Ramazan Demir

In Expertenkreisen sorgt diese Wahrnehmung allerdings für Verwunderung. So meint etwa Gefängnisseelsorgervon der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGÖ), der in sieben Jahren Berufspraxis „Hunderte extremistische Muslime “ betreut hat: „Das ist definitiv nicht richtig. Die meisten haben nur Halbwissen oder gar keines über ihre Religion. Sie sind Mitläufer, mehrheitlich ohne religiöse Erziehung oder religiöse Praxis. Im Gegenteil: viele kommen aus der Kriminalität, haben – komplett unislamisch – Wett-, Drogen- und Alkohol-Erfahrungen.“

Für die Radikalisierung gebe es viele Faktoren – „der Missbrauch der Religion“ sei nur einer davon, sagt Demir. Empfänglich seien vor allem „junge Menschen mit Identitätsproblemen, ohne Ziele und Orientierung, die auf der Suche nach Anerkennung sind und von wenigen selbst ernannten Experten mit extremistischem Gedankengut – also mit der Wahrnehmung ,Wir sind gut und alle anderen sind böse’ – gefüttert werden.“