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Anteil passiver und aktiv gemanagter Aktienanlagen weltweit (in%) Quelle: BofA Merrill Lynch Global Investment Strategy, EPFR Global

Exchange Traded Funds (ETF oder börsengehandelte Index-Fonds) sind beliebt bei Anlegern. Das spiegelt sich in den Kapitalflüssen wider. Während die traditionellen Aktien-Fonds, die auf eine aktive Auswahl der Einzelwerte setzen, seit Jahren Marktanteile verlieren, werden passiv gemanagte Anlageprodukte immer stärker nachfragt. Schreibt man die zuletzt gezeigten Entwicklungen fort, dann wird es laut BofA Merrill Lynch 2023 zu einer Wachablösung kommen: Den Projektionen zufolge wären Aktien-ETFs dann schwergewichtiger als herkömmliche Aktienfonds.

Das hat vor allem vor allem mit dem Versagen der Platzhirsche zu tun. Sie schaffen es einfach viel zu selten, Ergebnisse abliefern, die über jener der Vergleichsmaßstäbe liegen. Will heißen: Die Performance lässt zu wünschen übrig, weil die Wertentwicklung oft dem jeweiligen Gesamtmarkt hinterherhinkt. Wie krass das Versagen ist, lässt sich an der unten abgebildeten Tabelle ablesen, die einer Studer der französischen Investmentbank Natixis entnommen ist. Demnach schnitten 98% aller globalen Aktienfonds über einen Zeitraum von zehn Jahren schlechter ab als ihre Benchmark. Da stellt sich natürlich schon die Frage, warum Anleger in diese etablierten Produkte Geld stecken sollen und nicht in die jüngere Konkurrenz, die von vorneherein nicht mehr verspricht als eine marktkonforme Entwicklung – bei allerdings gleichzeitig deutlich niedrigeren Gebühren.

Doch wie fast immer wenn eine Asset-Klasse boomt, gehen damit auch gewisse Risiken einher. Mit Blick auf die ETFs entzündet sich die Kritik daran, dass bei der verfolgten Vorgehensweise nicht mehr zwischen guten und schlechten bzw. zwischen teuren und günstigen Aktien unterschieden werde. Inigo Fraser-Jenkins, Chefstratege beim US-Investmenthaus Bernstein, hält deswegen beispielsweise ETFs für „schlimmer als Marxismus“: Andere bemängeln eine fehlende Liquidität bei etlichen ETF-Produkten. Dinge wie diese könnten sich irgendwann rächen, so die Warnung.

Diese Hinweise sind durchaus ernst zu nehmen, doch solange es den aktiv verwalteten Anlageprodukten nicht gelingt, die passiv gemanagte Konkurrenz bei der Performance zu schlagen, dürften die Umschichtungen anhalten. Insgeheim hofft so mancher Vertreter der traditionellen Fondsbranche deswegen vielleicht sogar auf eine heftige Kurskorrektur oder auf einen Bärenmarkt. Die dahinter stehende Hoffnung lautet, dass es zumindest in so einer Börsenphase gelingen wird, die Stärke des verfolgten Anlageansatzes auszuspielen und den Gesamtmarkt zu schlagen. Mehr als ein Strohhalm, an den sich ein im Niedergang befindliches Segment klammert, ist dies momentan aber nicht.

Anzahl der europäischen Aktienfonds, die über Zeiträume von 1, 3, 5 und 10 Jahren schlechter abschnitten als der Vergleichsmaßstab (in %)

Quelle: Natixis. S&P , Dow Jones, Morningstar, 2015

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