Köln -

Der Tigerangriff auf eine Tierpflegerin im Kölner Zoo ist offenbar auf einen Fehler der getöteten Mitarbeiterin zurückzuführen. „Wir können uns derzeit nicht erklären, warum der erfahrenen Pflegerin ein derart verhängnisvolles Versehen unterlaufen konnte“, sagte Zoodirektor Theo Pagel am Abend. Die 43 Jahre alte Ruth K. arbeitete seit 21 Jahren im Kölner Zoo, die letzten zwölf Jahre war sie Revierpflegerin bei den Raubtieren. Nach Informationen des Express war die Pflegerin bereits im Jahr 2005 bei der Kontrolle des Gepardengeheges von einem Tier angefallen worden Damals habe sie schwere Halsverletzungen erlitten.

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Anders als die Polizei zunächst berichtete, spielte sich das tragische Geschehen laut Zooleitung nicht in einem Wirtschaftsgebäude neben dem Gehege ab, sondern im überdachten Tigerstall, der an das Freigehege angrenzt. Offenbar wollte Ruth K. am Vormittag routinemäßig den Unterschlupf reinigen. Zuvor soll sie versäumt haben, den Tiger auszusperren. „Eine Tür, die hätte zu sein sollen, war nicht zu“, sagte Pagel. Und weiter: „Der Tiger war in einem Bereich, wo er sein sollte.“ Die Pflegerin hätte sich nicht zur selben Zeit dort aufhalten dürfen.

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URL zum Kopieren Am Samstagnachmittag ist im Kölner Zoo ein Tiger ausgebrochen. Arton Krasniqi Foto: August 2012: Der weibliche Amur-Tiger Hanya (vorne, r.) geht nach der tödlichen Attacke im Kölner Zoo an den Jungtieren Mila, Finja und Jegor, die sie mit dem getöteten Altai gezeugt hat, vorbei. dapd Foto: Altai zeigt auf diesem Bild vom 11. Februar sein Gebiss. Das Tigermännchen hat die Pflegerin tödlich verletzt. dpa Foto: Die Frau verstarb wenig später an ihren Verletzungen. Arton Krasniqi Foto: Der gesamte Kölner Zoo wurde sicherheitshalber evakuiert. Arton Krasniqi Foto: Laut Angaben des Zoodirektors bestand für die Besucher allerdings keine Gefahr. Arton Krasniqi Foto: Arton Krasniqi Foto: Arton Krasniqi Foto: Zwei Stunden nach dem tragischen Vorfall: Zu sehen sind das Tigerweibchen des erschossenen Männchens und zwei von insgesamt drei Jungem die im Gehege leben. Tim Stinauer Foto: Die drei Jungtiger streunen nach den dramatischen Ereignissen durch ihr Gehege. dpa Foto: Theo Pagel, Zoodirektor: "Das ist der schwärzeste Tag meines Lebens". Tim Stinauer Foto: Arton Krasniqi Foto: Arton Krasniqi Foto: Arton Krasniqi Foto: Arton Krasniqi Foto: Arton Krasniqi Foto: Arton Krasniqi Foto: Arton Krasniqi Foto: Im November 2011 gab es nach 20 Jahren zum ersten Mal wieder Nachwuchs bei den Tigern im Kölner. Mutter Hanya (7) warf Vierlinge, eines der drei Tiere starb. Vater war Altai (3) (nicht im Bild). dpa Foto: Hanya und Altai lebten seit April im Kölner Zoo. Stefan Worring Foto: Im März 2012 durfte Altai (l.), ein 200 Kilo schweres Tier, erstmals zu seinem Nachwuchs, zuvor hatte er ihn nur durch die Gitterstäbe beschnuppern dürfen. Hunderte Schaulustige beobachteten, wie der Tigervater seine Drillinge zunächst misstrauisch umkreiste, dann aber auch mit ihnen spielte. dapd Foto:

Vermutlich habe das Sibirische Tigermännchen Altai die 43-Jährige von hinten angefallen und in den Hals gebissen. Dann habe er von ihr abgelassen. Der eine Biss sei tödlich gewesen. Als eine Kollegin von Ruth K. gegen zwölf Uhr das Gehege betrat, sah sie die 43-Jährige auf dem Boden liegen, Altai saß neben ihr. Die Mitarbeiterin holte sofort Hilfe.

Auch Polizei und Feuerwehr wurden alarmiert. Auf Anweisung der Einsatzleitung habe Zoodirektor Theo Pagel den Tigerkater erschossen. „Er hat die entsprechende Ausbildung und die Waffe für so einen Ernstfall“, begründete Polizeisprecher Carsten Möllers. Pagel sei auf den Stall geklettert und habe durch eine Dachluke geschossen. „Der Tiger war sofort tot“, schilderte Pagel. Er sprach vom „schwärzesten Tag in meinem Leben“. Nachdem Altai erlegt war, konnten Rettungskräfte das Gehege betreten. Aber für Ruth K. kam jede Hilfe zu spät.

Der Sibirische Tiger gilt als einer der größten Katzen der Welt. Er kann eine Körperlänge von 2,80 Meter und ein Gewicht von über 250 Kilogramm erreichen und hat eine Lebenserwartung von bis zu 20 Jahren. Wie alle Unterarten des Tigers ist auch der Sibirische Tiger in freier Wildbahn von der Ausrottung durch den Menschen bedroht. Nachdem sein Bestand im Jahre 1940 auf lediglich 20 bis 30 Tiere gesunken war, wurde er unter strengen Schutz gestellt. Heute überleben etwa 200 Sibirische Tiger in einem einzigen Schutzreservat im Amur-Ussuri Gebiet in Sibirien. In Zoos sind Sibirische Tiger jedoch häufig vertreten. Durch gezielte Zuchtprogramme wird die Zoopopulation weiter aufgebaut. Die Zahl der in den Zoos der Welt gehaltenen Sibirischen Tiger übersteigt heute 1000 Tiere.

Die Polizei ermittelt nun die genauen Umstände des tragischen Angriffs. Deshalb sei ein Todesermittlungsverfahren eingeleitet worden, teilte die Polizei Köln mit. Aus Rücksicht auf die Angehörigen der getöteten Mitarbeiterin wollte der Zoo keine weiteren Informationen mitteilen. „Den Angehörigen gilt unser tiefstes Mitgefühl. Der ganze Zoo steht unter Schock und trauert mit ihnen“, heißt es in einer Mitteilung. Oberbürgermeister Jürgen Roters, der zurzeit im Rahmen eines Städtepartnerschaftsbesuchs in Lioverpool weilt, zeigte sich äußerst bestürzt. In einem Telefonat ließ er sich von Zoodirektor Theo Pagel über den tödlichen Unfall informieren. "Mein tiefes Mitgefühl gilt den Angehörigen der verstorbenen Tierpflegerin“, so OB Jürgen Roters. „Wir trauern mit ihnen. Außerdem denke ich an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Zoos, die vom tragischen Tod ihrer Kollegin tief betroffen sind.“ Die Ursache müsse nu sorgfältig ermittelt und aufgearbeitet werden.

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URL zum Kopieren Oktober 2007: In Frankreich tötet ein Zoo-Löwe einen Tierpfleger. Er greift den Mann im Tierpark von Haute-Touche im Westen des Landes an, als er ihn ins Nachtgehege bringen will. Der Leiter des Tierparks tötet den Löwen, der bereits 2001 im Zoo von Vincennes einen Pfleger tödlich verletzt hatte. (Symbolbild) dpa Foto: Mai 2007: Im Berliner Tierpark Friedrichsfelde wird eine erfahrene Pflegerin von einem 350 Kilogramm schweren Moschusochsen erdrückt. Der Sicherungsbalken vor der Gehegetür war nicht korrekt vorgeschoben. Der Bulle gelangte so in das Vorgehege und drückte die 41-jährige Frau gegen ein Gitter. Das Tier bleibt am Leben. „Es kann nichts dafür“, urteilt der Tierpark-Chef. dpa Foto: November 2006: Im Chemnitzer Tierpark fällt ein Leopard seine Pflegerin an und tötet sie mit einem Nackenbiss. Die Schieber zum Käfig waren nicht richtig verriegelt. Die 23-jährige Frau wollte das Gehege reinigen. dpa Foto: Februar 2005: Ein deutscher Tierpfleger wird im Wiener Zoo von einem Elefanten getötet. Er spießt den 39-jährige Mann auf, als er den vier Jahre alten Jungbullen duschen will. (Symbolbild) dpa Foto: März 2002: Bei der Fütterung im Jaguar-Gehege des Wiener Zoos vergisst eine 21-jährige Pflegerin, die Luke zu den Großkatzen zu schließen. Sie wird vor den Augen vieler Besucher von drei Jaguaren angefallen und durch einen Genickbiss getötet. (Symbolbild) dpa Foto: Oktober 2001: Im Londoner Zoo wird ein 44-jähriger Tierpfleger vor den Augen zahlreicher Besucher von Elefanten totgetrampelt. Das Unglück geschah, als der Pfleger die tägliche Elefantenshow vorbereitete, bei der die Tiere ihre Kunststücke zeigen. Der Mann hatte die Tier 16 Jahre lang versorgt. (Symbolbild) dpa Foto: Mai 1999: Zwei Menschen aus dem Rheinland werden in Spanien von Tigern getötet. Eine 76-jährige Kölnerin und ein Bekannter (77) aus Bergisch Gladbach hatten im Ferienparadies Els Poblets an der spanischen Mittelmeerküste den Safari-Park El Verger besucht, dessen Hauptattraktion bengalische Tiger waren. Die beiden verließen trotz zahlreicher Warnhinweise ihr Auto. Sie wurden von drei Raubkatzen angegriffen und tödlich verletzt. Parkwächter und bewaffnete Polizisten fanden die Leichen der beiden 150 Meter vom Fahrzeug entfernt. (ksta) dpa Foto:

Nachdem Ruth K. gefunden worden war, hatte die Zooleitung den Tierpark sofort evakuieren lassen – eine reine Vorsichtsmaßnahme. Aber wie sich schnell herausstellte, hatte Altai sein Gehege zu keinem Zeitpunkt verlassen. „Es bestand keine Gefahr für unsere Besucher“, sagte Pagel. Eine Stunde später, gegen 13 Uhr, wurden die Eingänge wieder geöffnet.

Die für den Abend geplante „Sommernacht im Zoo“ wurde dennoch abgesagt – mit Rücksicht auf die Angehörigen der Getöteten und der Beschäftigten, wie Pagel betonte. Auf seiner Internetseite will der Zoo schnellstmöglich bekannt geben, wie bereits gekaufte Eintrittskarten zurückgegeben werden können.

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Noch im Jahresbericht 2011 hatte Pagel begeistert von seinen Amurtigern geschrieben, wie die Sibirischen Tiger auch genannt werden. Erst im Frühjahr 2011 waren Weibchen „Hanya“ und Männchen „Altai“ aus Frankreich und Großbritannien im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP) nach Köln gekommen. „Es war „Liebe auf den ersten Blick““, schrieb er. „Schon nach relativ kurzer Zeit konnten wir die Tiere zusammenlassen.“ Schon Anfang November warf das Weibchen vier Junge. Eines verendete nach wenigen Tagen, die anderen entwickelten sich gut. Sie wurden „Jegor“, „Mila“ und „Finja“ genannt. Sie durften Anfang Februar zum ersten Mal auf die Außenanlage.