ausreichend groß. Ein erneutes Strahlungsgewitter ist in diesem Fall nicht zu befürchten. (ens)
mdr.de
Das sogenannte Kellwasser-Ereignis vor 372 Millionen Jahren war eines von fünf großen Artensterben auf der Erde. Ursache könnt die Supernova eines nahen Sterns gewesen sein, lautet eine neue Theorie.
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2020-08-19T17:00:50+02:00
2020-08-19T17:00:50+02:00
https://www.mdr.de/wissen/supernova-massensterben-artensterben-erde-100.html
Ticker vom Donnerstag: Russischer Raketenkreuzer "Moskwa" gesunken
Die Berichterstattung aus der Ukraine ist schwierig, weil wegen der Kämpfe nur wenige unabhängige Medienvertreter im Land sind. Informationen kommen vor allem von der ukrainischen Regierung und dem Verteidigungsministerium aus Russland, die allerdings kaum unabhängig verifiziert werden können. Der Fernbusbetreiber FlixBus nimmt nach Angaben aus Kiew wieder Verbindungen in die Ukraine auf. Die Hauptstadt Kiew sowie eine Reihe anderer ukrainischer Städte würden wieder angefahren, hieß es in einer Mitteilung des ukrainischen Regierungsportals zum Zustand der Transport-Infrastruktur im Land. Unter den wieder aufgenommenen Haltestellen seien neben Kiew noch Schytomyr, Rivne, Winnytsja, Uman, Chmelnytskyj und Ternopil. Die Routen waren mit Beginn des russischen Angriffskrieges eingestellt worden, hieß es. Auf der Website von Flixbus sind Tickets nach Kiew etwa ab Dienstag wieder buchbar. Angesichts der militärischen Rückschläge für Russland darf die mögliche Bedrohung eines Einsatzes taktischer Atombomben nach Ansicht von CIA-Chef Bill Burns nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Grund dafür sei eine mögliche Verzweiflung von Präsident Putin und der russischen Führung. Moskau habe sich mit den Äußerungen zur erhöhten Einsatzbereitschaft seiner Atomwaffen Drohgebärden bedient, bislang hätten die USA dafür aber kaum praktische Belege wie Truppenbewegungen oder militärische Vorbereitungen gesehen, sagte der Chef des US-Auslandsgeheimdienstes. Unter taktischen Atomwaffen versteht man Kernwaffen, deren Wirkungskreis und Sprengkraft deutlich geringer ist als bei strategischen Atomwaffen. Sie könnten bei Kämpfen theoretisch als wirkmächtige Alternative zu herkömmlichen Waffen eingesetzt werden. Der angeschlagene russische Raketenkreuzer "Moskwa" ist gesunken. Mehrere russische Nachrichtenagenturen meldeten den Untergang des Schiffs am Donnerstagabend unter Berufung auf das Verteidigungsministerium in Moskau. Während das Schiff in Richtung eines Hafens abgeschleppt worden sei, habe es seine "Stabilität" verloren und sei bei starkem Seegang gesunken, teilte das russische Verteidigungsministerium mit. Das Ministerium führte den Untergang der "Moskwa" auf die Schäden am Rumpf des Schiffes zurück. Diese Schäden sollen demnach durch einen "Brand infolge der Detonation von Munition" entstanden sein. Der Gouverneur der südukrainischen Region Odessa, Maxym Martschenko, hatte hingegen erklärt, die "Moskwa" sei mit ukrainischen Raketen vom Typ "Neptun" beschossen worden. Seit dem russischen Einmarsch sind in der Region Charkiw nach ukrainischen Angaben mehr als 500 Zivilisten getötet worden. Insgesamt seien seit dem 24. Februar 503 Zivilisten getötet worden, darunter 24 Kinder, sagte der Regionalgouverneur Oleg Synegubow am Donnerstag in einem im Messengerdienst Telegram veröffentlichten Video.  In den vergangenen 24 Stunden habe es in der Region im Osten der Ukraine 34 Angriffe gegeben. Dabei seien ein Mensch getötet und acht weitere verletzt worden, fügte Synegubow hinzu. Die Angaben lassen sich nicht überprüfen. Die Regionalhauptstadt Charkiw ist mit rund 1,5 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt der Ukraine und liegt nur rund 40 Kilometer von der russischen Grenze entfernt. Die Stadt ist seit Beginn der russischen Invasion umkämpft. Bisher gelang es den russischen Truppen nicht, sie einzunehmen. Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba fordert eine schnelle Entscheidung der Bundesregierung zu Waffenlieferungen. "Ich hoffe, dass Scholz eine positive Entscheidung treffen wird", sagt Kuleba in der ARD unter Bezug auf Bundeskanzler Olaf Scholz. In der Zeit, in der ein Konsens herbeigeführt werde, würden seine Landsleute sterben und Dörfer zerstört. "Wir bezahlen den Preis mit Menschenleben", sagte er. Frankreich wird "sehr bald" seine Botschaft in der Ukraine aus Lwiw im Westen in die Hauptstadt Kiew zurückverlegen. Das teilte das Außenministerium in Paris mit. Das ukrainische Parlament hat die Taten der russischen Armee offiziell als "Völkermord" eingestuft. Eine entsprechende Entschließung wurde am Donnerstag verabschiedet, wie das Parlament auf seiner Internetseite mitteilte. Der Genozid äußere sich dabei in den "massenhaften Gräueln" in den Kiewer Vororten Butscha, Borodjanka, Hostomel, Irpin und anderen Ortschaften. Darunter seien Morde, Entführungen, Folter und Vergewaltigungen von ukrainischen Bürgern. Zudem versuche Moskau, durch die komplette oder teilweise Blockade von Städten Teile der ukrainischen Bevölkerung auszulöschen. Der Kreml verhindere nicht zuletzt durch Zwangsdeportationen von Kindern und deren Adoption durch Russen deren Selbstidentifikation als Ukrainer. Als weiteren Beleg führt der Entschluss die systematische Zerstörung der wirtschaftlichen Infrastruktur an. Auch damit beabsichtige Russland eine Vernichtung des ukrainischen Volkes. Die Bundesregierung will für vier schwimmende Flüssiggas-Terminals in den kommenden zehn Jahren bis zu 3 Milliarden Euro ausgeben. Das Finanzministerium hat demnach die Mittel bereits freigegeben, ohne den Haushaltsausschuss des Bundestags vorher hinzuzuziehen. Dies sei aus "zwingenden Gründen" geboten, hieß es in einem Schreiben des Bundesfinanzministeriums an Bundestagspräsidentin Bärbel Bas. An diesem Donnerstag und am 20. April sollten entsprechende Charterverträge unterzeichnet werden, hieß es. Ziel sei der Import von Flüssigerdgas (LNG) zur Sicherung der Gasversorgung für Deutschland. Dem Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) liegen Berichte über weitere Verbrechen in der Ukraine vor. Chefankläger Karim Ahmad Khan sagte in Kiew, diese stammten aus mehreren Quellen. Er kündigte an, die Beweise aus der Ukraine kritisch zu beurteilen. Khan besuchte am Mittwoch Butscha. Die Ukraine und der Westen werfen russischen Soldaten vor, dort Kriegsverbrechen begangen zu haben. Die Regierung in Moskau weist dies zurück. Unter dem Eindruck des Krieges in der Ukraine haben am Donnerstag in Erfurt die diesjährigen Ostermärsche begonnen. Krieg solle nach dem Willen Gottes nicht sein, sagte Wolfgang Musigmann von der Offenen Arbeit des evangelischen Kirchenkreises Erfurt vor etwa 200 Teilnehmern auf dem Erfurter Anger. Daher müssten alle diplomatischen Mittel eingesetzt werden, um Frieden zu schaffen. Musigmann forderte, das von der Bundesregierung beschlossene Sondervermögen für die Bundeswehr in Höhe von 100 Milliarden Euro in andere Projekte zu investieren. Notwendig seien verstärkte internationale Kooperation sowie mehr Investitionen in soziale Gerechtigkeit, Umweltschutz und Bildung. Mehr Waffen haben noch nie einen Krieg beendet. Die für Thüringen zuständige Regionsgeschäftsführerin des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), Renate Licht, kritisierte die Lieferung von Angriffswaffen in die Ukraine. "Mehr Waffen haben noch nie einen Krieg beendet", sagte sie. Zugleich forderte sie Russlands Präsident Wladimir Putin auf, "diesen durch nichts zu rechtfertigenden Krieg sofort zu stoppen." Russland will seine Energie-Rohstoffe künftig stärker nach Asien exportieren statt nach Europa. Das kündigte Präsident Wladimir Putin bei einer Regierungsbesprechung in Moskau an. Die Lieferungen Richtung Westen würden zurückgehen. Stattdessen wolle Russland die stark wachsenden Märkte im Süden und im Osten bedienen. Dafür solle die Infrastruktur ausgebaut werden. Putin kritisierte den Schritt europäischer Länder, die Nutzung russischer Energie einzuschränken oder zu stoppen. Damit würde der Energiemarkt destabilisiert und die Preise in die Höhe getrieben. Zu einem möglichen Embargo russischer Gas- und Öllieferungen sagte Putin: "Die Folgen eines solchen Schrittes können sehr schmerzhaft werden – vor allem für die Initiatoren einer solchen Politik." Die Fußball-Nationalmannschaft der Ukraine bestreitet am 1. Juni ihr wegen des russischen Angriffskrieges verschobenes WM-Qualifikationsspiel in Schottland. Das teilten der Weltverband Fifa und die Europäische Fußball-Union Uefa am Donnerstag mit. Der Gewinner des Playoff-Halbfinales spielt dann am 5. Juni gegen Wales um ein Ticket für die WM-Endrunde im Spätherbst in Katar. In Sachsen-Anhalt sind von den Kommunen bisher über 18.800 Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine aufgenommen worden. Unter ihnen sind mindestens 2.132 Kinder im Kindergarten- und 4.866 Kinder im schulpflichtigen Alter, wie das Innenministerium am Donnerstag auf seiner Internetseite mitteilte. Nicht vollständig erfasst sind den Angaben zufolge bislang Menschen, die privat bei Freunden, Verwandten oder hilfsbereiten Bürgern untergekommen sind. In der Debatte um die Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine wird die Kritik aus der Ampel-Koalition an Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) immer deutlicher. Die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag, Marie-Agnes Strack-Zimmermann, kritisierte am Donnerstag die zögerliche Haltung von Scholz. Sie wisse derzeit nicht, wo der Kanzler inhaltlich stehe, sagte die FDP-Politikerin im Deutschlandfunk. "Der Kanzler sollte sagen, was er möchte, und sollte dann auch entsprechend die Rolle übernehmen, die die Verfassung ihm zugewiesen hat, nämlich die Richtlinienkompetenz auch einzusetzen", sagte Strack-Zimmermann. Die Liberale sprach sich dafür aus, alles zu unternehmen, um die Ukraine zu unterstützen. Bereits am Mittwoch hatte Grünen-Politiker Anton-Hofreiter Scholz scharf kritisiert und die Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine gefordert. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer trat dieser Forderung entgegen. Die russische Armee hat nach eigenen Angaben einen Flugplatz der ostukrainischen Millionenstadt Dnipro beschossen. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Moskau sagte, dabei seien in der Nacht ein Kampfflieger vom Typ MiG-29, ein Hubschrauber und eine Kampfdrohne zerstört worden. Darüber hinaus seien zwei Waffenlager in den Gebieten Odessa und Donezk attackiert worden. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Die Ukraine und Russland haben nach Angaben der ukrainischen Vize-Ministerpräsidentin Iryna Wereschtschuk einen neuen Gefangenenaustausch vereinbart. Noch heute sollten demnach 30 Ukrainer zurückkehren, fünf Offiziere, 17 Soldaten und acht Zivilisten. Angaben zu russischen Heimkehrern aus der Ukraine machte Wereschtschuk in dem Zusammenhang nicht. Nach Angaben des Gouverneurs der südrussischen Provinz Brjansk, Alexander Bogomas, sind bei einem Beschuss durch ukrainische Truppen auch Wohnhäuser getroffen worden. "Heute ist der Ort Klimowo von der ukrainischen Armee beschossen worden. Zwei Wohnhäuser wurden getroffen und Bewohner verletzt", schrieb Bogomas auf Telegram. Von der ukrainischen Armee und dem Verteidigungsministerium gab es noch keine Reaktion. Das ukrainische Militär will das russische Kriegsschiff "Moskwa" mit einer "Neptun"-Rakete getroffen haben, einer angeblich eigenen Entwiclung der Ukraine. Der Raketenkreuzer, Flaggschiff der russischen Schwarzmeerflotte, sei erheblich beschädigt, hieß es vom Militärkommando der Süd-Ukraine. Nach dem Treffer sei Feuer an Bord ausgebrochen, und das Schiff habe zu sinken begonnen. Unabhängig überprüft werden konnte das noch nicht. Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums ist das Feuer auf der "Moskwa" eingedämmt. Es sei ausgebrochen, nachdem Munition an Bord explodiert sei. Das Kriegsschiff werde nun zum Hafen geschleppt, die rund 500 Mann starke Besatzung sei auf anderen Schiffen. Die wichtigsten Waffen der "Moskwa" seien nicht beschädigt. Die Brandursache werde untersucht. Beim Beschuss der Stadt Charkiw im Osten der Ukraine sind nach Angaben des Gouverneurs der Region, Oleh Synjegubow, vier Zivilisten getötet worden. Zehn weitere seien verletzt worden. Synjegubow rief die Menschen in Städten der Region auf, sich in Sicherheit zu bringen. Es sei zu erwarten, dass es bald schwere Kämpfe im Osten der Ukraine geben werde. Die Grünen in Sachsen bestehen auf einer Gesundheitskarte für alle Flüchtlinge. Wie Landeschefin Christin Furtenbacher am Donnerstag sagte, wollen die Grünen damit Parallelstrukturen und die unterschiedliche Behandlung von geflüchteten Menschen aus der Ukraine und anderen Ländern verhindern. Gesundheitsverorgung gelte als Menschenrecht für alle gleich, sagte sie: "Ich hoffe, dass die sächsischen Kommunen bei der Einführung mitziehen." Die Landeshauptstadt Dresden habe bereits eine elektronische Gesundheitskarte für alle, was auch weniger Bürokratie bringe, etwa im Sozialamt bei der Ausgabe von Behandlungsscheinen wie auch bei der Abrechnung. Auch in Brandenburg und Thüringen gebe es die Karte bereits. Russlands Drohung, seine militärische Präsenz im Baltikum auch mit Atomwaffen zu verstärken, ist für Litauens Ministerpräsidentin Ingrida Simonyte "nicht Neues". Die russische Exklave Kaliningrad sei seit Jahren eine "militarisierte Zone". Russland habe dort bereits Atomwaffen positioniert, erklärte Verteidigungsminister Arvydas Anusauskas. Die aktuellen Drohungen seien daher "seltsam", da man doch wisse, dass Russland schon Atomwaffen 100 Kilometer von der litauischen Grenze entfernt aufbewahre. In Russland werden Strafverfahren wegen der angeblicher Folterung russischer Soldaten durch ukrainische Militärs eröffnet. Das kündigte das für schwere Straftaten zuständige Investigativ-Komitee an. Demnach wurden einige russische Soldaten bei Saporischschja und Mykolajiw in der Ukraine gefangengenommen und Folter ausgesetzt, um sie zu falschen Erklärungen über ihre Inhaftierung sowie die russische "Sondermilitäroperation" zu zwingen." Die Angaben lassen sich nicht unabhängig prüfen. Die Ukraine führt nach eigenen Angaben Gespräche mit ausländischen Partnern über Finanzhilfen in Höhe von rund acht Milliarden Dollar. Mehr als 3,5 Milliarden US-Dollar habe das Land bereits erhalten, sagte Finanzminister Serhij Martschenko. Auf die Frage, ob die Ukraine ihre Auslandsschulden umstrukturieren müsse, antwortet er, die Ukraine habe mit diesen Schulden derzeit keine Probleme. Rund 80 Prozent der Verpflichtungen, die sie derzeit zu bedienen und zurückzahlen habe, seien inländische Schulden. Indonesien hat eine Teilnahmebestätigung des russischen Finanzministers Anton Siluanow für das nächste Woche geplante Treffen der Finanzminister und Zentralbankchefs der 20 wirtschaftsstärksten Staaten. Siluanow habe vor, sich zu dem Treffen am 20. April in Washington virtuell zuzuschalten, teilte das Finanzministerium in Jakarta mit, dass die G-20 derzeit führt. Indonesien erwäge, auch die Ukraine einzuladen. In der Sitzung soll es um finanzielle Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine und der Sanktionen gehen. Heute soll es nach Angaben der ukrainischen Vize-Ministerpräsidentin Iryna Wereschtschuk wieder neun Fluchtkorridore zur Evakuierung von Städten im Osten des Landes geben. Einer solle aus dem umkämpften Mariupol führen. Weitere seien etwa für Berdjansk, Tokmak und Enerhodar geplant. Gestern mussten Evakuierungen den Angaben zufolge abgebrochen werden, weil die Routen blockiert oder beschossen wurden. In Erwartung eines russischen Großangriffs im Osten rufen die ukrainische Behörden die Bevölkerung in der Donbass-Region seit Tagen auf, sich nach Westen abzusetzen. Russlands Ex-Präsident Dmitri Medwedew warnt die Nato vor einer Aufnahme von Finnland und Schweden in das Militärbündnis. Sollte es dazu kommen, müsse Russland seine Verteidigung aufstocken. Von einem "nuklearfreien Status des Baltikums" könne dann keine Rede mehr sein, sagte der Vize-Chef des Nationalen Sicherheitsrats und Vertraute von Präsident Wladimir Putin: "Das Gleichgewicht muss hergestellt werden." Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine haben sich 2,73 Millionen Menschen in Polen in Sicherheit gebracht. Das teilte der dortige Grenzschutz heute mit. Rund 629.000 Menschen seien inzwischen wieder in die Ukraine zurückgereist. Wie wie viele in Polen geblieben sind, ist nicht bekannt. In Deutschland waren nach Zahlen des Bundesinnenministeriums bis Mittwoch mindestens 340.000 aus der Ukraine geflüchtetete Menschen angekommen, überwiegend Frauen, Kinder und alte Menschen. Es ist demnach aber davon auszugehen, dass die tatsächliche Zahl höher ist, da es an den deutschen Grenzen keine festen Kontrollen gibt und sich Menschen mit ukrainischem Pass auch ohne Visum in der EU aufhalten dürfen. Die Europäische Weltraumorganisation ESA hat die Zusammenarbeit mit Russland bei drei Mond-Missionen beendet. Die Behörde in Paris begründete dies gestern Abend mit der russischen Aggression gegen die Ukraine und den Sanktionen. Diese machten die geplante Mond-Kooperation unmöglich. Die ESA wollte dabei neue Ausrüstung und Technik testen, im Sommer etwa eine neue Navigationskamera. Nun werden Alternativen gesucht. Im März hatte die ESA bereits ihre Beteiligung an einer Mars-Mission abgesagt. Österreichs Kanzler Karl Nehammer hat nach eigenen Angaben die Zusage von Russlands Präsident Wladimir Putin erhalten, dass die Versorgung seines Landes mit russischem Gas sicher sei. Laut Meldung der österreichischen Nachrichtenagentur APA soll Putin bei dem Treffen mit Nehammer am Montag bei Moskau auch gesagt haben, dass Österreich seine Gasrechnungen weiter in Euro begleichen könne. Das Land bezieht etwa 80 Prozent seines Erdgases aus Russland. Der Anteil ist höher als der in Deutschland.Vor gut drei Wochen hatte Putin angekündigt, dass aus den "unfreundlichen", also an den Sanktionen gegen Russland beteiligten Ländern russisches Erdgas demnächst in Rubel bezahlt werden solle. Die Schweiz reagiert auf hohe Preisausschläge an den Energiemärkten als Folge des Kriegs in der Ukraine. Die Regierung plant nach eigenen Angaben einen Rettungsschirm für systemrelevante Stromunternehmen. Der solle sicherstellen, dass die Stromversorgung in der Schweiz sich auch bei einer weiteren Verschärfung der Situation gewährleisten lasse. Zur Integration ukrainischer Flüchtlingskinder in deutschen Schulen werden nach Einschätzung der Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Karin Prien, tausende zusätzliche Lehrkräfte benötigt. Deutschland müsse sich auf bis zu 400.000 zusätzliche Schülerinnen und Schüler einstellen, sagte die schleswig-holsteinische Bildungsministerin dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Es brauche also etwa 24.000 neue Lehrkäfte, wenn Willkommensklassen klein bleiben sollten. Wichtig sei es auch, "Deutsch als Bildungssprache" zu lehren, sagte die CDU-Politikerin. Niemand wisse schließlich, wie lange die Menschen bleiben: "Wenn wir Fehler der Vergangenheit vermeiden wollen, müssen wir es von Anfang an so angehen, als blieben sie länger hier. Die Bundesagentur für Arbeit und die Bahn bauen die Beratung und Vermittlung für aus der Ukraine geflüchteten Menschen aus. Die Deutsche Bahn und die Arbeitsagenturen haben in Köln, Berlin und Frankfurt/Main jetzt Beratungszentren in Bahnhofsnähe eingerichtet. Wie die Kooperationspartner mitteilten, wurde außerdem eine kostenfreie bundesweite Hotline aufgebaut, bei der allein in Nordrhein-Westfalen mehr als 20 Mitarbeiter auf Ukrainisch und Russisch informieren könnten. Dabei gehe es um erste Informationen zu Jobvermittlung, zu Ausbildungen und Qualifizierung wie auch zu Fragen zur Anerkennung von Berufsabschlüssen und möglichen Deutsch-Kursen. Die Kritik an der Ablehung eines Besuch von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in der Ukraine reißt vorerst nicht ab. "Der Bundespräsident ist Deutschland. Und deswegen ist seine Ausladung durch Präsident Wolodymyr Selenskyi eine Ausladung Deutschlands", sagte jetzt der Vizekanzler und Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Selenskyj erklärte am Mittwochabend, es habe gar keine Anfrage des Bundespräsidenten zu einem Besuch gegeben. Der russische Raketenkreuzers "Moskwa" ist nach Angaben aus Moskau vollständig evakuiert worden. Das Schiff der Schwarzmeerflotte mit einer Besatzung von mehr als 500 Matrosen sei durch die "Detonation von Munition infolge eines Brandes" schwer beschädigt, berichtete die russische Agentur Tass in der Nacht unter Berufung auf das Verteidigungsministerium. Die Brandursache werde untersucht. Wenige Stunden zuvor hatte die ukrainische Seite gemeldet, man habe das Schiff mit einer Rakete getroffen worden. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat sich gegen die Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine ausgesprochen. "Wir würden eine Linie überschreiten, wenn wir Panzer oder Flugzeuge liefern oder gar eine Flugverbotszone einrichten. Diese Linie gilt es zu halten", sagte Kretschmer der "Rheinischen Post". Deutschland leiste enorm viel, es dürfe aber nicht passieren, dass man in einen Krieg hineingezogen werde. Ich sehe mit großer Sorge, dass momentan stabile Leitplanken der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik sehr schnell eingerissen werden. Deutschland hat es bislang aus gutem Grund abgelehnt, Waffen in Kriegsregionen zu liefern. Europa müsse vielmehr gemeinsam mit den USA den Druck auf Russland so erhöhen, sagte Kretschmer weiter, "dass die Diplomatie die Chance bekommt, den Konflikt am Verhandlungstisch zu beenden". Russische Truppen sollen ukrainischen Angaben zufolge große Mengen an nicht explodierten Sprengvorrichtungen im Norden des Landes hinterlassen haben. Zehntausende nicht detonierte Granaten oder Minen seien in dem Gebiet, sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. Die Räumung dauere an. Zurückkehrende Menschen müssten aber sehr vorsichtig sein. Eine Waffenruhe im Ukraine-Krieg scheint nach Einschätzung von UN-Generalsekretär António Guterres derzeit nicht realistisch. "Im jetzigen Moment scheint eine globale Waffenruhe in der Ukraine nicht möglich", sagte Guterres am Mittwoch in New York bei einer Pressekonferenz. "Das war unser Appell aus humanitären Gründen, aber es scheint nicht möglich." Guterres hatte zuvor unter anderem den UN-Nothilfekoordinator Martin Griffiths beauftragt, die Möglichkeit eines "humanitären Waffenstillstands" im Ukraine-Krieg auszuloten. Griffiths reiste daraufhin nach Moskau und Kiew. Polens Präsident Andrzej Duda sowie die Staatschefs der drei baltischen Länder Litauen, Lettland und Estland haben der Ukraine bei einem Besuch ihre Solidarität zugesichert. Die Staatsoberhäupter der vier EU- und Nato-Staaten sagten Präsident Wolodymyr Selenskyj bei einem Treffen in Kiew weitere Militärhilfe und humanitäre Unterstützung zu. Auch versprachen sie, sich für eine Aufnahme der Ukraine in die Europäische Union einzusetzen. Guten Morgen, in unserem Ticker halten wir Sie über die aktuellen Entwicklungen im Krieg in der Ukraine auf dem Laufenden. Alle wichtigen Nachrichten erscheinen im Laufe des Tages hier. Quellen: u.a. AFP, dpa, Reuters, MDR
mdr.de
Russland hat den Untergang des Raketenkreuzers "Moskwa" bestätigt. Es war das Flaggschiff der Schwarzmeerflotte. Das ukrainische Parlament hat die Gräueltaten der russischen Armee offiziell als Völkermord eingestuft.
[ "Nachrichten", "Ukraine", "Ostukraine", "Russland", "Krieg", "Waffen", "Völkermord", "Scholz", "Ampel", "Butscha" ]
Welt
2022-04-14T23:21:00+02:00
2022-04-16T06:43:13+02:00
https://www.mdr.de//nachrichten/welt/osteuropa/politik/ticker-ukraine-russland-voelkermord-100.html
HFC verpasst Schützenfest gegen dezimiertes Zehlendorf
Mit 4:1 (3:0) setzten sich die Saalestädter vor 8.280 Fans im Leuna-Chemie-Stadion gegen den Aufsteiger durch. In einem offenen Schlagabtausch ließ das Team von Trainer Mark Zimmermann allerdings noch etliche Chancen liegen und verpasste es, das Fernduell mit Lok Leipzig noch weiter zuzuspitzen. Der HFC liegt einen Spieltag vor Saisonende drei Punkte und sieben Tore hinter den Blau-Gelben aus Leipzig-Probstheida. Halle gastiert am kommenden Sonntag in Greifswald, Spitzenreiter Lok tritt bei Rot-Weiß Erfurt an. Für den HFC war klar: Es brauchte eine Torgala gegen die Berliner, damit es doch noch etwas mit der Meisterschaft werden kann. Und die Saalestädter legten von Beginn ein unfassbares Tempo vor, kreierten Chancen fast im Minutentakt. Doch als Dosenöffner brauchte es einen Strafstoß: Berk Inaler wurde schön in den Sechzehner geschickt, legte sich den Ball eigentlich zu weit vor – aber von hinten rauschte Jake-Robert Wilton heran und foulte den Hallenser Spielmacher. Jonas Nietfeld übernahm die Verantwortung und verwandelte sicher (19.). Der HFC beschäftigte sich nicht viel mit Jubeln, sondern spielte weiter nach vorne. Und belohnte sich nur vier Minuten später: Ein Schuss von Fabrice Hartmann wurde noch minimal von Nietfeld abgefälscht und schlug ins kurze Eck des Hertha-Tores ein. Die Gäste blieben allerdings – bei aller Überforderung in der Abwehr – mit Nadelstichen nach vorne gefährlich. Bocar Baro scheiterte in der 31. und 44. Minute zweimal am glänzend reagierenden Sven Müller. Dazwischen stellte Serhat Polat gegen seinen Ex-Klub noch auf 3:0. Der Winterneuzugang setzte sich gegen mehrere Herthaner mit einer Drehung um die eigene Achse durch, fiel, rollte sich über den Boden und stocherte die Kugel durch die Beine des verdutzten Zehlendorf-Keepers Nash-Daniel Amankona ins Tor. Nach dem Seitenwechsel ging es weiter wie zuvor: Halle erarbeitete sich Chance um Chance, ließ Hertha keine Ruhephasen. Polats Distanztreffer in der 54. Minute war die logische Konsequenz: Der Hallenser legte sich Ball und Gegner zurecht und knallte die Kugel flach ins lange Eck. Als fünf Zeigerumdrehungen später der erst im ersten Durchgang eingewechselte Marc Enke die Ampelkarte auf Seiten der Berliner sah, stand einem Schützenfest des HFC eigentlich nichts mehr im Weg.Doch ein nun grassierender Chancenwucher und ein immer besser parierender Amankona verhinderten die höhere Führung der Saalestädter. In der Schlussphase verkürzte Baro gar noch durch einen Foulelfmeter (90.). Mit Abpfiff sackten die HFC-Spieler zu Boden – im Wissen, dass sie die große Chance für mehr Spannung am letzten Spieltag vergeben hatten. jar
mdr.de
Der Hallesche FC hat es am vorletzten Spieltag verpasst, sein Torverhältnis im Meisterrennen noch richtig aufzuhübschen. Gegen Zehlendorf wurde es zwar ein deutlicher Sieg, der aber noch höher hätte ausfallen müssen.
[ "Hallescher FC", "HFC", "Halle", "Mark Zimmermann", "Hertha Zehlendorf", "Robert Schröder", "Jonas Nietfeld", "Serhat Polat", "Bocar Baro", "Sven Müller", "Regionalliga", "SPORT IM OSTEN", "SpiO" ]
2025-05-11T15:09:40+02:00
2025-05-11T16:21:49+02:00
https://www.mdr.de/sport/fussball_rl/spielbericht-regionalliga-nordost-sport-im-osten-hallescher-fc-hfc-hertha-zehlendorf-100.html
Michael Kretschmer muss in Zukunft mit den anderen Parteien im Landtag von Sachsen zusammen-arbeiten
Michael Kretschmer ist ein Politiker von der Partei CDU. Er ist gestern wieder zum Minister-Präsidentenvom Bundes-Land Sachsen gewählt worden. Die Wahl vom Minister-Präsidenten war sehr schwierig. Denn keine Partei hat bei der Landtags-Wahl genug Wähler-Stimmen bekommen:Damit sie alleine in Sachsen bestimmen kann. Deshalb wollen die Parteien CDU und SPD in Zukunft zusammen-arbeiten.Das bedeutet: Sie haben eine Koalition gemacht. Aber auch diese beiden Parteien zusammenhaben nicht genug Stimmen:Um alleine in Sachsen zu bestimmen.In schwerer Sprache heißt das:In Sachsen gibt es jetzt eine Minderheits-Regierung. Für Michael Kretschmer wird es vielleicht sehr schwer in Sachsen zu bestimmen Denn er muss in Zukunft auch noch mit den anderen Parteien im Landtag zusammen-arbeiten:Wenn er neue Sachen bestimmen will. Zum Beispiel: Wenn es neue Gesetze geben soll. Diese Parteien heißen in schwerer Sprache: Oppositions-Parteien. Die Oppositions-Parteien sind:     • Die AfD,    • das BSW,    • die Linke,    • und die GRÜNEN. Michael Kretschmer denkt: Wir werden das schon schaffen Er hat dem MDR gesagt: Wir werden versuchen mit den Oppositions-Parteien gut zusammen-zuarbeiten.Dafür gibt es zum Beispiel das Konsultations-Verfahren.Das bedeutet: Die Parteien im Landtag treffen sich. Bei dem Treffen sprechen sie über Sachen, die in Sachsen entschieden werden müssen. Zum Beispiel: Über ein neues Gesetz. Jede Partei darf ihre Meinung zu dem neuen Gesetz sagen. Und sie kann sagen:    • Was ist gut an dem neuen Gesetz.    • Oder was ist schlecht an dem neuen Gesetz. Dann wird gemeinsam entschieden: Ob es das neue Gesetz geben soll. Michael Kretschmer hat auch gesagt: Nur so können wir in den nächsten Jahren eine gute Politik für Sachsen machen. Denn wir haben ja eine Minderheits-Regierung in Sachsen. Alle Parteien im Landtag müssen dabei mithelfenUnd sie müssen mit-entscheiden.Wir alle müssen zeigen: Dass wir das schaffen können. Ich werde dabei sein. Eine Koalition mit der SPD und dem BSW ist gescheitert Das bedeutet: Die CDU wollte auch mit dem BSW zusammen-arbeiten. Die Parteien:    • Die CDU,    • die SPD    • und das BSW wollten zusammen eine Koalition machen. Das hat aber nicht geklappt. Denn das BSW hat entschieden: Wir machen keine Koalition mit der CDU und der SPD. Denn wir haben bei vielen politischen Themen eine andere Meinung. Michael Kretschmer denkt aber:Dass die Parteien trotzdem in Zukunft gut zusammen-arbeiten werden.
mdr.de
Michael Kretschmer ist der Minister-Präsident von Sachsen. Er will in Zukunft mit den Oppositions-Parteien im Landtag zusammen-arbeiten. Damit sie gemeinsam gute Politik für Sachsen machen.
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2024-12-19T15:12:30+01:00
2025-04-01T12:35:09+02:00
https://www.mdr.de//nachrichten-leicht/leichte-sprache-sachsen-ministerpraesident-kretschmer-konsultationsmechanismus-100.html
Folge 646: Hals über Kopf
Wilhelm Mehnert kommt in die Sachsenklinik. Als er dort auf Barbara Grigoleit trifft, mit der er vor einem Jahr eine kurze Liebesbeziehung hatte, erschrickt diese. Wilhelm ist abgemagert, sieht mitgenommen aus und hat einen schweren Hautausschlag im Gesicht. Er hatte damals den Kontakt abgebrochen, als Barbara ihre Beziehung vertiefen wollte. Professor Simoni muss Barbara versprechen, Dr. Philipp Brentano bei der Behandlung zu unterstützen. Er diagnostiziert eine Hauterkrankung, die im Zusammenhang mit Tumoren auftritt. Brentano ist davon wenig überzeugt und tippt auf eine Allergenkontamination in Wilhelms Wohnung. Er rät Simoni dringend von einer Tumor-Operation ab. Wilhelm würde diese, sollte Brentanos These stimmen, nicht überleben. Alexander Weber ist in Leipzig, um mit Sarah Marquardt die weiteren Schritte für den Beitritt der Sachsenklinik zu seinem Klinikverbund zu besprechen. Er will vermeiden, dass Kathrin Globisch erfährt, dass er und Sarah sich kennen und verabredet sich danach mit ihr außerhalb der Klinik zum Essen. Der Abend verläuft vielversprechend und Kathrin beginnt, sich wirklich in Alexander zu verlieben. Doch plötzlich entdeckt Alexander Sarah Marquardt, die ihn im Hotel besuchen will. Darsteller:Wilhelm Mehnert - Sky du MontAlexander Weber - Heio von Stetten
mdr.de
Barbara entdeckt in der Klinik Wilhelm Mehnert, zu dem sie mal eine kurze Liebesbeziehung hatte. Nun ist er kaum wiederzuerkennen. Bei der Behandlung seines Hautausschlages geraten Brentano und Simoni heftig aneinander.
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2014-06-11T10:06:32+02:00
2014-06-11T10:06:32+02:00
https://www.mdr.de//in-aller-freundschaft/alle-folgen/halsueberkopf100.html
Omikron: Sublinie BA.2 noch dominant, aber BA.4 und BA.5 werden sich durchsetzen
Die Omikron-Sublinie BA.5, die mit ihren hohen Verbreitungszahlen in Portugal für Schlagzeilen sorgt, verbreitet sich auch in Deutschland. Der Covid-19-Wochenbericht des Robert Koch-Instituts zeigt einen stetigen Anstieg, aber noch auf niedrigem Niveau. Die bundesweite Inzidenz sank insgesamt im Vergleich mit der Vorwoche um 37 Prozent, heißt es im aktuellen Bulletin des Robert Koch-Institutes. Wie sieht das ganz konkret aus? Ende April machte der der Subtyp BA.5 noch 0,6 Prozent in den untersuchten Proben aus, deren Virus-Varianten analysiert wurden und verdoppelte sich seither im Wochentakt. Bei den Virusvarianten wird in Deutschland unverändert mehrheitlich die Omikron-Sublinie BA.2 gefunden. Im aktuellen Bulletin des RKI heißt es dazu: "In Deutschland dominiert seit drei Monaten mit gegenwärtig über 99 Prozent die Omikron-Variante. Der Anteil der Omikron-Sublinie BA.2 lag in Kalenderwoche 20 bei über 93 Prozent." Der Vergleich der beiden Kalenderwochen 20/21 zeigt laut RKI-Wochenbericht: In allen Bundesländern sanken die Inzidenzen zwischen 21 Prozent (Berlin) und 51 Prozent in Sachsen-Anhalt. In keinem Bundesland war ein Anstieg zu beobachten. Auch die Omikron-Sublinien BA.4 und BA.5 sind grundsätzlich schon seit einigen Wochen bekannt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft auch diese als besorgniserregend ein. Der Anteil von BA.4 wächst hierzulande ebenfalls, bisher aber nur leicht und im Bereich von unter einem Prozent. Langfristig werden sich diese Sublinien aber auch in Deutschland durchsetzen, schrieb die Virologin Sandra Ciesek vom Universitätsklinikum Frankfurt/M. kürzlich auf Twitter. Nach ersten Erkenntnissen entkämen sie durch Erbgutveränderungen noch stärker den Antikörpern von Geimpften und Genesenen. Erste Daten von Menschen, die mit BA.1 infiziert waren, ließen keinen sicheren Schutz vor Infektion mit den beiden anderen Subtypen erwarten. Ansteckungen drohten insbesondere dann, wenn die vorige Infektion oder Impfung schon länger zurückliege. Bisher gebe es keine Beweise, dass sich die Krankheitsschwere mit den beiden Subtypen wesentlich verändert hat, schrieb Ciesek. Dies müsse man weiter beobachten. In Hinblick auf die seit einiger Zeit laufende Anpassung von Corona-Impfstoffen an Omikron hielt sie fest: "Leider wird einem auch bewusst, dass wir mit einem BA.1 angepassten Impfstoff wohl wieder hinterherlaufen werden. Hier müssten wir besser und schneller werden." Und wie sieht es in den verschiedenen Altersgruppen aus? Das RKI meldet dazu: "Am stärksten war der Rückgang diese Woche (21.KW) bei Kindern und Jugendlichen Null bis 19 Jahre, mit jeweils über 40 Prozent. Im Durchschnitt lag der Rückgang bei 37 Prozent, der Altersmedian der Infizierten lag in der Woche demnach bei 40 Jahren. Den aktuellen Wochenbericht des RKI lesen Sie hier. (lfw/dpa/rki)
mdr.de
In Portugal sorgt die Omikron-Sublinie BA.5 für hohe Infektionszahlen. Wie ist das in Deutschland? Welche Sublinie ist hier gerade dominant? Das zeigen die neuen Zahlen des RKI.
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2022-06-03T12:01:35+02:00
2022-06-07T14:00:42+02:00
https://www.mdr.de//wissen/corona-omikron-variante-verbreitung-juni-100.html
Allein an Weihnachten? Tipps und Termine gegen Einsamkeit zur Weihnachtszeit in Thüringen
Weihnachten ist oft die schönste Zeit des Jahres. Doch das ist nicht für alle Menschen so. Viele sind über die Feiertage allein. In Thüringen gibt es daher Veranstaltungen, bei denen niemand allein bleiben muss: Am Heiligabend lädt die Begegnungsstätte "Roseneck" der Volkssolidarität in Mühlhausen zu einem weihnachtlichen Nachmittag ein. Ab 14 Uhr können sich die Gäste in der Jüdenstraße 34 an einer gedeckten Kaffeetafel mit Plätzchen bedienen. Bis 19 Uhr gibt es die Möglichkeit, gemeinsam zu essen, zu singen und sich auszutauschen. In der "Grünen Tanne" in Jena wird am Heiligabend ab 18 Uhr festlich gespeist. Zum ersten Mal lädt das Restaurant in der Karl-Liebknecht-Straße 1 zu einem Abend mit orientalischen Speisen und Tapas ein. Das Essen wird vom Wirt gesponsert und ist für alle Gäste kostenlos. Zur Unterhaltung gibt es Musik. Eine Reservierung ist nicht erforderlich. Im Diakonissenmutterhaus in Eisenach am Karlsplatz findet auch in diesem Jahr ab 18 Uhr die traditionelle Aktion "Heiligabend nicht allein" statt. In der Kapelle erwartet die Gäste ein festliches Abendessen mit Spielen und Überraschungen. Bis 21.30 Uhr können alle gemeinsam den Heiligen Abend verbringen. Anmelden kann sich jeder unter Telefon: 03691 260-0 (Es können ortsübliche Kosten entstehen). Dank eines Fahrdienstes können auch Gehbehinderte an der Veranstaltung teilnehmen. Am Zweiten Weihnachtsfeiertag gibt es im Jugend- und Stadtteilzentrum Saalfeld-Gorndorf eine Weihnachtsfeier für alle, die sich einsam fühlen. Eingeladen sind laut Organisatorin Annette Zemitzsch auch Alleinerziehende mit Kind oder Paare. Auch gemeinsam könne man sich einsam fühlen. Ab 14 Uhr gibt es in der Albert-Schweitzer-Straße 144 ein gemeinsames Kaffeetrinken, abends ist ein Buffet geplant. Annette Zemitzsch bittet jedoch alle Interessierten um eine vorherige Anmeldung unter Telefon: 0152 / 287 47 350 (Es können ortsübliche Kosten entstehen). Neben den öffentlichen Veranstaltungen gibt es auch die Bürgerinitiative "KeinerBleibtAllein". Die Initiative kommt zwar aus Mannheim, bringt aber Menschen aus ganz Deutschland zusammen. Über Instagram oder Facebook kann sich jeder der Initiative anschließen. Hier können sich Menschen melden, die noch einen Platz an Weihnachten suchen. Wer noch jemanden zu Weihnachten einladen möchte, kann sich ebenfalls melden. Über die Plattform werden die Leute dann zusammengebracht. Das geht übrigens auch an Silvester. Während der Feiertage gibt es auch die Möglichkeit der Telefonseelsorge. Speziell für Menschen ab 60 Jahren gibt es das "Silbernetz-Feiertagstelefon". Unter der Telefon-Nummer 0800/4 70 80 90 (Es können ortsübliche Kosten entstehen) können sich ältere Menschen melden und mit jemandem sprechen. Bis Neujahr können Betroffene dort anrufen. Das Ganze ist anonym. Das Feiertagstelefon wird bereits zum achten Mal angeboten. Auch die Telefonseelsorge ist über die Feiertage erreichbar und steht Betroffenen mit Rat und einem offenen Ohr zur Seite. Unter den Nummern 0800 / 111 0 111 , 0800 / 111 0 222 oder 116 123 (Es können jeweils ortsübliche Kosten entstehen) sind die Helfer 24 Stunden am Tag erreichbar. Betroffene können sich aber auch per Mail oder im Chat unter online.telefonseelsorge.de melden. In Erfurt und im Kreis Gotha haben mutmaßliche Betrüger die Einsamkeit älterer Menschen ausgenutzt. Wie das Thüringer Sozialministerium am Montag mitteilte, haben sie sich am Telefon als Agathe-Berater ausgegeben, um Zutritt zur Wohnung zu gelangen. Mit Blick auf Weihnachten gaben die Anrufer an, dass sie mit den Senioren gemeinsam Zeit verbringen wollen. Das Ministerium rät zur Vorsicht und weist darauf hin, dass Agathe-Berater nicht mit einer unterdrückten Nummer anrufen. Zudem würden sie nicht unangekündigt Kontakt aufnehmen und Zutritt zur Wohnung fordern. Agathe ist ein Programm, das älteren und von Einsamkeit betroffenen Menschen eine bessere Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen soll. Es richtet sich vor allem an alleinstehende Menschen. MDR (jora/rom)
mdr.de
Für manche ist Weihnachten nicht die schönste Zeit des Jahres. In Thüringen gibt es daher Veranstaltungen für sich einsam Fühlende, bei denen niemand allein bleiben muss. Doch manchmal nutzen Betrüger diese auch aus.
[ "Nachrichten", "Weihnachten", "Heiligabend", "Einsamkeit", "einsam", "Veranstaltung" ]
Thüringen
2024-12-23T11:01:00+01:00
2024-12-23T11:23:53+01:00
https://www.mdr.de//nachrichten/thueringen/weihnachten-heiligabend-gegen-einsamkeit-betrueger-100.html
1. FC Magdeburg will gegen Hannover 96 Bock umstoßen
Nach der ersten Saisonniederlage in Hamburg wollen die Zweitliga-Kicker des 1. FC Magdeburg am Sonntag eine neue Serie starten. Dabei empfängt das Team von Trainer Christian Titz mit Hannover 96 (13:30 Uhr im Audiostream und Liveticker) nicht eben einen Lieblingsgegner. Die beiden Heimspiele gegen die Norddeutschen gingen mit 0:4 und 0:3 jeweils deutlich verloren. "Wir treffen auf eine sehr kompakte Mannschaft, die eine Körperlichkeit drin hat, die im Defensivverbund sehr diszipliniert verteidigt. Es wird ein Spiel gegen eine starke Mannschaft", sagte Titz am Freitag auf der Pressekonferenz. Zudem warnt der FCM-Coach vor Standardsituationen, da sie "über viel Qualität verfügen" und das Umschaltspiel, "wenn sie mit ihren schnellen Spielern kommen". Aus personeller Sicht gibt es neben den verletzten Herbert Bockhorn, Lubambo Musonda und Aleksa Marusic zwei Fragezeichen, denn die EInsätze von Baris Atik (Gelenkschmerzen) sowie Philipp Hercher (Muskelprobleme) sind noch unklar. Zumindest bei Hercher hofft Titz auf ein Comeback: "Wenn morgen alles gut ist, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Philipp zum Einsatz kommt." Beide Teams können insgesamt mit ihrem Saisonstart zufrieden sein. Nach neun Spielen stehen jeweils 16 Punkte zu Buche. Dabei ist auffällig, dass Hannover in vier Auswärtspartien erst ein Pünktchen holen konnte. Dafür schafften es auf der anderen Seite die Magdeburger in den vier Heimpartien bei vier Unentschieden noch nicht, einen Dreier einzufahren. Saisonübergreifend sind es sogar neun Spiele ohne Sieg. Wenn es nach Titz geht, soll sich das am Sonntag endlich ändern. "Wir spielen zuhause und da wissen wir, wie wichtig es für den Saisonverlauf ist, dass du auch Heimspiele gewinnst. Und genau das wollen wir versuchen." Die Niederlage beim HSV haben die Magdeburger lange und gründlich ausgewertet. Dabei stellte man heraus, woran es mangelte: Zweikampfverhalten in der Luft und das Entscheidungsverhalten im gegnerischen Drittel. Jetzt komme mit Hannover erneut eine sehr starke Mannschaft, erklärte Magdeburgs Co-Trainer Silvio Bankert: "Die haben schon drei Standardtore gemacht. Es ist eine körperlich gute Mannschaft." Hannovers Coach Stefan Leitl will nach dem 1:0-Sieg zuletzt gegen Schalke unbedingt in Magdeburg nachlegen. "Es ist an der Zeit, ein gutes Auswärtsspiel zu zeigen und Punkte mitzunehmen". Allerdings weiß der Coach, dass es für seine Mannschaft kein Spaziergang wird. "Magdeburg ist ein Team, das ordentlich gestartet ist, oben drinsteht. Sie sind spielstark. Sie haben gute Spieler in Umschaltmomenten, haben viel Tempo. Auf der anderen Seite haben sie zuhause nicht ganz so viele Punkte geholt, weshalb wir ein sehr motiviertes Magdeburger Team erwarten."   SpiO
mdr.de
Zwei Mal standen sich der FCM und Hannover 96 bisher in Magdeburg gegenüber, jedes Mal gab es eine klare Heimniederlage für die Blau-Weißen. Am Sonntag soll sich das ändern.
[ "1. FC Magdeburg", "FCM", "Hannover 96", "Avent Arena", "Christian Titz", "Baris Atik", "Martijn Kaars", "Livan Burcu", "Stefan Leitl", "Marcel Halstenberg", "Ron-Robert Zieler", "2. Bundesliga", "Fußball", "Sport", "10. Spieltag" ]
2024-10-27T09:00:00+01:00
2024-10-27T08:56:39+01:00
https://www.mdr.de//sport/fussball_2bl/vorschau-zweite-bundesliga-fc-magdeburg-fcm-hannover-sechsundneunzig-100.html
Stefan Mross: Sein Elternhaus steht zum Verkauf!
Das ist ein weiter wichtiger Schritt im Leben, den man einfach gehen muss. Das Haus steht jetzt seit Oktober leer. Die Mama wird nie wieder ins Haus zurückkommen. Ihm und seinem älteren Bruder Klaus sei es wichtig gewesen, so Stefan, dass eine Familie in das Haus einziehe. Und diese Familie sei bereits gefunden. "Es wird eine junge Familie bekommen, die zwei Kinder hat, dann geht das Leben im Haus weiter. Das ist einfach das Schicksal des Lebens." Die Mutter von Stefan Mross, Stefanie, lebte seit dem Tod ihres Mannes Eberhardt seit 2010 allein in dem 150 Quadratmeter großen Haus mit Garten. Eigentlich wollten ihre Söhne die 83-Jährige auch gern dort weiter wohnen lassen, aufgrund einer fortschreitenden Demenzerkrankung war das jedoch ab Herbst letzten Jahres nicht mehr möglich. In einem Interview mit "Das neue Blatt" sagte Stefan Mross damals über die Verfassung seiner Mutter: "Es gibt Situationen, in denen sie plötzlich nicht mehr weiß, wo sie ist. Das bricht mir jedes Mal das Herz." Im Februar sagte der Musiker und Moderator der Bild-Zeitung, dass es seiner Mama in dem Pflegeheim, in dem sie lebe, sehr gut gehe. Sie werde liebevoll umsorgt und freue sich jedes Mal, wenn er und seine Freundin Eva Luginger sie besuchen würden.
mdr.de
Stefan Mross und sein Bruder Klaus verkaufen ihr Elternhaus in Traunstein. Wie der Moderator in einem Interview mit der Bild-Zeitung sagte, ist es nicht leicht, aber ein Haus müsse leben.
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2025-03-03T18:43:03+01:00
2025-03-03T18:43:03+01:00
https://www.mdr.de/meine-schlagerwelt/stefan-mross-elternhaus-steht-zum-verkauf-100.html
In Sachsen-Anhalt wird eine Synagoge gebaut
In Deutschland gab es vor mehr als 80 Jahren den 2. Weltkrieg.Da haben die Nazis viele schlimme Sachen gemacht.Zum Beispiel:Sie haben die Synagogenvon den jüdischen Menschen kaputt gemacht. Dessau-Roßlau ist eine Stadt im Bundes-Land Sachsen-Anhalt.Dort gab es im Stadt-Zentrum auch eine Synagoge.In der Reichs-Pogrom-Nacht im Jahr 1938haben die Nazis die Synagoge zerstört.Danach wurden in Sachsen-Anhaltkeine Synagogen mehr neu gebaut. Seit einigen Wochen wird jetzt abereine neue Synagoge in Dessau-Roßlau gebaut.Sie soll auf dem gleichen Platz sein:Wo die alte Synagoge vorher war.Am Montag haben die Menschen schon das Richtfest gefeiert. Der Bau von der Synagogesoll bis zum Monat September in diesem Jahr fertig werden.Danach haben die jüdischen Menschen in Dessau-Roßlauwieder einen größeren Platz:An dem sie sich treffen können.Sie können dort dann zum Beispielwieder größere Gottes-Dienste machen.
mdr.de
Am Montag haben die Menschen schon das Richtfest gefeiert. Das bedeutet: Bald ist die Synagoge fertig.
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2022-02-22T15:38:13+01:00
2022-02-22T15:38:13+01:00
https://www.mdr.de//nachrichten-leicht/sachsen-anhalt-dessau-synagogen-neubau-richtfest-100.html
Länder wollten deutlich mehr Afghanen auf Abschiebeflug schicken
Die Bundesländer haben mit dem ersten deutschen Abschiebeflug nach Kabul seit der Taliban-Machtübernahme Ende August deutlich mehr Straftäter nach Afghanistan abschieben wollen, als bislang bekannt. Das geht aus Recherchen der "Welt am Sonntag" hervor. Demnach hatte beispielsweise Hessen 96 Straftäter vorgeschlagen, Niedersachsen und Bayern jeweils rund 40 und Sachsen 20. Das Bundesinnenministerium habe aus den Vorschlägen der Länder dann 28 afghanische Straftäter ausgewählt, die schließlich nach Kabul geflogen wurden, hieß es in dem Zeitungsbericht. Sachsens Innenminister Armin Schuster (CDU) und sein bayerischer Amtskollege Joachim Herrmann (CSU) forderten dem Zeitungsbericht zufolge mehr Abschiebeflüge. Schuster sprach sich für ein wiederkehrendes und stabiles Verfahren aus. Herrmann verlangte zu zeigen, "dass Straftäter und Gefährder in unserem Land nichts zu suchen haben und wir alle Hebel des Rechtsstaates zum Schutz unserer Bürgerinnen und Bürger in Bewegung setzen". Ende August waren 28 männliche Straftäter aus Afghanistan in ihr Herkunftsland abgeschoben worden. Seit August 2021 sind in Afghanistan wieder die islamistischen Taliban an der Macht. Sie stehen international in der Kritik, vor allem wegen ihrer massiven Beschneidung von Frauenrechten, aber auch wegen ihres harten Vorgehens gegen Menschenrechtler, Demonstranten und Journalisten. dpa (dni)
mdr.de
Statt der allein von den Bundesländern Hessen, Niedersachsen, Bayern und Sachsen Ende August zur Abschiebung nach Afghanistan vorgeschlagenen knapp 200 Straftäter, hat das Bundesinnenministerium nur 28 abschieben lassen.
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Deutschland
2024-10-12T22:41:52+02:00
2024-10-12T22:41:52+02:00
https://www.mdr.de/nachrichten/deutschland/politik/abschiebung-afghanistan-laender-wollten-mehr-abschieben-100.html
80-Jährige stirbt nach Autocrash in Garitz
Bei einem Autounfall in Garitz im Landkreis Anhalt-Bitterfeld ist am Freitagmorgen eine Frau tödlich verletzt worden. Nach Angaben der Polizei stieß ein Kleintransporter mit einem Pkw zusammen. Die 80-jährige Beifahrerin aus dem Kleinwagens verstarb am Unfallort. Nachdem die Autos auf einer Kreuzung im Ortsteil Garitz der Stadt Zerbst zusammenstießen, schleuderten beide Fahrzeuge gegen die Wand eines Wohnhauses. Der Fahrer des Kleintransporters kam leichtverletzt ins Krankenhaus. Der Autofahrer des Pkws wurde schwerverletzt mit einem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus geflogen. Das teilte die Polizei mit. Wie es genau zu dem Unfall kam, ist demnach zunächst unklar. dpa, MDR (Cynthia Seidel)
mdr.de
Bei einem Verkehrsunfall im Zerbster Ortsteil Garitz ist am Freitagvormittag eine 80-Jährige tödlich verletzt worden. Ein Kleintransporter stieß mit einem Pkw zusammen.
[ "crash", "unfall", "tod", "feuerwehr", "polizei", "notarzt", "schnell", "fahren", "autos", "geschwindigkeit" ]
Sachsen-Anhalt
2024-01-20T11:42:18+01:00
2024-01-20T11:42:18+01:00
https://www.mdr.de//nachrichten/sachsen-anhalt/dessau/bitterfeld/unfall-auto-transporter-hauswand-100.html
Mann vergeht sich hundertfach an Tochter seiner Freundin - Haft verhängt
Das Landgericht Gera hat einen 43-jährigen Mann wegen jahrelangen sexuellen Missbrauchs zu acht Jahren und acht Monaten Haft verurteilt. Das Gericht sah es nach Angaben der "Ostthüringer Zeitung" als erwiesen an, dass der Mann aus dem Raum Saalfeld-Rudolstadt jahrelang die Tochter seiner Lebensgefährtin sexuell missbraucht hat. Dem Urteil vom Dienstag ging eine Verfahrensabsprache voraus. Laut OTZ ging es insgesamt um 321 Fälle. In einem Fall soll die Schülerin schwanger geworden sein. Die Schwangerschaft wurde den Angaben nach abgebrochen. Zudem soll der Mann Videos von einigen Handlungen gemacht haben. MDR (oli)
mdr.de
Wegen sexuellen Missbrauchs in Hunderten Fällen ist ein Mann in Gera zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Über Jahre hat er sich wieder und wieder an der Tochter seiner Lebensgefährtin vergangen.
[ "Nachrichten", "Gera", "Landgericht", "sexueller Missbrauch" ]
Thüringen
2024-12-18T08:22:17+01:00
2024-12-18T08:22:17+01:00
https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/ost-thueringen/greiz/landgercht-urteil-jahrelanger-missbrauch-100.html
Kultur am Sonntag
Der Sonntagabend ist Kulturzeit bei MDR THÜRINGEN - Das Radio. Wir schauen, welche Theater Premieren gefeiert haben, besuchen neu eröffnete Ausstellungen, haben einen Buch- und CD-Tipp vorbereitet, Ausgehtipps mit Isabelle und einen Konzerttipp von Musikredakteur Werner G. Lengenfelder. Außerdem dürfen wir für die Sendung manchmal schon in noch nicht eröffnete Ausstellungen, sprechen mit Konzertveranstaltern oder schauen beim Aufbau für neue Projekte zu. Mehr Geschichten und Kultur aus Thüringen gibt es auch immer in unseren Podcasts:
mdr.de
Der Sonntagabend ist Kulturzeit bei MDR THÜRINGEN - Das Radio. Mit Theaterpremieren, Ausstellungen, Konzerten, Buch- und CD-Tipps.
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Sendungen
2025-05-26T09:00:00+02:00
2025-05-26T09:00:00+02:00
https://www.mdr.de/mdr-thueringen/sendungen/kultur-am-sonntag-100.html
Die Enkel der Attentäter - Wie der 20. Juli 1944 nachwirkte
Felicitas von Aretin, geboren 1962, hat den 20. Juli 1944 lange nicht als historisches Ereignis betrachtet, sondern als eine Erschütterung, die große Auswirkungen auf die Familie ihrer Mutter und ihr eigenes Leben hatte. Denn ihr Großvater ist Widerstandskämpfer Henning von Tresckow, eine zentrale Figur rund um das Hitler-Attentat. Seit 1941 sucht er unermüdlich Gleichgesinnte für einen Putsch und den Tyarannenmord. Am Morgen nach dem missglückten Staatsstreich tötet sich Henning von Tresckow. Er hinterlässt seine Frau Erika und vier Kinder. Mein Großvater schützte einen Tag nach dem Scheitern des Attentats, am 21. Juli 1944, einen Partisanenkampf vor und tötete sich mit einer Granate. Der Bruder meines Großvaters schnitt sich nach dem Scheitern des Putsches die Pulsadern auf. Der Schwager und seine Tochter vergifteten sich im April 1945. (..) Wenige Minuten später ging der Besitz meines Urgroßvaters Hermann von Tresckow in Flammen auf. Die Geschichte mehrerer Generationen war ausgelöscht." Die Bedrückung, die in der Familie herrscht, hat zur Folge, dass Felicitas von Aretin als Kind mit ihren Kuscheltieren oft "Flucht aus dem KZ" spielt – ohne genau zu wissen, warum. Später will sie sich erst nicht mit dem Widerstand beschäftigen. Erst Jahrzente später versucht sie herauszufinden, was es heißt, zur Generation der Enkel des Widerstands zu gehören. Sie verschickt 250 Fragebögen an Enkel aus Widerstandsfamilien und führt über 50 Interviews. Daraus entsteht das Buch "Die Enkel des 20. Juli 1944". Es sind sehr viele Enkel in so aufklärerische Berufe gegangen, wie eben Journalist, Psychotherapeut, Sozialarbeiter oder Jurist. Aber es sind sehr wenige Politiker geworden, oder sehr wenige stehen wirklich so in der Öffentlichkeit wie die Großeltern das vielleicht gemacht haben." Der 1901 in Magdeburg geborene Henning von Tresckow, der Großvater von Felicitas von Aretin, ist maßgeblich an der Vorbereitung des missglückten Attentats auf Hitler durch Oberst Claus Graf Schenk von Stauffenberg im Führerhauptquartier "Wolfsschanze" beteiligt. Schon seit 1941 ist der Wehrmachtsoffizier davon überzeugt, dass Hitler die Welt in den Abgrund führen wird und beseitigt werden muss. Drei Jahre später kann er auf den Verlauf des Attentats jedoch keinen direkten Einfluss mehr nehmen, denn kurz zuvor ist Tresckow zum Generalmajor befördert und als Chef des Stabes der 2. Armee an die Ostfront abkommandiert worden. Die Nachricht vom gescheiterten Attentat erreicht ihn in der Nacht. Sofort steht sein Entschluss fest, sich zu erschießen. Zu gut kennt er die Methoden der Gestapo und traut sich nicht zu, die Folterungen zu überstehen, ohne die Namen von anderen Beteiligten am Attentat zu nennen. Wer von den Verschwörern nicht den Freitod wählt, wird von Hitler als Hoch- und Landesverräter verfolgt, in Schauprozessen verurteilt und erhängt. Der Präsident des schon 1934 eingerichteten so genannten Volksgerichtshofes, Roland Freisler, erhält den Auftrag, die Prozesse gegen die beschuldigten Attentäter und Verschwörer beschleunigt durchzuziehen und Exempel zu statuieren. Der 20. Juli ist der Beginn einer beispiellosen Verhaftungswelle, die nach den Angaben der zuständigen SS-Sonderkommission schließlich Tausende von Menschen erfassen wird und sich gegen Widerstand und Opposition insgesamt richtet. Darüber hinaus rächt sich Hitler nach dem Attentat aber auch an deren Familien: Viele Witwen kommen in Sippenhaft oder in Konzentrationslager, die älteren Söhne entweder ins KZ oder an die Front. Die jüngeren Kinder landen teilweise im Heim, so kommen die Tresckow-Töchter mit den kleinen Stauffenbergs in ein NS-Kinderheim im Harz. Mit einem Schlag verlieren die im adligen oder im bürgerlichen Leben verwurzelten Familien - neben ihren Ehemännern und Vätern - auch ihren Besitz und ihre gesellschaftliche Stellung. Nachdem die Verstrickung von Henning von Tresckow in das Hitler-Attentat bekannt wird, lässt die Gestapo seinen Leichnam exhumieren und im KZ Sachsenhausen verbrennen. Das Zerrbild des ehrlosen Vaterlandverräters, das die Nazis von den Verschwörern entwerfen, wirkt für sie auch noch nach Ende des Zweiten Weltkrieges weiter. Die Angehörigen haben ein schweres Leben, viele Witwen und Waisen müssen beispielsweise jahrelang um ihre Rente kämpfen. Erst in den 1960er Jahren wird das Attentat zum Symbol dafür, dass es auch ein anderes Deutschland als das der Nazis gegeben hat. Aus den Verrätern werden allmählich Helden - wenn auch unbequeme. Es gab ja viele Witwen, die ja gar nicht wussten, was der eigene Mann gemacht hat. Das war bei meiner Großmutter anders, insofern war das Teil ihres wertekonservativen Glaubens, dass mein Großvater richtig gehandelt hat. Auch mit den ganzen Konsequenzen, die das für die Familie hatte. In der Familie von Felicitas von Aretin wird nicht oft über den Großvater gesprochen, der die Familie verlassen und für Deutschland gekämpft hatte. Man wollte die Großmutter nicht verletzen, erinnert sich von Aretin. Doch 1986 ereignet sich dann, für die Journalistin völlig überraschend, folgendes: Das DDR-Fernsehen widmet sich mit einem langen Film dem Wirken von Henning von Tresckow – eine kleine Sensation, denn die DDR hatte bis dahin fast ausschließlich den kommunistischen Widerstand gewürdigt. Ein Jahr später wird der Film in der ARD ausgestrahlt. Das Gedenken an Henning von Tresckow ist in beiden Teilen Deutschlands angekommen – noch vor der Wiedervereinigung.
mdr.de
Am 20. Juli 1944 detonierte eine Bombe, die Hitler töten sollte. Der Anschlag scheitert. Die Attentäter bezahlen den missglückten Staatsstreich mit ihrem Leben, ihre Nachkommen hadern mit ihrem politischen Erbe.
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NS-Zeit
2020-04-22T18:58:45+02:00
2022-11-17T07:49:23+01:00
https://www.mdr.de//geschichte/ns-zeit/widerstand/tresckow-enkelin-enke-attentaeter-zwanzigster-juli-100.html
Magdeburg: Voto entwickelt Wahlhilfe im Stil des "Wahl-O-Mat" für Stadtratswahl
Am 9. Juni 2024 finden in Sachsen-Anhalt nicht nur die Europawahl, sondern auch Kommunalwahlen statt. In Magdeburg dürfen die Menschen mit ihren Stimmen entscheiden, wer für die nächsten fünf Jahre ehrenamtlich im Stadtrat die Geschicke der Landeshauptstadt lenken darf. Doch was wollen die Parteien eigentlich in Magdeburg umsetzen, was für Politik machen? Ab sofort können sich die Magdeburger darüber mit dem "Voto Magdeburg", einer Art Wahl-O-Mat, informieren und online ihre Meinung zu 36 Thesen mit der der Parteien vergleichen. Ähnlich wie der Wahl-O-Mat besteht der "Voto" oder "Magd-O-Mat" für Magdeburg aus 36 Thesen zur Stadtpolitik. Etwa: Soll der Breite Weg komplett autofrei werden? Soll es nach Mitternacht ein Alkoholverbot am Hasselbachplatz geben? Sollte der Bahnhof Neustadt saniert werden?Wie beim Wahl-O-Mat können Magdeburger online ihre Meinung zu den Thesen abgeben. Anders als beim Wahl-O-Mat gibt es bei Voto aber fünf statt nur drei Möglichkeiten: Starke Zustimmung, leichte Zustimmung, neutrale Haltung, leichte Ablehnung, und starke Ablehnung. Außerdem kann man Thesen überspringen oder als besonders wichtig markieren. Dann fließen sie in die Wertung stärker ein.Die Parteien haben die Thesen ebenfalls zur Beantwortung geschickt bekommen, so dass Nutzerinnen und Nutzer des Voto Magdeburg schauen können, zu wie viel Prozent und in welchen Thesen sie mit einzelnen Parteien übereinstimmen – oder auch auseinanderliegen. Dass es die Wahlentscheidungshilfe "Voto Magdeburg" gibt, ist nicht selbstverständlich. Denn anders als etwa Europa-, Bundestags- oder Landtagswahlen werden Kommunalwahlen nicht von der Bundeszentrale für Politische Bildung abgedeckt, die den Wahl-O-Mat betreut. Einen Wahl-O-Mat für Kommunen gibt es also eigentlich nicht. Heißt: Im Zweifelsfall müssen sich Bürgerinnen und Bürger einzeln durch die Parteiprogramme lesen und die Informationen mühsam zusammensuchen. Und das bei der Kommunalwahl, die oft sowieso nur auf wenig Interesse stößt. Die Wahlbeteiligung bei den Kommunalwahlen in Magdeburg lag zwischen 2004 und 2014 nur zwischen 34,8 und 38,3 Prozent. 2019 waren es immerhin 53,5 Prozent. Dabei betreffen die Entscheidungen in den Stadträten die Bürgerinnen und Bürger häufig unmittelbar. "Vielen ist die Bedeutung der Kommunalwahl nicht richtig bewusst. Gerade die Wahl, die die Menschen auf einer persönlichen Ebene wahrscheinlich am meisten betrifft, interessiert sie scheinbar am wenigsten", meint auch der Politikwissenschaftler Julius Oblong. Oblong arbeitet derzeit für Voto und hat das "Voto Magdeburg" wesentlich mit aufgebaut und betreut. Ein wichtiger Antrieb für Oblong war, dass die Menschen sich einfacher über die Kommunalpolitik und die Parteien informieren können. "Das ist wichtig für unsere Demokratie", meint er. An der Entwicklung der Thesen für das Voto für Magdeburg waren auch Jugendliche aus Magdeburg beteiligt. In einem Workshop des Stadtjugendrings Magdeburg durften interessierte Jugendliche ihre Themen und Ideen einbringen, diskutieren und anschließend Thesen entwickeln. 16 dieser Thesen finden sich heute im fertigen Voto Magdeburg wieder. Komplettiert wurden diese Thesen durch 20 sogenannte Brückenthesen. Sie sind allgemeinere Thesen, die durch große Befragungen entwickelt wurden und sicherstellen sollen, dass insgesamt ein für die Allgemeinheit relevantes Themenspektrum im Voto Magdeburg vertreten ist. Die Geschäftsführerin des Stadtjugendrings Magdeburg, Luise Rudolph, findet es sehr wichtig, dass die Jugendlichen diese Beteiligungschance erhalten haben. "Es ist eine klare Notwendigkeit da, dass Jugendliche ihre Themen mit einbringen und ihre Fragen an die Politik richten können", findet Rudolph. Das Miteinander in den Workshops sei sehr konstruktiv und spannend gewesen. Zu lernen, sich über politische Themen auszutauschen, Kompromisse einzugehen und andere Meinungen anzuerkennen sei entscheidend für ein gesellschaftliches Miteinander. Oblong glaubt, dass durch die fertige Thesensammlung alle wichtigen Felder der Kommunalpolitik abgedeckt werden. Bei der Auswahl der Thesen sei auf Ausgewogenheit geachtet worden. Im wissenschaftlichen Sinne seien die Thesen aber nicht auf Repräsentativität überprüft worden. Die Ergebnisse des Voto Magdeburg sollen aber ohnehin nur ein Informationshilfe und keine Wahlempfehlung darstellen, das ist Oblong wichtig. Studien hätten gezeigt, dass die Menschen in der Regel ohnehin nicht das täten, was Wahlhilfe-Tools wie der Wahl-O-Mat ihnen ausspucken. Oblong sagt, das Tools wie der Wahl-O-Mat andere Effekte erzielen: "Die Wahlhilfen regen zu Gesprächen an. Dazu, mal etwas nachzulesen, sich zu informieren. Das ist super! Wir wollen möglichst interessierte und gut informierte Wähler". MDR (Leonard Schubert) | Erstmals veröffentlicht am 19.05.2024
mdr.de
Magdeburg wählt einen neuen Stadtrat. Doch was haben die Parteien eigentlich mit der Stadt vor? Die Wahlhilfe Voto soll bei der Stadtratswahl für Aufklärung sorgen – einfach und online.
[ "magd-o-mat", "magdomat", "wahlomat", "voto", "magdeburg", "voto magdeburg", "kommunalwahl", "2024", "stadtrat", "wahlhilfe", "wahl", "stadtjugendring", "voto", "rudolph", "oblong", "thesen", "parteien", "abstimmen" ]
Sachsen-Anhalt
2024-06-07T08:03:09+02:00
2024-06-07T08:03:09+02:00
https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/magdeburg/magdeburg/wahlomat-kommunalwahl-voto-stadtrat-104.html
Rechte Tendenzen und Ausländerfeindlichkeit
In der Nacht zum 31. März 1991, dem Ostersonntag, um etwa 4 Uhr morgens, sitzt der mosambikanische Vertragsarbeiter Jorge Joao Gomondai in einer Dresdner Straßenbahn auf dem Weg nach Hause, als eine Gruppe Skinheads die Bahn betritt, die ihn rassistisch beleidigt, auf ihn einschlägt und ihn aus der Tram wirft. Jorge Joao Gomondai verstirbt neun Tage später an den schweren Kopfverletzungen, die ihm dabei zugefügt wurden und gilt somit als das erste Opfer rassistischer Gewalt im Dresden des wiedervereinigten Deutschlands. In den folgenden Tagen des Frühjahres 1991 gibt es immer wieder Übergriffe von Skinhead-Gruppen in Dresden, auch nach der Trauerfeier in der Dresdner Kreuzkirche werden die Anwesenden von "Sieg Heil" rufenden Rechtsradikalen empfangen. Dresden, so die Ausländerbeauftragte der Stadt Dresden damals, sei das Zentrum der Rechtsradikalen in Deutschland geworden und ziehe viele Gleichgesinnte aus den umliegenden Gegenden, aus Berlin und den alten Bundesländern an. Spätestens seit den Protesten gegen die Unterbringung von Asylbewerbern in Hoyerswerda im September 1991 und in Rostock-Lichtenhagen im August 1992 hat sich das Bild von Ostdeutschen als "rechtsgerichtet" und "ausländerfeindlich" verfestigt. Weiter zu nennen sind die rechtsgerichteten Angriffe in Greifswald (1991), später in Heidenau (2015) und Bautzen (2016). Die auffälligen Wahlerfolge der AfD in den ostdeutschen Bundesländern und die Bilder, die von Pegida-Demonstrationen in Dresden (seit 2014, Höhepunkt im Jahr 2015 mit bis zu 25.000 Teilnehmern) und Ausschreitungen gegen Ausländer in Chemnitz (2018) über die Bildschirme liefen, verfestigten das Bild vom angeblich "fremdenfeindlichen" Ostdeutschen. Die Mordserie des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) mit zehn Morden und Dutzenden Mordanschlägen ist gerade erst juristisch abgeschlossen. Das NSU-Netzwerk bestand maßgeblich aus Ostdeutschen. Welche Erklärungen gibt es dafür, dass sich nach dem Zusammenbruch der DDR, die Völkerfreundschaft und internationale Solidarität als Leitbilder propagierte, rassistische und ausländerfeindliche Tendenzen zeigen? Auf welche Vorbedingungen stoßen die Ansiedlungen von Flüchtenden in Hoyerswerda und Lichtenhagen? Welche Entwicklungen zeigen sich 30 Jahre nach der Einheit? Der Beitrag versucht eine Annäherung. In der Zeit vom Dienstag, den 17. September, bis zum Montag, den 23. September 1991 finden in Hoyerswerda Übergriffe gegen ein Wohnheim für Vertragsarbeiter vorwiegend aus Vietnam und Mosambik, sowie gegen ein Heim für Asylbewerber einige Straßen entfernt statt. Die Polizei, die am ersten Tag der Unruhen eintrifft, wird von den Aggressoren, meist rechtsradikalen jugendlichen Tätern, mit Steinen beworfen und attackiert. In den folgenden Tagen versammelt sich eine größer werdende Menge an gewaltbereiten Rechtsradikalen vor dem Vertragsarbeiterheim in der Albert-Schweitzer-Straße. Man wirft Scheiben ein und droht, das Haus anzuzünden. Im weiteren Verlauf werden Brandsätze geworfen. Die Situation verlagert sich aufgrund verstärkter Sicherungsmaßnahmen der Polizei auf eine Unterkunft für Asylbewerber in der Thomas-Müntzer-Straße. Auch hier wird versucht, die Gebäude in Brand zu setzen. Ein Teil der Anwohner feuert die Täter an. Der stellvertretende Bürgermeister der Stadt wird beim Versuch, die Situation zu beruhigen, mit Flaschen beworfen und muss von der Polizei beschützt werden. Am Sonntag, den 22. September, organisieren verschiedene Menschenrechtsgruppen einen Autokonvoi in die Stadt, an dem sich etwa 350 Personen beteiligen. In Folge dessen kommt es in Hoyerswerda trotz verstärkten Polizeiaufgebots zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen linken und rechten Gruppen, die erst in der Nacht abflauen. Zur Lösung des Problems sieht sich der Staat offenbar nicht in der Lage, die Gewalttaten durch verstärkten Polizeieinsatz zu beenden. Stattdessen wird bereits am Freitag, den 20. September, im Kreistag festgehalten, "dass eine endgültige Problemlösung nur durch die Ausreise der Ausländer geschaffen werden kann." Begründet wird dies besonders durch die zunehmende Solidarisierung der Anwohner mit den Angreifern. Als Konsequenz werden am 21. September daraufhin etwa 60 mosambikanische Vertragsarbeiter aus der Albert-Schweitzer-Straße zur "freiwilligen Ausreise" nach Frankfurt am Main verbracht. Zwei Tage später werden schließlich 230 Bewohner des Asylbewerberheims in der Thomas-Müntzer-Straße unter Johlen und Klatschen der Anwohner mit Bussen abgeholt und in sichere Unterkünfte überführt. Während der Abreise werden die Häuser mit Feuerwerkskörpern beschossen. Eine Verfolgung der Busse durch Rechtsradikale kann durch die Polizei unterbunden werden. Eine wichtige Rolle in der DDR spielte die internationale Solidarität, die sich in Solidaritätsaktionen für vorgeblich progressive und revolutionäre Bewegungen in der Welt ausdrückte, zum Beispiel für den Sozialismus in Kuba oder die Sandinisten in Nicaragua. Bereits in der Schule wurden regelmäßig Hilfsprojekte durchgeführt. Allerdings war in der Lebensrealität der Kontakt zu Menschen aus anderen Ländern kaum vorhanden. Es gab zwar seitens der SED-Organisationen und der Schulen so genannte Begegnungsveranstaltungen mit sowjetischen Soldaten, diese fanden jedoch in einem sehr streng reglementierten Rahmen statt und wirkten wie ein Zwang. Intensive Kontakte zwischen DDR-Bürgern und der sowjetischen Armee waren von beiden Seiten nicht erwünscht. Die Gesamtzahl der Ausländer in der Bevölkerung betrug 1989 200.000, also knapp ein Prozent der Gesamtbevölkerung. Davon machten einen Großteil die sogenannten Vertragsarbeiter aus Vietnam, Mosambik oder Kuba aus. Diese lebten abgesondert in speziellen Wohnblocks und hatten befristete Aufenthaltsgenehmigungen. Bemühungen zur Integration der Arbeiter wurden kaum unternommen. Zu einer "Durchmischung" mit der einheimischen Bevölkerung kam es nicht. Die Möglichkeit zum Kontakt mit Fremden bestand noch auf Auslandsreisen, z.B. in die sozialistischen Bruderländer. Der Soziologe Steffen Mau meint jedoch, man habe sich als DDR-Bürger den Kulturen in Osteuropa überlegen gefühlt, "beim vergleichenden Blick nach Osten gab es immer ein Superioritätsgefühl." So kommt man zu dem Eindruck, dass die DDR ethnisch ein sehr homogener Staat war, in dem kaum Kontakt zu anderen Kulturen bestand und dessen Bewohner dem von der Regierung vorgegebenen Völkerverständigungsgedanken eher skeptisch gegenüberstanden. Vielmehr gab es auch in der DDR ausländerfeindliche und rassistische Übergriffe, beispielsweise auf mosambikanische oder kubanische Vertragsarbeiter. Es gibt Hinweise darauf, dass sich bereits in der DDR regelrechte Neonazi-Netzwerke herausbildeten, die man z.B. am Zeigen von Nazi-Devotionalien in Fußballstadien erkennen konnte. Dies wurde in der DDR jedoch kaum sanktioniert. In Ost-Berlin trat diese Szene am 17. Oktober 1987 in Erscheinung, als Neonazis ein Punkkonzert in der Ost-Berliner Zionskirche überfielen, in dem die Westband "Element of Crime" auftrat. Neonazis schrien "Sieg Heil" und verprügelten Besucher. Dieses Datum ist dahingehend wichtig, da sich durch die Berichterstattung in der Westpresse die Verlautbarungen der DDR-Regierung, es gebe im Osten keinen Rechtsradikalismus, nicht mehr halten ließen. Der Umgang mit Fremdheit und kultureller Andersartigkeit war für Bürger der DDR somit kaum eingeübt und fiel auch nach 1990 noch schwer. Die oben angeführten Erklärungen bezüglich rechter Strukturen in der DDR-Zeit erklären sicherlich nur zum Teil die Pogrome von Hoyerswerda und Rostock-Lichtenhagen Anfang der 1990er-Jahre. Um diese Eruptionen von Ausländerhass und Rassismus, an denen sich nicht nur Neonazis, sondern vorher unbescholtene Bürger als Unterstützer beteiligten, zu beleuchten, muss man sich der sozialen und wirtschaftlichen Situation der Menschen in den frühen 1990er-Jahren annähern. Die folgenden Erklärungsansätze können aber nicht als Rechtfertigung für Gewaltanwendung verstanden werden. Ostdeutschland befand sich 1991 in einer dramatischen Umbruchsphase. Eine große Anzahl von Menschen hatte ihre Arbeitsstelle verloren. Da kulturelle Veranstaltungen, Kinderbetreuung und soziales Miteinander ebenfalls oftmals von der Arbeitsstelle abhingen und koordiniert wurden, ging den DDR-Bürgern ein Teil ihrer Identität verloren, ohne dass etwas Neues an diese Stelle treten konnte. Die Angst, den Boden unter den Füßen zu verlieren, war bei vielen Einwohnern von Hoyerswerda oder Rostock-Lichtenhagen groß. In dieser Situation werden die in die Stadt kommenden Hilfesuchenden als Konkurrenten und Gefährder des eigenen Lebensstandards angesehen. Gerüchte, die Asylsuchenden bekämen beträchtliche Geldmittel als Unterstützung, heizen die Stimmung weiter an. Stimmen, die Fremden nähmen dringend benötigten Wohnraum weg, sind zumindest für das Beispiel Hoyerswerda irrational, da das Asylbewerberheim auch vorher ein Wohnheim für Vertragsarbeiter gewesen war. Berichte deutscher Anwohner über nächtliche Ruhestörungen durch Migranten, über Bettelei, das Wühlen in Mülltonnen und sexuelle Übergriffe betonen die kulturelle Distanz. Offensichtlich existierte zu Beginn der 1990er-Jahre in der ostdeutschen Bevölkerung ein weit verbreitetes Gefühl des Kontrollverlustes. Das Gefühl, in seinem eigenen Lebensbereich von Fremden "überrannt" zu werden, ohne dass es von Seiten des Staates Unterstützung gab, kann dazu beitragen, dass vormals unauffällige Bürger plötzlich den gewalttätigen Mob in Hoyerswerda unterstützen. Die Entscheidung der Politik, in diesen fragilen Regionen Flüchtende anzusiedeln, muss vor diesem Hintergrund kritisch hinterfragt werden. Will man die Gewalt gegen Fremde, aber auch die Zuwendung zu rechtextremen und demokratiefeindlichen Gruppierungen nach 1990 beschreiben, muss man auch den Verlust kultureller und sozialer Besitzstände mit in Betracht ziehen. Wie die Publizistin Jana Hensel in einem Beitrag für die Wochenzeitung DIE ZEIT schreibt, sind die Zumutungen, die die Ostdeutschen nach 1990 in ökonomischer, sozialer und kultureller Hinsicht erfahren mussten, ein Nährboden für Frustration. Sie spricht von einer "Gewalterfahrung" ostdeutscher Bürger, die ihrer eigenen Kultur entfremdet, gleichsam de-sozialisiert und gezwungen worden seien, sich einer neuen Kultur anzupassen. Dort hätten sie aber zum Teil nur den Status als "Bürger zweiter Klasse" annehmen können. Das daraus entstandene Leid sieht sie als mitverantwortlich für die Gewalt gegen Fremde nach 1990. Ein weiterer Grund für Feindlichkeit gegen Fremde könnte das wachsende Misstrauen in die Politik sein, die nach Meinung vieler Ostdeutscher zuerst den Leuten hilft, die "hier noch nichts geleistet haben", während sie sich selbst aber beispielsweise durch die Besteuerung ihrer Renten nach einem 45-jährigen Arbeitsleben bestraft sehen. Viele Ostdeutsche erleben Zuwanderer somit als "Vordrängler in der Warteschlange" und fragen sich, warum die eigenen Anliegen so wenig Berücksichtigung finden. Populistische Bewegungen nutzen solche Gefühle der Zurücksetzung, versprechen Anerkennung und Akzeptanz. Die Verantwortlichen für die eigene Zurücksetzung sind schnell ausgemacht – etablierte Parteien und Politiker, kulturelle Eliten, ökonomisch Erfolgreiche. Der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk wiederum sieht in Ostdeutschland Traditionen und Diskurse fortwirken, die in der mangelnden Aufarbeitung der Vergangenheit begründet sind und nicht erst seit 1990 bestehen. "Völkische Bewegungen stießen in Ostdeutschland auf eine im Ganzen unverarbeitete Geschichte, die es ihnen erlaubte, anders als im Westen in der Mitte der Gesellschaft zu siedeln." Enttäuschungen, soziale Verwerfungen und Demütigungen aus der Vereinigungsgeschichte spielen demnach eine Rolle, ältere unaufgearbeitete Traditionen von Rassismus, Nationalismus und Illiberalismus jedoch nicht minder. 1. Bevor du die Filme ansiehst: a) Recherchiere über die ausländerfeindlichen Vorkommnisse in folgenden Städten: Hoyerswerda (1991), Mölln (1992), Rostock-Lichtenhagen (1992), Solingen (1993).b) Stelle dar, welche Erklärungen du für die beschriebenen Gewalttaten gefunden hast.Film 1: "Falsche Sündenböcke"1. Schildere deine Eindrücke über die Situation in Hoyerswerda im September 1991. 2. Arbeite heraus, welche Gruppen hier aufeinandertreffen und welche Zielsetzungen sie verfolgen.3. Recherchiere die Bedeutung des Wortes "Sündenbock" (z.B. in einem Online-Wörterbuch). Fasse die Ergebnisse in Stichworten zusammen.4. Nimm danach Stellung zu der Aussage der Aktivistin im Film, hier würden "die falschen Sündenböcke" angegriffen.Film 2: „Wenn’s nicht mit politischen Mitteln geht, muss es halt mit Gewalt gehen!“1. Analysiere die Reaktionen der Bewohner nach den Anschlägen auf das Asylbewerberheim in Hoyerswerda. Was sagt der Kommentar des jungen Bewohners ("Wenn’s nicht mit politischen Mitteln geht, muss es halt mit Gewalt gehen!") über die Stimmung in der Anwohnerschaft aus?2. Erläutere, welche Erklärung der Film dafür gibt, dass die Bewohner des Asylbewerberheimes Hoyerswerda verlassen mussten.3. Diskutiere die Lösung, die für die Beendigung der Gewalttaten in Hoyerswerda gefunden wurde. Wären deiner Meinung andere Lösungen möglich gewesen?Die Arbeitsaufträge für SEK I stehen als PDF-Datei zum Download bereit. Aufgrund von technischen Schwierigkeiten können die Aufgaben im Moment nicht angezeigt werden. Das Problem wird schnellstmöglich behoben. Die Erläuterungen zum ersten Film können Sie auch als PDF-Datei downloaden.Der Film zeigt Bilder von den Gewalttaten gegen Migranten in Hoyerswerda am 22. September 1991. Gezeigt werden Auseinandersetzungen zwischen Polizei und rechtsgerichteten Jugendlichen (im Film "Skinheads" genannt) und die Ausweitung des Konflikts durch das Eingreifen, so der Film, "autonomer Gruppen aus Berlin" (gemeint sind linksgerichtete Aktivisten). Dazu werden die Bemühungen einiger Bürger sowie Initiativen gezeigt, die versuchen, die Situation zu entschärfen.  Im Film wird die brisante Situation vielfach mit der bedrückenden sozialen Situation in Hoyerswerda erklärt. Ausländer, so eine interviewte Aktivistin, hätten nur den Wunsch, die Stadt zu verlassen, da sie sich bedroht fühlten. Auf die Frage einer Reporterin, warum die Situation so eskaliert sei, führt eine Sprecherin der "Liga für Menschenrechte" an, dass die Bevölkerung nicht vorbereitet sei auf den Zuzug von Migranten und dass das drohende soziale Elend der deutschen Anwohner die Vorbehalte gegen Fremde noch verstärkt habe. Die Bevölkerung habe sich in den Migranten einen bequemen und falschen Sündenbock gesucht. Die Erläuterungen zum zweiten Film stehen ebenfalls zum Download als PDF-Datei bereit.Der Film beginnt mit der Darstellung der Räumung der Asylbewerberunterkunft in der Thomas-Müntzer-Straße in Hoyerswerda am 23. September 1991. Gezeigt werden die Sicherheitsmaßnahmen der Polizei rund um Hoyerswerda und anschließend der Abtransport der Migranten in eilig zusammengestellten Bussen und Fahrzeugen. Zu sehen sind auch Anwohner, die die Busse mit höhnischen Bemerkungen verabschieden; eine zersplitterte, offenbar eingeworfene Scheibe eines Busses ist sichtbar. Im Film äußern sich Anwohner freimütig ablehnend gegenüber Migranten vor der Kamera. Es fallen Sätze wie "Wir sind froh, dass die raus sind." Die Unzufriedenheit mit der politischen Entscheidung, Migranten in Hoyerswerda anzusiedeln, wird deutlich. Einige Anwohner rechtfertigen das Vorgehen gegen die Migranten als Notwehr angesichts der Handlungsunfähigkeit der Politik. Der Film zeigt im Anschluss die Pressekonferenz des sächsischen Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf vom gleichen Tag. Dort betonte er unter anderem die schwierigen sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen in Hoyerswerda, die bei der Verteilung der Migranten nicht angemessen berücksichtigt worden seien. Er plädiert für eine Neuregelung. Die Leseliste können Sie als PDF-Datei zum downloaden erhalten.out of focus Filmproduktion: Eine ausführliche Chronologie sowie Film- und Tondokumente der Ereignisse in Hoyerswerda Hensel, J.: "Auf Wut folgt Wut folgt Wut", in: DIE ZEIT Nr. 35/2017, 24. August 2017. Mau, S.: Lütten Klein. Leben in der ostdeutschen Transformationsgesellschaft, Frankfurt am Main, 2019.Kowalczuk, I.S.: Die Übernahme. Wie Ostdeutschland Teil der Bundesrepublik wurde, München, 2019.Richter, P.: 89/90, München, 2015.Wagner, B.: Rechtsradikalismus in der Spät-DDR, Berlin, 2014.Von Becker, P.: "Staatslüge und rechte Offenbarung", in: Der Tagesspiegel, 17.10.2017.
mdr.de
Die Angriffe auf ein Asylbewerberheim in Hoyerswerda 1991 prägten das Bild von den Ostdeutschen als ausländerfeindlich und empfänglich für autoritäre Ideologien. Wie kam es dazu?
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2022-03-03T18:49:24+01:00
2023-10-06T12:09:43+02:00
https://www.mdr.de/zeitreise/schwerpunkte/eure-geschichte/nachwendegeschichte/rechte-tendenzen-und-auslaenderfeindlichkeit-schulprojekt-eure-geschichte-100.html
20 Jahre EU-Osterweiterung: Was hat das der Wirtschaft gebracht?
Ohne die Erweiterung der EU würde es die Firma Köstler vielleicht gar nicht mehr geben. Das Unternehmen in Annaberg-Buchholz fertigt Auto-Interieur: Lederkonsolen, Schaltknaufe, Lenkradbezüge. Als Tschechien EU-Mitglied wurde, nutzte Geschäftsführerin Anke Neubert die Chance und verlegte die Produktion nach Chomutov. Die Löhne dort waren niedriger. Am sächsischen Hauptsitz baute sie dafür ein Team für Produktentwicklung auf. "Es hat dem Unternehmen tatsächlich langfristig das Leben gerettet. Nachdem wir uns hier anders aufgestellt haben mit der Entwicklung – auch in Annaberg-Buchholz –, sind wir als Team zusammengewachsen. Das Team Deutschland mit dem Team Tschechien und wir partizipieren auf beiden Seiten davon." Tatsächlich ist das Beispiel Köstler kein Einzelfall. Nach der EU-Erweiterung investierte Deutschlands Autobranche massiv in Fabriken in Tschechien und in der Slowakei. Diese liefern den deutschen Werken seitdem zu. Klaus-Jürgen Gern vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel sagt, den neuen EU-Ländern hätten diese Investitionen sehr geholfen. Zumal sie von europäischen Fördergeldern begleitet worden seien. Aber auch Deutschland habe profitiert. "Das hat sich in den vergangenen zwanzig Jahren gezeigt, dass die deutsche Automobilindustrie, obwohl Produktion nach Mittel- und Osteuropa ausgelagert wurde, insgesamt sogar Beschäftigung aufgebaut hat in Deutschland. Zudem bleibt ja die ganze Design- und Entwicklungsmaschinerie in Deutschland und die kann dann eine größere Gesamtproduktion bedienen." Klaus-Jürgen Gern spricht von einer "Win-Win-Situation". Und die sieht in der EU-Erweiterung auch der Chef der Wirtschaftsförderung Sachsen, Thomas Horn. Sachsen habe 2004 am Rand der EU gelegen. Mit der Öffnung der Grenzen hätten sich Märkte erweitert. Das Volumen der Ein- und Ausfuhren aus Polen und Tschechien sei seitdem rasant gewachsen. "Wenn wir das heutige nehmen, dann hat es sich seit dem Beitritt mehr als verfünffacht. Das sind gigantische Zahlen, wenn man sich heute anschaut, dass wir mit Polen ein Außenhandelsvolumen von etwa sechs bis sieben Milliarden Euro – und bei Tschechien sogar noch eine Milliarde mehr – haben und dann bedenkt, wie groß diese Länder auch sind. Beide zusammen haben weniger als 50 Millionen Einwohner. Und Polen hat dasselbe Außenhandelsvolumen wie die USA." Als vor zwanzig Jahren die Grenzen nach Osteuropa fielen, gab es aber auch Ängste. Deutsche Politiker fürchteten, dass Heerscharen von Osteuropäern nach Deutschland kommen, um hier billig ihre Arbeitskraft anzubieten. Deswegen galten sieben Jahre lang noch Beschränkungen, blieben für eine Arbeit Genehmigungen nötig. Für Wirtschaftsforscher Gern war diese Entscheidung richtig: "Es gibt einige Länder, die sofort geöffnet haben. Die haben dann einen starken Schub erlebt in den Jahren 2004 bis 2010, der am Ende auch Probleme gemacht hat, welche nicht so sehr in der wirtschaftlichen Dimension liegen, sondern in der sozialen Dimension: Wenn eben ein sehr starker Zuzug in kurzer Zeit erfolgt, kann das schon auch problematisch sein." Inzwischen arbeiten nach Zahlen des ifo-Institut 820.000 Menschen aus den damaligen Beitrittsstaaten in Deutschland. Für die Firma Köstler hatte die EU-Erweiterung noch einen Nebenaspekt. Sie ist mit dem Fabrikbau in Chomutov gewissermaßen zurückgekehrt. Das Unternehmen hat seine Wurzeln nämlich auf tschechischer Seite. 1891 wurde der Automobilzulieferer von Johann Köstler in Kraslice gegründet – damals noch als Werkstatt für Musikinstrumente.
mdr.de
Vor genau zwanzig Jahren traten zehn Länder Osteuropas der Europäischen Union bei. Welche Folgen hatte die Osterweiterung für die deutsche Wirtschaft? Eine Bilanz.
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Deutschland
2024-05-01T05:00:00+02:00
2024-05-24T11:10:58+02:00
https://www.mdr.de/nachrichten/deutschland/wirtschaft/eu-osterweiterung-bilanz-100.html
Was bringt eine vierte Corona-Impfung: Studie vergleicht Antikörperwerte
Corona hat uns trotz sommerlicher Temperaturen und Urlaubsfeeling noch immer im Griff. Die Zahlen steigen weiterhin an und die Omikron-Variante ist schuld an dieser Misere. Allein gestern (20.07.2022) wurden laut RKI 87.332 neue Corona-Fälle in Deutschland gemeldet. Expertinnen und Experten raten daher bestimmten Personengruppen zu einem weiteren Impf-Booster. Eine solche vierte Corona-Impfung für Personen ab 60 Jahren kann auch dann sinnvoll sein, wenn der Impfstoff noch nicht an die Omikron-Variante angepasst ist. Das zeigt eine neue Studie aus Israel. Dort wurde die zweite Booster-Impfung während der fünften Corona-Welle im Januar 2022 genehmigt. Die Forschenden untersuchten dabei die Antispike (Anti-S)-Immunglobulin-G (IgG)-Antikörper-Titer von insgesamt 99 Studienteilnehmenden. 57 Personen hatten ihre Viertimpfung erhalten, von 42 Personen wurden die Daten nach der Drittimpfung untersucht. Die Forschenden kamen zu dem Ergebnis, dass die dritte und vierte BNT162b2-Dosis (Biontech/Pfizer) bei Erwachsenen im Alter ab 60 Jahren nach durchschnittlich 14 Tagen zu einem deutlichen Anstieg der Antikörperwerte führte. Dieser Anstieg war nach der dritten Impfung allerdings nur vorübergehend und nahm bereits nach fünf Monaten um etwa das 10-fache ab. Daher sei dies laut den Studienautoren möglicherweise ein guter Zeitpunkt, die Impfung erneut aufzufrischen. Wie lange der Immunschub nach der Viertimpfung anhält, geht aus der Studie aber nicht hervor. Die vierten Impfungen konnten den Schutz vor einem Impfdurchbruch steigern. Vier der 57 Personen (sieben Prozent) mit Viertimpfung und neun der 42 Personen (21 Prozent) mit nur drei Impfungen erlitten einen Impfdurchbruch. In allen Fällen wurden nur milde bis gar keine Symptome festgestellt. In Deutschland rät die Ständige Impfkommission (STIKO) Personen über 70 Jahren, Bewohnerinnen und Bewohnern in Alten- und Pflegeheimen und Menschen mit Immunschwächekrankheiten ab 5 Jahren eine vierte Impfung. Das Immunsystem älterer Menschen brauche sehr viel länger, um einen ausreichenden Schutz aufzubauen und die Immunität nehme schneller wieder ab. Zudem sei die Gefahr besonders hoch, dass diese Personengruppen bei einer Covid-Erkrankung einen schweren oder gar tödlichen Verlauf zu erleiden. Bisher wurde davon ausgegangen, dass eine Booster-Impfung für alle anderen Personengruppen noch nicht nötig oder sinnvoll ist und auf den Omikron-angepassten Impfstoff gewartet werden sollte. Die Empfehlung der EU lautet aber, dass sich auch Menschen über 60 Jahre und vulnerable Gruppen eine zweite Booster-Impfung abholen sollen. Denn in Bezug auf die Einweisungen in Krankenhäuser und die Belegung von Intensivstationen gehe der Trend laut European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) in mehreren Ländern nach oben. Das Warten auf den angepassten Impfstoff, der voraussichtlich erst im Herbst kommt, dauert zu lang und die vulnerablen Gruppen bräuchten jetzt einen zusätzlichen Schutz. Jüngere und immungesunde Menschen bietet eine vierte Impfung nach Ansicht der Expertinnen und Experten aber nur wenig zusätzlichen Schutz und wird daher nicht von den Impfkommissionen empfohlen. Wollen sie sich schützen, sollten sie so oft möglich weiter Maske tragen, Abstand halten und auf den an Omikron angepassten Impfstoff im Herbst warten. JeS
mdr.de
Eine neue Studie aus Israel vergleicht die Antikörperwerte und Impfdurchbrüche nach der dritten und der vierten Impfung bei älteren Menschen. Ergebnis: Die zweite Auffrischungsimpfung steigert den Schutz.
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Startseite
2022-07-25T17:26:27+02:00
2022-07-25T17:26:27+02:00
https://www.mdr.de/wissen/neue-studie-israel-fuer-wen-ist-ein-corona-booster-sinnvoll-100.html
An Großbaustelle Stadtroda soll schneller gearbeitet werden
An der Großbaustelle zwischen Stadtroda und Quirla (Saale-Holzland-Kreis) soll jetzt schneller gearbeitet werden. Wie Stadtrodas Bürgermeister Klaus Hempel (pl) mitteilte, haben sich darauf alle Baupartner geeinigt. So soll von Seiten der Baufirma mehr Personal eingesetzt und der Bauablauf gestrafft werden. Ziel sei es, die Bauverzögerung von acht Wochen wieder herauszuarbeiten. Während der Bauarbeiten hatten sich Probleme im Erdreich ergeben. Der Regenwasserkanal konnte deswegen nicht wie geplant verlegt werden. Einem neuen Gutachten zufolge muss der Kanal anders verlegt werden, um die Tragfähigkeit der Straße nicht zu gefährden. Höchste Priorität sei jetzt, die Landstraße zwischen beiden Orten bis Ende des Jahres fertig zu stellen, um die Umleitung durch Quirla aufzuheben. Die Belastung für Anwohner und Gartenbesitzer sollte schnellstmöglich beendet werden, heißt es in der Mitteilung weiter. Seit Wochen äußern sie ihren Unmut darüber, dass es an der Baustelle nicht vorwärtsgeht. Kritisiert wird auch, dass immer mehr Fahrzeuge von außerhalb durch den Ort fahren, obwohl die Umleitung nur für Anwohner und betroffene Arbeitnehmer gelte. Der Lärm und die Belastung durch Staub sei enorm gestiegen und nicht mehr hinnehmbar, so Quirlas Bürgermeister Robin Kusch. Nach der Baupause im Winter sollen im Frühjahr dann Fußwege, Straßenlaternen und Bushaltestelle in Quirla saniert werden - dann aber unter halbseitiger Sperrung und Ampelverkehr, so die Ankündigung. In einem Gemeinschaftsprojekt wollen Abwasserzweckverband, Straßenbauamt, die Stadt Stadtroda und der Netzbetreiber TEN bis 2026 den Ortsteil Quirla an die Kläranlage Stadtroda anbinden. Gleichzeitig sollen Kabel verlegt und die Straße erneuert werden. Weil die Straßensperrung drei Jahre dauern soll, waren Gewerbetreibende aus Stadtroda vor das Verwaltungsgericht Gera gezogen. MDR (vle/dvs)
mdr.de
Seit Wochen tut sich nichts auf der Baustelle zwischen Stadtroda und Quirla. Nun haben sich alle Baupartner auf einen zügigen Fortschritt geeinigt. Die Verzögerung von acht Wochen soll wieder aufgeholt werden.
[ "Nachrichten", "baustelle", "quirla", "stadtroda", "anwohner", "verkehr" ]
Thüringen
2024-08-22T17:12:00+02:00
2024-08-22T20:13:10+02:00
https://www.mdr.de//nachrichten/thueringen/ost-thueringen/saale-holzland/stadtroda-quirla-baustelle-100_box-4001436814754983523_zc-e1c0eeb1.html
Unbekannte sägen Balken an Fachwerkhaus in Mühlhausen ab
Unbekannte haben in Mühlhausen an einem denkmalgeschützten Haus einen Balkenkopf abgesägt. Die Polizei Mühlhausen vermutet, dass die Täter die Durchfahrt vergrößern wollten, um mit einem Fahrzeug hindurch zu passen. Die Höhe der Durchfahrt ist in der Zinkengasse mit den historischen Häusern auf zwei Meter beschränkt. Die Polizei ermittelt wegen Sachbeschädigung und bittet um Hinweise. Das beschädigte Haus werde gegenwärtig durch den Besitzer zu einem Museum umfunktioniert, teilte die Polizei mit. Der ideelle und der wirtschaftliche Schaden sei erheblich. MDR (cgo/dst)
mdr.de
In Mühlhausen haben Unbekannte einen Balkenkopf an einem denkmalgeschützten Fachwerkhaus abgesägt. Die Polizei vermutet, dass sie die Durchfahrt für ein Fahrzeug verbreitern wollten.
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Thüringen
2024-11-14T09:06:46+01:00
2024-11-15T08:25:39+01:00
https://www.mdr.de//nachrichten/thueringen/nord-thueringen/unstrut-hainich/muelhausen-balken-abgesaegt-fachwerkhaus-100.html