09.12.2015

Vegan oder vegetarisch für Kinder?

Erzieherinnen wollen Dschungel der Begriffe durchblicken

Der Erwachsene steht Begriffen wie „vegan, vegetarisch, laktosefrei oder Obst aus der Quetschtüte“ bei der eigenen Verpflegung eher zurückhaltend gegenüber. Aber wie steht es bei der Kinderernährung? Sowohl Eltern als auch das pädagogische Personal in Kindertageseinrichtungen finden sich zunehmend im Dschungel der Begriffe nicht mehr zurecht und fühlen sich verunsichert.

Im Rahmen der Fachtagung „Kinderernährung bewegt – Trends unter der Lupe“ versuchte das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Augsburg bei einer Tagung in Stadtbergen Klarheit in das Begriff-Sammelsurium zu bringen. Rund 100 Erzieherinnen und Multiplikatoren aus dem Regierungsbezirk Schwaben waren der Einladung zur Tagung gefolgt, um sich zu informieren und mit Gleichgesinnten auszutauschen.

Mit dem Satz „Kinder sind keine kleinen Erwachsenen“, eröffnete Dr. Annett Hilbig vom Forschungsinstitut für Kinderernährung Dortmund ihren Vortrag „Kinderernährung vegetarisch oder vegan – Ist das sinnvoll?“. „Der Bedarf an Energie und Nährstoffen ist bei Kindern anders als bei Erwachsenen. Der Körper und die Organe müssen sich noch entwickeln“, so Hilbig. Nach vielen Details zur vegetarischen und veganen Ernährung lautete das Fazit der Expertin: „Bei einer abgestimmten Lebensmittelauswahl ist auch für Kinder eine ausgewogene Ernährung ohne Fleisch möglich und kann empfohlen werden. Aufpassen müssen Eltern dabei aber auf eine ausreichende Versorgung mit kritischen Nährstoffen wie Eisen, Jod und Omega-3-Fettsäuren.“ Demgegenüber wird eine vegane Kost laut Hilbig derzeit von verschiedenen Gremien für Kleinkinder nicht empfohlen. Zu hoch sei das Risiko für einen Nährstoffmangel beim heranwachsenden Kind. Ines Eisenbarth, Diplom-Sportökonomin aus Dorfen beleuchtete in ihrem Vortrag „Bewegte Kindheit 2015 – vom Windelflitzer zum Handy-(be)sitzer?“ den aktuellen Bewegungsstatus der Kleinkinder. Erschreckend seien die Zahlen über die unzureichende Bewegung der 3- bis 17-Jährigen. Laut einer Studie bewegen sich nur 27,5 Prozent der Kinder dieser Altersgruppe täglich mindestens 60 Minuten. Wichtig sei es daher, den Kindern den Zugang zu ihren Lieblingssportarten zu ermöglichen, d.h. ihre Lebenswelten so zu gestalten, dass Sport einfach und unkompliziert ausgeübt werden kann. „Die Tatsache, dass Kinder immer mehr Zeit vor dem Bildschirm verbringen, schließt eine aktive Lebensweise nicht aus“, mahnte Eisenbarth. „Apps, Spiele und andere technische Hilfsmittel können auch bewegungsfördernd wirken.“ (AL)

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